Buchmessen-Wochenende #4: Solipsismus

Mein Vortrag war ja auch. Ich befürchte, meine Lektorin musste davor etwas unter einem meiner Aufregung geschuldeten Laberflash leiden, den ich kurz vorher hatte. Dann gingen wir zur Bühne, es kamen tatsächlich Leute, die sich setzten, ich erzählte was, und las sogar eine halbe Seite vor, und es wurden immer mehr. Das Publikum war nett, schaute konzentriert, nickte interessiert, schmunzelte an den richtigen Stellen, und am Ende durfte ich sogar ein Exemplar des Buches signieren. Ich. Krass. Schöne Erinnerung.

Buchmessen-Wochenende #3: Kommen von Handke

Das Durchkämpfen durch die sonntäglichen Besucherströme gelang schon etwas besser als am Samstag. Es war genauso voll, aber nun war ich darauf eingestellt. Margarete Stokowski hat in einem ihrer äußerst lesenswerten taz-Blog-Beiträge über die Buchmesse über einen Witz geschrieben, der sich Buchmessen-Besucher*innen dieses Jahr ja geradezu angeboten hat: „Kommst du grad vom Rauchen?“ – „Nee ich komme von Homer.“

In Fortführung dieser Tradition möchte ich feststellen, dass das ziellose Mäandern durch manche der Hallen auch von Handke eingeordnet wurde: So oft, wie das Konterfei des diesjährigen Literatur-Nobelpreisträgers in Großform an verschiedenen Verlagsständen prangte, kam man zwangsläufig von Handke, wohin auch immer man gerade unterwegs war.

Buchmessen-Wochenende #2: Cognitive Overload

Hui, ist das voll und laut überall. Naja, nicht ganz überall, aber da, wo die großen deutschsprachigen Verlage, die Zeitungen und die Fernsehsender sich aufgebaut haben; an Bühnen und Signiertischen; da, wo es zum Cosplay geht; da, wo es Kaffee und Essen gibt; auf den Rolltreppen und in den Eingangsbereichen. Zwischen den Hallen dezente, etwas abgegriffene Flughafenatmosphäre.

Wie erholsam ist es da im Vergleich in Halle 4.2, wo sich die ganzen Bildungs- und Wissenschaftsverlage präsentieren — fast einsam sitzen da die Vertreter*innen und harren der Dinge, scrollen gedankenverloren auf dem Smartphone oder erledigen geschäftliche Telefonate. Positiv ist, dass man von den Vorträgen auf der Bühne dort so tatsächlich entspannt was mitbekommt. Vergleichsweise voll war es am Springer-Stand, deckt der doch eine sehr große fachliche Bandbreite in Fach- und Sachbuch ab. Ich hab’s leider nicht geschafft, mir den Vortrag über die Honigbiene anzuhören. Bin gespannt, wieviel Leute sich morgen, also am Sonntag vormittag, noch zu mir verirren.

Dann wieder runter. Ach, schau an, da sitzt dieser bekannte Journalist! Leider versteht man wenig, wieder wegen der vielen Menschen. Ich frage mich, ob zwar offene, aber von den Gängen etwas abgegrenztere Tagungsräume nicht teilweise sinnvoller wären.

Zur weiteren Entspannung hervorragend geeignet ist die Halle der internationalen Verlage. Auch da sind vergleichsweise wenig Besucher und man bekommt tatsächlich etwas mit von dem, um das eigentlich geht: Bücher. Leider kann ich außer Englisch keine andere Fremdsprache, sodass mir diese bunte Welt zwischen Spanisch und Arabisch, Russisch und Griechisch, Französisch und Kurdisch (auch mit einem Stand da) verschlossen bleibt. Aber ich denke darüber nach, mir eine französische Graphic Novel zu kaufen, das sollte mit Schulfranzösischresten und Wörterbuch halbwegs klappen.

Buchmessen-Wochenende #1, Ankunft

Wenn man bei Reisen immer dieselbe Hotelkette bucht (eine, die wirklich überall fast identisch aussieht), ist das erste Betreten des Zimmers eine seltsame Erfahrung. Einerseits hat man den Eindruck, an einen vertrauten Ort zu kommen. Die Ausdehnung des Zimmers, die Möbel, die Farben, der typische Geruch, alles ist wie immer, ob nun Berlin, Wien, Hamburg, Rostock, Leipzig, oder wie jetzt eben Frankfurt/Main. Dann geht der Blick aus dem Fenster und man erwartet fast den bekannten Ausblick, der sich erst vor zwei Wochen bot, aber statt der Berliner S-Bahn zwischen Alex und Friedrichstraße hat man Häuser vor der Nase, die so hoch sind, wie ich sie noch nie „in echt“ gesehen und wie ich deren leibliche Wirkung noch nie so direkt gespürt habe (na gut, mit Ausnahme des Berliner Plaza-Hotels). Interessante Kontraste, wenn man darunter lang läuft, oder durch umliegende Straßen spaziert. Sehr amerikanisch, zumindest so, wie ich mir das in medialen Räumen immer vermitteln lasse. Wenn ich in Magdeburg denke, dass die dortige Bauweise langsam zu hoch wird, dann relativiert sich das hier doch sehr.

Ich habe vom Verlag zwei Karten für die Buchmesse erhalten — die eine brauche ich für Sonntag, weil ich da mein kleines Sachbuch vorstellen soll / darf / will, die andere werde ich morgen benutzen, um erstmal entspannt über die Messe zu schlendern. Ich bin gespannt, wie es im Vergleich zu Leipzig ist. Morgen vormittag kann ich mir dann auch gleich mal einen anderen Vortrag anhören, der von einem anderen Autoren im selben Verlag gehalten wird (darin geht es um die Honigbiene — neben der unendlichen Digitalisierung ja auch ein aktuelles Thema). Vielleicht kann ich da schon mal einen Eindruck davon gewinnen, was mich einen Tag später an selber Stelle erwartet.

Einen anderen Eindruck, wenn auch indirekt, vermittelte mir allerdings schon die Zugfahrt nach Frankfurt. Da saß ich zufällig neben einer ziemlich bekannten, vielfach ausgezeichneten, Schriftstellerin, die, ebenso zufällig, in der gegenüberliegenden Sitzreihe zwei Bekannte getroffen hatte. Die haben sich alle angeregt unterhalten, und dabei wurde auch kurz der Stress erwähnt, den Buchmessen-Besuche wohl für Autor*innen bedeuten können, vor allem, wenn man dort etwas Lesen oder Vortragen soll, aber es wohl überall recht laut und hektisch zugeht, dass sowieso nur ein paar Leute vorne was mitbekommen. Dies zu hören, hat mich dann doch etwas nervös gemacht, sodass sich kurzzeitig skeptisch meine linke Augenbraue hob (mehr Reaktion erlaubte ich mir als Unbeteiligter an der Konversation nicht zu zeigen). Aber gut zu wissen — dann bin ich jetzt schon mal darauf vorbereitet.

Dann muss jetzt nur noch der Inhalt des Vortrags fertig werden.

strom.schnellen #1

Weil es manchmal schneller gehen muss: In dieser Post-Reihe teilen wir ganz schnell einige Links zu sehr lesenswerten Artikeln, ohne langen Kommentar.

Lubomyr Melnyk: Continuous Music und die digitale Unendlichkeit

Kürzlich besuchte ich auf dem Hamburger Reeperbahnfestival ein Konzert des herausragenden ukrainisch-kanadischen Pianisten Lubomyr Melnyk, das in der St. Pauli Kirche stattfand. Schon die erste Begegnung mit dem 70jährigen Künstler war fast surreal. Vor Beginn des Konzerts verkaufte er selbst seine Schallplatten und CDs, deren Cover er teilweise selbst gestaltet hat, wie er stolz berichtete. Man konnte mit ihm völlig unkompliziert und nahbar ins Gespräch kommen und merkte ihm an, dass er erst im fortgeschrittenen Alter Ruhm und Anerkennung erlangte – so gelassen und unaufgeregt wirkte er.

Im jugendlichen Alter von 64 Jahren erhielt er seinen ersten Plattenvertrag. Solange blieb sein Talent zumindest einem breiteren Publikum verborgen. Er gilt als der Erfinder der so genannten continuous music und nachweislich als der schnellste Pianist der Welt, da er 19,5 Noten pro Sekunde spielen kann und gehört der so genannten Neo-Klassik-Ambient-Szene an, wozu auch so bekannte Namen wie Philip Glas und die jungen Musiker Nils Frahm und Ólafur Arnalds zählen.

Melnyks Musik ist wunderschön, sanft, beruhigend und zeitlos. Sie fließt und strömt immer weiter und weiter. In seinen Werken gibt es jeweils ein melodisches Leitmotiv, das er immer wieder verändert. Was sein Spiel von anderen Pianisten und Komponisten unterscheidet, ist das Phänomen, dass er seine Musik wie in einem schnellen Strom unglaublich beschleunigen kann, so dass sie sich manchmal gewaltig aufbäumt, um dann wieder ganz zart in sich zusammen zu fallen.

Unwillkürlich weckt Melnyks Musik eine Assoziation zur digitalen Welt, in der man auch unendlich und immer weiter versinken und sich verlieren kann – es ist einfach kein Ende in Sicht. Durch die Schnelligkeit seines Spiels überlagern sich die einzelnen Töne und fließen ineinander, so dass Klangflächen erzeugt werden, wie es sonst nur mehrere Instrumente gleichzeitig zu erzeugen vermögen.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass Künstler wie Frahm, Arnalds und Melnyk gerade in diesen Zeiten enorm an Popularität gewinnen. Ihre Musik entspricht insofern dem gegenwärtigen digitalen Zeitgeist, als dass sie einerseits mit ihrem Minimalismus und ihrer kontemplativen Ruhe einen Gegenentwurf zur beschleunigten und chaotischen digitalen Welt wagen und auf der anderen Seite ihr wiederum aber genau entsprechen, indem ihre Musik die sich unaufhörlich beschleunigende Welt widerspiegelt.

Interessanterweise kam Lubomyr Melnyk dann bei seinen Kommentaren zwischen den einzelnen Stücken, die er auf dem Konzert spielte, auch auf das Digitale zu sprechen und kritisierte die digitale Aufnahmetechnik dahingehend, dass sie kaum in der Lage sei, sein schnelles Spiel adäquat wiederzugeben. Zumindest Lubomyr Melnyk geht also als Sieger aus dem Wettstreit mit der Maschine hervor. Eine beruhigende Erkenntnis am Ende dieses besonderen Abends in anderen Sphären…

Anspieltipp:

Windmills: https://www.youtube.com/watch?v=2LychIfAtRM

„Und, was machst du so?“ Erfahrungen mit beruflicher Identität als Projekt

Es ist mittlerweile ein soziologischer Allgemeinplatz, dass persönliche Identität über den Verlauf eines Lebens heute weit weniger stabil bleibt als früher; viel Plausibles dazu findet sich z.B. in Hartmut Rosas Buch „Beschleunigung“ (2005) und in Arbeiten Dirk Baeckers zur „nächsten Gesellschaft“ (seit 2007 immer wieder). Aber es zeigt sich auch im Alltag – wenn die Frage gestellt wird: „Und, was machst du so?“

Meist stellen diese Fragen die Arbeit der befragten Person in den Vordergrund und gehen gleichzeitg davon aus, dass sich diese Arbeit im Verlauf kurzer Zeit ändern kann. Diese Fragen sind sozusagen das Gegenstück zu der früher, zu Studienzeiten, gestellten und verhassten Frage: „Ach, Germanistik, soso!? Und, was willst du damit später machen?“ So wie es früher ehrlicherweise nicht so einfach war, darauf eine Antwort zu geben, die für die Fragenden klar und überzeugend gewesen wäre, so ist es heute nicht so einfach, dieses „Machen“ in kurzen Worten zu beschreiben.

„Autor“?

Ich selbst wechsle im Lauf weniger Tage und oft auch im Lauf eines Tages häufig mein berufliches Kleid. Gerade war ich zum Beispiel in Berlin. Dorthin begebe ich mich gerne für zwei, drei Tage ins Hotel, um Texte zu schreiben oder über neue Texte nachzudenken. (Dass ich dazu übrigens sagen kann: „Ich bin Autor“, ist noch relativ neu für mich — ich tendiere immer noch zum vorsichtigen „Ich schreibe so Texte“). Auch das „Netzwerken“ mit Bekannten, die für diese Texte eventuell eine Rolle spielen können, gehört mitunter dazu.

Die Identität, die ich dort konstruiere, baut sich mit Hilfe von Requisiten wie Zeitunglesen im Café, Museumsbesuchen, stundenlangen Aufenthalten in Buchhandlungen usw. auf – alles priviligierte Handlungen, die ich mir schon früher ausgemalt hatte, zu Beginn des Studiums, als ich mir noch arg romantisierend vorstellte, später irgendeine geisteswissenschaftliche Tätigkeit 24 Stunden am Tag auszuüben.

Dazu ist es glücklicherweise nicht gekommen – stattdessen führte mich das Unileben viele spannende Jahre in die sehr abwechslungsreiche, interdisziplinäre Welt von Informatik und Kommunikationswissenschaft. Das ist nun auch schon wieder über vier Jahre her, aber die Vorstellung, dass ich dauerhaft einer Tätigkeit nachgehen müsste, erschreckt mich mittlerweile ganz schön. Daher freue ich mich auch, dass ich jetzt wieder auf dem Weg nach Magdeburg bin, um dort morgen wieder meinem 5-Stunden-Job für einen Kommunikationsdienstleister nachzugehen.

„Customer Service Professional“?

Magdeburg, das sich unter dem Motto „Out of the Void“ gerade als Kulturhauptstadt 2025 bewirbt, ist aus mancher Perspektive vor allem Hauptstadt der Call Center; diese Branche dominiert den Arbeitsmarkt und die großen Werbeflächen der Stadt mit ständiger Suche nach Mitarbeiter*innen. Natürlich geht jede*r „nur übergangsweise“ ins Call Center – und bleibt doch jahrelang, denn auch wenn die Arbeit nicht immer einfach ist (Zeitdruck, je nach Projekt auch Verkaufsdruck, unter Umständen Schichten bis oder nach Mitternacht, mitunter unhöflichste Anrufer*innen), so bietet der Job doch eine gewisse Befriedigung: Es ist schön, Menschen zu helfen; gute „Calls“ lassen ein Flow-Gefühl entstehen; und manche machen auch einfach Spaß.

Und es sorgt für Stabilität: Während ich früher als wissenschaftlicher Mitarbeiter Verträge hatte, die bestenfalls ein Jahr gingen, häufiger aber sechs oder gar nur drei Monate, und ich die Hälfte der Zeit damit beschäftigt war, das nächste Projekt zu beantragen, um mir irgendeine Art von Weiterbeschäftigung zu sichern, arbeite ich nun die Hälfte des Tages in einer Branche, die zwar einen sehr schlechten Ruf hat (der so nicht immer gerechtfertigt ist) – die mir aber mit einem unbefristeten Vertrag und getakteten Arbeitszeiten mehr innere Ruhe lässt als früher, und die mich in gewisser Weise auch erdet, außerhalb des engeren akademischen Kontexts.

Aber auch hier denkt man in Projekten. Viele Call Center übernehmen outgesourcte Tätigkeiten für andere Unternehmen und die Mitarbeiter*innen wechseln zwischen diesen Projekten. Ich habe erst vier Jahre lang für ein großes Telekommunikationsunternehmen gearbeitet und dann wurde, von einer Woche auf die andere, beschlossen, dass ich, beim selben Arbeitgeber, nun in die Finanzbranche wechsle. Andere Kolleg*innen haben vorher schon für Zeitungsverlage und die Bauwirtschaft gearbeitet. Irgendwann ist man als Mitarbeiter*in im Kundendienst wohl so erfahren, dass man das alles ‚wegtelefoniert‘, denn die Kommunikationsformen ähneln sich, nur die konkreten Funktionen sind andere.

Schon diese brancheninterne Beobachtung passt zu dem, was Hartmut Rosa über die „Beschleunigungsgesellschaft“ geschrieben hat:

Das „Schrumpfe[n] des Selbst zu einem Punkt, von dem aus alle Beziehungen — die räumlichen, sachlichen und sozialen — kontingent und gestaltbar werden […] ist ein funktionales Erfordernis einer radikalisierten ‚Beschleunigungsgesellschaft‘, in der Bezugsgruppen, Kommunikationspartner, Gegenstände, Ideen, Jobs etc. so schnell wechseln, dass ihre Inhalte zunehmend gleichgültig und austauschbar werden“ (Hartmut Rosa, Beschleunigung, 2016, S. 378).

Mehr noch gilt das natürlich für das Wechseln zwischen komplett anderen Tätigkeiten, wenngleich ich zum jeweiligen Zeit-Punkt der Tätigkeit keine Gleichgültigkeit spüre — wenn Sie bei mir anrufen, dann interessiere ich mich auch für Sie und Ihr Anliegen. Rosas Beobachtung der Austauschbarkeit und Gleichgültigkeit betrifft eher die Auswahl des Kontexts, aber nicht das ernsthafte Handeln in dem gewählten Kontext.

Meine freiberuflichen Tätigkeiten, die parallel zur Arbeit im Call Center laufen, sehe ich für mich als Glücksfall an. Um diese auszuüben, brauche ich den kurzen 5-Stunden-Tag, aber dank dieser Tätigkeiten kann ich mir diesen kurzen Tag überhaupt nur erlauben. Man könnte etwas zynisch sage: Wenn es im Büro anstrengend wird (was bei mir spätestens nach sechs Stunden Telefonieren eintritt), habe ich Feierabend und wechsle wieder das Kleid der beruflichen Identität.

„Simulant“?

Neben dem Schreiben berührt diese oft noch ein drittes Feld: Fliegen und Flugsimulation. So ist im nächsten FS MAGAZIN ein großer Bericht von mir über die Simulation der US-Bundesstaaten Washington und Oregon, ab und an programmiere ich an simulierten Flugzeugmodellen mit, und bis Weihnachten muss ich ein umfangreiches Handbuch für das nächste große Produkt des französischen Herstellers Aerobask schreiben und layouten – alles Projekte.

Ohne jetzt das „Hochstapler-Syndrom“ zu bemühen (das sich manchmal als unbehagliche Sorge einschleicht, von all dem nichts richtig gut zu machen, weil ich keinem Projekt 100% der verfügbaren Arbeitszeit widmen kann), fühle ich mich bei all diesem Hin und Her manchmal selbst wie eine Simulation. Gestern war ich der Autor mit wissenschaftlichem Background, morgen bin ich der „professionelle Kundendienstmitarbeiter“. Heute bin ich mal eben kurz Luftfahrt- und Flugsimulationsexperte.

Irgendwo dazwischen stehe „ich“.

Was soll man nun antworten?

Eine Antwort auf die Frage „Und, was machst du so?“ ist so immer abhängig vom Kontext, und je nach Kontext reicht den Fragenden wahrscheinlich eine Teilantwort – die, die gerade erwartet wird. Die Querverbindungen zwischen den Projekten, die mir selbst für ein kohärentes Selbstbild wichtig sind, wären da nur Overhead, der die Fragenden in dem Moment wahrscheinlich überfordern würde.

Es gibt Verknüpfungen zwischen Schreiben, Call Center und Flugsimulation – insofern nämlich alle mit Kommunikation und Technik zu tun haben –, aber die Erklärung dieser Verbindungen ist nicht die Antwort auf das, was mit der Frage eigentlich gemeint ist – manchmal sind das Status und Geld (‚Und, ist der erfolgreich?‘)

– manchmal aber auch einfach nur: „Geht es dir gut?“