Digitales Wohlfühlen und Verantwortung ― Tabula Rasa 2.0 für von digitalen Netzwerken Gestresste

Digitale Medien sind Teil unseres Alltags und interferieren mit unserem Privat- und Berufsleben. Digitale Netzwerke werden so entwickelt, dass sie unsere Aufmerksamkeit möglichst lange binden, mit unvorhersehbaren, variablen kleinen positiven Verstärkern, die unser intrinsisches Belohnungssystem stimulieren, hin zu unkontrolliertem, abhängigen Verhalten. Wie ist die Datenlage? Wer ist dafür verantwortlich und wer ist verantwortlich dafür, dass es mir gut geht? Was kann ich tun, damit es mir gut geht? Das sind die Fragen, auf die dieser Artikel antwortet.

Digitales Wohlfühlen: Fühle ich mich mit meinem digitalen Konsum (noch) wohl?

Der DAK Gesundheitsbericht 2019 zeigt, dass die große Mehrheit der Erwerbstätigen (85 %) soziale Medien nutzt. Unter sozialen Medien (die keineswegs „sozial“ sein müssen, d.h. „eine empathische Bedeutung im Sinne von ‚dem Gemeinwohl dienend‘ oder ‚den Schwächeren schützend‘“ (DAK Gesundheitsbericht 2019, S. 146-147) implizieren) wurden hier „digitale Medien und Plattformen gemeint, durch die Sie mit anderen Nutzerinnen und Nutzern in Austausch treten und/oder Inhalte erstellen und austauschen können. Das sind unter anderem soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder LinkedIn, Blogs und Internetforen, sogenannte Mikroblogs wie z. B. Twitter. Auch Messaging-Dienste wie WhatsApp oder Snapchat gehören dazu. Die Nutzung von E-Mail oder Web-Seiten gehört dagegen nicht dazu.“ […] „Gefragt nach den zwei wichtigsten sozialen Medien, die sie in den letzten 12 Monaten genutzt haben, geben die Befragten vor allem Facebook (51 Prozent) und WhatsApp (49 Prozent) an. Ein kleinerer Teil der Befragten zählen Instagram (18 Prozent) und Twitter (3,7 Prozent) dazu. (ebd., S. 147). Dabei sei der Anteil der Nutzer*innen sozialer Medien über alle Altersgruppen hoch, in der Altersgruppe 18-29 mit 95, 3 % am höchsten.

Schade, dass die Studie nicht zwischen den Messenger-Diensten, die ja irgendwie auch als „moderne Anrufbeantworter des geschriebenen Wortes + Emojis“ zwischen zwei einander bekannten Personen oder Kleingruppen (Study Groups, Familiengruppen) verstanden werden können und den, potentiell in die Welt projizierenden digitalen Netzwerken wie Facebook und Instagram unterscheidet.

Instagram-Fund; Quelle: Süddeutsche Zeitung Magazin

Wie scherzhaft von der Süddeutschen Zeitung auf Instagram visualisiert, geben auch 9 Prozent der in der DAK-Studie Befragten einen gewissen Kontrollverlust bei der Nutzung digitaler Medien an.

8 Prozent der in 2019 Befragten „haben oft soziale Medien genutzt, um nicht an unangenehme Dinge denken zu müssen“ (ebd., S. 151). Digitale Medien dienen somit auch als Flucht- und Abwehrmechanismus, wenn die Realwelt vermeintlich zu schmerzhaft wird.

Knapp 4 Prozent der Befragten geben einen Interessenverlust an Hobbies und Interessen durch die Nutzung digitaler Medien an (ebd., S. 151), der häufig auch mit einen Rückzug aus physischen Kontakten einhergeht und begleitet wird durch andere Beeinträchtigungen, wie starke Ängste, Schlafstörungen, Essstörungen oder Depressionen.

Die Zahlen, sowie das Ausmaß der Erscheinungen dürften sich aufgrund fehlender physischer Kontakte und fehlender adäquater Möglichkeiten zur Stressbewältigung durch die Corona-Pandemie mit ihren Begleitmaßnahmen erhöht, bzw. verstärkt haben. So berichtet auch Uta neulich von ihrem Digital Overload und ‚Zoom Fatigue‘ und Mario von weniger überladenen und vor allem weniger überlastenden Alternativen zum World Wide Web. Wenn Sie mal schauen möchten, wie sich Ihre tatsächliche Nutzung von digitalen Medien von Ihrer Erwartung und Selbsteinschätzung unterscheiden, habe ich dafür hier eine kleine Reflexionshilfe gebaut, die sich ausdrucken und analog ausfüllen lässt (Marter, 2021).

Insbesondere die digitalen Netzwerke (ich möchte sie nicht sozial nennen) haben Suchtpotential; mindestens für solche, die ohnehin schon Suchtthematiken haben. Und auch wenn sie kein Suchtpotential hätten, so haben sie doch einen starken Einfluss auf die Art und Weiße wie wir kommunizieren, unsere Zeit verbringen, unsere physische, psychische und emotionale Gesundheit und unsere Gesellschaft.

Wer verantwortet mein intrinsisches Belohnungssystem?

Früher (als das Leben noch unbequemer war) haben Menschen mit Suchtthematiken ‚nur‘ zu viel getrunken, dann auch (zu viel) geraucht (wenn man einmal die Problematik ‚harter‘ Drogen ausklammert). Im digitalen Zeitalter nun kommen durch Digitales induzierte Dopamin-Kicks (und vieles mehr) im Belohnungssystem des Gehirns hinzu. Das Belohnungssystem schließt auch das emotionale Zentrum (das limbische System) mit ein. So kommt es, dass wir uns, wenn wir ‚gestresst‘, traurig, ängstlich oder wütend sind, eine sogenannte ‚Belohnung‘ suchen, die uns vermeintlich beruhigt und entspannt. Heute wird dafür dann recht schnell das Smartphone gezückt. Wichtig zu wissen ist, dass es sich hier nicht um eine echte, gesunde Belohnung handelt, sondern mindestens um eine Ablenkung, in der Regel einen Abwehrmechanismus, der uns der Lösung des Ursprungsproblems der leid-auslösenden Emotion nicht näher bringt.

Ein mich inspirierender und meine Message unterstützender Fund aus irgendeinem digitalen Netzwerk. Quelle unbekannt.

Wie bei Alkohol und Nikotin ist der Weg über eine ungesunde Gewohnheit in eine potentielle Abhängigkeit schleichend. Einstieg und Zugang sind niedrigschwellig und gesellschaftlich anerkannt, wenn nicht sogar anerkannter als der Verzicht. „Wie, du bist nicht bei Whatsapp!“ + Augenverdrehen. „Wie, du trinkst keinen Alkohol!“ + Bist du schwanger?“ oder „Spaßbremse!“

Für den Konsum von Tabak haben sich diese Phänomene der Gruppendynamik durch politische Regelungen drastisch geändert. So ist das Rauchen in gastronomischen Einrichtungen und Diskotheken seit 2008 verboten. Binnen kürzester Zeit sind nun die Rauchenden zu den Spaßbremsen und Spalter*innen geworden.

Ich bin allerdings überhaupt keine Freundin des Trends, überall sofort politische Lösungen zu fordern. Zumal diese ja auch sofort wieder abgelehnt und bekämpft werden und von anderen wieder neue, andere politische Lösungen gefordert werden. Viele vergessen bei all ihrer Arbeit, zwischenmenschlichen Problemen und automatisierten Ablenkungs- und Abwehrmechanismen durch Smartphone, Alkohol, Zucker, Konsum und Co., dass sie selbst eine Verantwortung für Körper, Psyche und Emotionen und ein soziales Miteinander zum Wohle aller haben.

Letztlich brauchte es ein politisches Eingreifen in Sachen Nichtrauchendenschutz, weil das Rauchen in Diskotheken und der Gastronomie ‚normaler‘ war als das Nichtrauchen. Deshalb kamen Rauchende gar nicht auf die Idee, zum Rauchen raus zu gehen, um so andere durch ihr eigenes ungesundes (Sucht-)Verhalten nicht zu schädigen. Ähnlich verhält es sich mit der Gleichstellung der Geschlechter und dem Pfandsystem für PET-Flaschen. Beim Pfandsystem gilt der politische Eingriff dem Schutz der Erde durch den sinnvollen Umgang mit Ressourcen. Er war nötig, weil wir Verbrauchenden von allein nicht ausreichend recyceln und die Produktion von neuem Plastik für die Herstellenden günstiger als Recyceln ist. (Deposy, 2021)

Ein politischer Eingriff in unseren Alltag durch Restriktion des Konsums digitaler Medien zum Schutz unserer körperlichen, psychischen und emotionalen Gesundheit ist natürlich undenkbar und nicht erstrebenswert. Zumal gut aufbereitete digitale Medien und der digitale Austausch z.B. in Lockdown-Zeiten zum Erhalt der Gesundheit beitragen können. Ich selbst bekomme durch die Kanäle, die ich abonniert habe, immer wieder wunderschöne Erinnerungen und Inspirationen zu Aspekten eines gesunden Lebens und Arbeitens oder freche Frauenpower-Kommentare, die meinen Horizont erweitert und mich über die Jahre wachsen lassen haben.

Visualisierte Daten: Ein mich inspirierender Facebook-Fund von Lena Deser über editionF.
Ein mich inspirierender Facebook-Fund. Quelle: unbekannt

Es ist an uns, an jeder und jedem einzelnen von uns Verantwortung zu übernehmen und gesund, fair, sozial und nachhaltig zu denken, zu sprechen und zu handeln. Jede*r von uns kann dabei ein strahlendes Licht für Werte sein ohne andere zu belehren, Ängste zu schüren, zu beleidigen oder Meinungen aufzudrücken. Jede*r von uns kann so zu einem gesünderen, neuen Normal beitragen. Dafür müssten wir regelmäßig aus der Eskalationsspirale des Außen (d.h. der Reizüberflutung und dem unrealistischen Leistungsdruck im beruflichen Alltag, TV und digitalen Medien), uns beruhigend, entspannend, klärend und so deeskalierend bei uns selbst ankommen. Das hilft auch gegen Sucht und jede andere Art des Versuches der ungesunden und nicht zielführenden Bedürfnisbefriedigung.

Im Selbst ankommen macht handlungsfähig und gestaltungsfrei

Aus der Sicherheit und Verankerung, die beim Ankommen bei sich selbst wieder wahrgenommen werden können, erwachsen Ruhe und Zentrierung. Das Herz kann sich wieder öffnen, der eskalierte Verstand beruhigt sich. Vertrauen in die eigenen Stärken, Vertrauen in die Welt, Geduld und Humor mit den eigenen Schwächen und denen anderer wird wieder möglich.

Umso mehr wir in Liebe und Vertrauen bei uns selbst ankommen, umso heller scheint unser Licht und der Wunsch sich nicht mehr an gesellschaftlichen Eskalationsprozessen zu beteiligen, was nicht gleichbedeutend ist, mit: keine Meinung zu haben und diese nicht auch angemessen zu vertreten.

In der Kraft, zentriert und mit offenem Herzen fällt es schwerer, Margarine mit Palmöl zu kaufen, wenn der Preis dafür die Abholzung der Regenwälder ist. Auch die Billigsalami lächelt einen nicht mehr an, ganz im Gegenteil.

Weil wir uns nicht mehr in einem Zustand des Mangels empfinden, brauchen wir auch nicht mehr 2 € ‚sparen‘, um bei den gängigsten Online-Anbietern ein neues Scrabble-Spiel zu bestellen. Auch diese Klicks stimulieren das Belohnungssystem auf eine ungesunde und manipulative Weise und der ständige Hinweis darauf, dass nur noch drei, zwei, ein Stück auf Lager sind/ist, gibt uns gezielt das Gefühl, nicht genug zu bekommen und gestresst, noch schneller und unreflektierter auf den Kauf-Button zu drücken. Danach stellt sich kurzzeitig vermeintlich belohnende Erleichterung ein, weil wir das wertvolle Stück zum Mindestpreis ergattert haben und diesmal nicht diejenigen sind, die ‚zu spät‘ kommen und leer ausgehen.

Geankert, herz-offen und zentriert, beteiligen wir uns so nicht an ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen, haben die Möglichkeit im Laden in einen physischen, sozialen Kontakt zu gehen, ein Stadtbild mit kleinen Lädchen zu erhalten, die wiederum ihre Steuern im Land des Lädchens zahlen und so auch zu sehr vielem beitragen, dass uns im Wohlstand hält.

„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“

―Mahatma Gandhi

In diesem Zustand der Handlungsfähigkeit und Gestaltungsfreiheit fragen wir uns recht bald auch, von wem wir uns inspirieren, leiten oder manipulieren lassen möchten.

  • Möchte ich meine wertvolle Frei- und Regenerationszeit mit digitalen Medien verbringen, die es darauf anlegen, meine Aufmerksamkeit durch gezielt eingesetzte verhaltenswissenschaftliche Konzepte (z.B. Konditionierungen, Ansprache des Belohnungssystems,…) so geschickt und ungesund zu binden, dass ich selbst keine Kontrolle mehr darüber habe, was ich da eigentlich tue? (Giesler, 2018)
  • Möchte ich getrieben sein von der Angst, in der fiktiven Parallelwelt meiner digitalen Filterblase etwas zu verpassen („Fear to miss out“)? Was verpasse ich denn wirklich? Was kann ich gewinnen, wenn ich keine Angst habe? Was mache ich statt dessen? Wer kann mich unterstützen? Mit wem möchte ich spazieren gehen, mit wem Scrabble spielen?
  • Möchte ich mich, das leuchtende, geerdete, zentrierte, liebende und geliebte, wertvolle, herz-offene, sanfte Wesen, das ich bin, abhängig machen von Like-Buttons und Likes Unbekannter? Was braucht es für mich wirklich, um meine menschlichen Bedürfnisse nach Nähe und Wertschätzung zu befrieden? Wieviel davon braucht es wirklich von außen? Und wo muss ich erstmal anfangen, mich selbst zu liken? Wieviel mehr Lebensqualität kann ich wohl erlangen, wenn ich mich selber mag?
  • Wenn ich in den digitalen Medien Reize und Informationen konsumiere, welche sind das? Machen sie mir Angst, mich traurig oder wütend? Sind sie gut recherchiert und von Menschen mit Expertise geschrieben? Haben sie die Absicht mich zu schwächen oder machen sie mich handlungsfähiger?

Digitale Ruhe und Besinnlichkeit zwischen den Jahren

In Vorbereitung auf die Rauhnächte, einer Zeit der inneren Einkehr, und auf meine Rauhnächte Meditation Challenge hab ich gestern alle digitalen Netzwerke von meinem Smartphone deinstalliert. Ich faste mal wieder, d.h. ich verzichte freiwillig.

Nun brauche ich allerdings neue gesunde Routinen für die neu-gewonnene Zeit und Freiheit (in der Regel macht man*frau sich da vorher einen Plan für) und eine neue gesunde Routine, um die digitalen Netzwerke, auch für meine beruflichen Tätigkeiten weiterhin regelmäßig zu nutzen, ohne dass wertvolle Zeit und Lebensenergie unkontrolliert vergeht. Ich dachte da so an eine Stunde pro Tag am Vormittag vom Rechner aus, mit Timer.

Als nächstes wird dann auch das E-Mail-Postfach im Smartphone um sein Dasein fürchten müssen. Das braucht aber wirklich einen Plan und Zeit damit nichts verloren geht. Meine analoge Uhr hab ich auch aus den Tiefen der Verbannung befreit. Sie braucht aber eine neue Batterie und damit habe ich einen neuen Punkt auf meiner To-Do-Liste, den ich abarbeiten muss, um in die neue Freiheit (gesunde Belohnung) zu kommen. 

Gesunde intrinsische Belohnungen

Heute habe ich Wikipedia gespendet, um einen kleinen Beitrag zu daten- und literaturbasierter Informationsverbreitung zu leisten (gesunde Belohnung). Nachher geh ich noch ein Scrabble-Spiel, Milch und Kerzen kaufen (gesunde Belohnung) und auf den Weihnachtsmarkt (gesunde Belohnung), um das Privileg des Analogen zu genießen (gesunde Belohnung). Ich habe vor, alle Welt anzulächeln (gesunde Belohnung). Ich habe heute auch schon ein überraschendes Weihnachtspäckchen bekommen und freue mich sehr (gesunde Belohnung).

Drücken Sie mir die Daumen, wie ich Ihnen die Daumen drücke!

Geerdete, herz-offene und zentrierte Sonnen- und Weihnachtsgrüße,

Ihre Dr.in Kathrin Marter

Ich bin Kathrin. Ich bin Biologin. Und #IchBinHanna. Eine prekäre „Verstopfung“ des Wissenschaftssystems?

2018 stellte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein „Erklärvideo“ zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz ins Internet. Das ist das Gesetz, das es Hochschulen erlaubt, junge Wissenschaftler*innen vor und nach der Promotion für je max. sechs Jahre einzustellen, ohne Aussicht auf Entfristung. Das soll, so das BMBF wörtlich, die „Verstopfung“ des Systems verhindern.

Dazu gab es in den letzten Tagen unter dem Hashtag #IchBinHanna einen heftigen Twitter-Aufschrei und entsprechende Medienberichte. Mario hat in den letzten zwei Tagen sowohl das Hashtag als auch die Resonanz darauf beobachtet und berichtet. Ich bin auch eine Hanna. Mit ein wenig mehr als einem Twitter-Post berichte ich hier von meinen Erfahrungen.

Vertragliches

#IchbinHanna, naja stellvertretend; Ich bin auch eine Hanna. Ich bin Kathrin. Ich bin Biologin wie Hanna. Ich habe eine Doktorarbeit geschrieben. Mein Vertrag an der Universität war zunächst auf drei Jahre befristet. Da trotz massenhafter Daten und einiger Manuskripte in den Schubladen meiner Betreuerin noch keines veröffentlicht war, konnte ich nicht gehen und mein Vertrag wurde um ein weiteres Jahr verlängert. Die Beschäftigung erfolgte wie üblich vorbehaltlich der Mittelfreigabe des Projektträgers.

Mein Vertrag war für eine halbe Stelle. Von Promovierenden, insbesondere in den Naturwissenschaften, wird erwartet, dass sie mindestens 50 % ihrer Arbeit unbezahlt machen. Schließlich handelt es sich ja um eine Qualifizierungsstelle, das heißt, die Arbeit dient ihnen am Ende selbst. In den Geisteswissenschaften wird häufig ohne Entlohnung, sozusagen neben dem Vollzeitjob, möglichst in Vollzeit promoviert, während Ingenieur*innen aufgrund der guten Arbeitsmarktbedingungen in der freien Wirtschaft nur durch volle Stellen gelockt werden können.

Mit meinem 50 %-Drei + (ungewollt) Ein-Jahres-Vertrag hatte ich Glück. Werte Kolleg*innen meiner Branche hatten Verträge über 6 Monate und waren so permanent der Willkür ihres -mit Schlüsseln nach ihnen werfenden- Vorgesetzten ausgesetzt. Immer wieder mal haben sie auf Arbeitslosengeld gearbeitet. Da bleiben mitunter am Ende auf Steuergeldern produzierte Daten für immer unpubliziert in Schubladen und vervielfachen sich Existenzängste, weil z.B. Studienkredite nicht zurück gezahlt werden können. Das passiert Menschen, die sich nach Ausbildung und/oder Studium entschieden haben, die höchste Qualifizierungsebene des deutschen Bildungssystems zu erreichen!

Aufgeschnapptes, das sich auch im Diskriminierungs-, Belästigungs- und Gewaltkontext wiederfindet:

  • ‚Lehrjahre sind keine Herren-Jahre, Kathrin!‘
  • ‚Wenn man es wirklich will, dann muss man schon investieren, Kathrin!‘
  • ‚Jetzt Kinder zu bekommen, ist keine gute Idee, Kathrin!‘
  • ‚Jetzt Kinder zu bekommen, ist eine gute Idee, Kathrin, dann hast du während des Mutterschutzes in der Arbeitslosigkeit genug Zeit, in Ruhe deine Arbeit zu schreiben und kannst jetzt noch ein bisschen ranklotzen.‘
  • ‚Promovierende brauchen kein Wochenende, Kathrin!‘
  • ‚Promovierende brauchen keinen Urlaub, Kathrin!‘
  • ‚Wie schade, dass du jetzt in den Urlaub gehst, Kathrin. Ich wollte mir gerade Zeit für deine Manuskripte nehmen.‘
  • ‚Jetzt hab dich doch nicht so!‘
  • ‚Du willst es doch auch!‘

#LieberLars

„„Ich bin Hanna, wäre aber lieber Lars“, schreibt eine Twitter-Nutzerin. Lars ist in dem BMBF-Video nämlich der Labormitarbeiter, der einen ’normalen‘ Arbeitsvertrag hat, für den das gewöhnliche Arbeitsrecht gilt. „Augen auf bei der Berufswahl“, mag man da zynisch denken.“

Mario Donick, 2021: hier

Dass Hanna mit ihrer Promotion später auf einem Vertrag für Lars (aka technische*r Assistent*in) arbeitet, ist nicht möglich. Das ist irgendwo gesetzlich geregelt. Da würde ja dann durch die Hannas das System für die Larse verstopft. Außerdem gäbe es dann tausende frustrierte promovierte Hannas, die für weniger Geld auf TA-Stellen weiterforschen, um nicht wieder wegziehen zu müssen oder um nicht arbeitslos zu sein oder um ihre Kinder versorgen zu können, … Wenn die Hannas das System durch die Stellen der Larse infiltrierten, dann bräuchte es ja auch gar keine Postdoc-Stellen mehr. Dulcolax her! Und wer macht dann den äußerst wertvollen Job der TAs? Kriegen die dann weniger Geld? Oder sollten sie dann auch promovieren? Dann bräche ja der Elfenbeinturm auseinander. Das will doch keine*r.

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Inspiration zum Elfenbeinturm
Photo by Magda Ehlers on Pexels.com

BottleNeck-Supporters

BottleNeck-Systeme wie das Wissenschaftssystem, welche sich nach oben (lediglich anatomisch) stark verjüngen, verstopfen natürlich leicht.

Da braucht es dann größere, ungesunde Mengen Abführmittel o.ä. und Ausdrücke wie ‚Doktorvater‘, ‚Nachwuchs‘ oder ‚Junior-Professor‘, um gestandenen Diplomer*innen, Promovierte, Post-Docs, Müttern und Vätern uvm. immer wieder auf die Nase zu binden, dass sie Teil des Hamsterrades und weder erwachsen noch mündig sind.

Neben den oben genannten Titeln haben auch Maßnahmen wie das Aufdrucken des Befristungsdatums auf die Hochschul-Mitarbeiter*innen-Karte oder das Einnähen selbigen Datums in die Laborkittel (damit wir unsere Stellung nicht vergessen) täglich die Wirkung des Wirkstoffbeschleunigers Lysin, nur ohne die schmerzstillende Wirkung. Ganz im Gegenteil. Die Burnout-Depression ist so auch eine Möglichkeit, das System nicht zu verstopfen. Angst, Frust und/oder Traurigkeit fördern belegbar weder Innovation noch Kreativität. Die Förderung letzterer soll allerdings, laut BMBF-Erklärvideo, durch das Wissenschaftszeitvertragsgesetz erreicht werden.

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Keine Zeit zu verlieren!
Photo by incusion on Pexels.com

#LieberHannes?

Ich bin Kathrin. Ich bin auch eine Hanna. Wie alle anderen Hannas wollte ich es wirklich! Wäre ich Hannes (fiktiver Name!) und käme noch dazu aus einem Akademiker*innenhaushalt, hätte ich heute wohl eine andere Geschichte zu erzählen.

Hannes hat alles richtig gemacht. Er hat nach der Promotion Frau aus geliebtem Job und Familien-Unterstützungssystem und Kind aus Kindergarten und Familien-Unterstützungssystem genommen und ist an eine renommierte Universität im Ausland gedüst. Einige erfolgreiche Jahre später ist er dann mit Rückenwind an die nächste renommierte Universität im Ausland gedüst, um eine Nachwuchsgruppe zu gründen. Ob Frau und Kind wieder bzw. noch an Bord sind, weiß ich nicht.

Hannes, selbst Professorenkind, hat schon viel von zu Hause mitbekommen; hatte schon früh einen eher professoralen Habitus, konnte seine Ressourcen besser nutzen, hatte immer schon ein breites Netzwerk und eine solide finanzielle Absicherung.

Wenn ich mir die Twitter-Posts zum Hashtag #IchBinHanna anschaue, sind da allerdings viele, viele Hannes dabei, auch solche, die vermeintlich ‚alles richtig gemacht‘, es vermeintlich ‚geschafft‘ und die Entfristung erreicht haben, die sich trotz ggf. bester Voraussetzungen in ebenso prekärer Lage befinden wie die Hannas und die #Arbeiterkinder, uvm., und körperlich, psychisch und emotional mindestens angeschlagen, wenn nicht erkrankt sind. Dazu aus meinen Buch:

„Wir gönnen uns häufig weder Lob, noch Ruhe oder eine (innerliche) Feier, wenn wir einen Meilenstein erreicht haben. So habe ich z. B. einen Professor erlebt, welcher, als er endlich die ‚Möhre der Vertragsentfristung‘ in den Händen hielt, weder mit seinem Team oder der Familie feierte, noch sich einige Tage Ruhe gönnte, sondern Schmerzmedikamente einnahm, mir „The show must go on“ von Queen zitierte und weitermachte.

Ich war damals nicht in der Position, ihm zu sagen, dass der Liedtext mit „mein Herz zerbricht,…“ weitergeht und Freddy Mercury, als er den Text schrieb, nach langjährigen regelmäßigen Alkohol-, Drogen- und Sexexzessen an den Folgen seiner HIV-Infektion und der daraus resultierenden AIDS-Erkrankung litt. (u. a. Bohemian Rhapsody: King et al., 2018)“

in Marter, K. 2021. Springer-Verlag)

Leaky Pipelines

Für Hannas und Kathrins und #Arbeiterkinder und Studierende, Promovierende und Postdocs mit Migrationshintergrund, sowie Ostdeutsche existieren allerdings diverse Leaky Pipelines und Gegenwinde, die von der erbrachten Leistung völlig unabhängig, durch noch mehr Leistung nicht zu kompensieren und für die entsprechende Zielgruppe ohne Unterstützung nicht greifbar sind.

Aus ‚Recruiting for Excellence‚ Universität Zürich, Faculty of Science, Stand April 2017

Deshalb erklärt uns das BMBF auch (realitätsfern und frech): „Hanna weiß, dass man eine Karriere in der Wissenschaft frühzeitig planen muss. Deswegen nimmt sie regelmäßig das Betreuungsangebot für Promovierende an ihrer Hochschule in Anspruch.“ (Erklärvideo des BMBF: „Wozu dient das Wissenschaftszeitvertragsgesetz?“ 30. Juli 2018).

Als ich noch Hanna war und promovierte, gab es diese Angebote nicht. Heute unterstütze ich mit solchen Beratungsangeboten selbst vor allem Frauen im Wissenschaftssystem. Freiberuflich und an einer Hochschule. Letzteres tue ich un-witzigerweise und aufgrund meiner Qualifikation und Promotion auf einem befristeten Zeitvertrag, welcher dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz unterliegt, d.h. leistungs- und erfolgsunabhängig ohne Aussicht auf Verlängerung.

Diese projektbasierte und Arbeitgeber-gebundene Unterstützung mache ich dann wohl in vier Jahren so nicht mehr. Ich mache den Weg frei, bzw. werde vom Wissenschaftszeitvertragsgesetz frei gemacht, bzw. die Verstopfung aka ich wird bereinigt, für die nächste Verstopfung aka Hanna, die andere Hannas dann auf ihrem Weg an die Spitze des Elfenbeinturms für die restlichen Jahre, bis zum Auslaufen ihres Wissenschaftszeitvertragsgesetz unterstützen darf.

Das fördert meine Kreativität und Innovationskraft jetzt nicht so.

Meine Ideen gegen Verstopfungen und für ein nachhaltig gesundes, zufriedenes, erfolgreiches chancengerechtes Miteinander

Wenn mich gerade etwas motiviert, dann dass die Frauen, die ich unterstütze, durch mich Rückenwind bekommen und andere Möglichkeiten haben.

Diese Motivation ist getrieben von dem Wunsch langfristig etwas zu ändern. In diesem Zusammenhang hätte ich hier auch noch ein paar kreative, anschauliche und innovative (zugegebenermaßen [aufgrund der emotionalen Narben] zynische) Vorschläge im Zusammenhang mit Verstopfungen:

Idee 1

Könnte der Quatsch nicht wenigstens aufhören, wenn Hanna nicht mehr als Wissenschaftlerin an einer Hochschule arbeitet, sondern sich für eine sogenannte Parallelkarriere entschieden hat, in der weniger Verstopfungen zu befürchten sind?

Idee 2

Auf einer 50 %-Stelle — verstopfe ich da nicht auch nur 50 % des Systems? Könnte ich da nicht noch ein wenig länger den Job machen, den ich so gerne und mit so viel Aufopferung und Begeisterung, Innovationskraft (#IchBinHanna aka Kathrin ist Hugo-Junkers-Preis-Trägerin für Forschung und Innovation des Landes-Sachsen-Anhalt!) und selbst eingeworbenen Mitteln mache? Dann könnte ich mir vielleicht mal einen Schrebergarten pachten, weil ich wüsste, wo ich die nächsten Jahre meines Lebens verbringe.

Idee 3

Beim Bafög gibt es doch auch so eine Regelung, wenn man*frau XY Kinder bekäme, müsste das Bafög nicht mehr zurückgezahlt werden? Wie viele Kinder bräuchte ich denn für eine Entfristung? Das würde ja ggf. auch das Problem mit der Geburtenrate unter Akademikerinnen lösen.

Ja, ja, ich versteh schon; das Problem mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs allerdings nicht:

Ich hätte dann wohl Kinder und einen Schrebergarten, könnte endlich ankommen, müsste nicht mehr so viele Existenzängste und Selbstzweifel haben, wäre aber Ursache diverser Verstopfungen (hätte also doch wieder Selbstzweifel).

Welche gut ausgebildete, innovative, mega-power Hanna oder Kathrin möchte nach Jahren harter Arbeit schon aus dem System getrieben werden oder es zum Kollabieren bringen …

Idee 4

Wenn nun das System in der Mitte verstopft ist, durch unkreative, nicht-innovative alternde Wissenschaftler*innen und diese Verstopfung abfließen soll, wo soll sie denn hin? Unten sind die Nachrücker*innen und scharren mit den Hufen, oben schwingen die Vorgesetzten ihre (Damokles-) Schwerter.


Als promovierte Biologin mit einem sehr guten Verständnis für den menschlichen Körper und Gesund- und Krankheit, stelle ich mir gerade das menschliche Darmsystem vor.

#IchBinHanna und das menschliche Verdauungssystem. Abbildung erstellt mi canva.com

Eine Verstopfung im Mittelbau des Darmsystems ließe sich vermeiden, indem das jeweilige System weniger isst. Das würde bedeuten, es würden weniger Stellen für Promovend*innen geschaffen. Eine solche Entwicklung wird durch die Projektträger bereits dadurch gesteuert, dass Promovierende heute bei voller Arbeitsleistung (eigentlich) mehr als 50 % entlohnt werden müssen, so dass die Antragstellenden sich überlegen müssen, ob sich der Betreuungsaufwand überhaupt lohnt, oder eine 100 % Stelle für ein*e Postdoc nicht angebrachter wäre… Reicht allerdings nicht. Die Verstopfung durch die vielen Hannas ist noch da. Also Dulcolax her:

Die gelöste Verstopfung im Mittelbau des Darmsystems ergießt sich schwallartig über den Enddarm / das Nadelöhr / das Bottleneck des professoralen Personals und nimmt alles mit, was ihr im Weg steht. Ist das eine schöne Idee? : Befristete Professuren, deren Inhaber*innen nach einer gewissen Zeit in Forschung und Lehre die Wirtschaft oder Politik mit ihrer Kreativität und Innovationskraft beglücken dürften und ein stetiger Zufluss neuen Wissens, neuer Kraft, Kreativität, Diversität und Innovation in Lehre und Forschung durch die Hannas im Mittelbau. Mit dieser Idee sind die Entscheidungsträger*innen sicher nicht so d’accord.

Okay, die Verstopfung, biologisch gesehen, kann also weder nach oben noch nach unten so richtig gut abfließen. Oben und unten sind systemisch unüberwindbar verstopft. Da bleibt nur die Explosion, das Platzen des Darmes, ein Magendurchbruch oder eben ein operativer Bypass, wie der des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes. Das habt ihr euch wirklich gut überlegt, ihr professoralen, überwiegend männlichen, weißen, in allen Bundesländern aus der ehemaligen BRD stammenden Berater der Politik mit ihrer ebenfalls überwiegend männlichen, weißen, in allen Bundesländern aus der ehemaligen BRD stammenden Politikern und Vertretern des Patriachats, die ihr es geschafft habt und den natürlichen Abfluss besetzt haltet und neue Anträge für neue Promovierende schreibt, die ihr gar nicht angemessen betreuen könnt oder wollt. 

Idee 5

95 vermutlich weniger zynische Vorschläge gibt es hier.

Wer bin ich und wenn ja wie viele? Selbstportrait 1. Erstellt mit canva.com.

LieberKathrin

Ich bin Kathrin. Ich bin auch eine Hanna. Heute bin ich glücklich. Meine Geschichte lässt sich durchaus als Erfolgsgeschichte erzählen. Da ich selbst emotional mit ihr verbunden bin, fühlt sie sich für mich allerdings immer noch manchmal wie eine Leidensgeschichte an. Ich arbeite daran…

‚50 Fakten über mich selbst‘ sind dafür eine gute Übung. Ich mache sie nicht nur selbst gerne, sondern auch mit Studentinnen und Promovendinnen und zu Recht frustrierten, verzweifelten oder ohnmächtigen Aussteiger*innen und zum Empowerment bei Konflikten oder vor Verhandlungen mit meinen Coachees aus dem Hochschulbusiness…

  1. #queenofbrain
  2. #conquereeofhabit
  3. #tabularasa2punkt0
  4. Dr.in rer. nat. Kathrin Marter
  5. Promovierte Verhaltensneurobiologin
  6. Wissenschaftlerin
  7. Hugo-Junkers-Preisträgerin für Forschung und Innovation
  8. Systemische Beraterin
  9. Systemtherapeutische Beraterin
  10. Strategische Netzwerkberaterin
  11. Freiberuflerin
  12. Selbständige
  13. Unternehmerin
  14. Expertin für ganzheitliche Karriere- und Persönlichkeitsentwicklung
  15. Autorin
  16. Ressourcenmanagerin
  17. Referentin
  18. Berufsschulpädagogin
  19. Bloggerin
  20. Yogalehrerin
  21. Pilates-Trainerin
  22. Trainerin für Wirbelsäulengymnastik
  23. Entspannungstrainerin
  24. Faszientrainerin
  25. Wanderführerin
  26. Gesundheitswanderführerin
  27. Natur- und Landschaftsführerin
  28. Empathie
  29. Kreative
  30. Lebensstil-Integratorin
  31. Aktive Zuhörerin
  32. Gewaltfrei Kommunizierende
  33. Feministin
  34. Aktivistin
  35. #Arbeiterkind
  36. kritische Kritikerin
  37. Singende
  38. Gitarre-Spielerin
  39. Große Schwester
  40. Bester Freundin
  41. Entschleunigerin
  42. buntes Zebra
  43. Koordinatorin
  44. Organisationstalent
  45. Zuverlässig
  46. Lösungsorientiert
  47. Radfahrerin
  48. ganzheitlich gesund
  49. Radfahrerin
  50. Team-Playerin
  51. Deutsche Meisterin im Rudern im Kinder- und Jugendbereich
  52. Landesmeisterin im Triathlon im Jugendbereich
Wer bin ich und wenn ja wie viele? Selbstportrait 2. Erstellt mit mentimeter.com.

Do’s & Don‘ts im Lockdown des Jahrhunderts: Ein Mutmacher und Ideengeber

In diesem Beitrag geht es um den Februar als schwierigen Monat, der mit Corona und Lockdown, nach einem schwierigen Jahr, noch schwieriger wird. Es geht darum, zu reflektieren, was wir alles haben und wofür wir dankbar sein können. Es geht um den Konsum digitaler Technologien im Arbeits-und Gammelmodus. Der Beitrag enthält eine Übersicht zur Reflexion des eigenen Konsums digitaler Technologien und bietet Ideen für analoge Alternativen, die das Potential haben, uns körperlich und psychisch in die Balance zu bringen oder zu halten, damit wir körperlich und psychisch gesund bleiben können.

Der Februar, der „übelste Mond des Winters“ im Corona-Lockdown

Zur Erinnerung, weil es momentan recht leicht ist in der eigenen Alltags-Filter-Blase das Gefühl für Zeit und Raum zu verlieren: Es ist Anfang Februar, noch mindestens zwei Wochen Lockdown liegen vor uns. Folgen wir dem Kalender, ist der Februar der kürzeste Monat, der mit den wenigsten Tagen, Stunden, … Anfühlen tut er sich länger als alle anderen:

„Er ist der übelste Mond des Winters, und dass er zu allem Überfluss gelegentlich auch noch als Frühling verkleidet daherkommt, und das auch jeweils nur für ein paar Stunden, um sich dann sogleich wieder mit einem sadistischen Lachen die Maske vom Kopf zu reißen und all den einfältigen Gesichtern Hagelkörner ins Gesicht zu spucken – ein Benehmen, das einem schnell zum Hals raushängt –, all dies macht in nur noch grausamer. Der Februar ist erbarmungslos und er ist langweilig. […]“ (Aus: PanAroma von Tom Robbins, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1985)

Privilegien-Check im Corona-Lockdown

Wohl denen, bei all der langen Weile,

Nephila spec.
  • die einen Coronakrisen-sicheren Job haben,
  • deren Arbeitgebende nicht Kontrollfreaks, Verantwortungsabschiebende und Angsthas*innen genug sind, weiterhin Home Office zu verweigern (hier hat sich für mich mit dem ersten Lockdown schon die Spreu vom Weizen getrennt und ich kann nur jedem/jeder Arbeitnehmenden, welche grundlos ins Büro mussten, raten, sich jetzt, mit der langen Weile, nach einem fleißigen erfolgreichen Arbeitstag, nach einem neuen Arbeitsplatz umzuschauen (vielleicht durften Sie ja deshalb kein Home Office machen, weil Ihre komplette Führungsriege von zu Hause arbeitete?),
  • noch wohler denen, deren Arbeitgebende ein vorbildliches, verantwortungsvolles, digitales Betriebliches Gesundheitsmanagement durch engagierte Verantwortliche aufgebaut haben, damit wir als Arbeitnehmende in dieser (ohne verwurzelte gesunde Routinen außerhalb von Kino, Café und Vereinssport auch ohne Corona-Erkrankung oder auch ohne Lockdowns) nicht ganz gesundförderlichen, für Körper und Psyche ohnehin schweren Winterzeit, nun nicht noch schwerer wird. Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement, dessen Verantwortliche nicht immer noch argumentieren, dass Gesundheit nur analog möglich ist und wir erst nach Corona (Ey, wann soll das bitte sein?) wieder betrieblich beim gesund sein unterstützt werden. Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement, das uns hilft und anregt, gesunde Alternativen zur Smartphone- und Netflix- Langeweile zu entwickeln und für die eigene Salutogenese zu nutzen, damit wir auch alle irgendwann wieder körperlich und psychisch gesund zurück an den Arbeitsplatz kommen, um weiter hochmotiviert und -engagiert, mit viel Power und Ausdauer zum Erfolg des Unternehmens beizutragen.
  • Wohl uns, die wir in Deutschland leben und selbst mit Einschränkungen oder drohender Pleite (obwohl häufig anders kommuniziert, nicht gleichzusetzen mit Existenz!!!) wenigstens den schwachen Trost einer Grundabsicherung erwarten dürfen (sofern Sie nicht Schüler*in oder Studierende ohne Elternhaus mit Mittelstandseinkommen sind. Als Mitglied einer solchen ‚Randgruppe‘ sind Sie mächtig in der Patsche und brauchen unsere Unterstützung!) Immer und besonders jetzt ist das Aufgeben eines Yoga-Studios, eines Reisebusunternehmens, einer gastronomischen Einrichtung, eines Einzelhandels,… weder Schande noch Scheitern. In den USA könnten wir unter diesen Umständen mit unseren letzten 13 $ einen Greyhoundbus nach San Diego, in SunnySo(thern)Cal(ifornia) nehmen. Dort ist es für Menschen ohne festen Wohnsitz besonders attraktiv, denn es ist durchgehend warm und es regnet recht wenig. Anders als im Sunshine State Florida. Dort ist es auch warm, aber es regnet, für die Tropen typisch, täglich und deshalb gibt es giftige Spinnen, z.B. Schwarze Witwen, riesengroße Seidenspinnen der Gattung Nephila, Alligatoren gibt es auch und Schlangen, darunter auch giftige…
  • Wohl uns, die wir in Deutschland leben und ein in der Regel schnelles und qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem erfahren dürfen.
  • Wohl uns, …. Diese Liste ist trotz allem beliebig erweiterbar. Wenn Sie mögen, schicken Sie mir (oder schreiben Sie in die Kommentare) die Punkte, für die Sie dankbar sind, damit die Liste länger und länger und länger werden kann und wir uns sicherer und trotz allem in unserer Kraft fühlen können.

Danke, danke, danke!

Privilegien-Check im Corona-Lockdown

Der Februar, ein Hindernis; matschige, sumpfige Langeweile?

Der Februar „führt sich auf wie ein Hindernis, er ist ein matschiges, ein sumpfiges, ein langweiliges Zwischenstück, das sowohl Fortschritt als auch Befriedigung verhindert.“ (Aus: PanAroma von Tom Robbins, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1985)

Was nun tun, in diesem Februar, in dem uns, wie so häufig im übelsten Mond des Winters die Decke auf den Kopf fällt, im Spagat zwischen Homeschooling und Homeoffice, alleinstehend zuhause, oder mit selbst dem/der liebenswürdigsten Partner*in, der Diskussion und konflikt-belasteten Entscheidung, wer nun abwäscht und wer staubsaugt.

Ich könnte, aus Mangel an Alternativen, noch mehr arbeiten. Möglichst am Rechner, damit ich zu Ostern auch garantiert

  • chronisch eine (stärkere) Sehhilfe brauche,
  • meine Muskulatur sich auf ein Minimum reduziert hat,
  • meine Faszien maximal verklebt und
  • Nacken und Schultern chronisch verspannt sind,
  • die Halswirbelsäule blockiert ist,
  • mein Herz-Kreislauf-System soweit runter gefahren ist, dass mein Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird und Umwelttoxine nicht abgebaut werden können — Toxine, die ich mit stark verarbeiteten, wenig nahrhaften Lebensmitteln (wie Pizza, Pommes, Currywurst, Chips), Zigaretten, Weichspüler und all den anderen Dingen zu mir nehme und die nicht abgebaut werden können und sich in meinen Zellen ablagern. Dinge, welche ich so vor mich hin konsumiere und dabei Amazon leer kaufe (anstatt den lokalen Handel zu unterstützen), um die Langeweile möglichst kurzfristig zu befriedigen, zu füllen. Gebongt.

Sollten sich hier zwischen den einzelnen Pflanz-, Melk- und Bauzeiten doch mal einige Minuten lange Weile ergeben, hab ich sicherheitshalber Netflix am Laufen und könnte mal bei Facebook oder LinkedIn gucken, was meine anderen digitalen Tribes so machen.

Ohne Likes und Kommentare versteht sich, muss ja keine*r wissen, was und wen ich mag. Ich bin lieber inkognito unterwegs und mag unpersonalisierte Werbung viel lieber als die Personalisierte oder gar das Persönliche. 

Digitales Wohlfühlen

Achtung! Licht am Ende des Tunnels und Hoffnung ganz unten in der Büchse der Pandora. Damit ich nicht komplett durchdrehe, mach‘ ich mir mal eine Übersicht über meinen Medien- und Digitalkonsum. Vielleicht hilft mir die nackte, faktenbasierte, in Stunden greif- und sichtbar gemachte Tatsache, den Hintern und die Lunge an die frische Luft zu befördern, so wie ich es mir vor nicht mal einem Monat zu Silvester schließlich vom Universum gewünscht habe… Wenn frau sich nicht um alles selbst kümmert, keine SMARTen Ziele macht, nicht in die Verantwortung für die eigenen Bedürfnisse und die eigene Gesundheit geht, dann wird das verflixt nochmal wohl nix…

Digitales Wohlfühlen, modifiziert und in Teilen aus dem Englischen übersetzt aus Material eines Kurses zum Digital Wellbeing, den ich online und for free im Dezember an der University of York gemacht habe.

Mist! Die Fakten sind, ich sag mal, unschön. Okay, was kann ich für mich tun…

Zum Jahresanfang kommt mein Krankenkassen-Bonusheft. Dort bekomme ich auch einen Stempel mitsamt Bonus für das deutsche Wanderabzeichen! Cool! Wie komm ich an das Deutsche Wanderabzeichen?

Da Gruppenwanderungen in Lockdown-Zeiten nicht möglich sind, verlängert der Deutsche Wanderverband (DWV) die Sonderregel, nach der auch individuelle Wanderungen für das Deutsche Wanderabzeichen punkten. Das ist auch deswegen wichtig, weil während der Corona-Pandemie viele andere Freizeitsport-Aktivitäten nicht mehr möglich sind. […]

Um das Bewegungsabzeichen samt Urkunde am Ende des Jahres 2021 zu bekommen, benötigen Erwachsene über das Jahr hinweg 200 Kilometer, Jugendliche 150 Kilometer und Kinder 100 Kilometer, die in mindestens zehn Einzelwanderungen gelaufen werden. […]

Der Deutsche Wanderverband möchte mit der Sonderregelung möglichst viele Menschen in Bewegung halten oder bringen. Daher werden pro Monat bis zu 20 Kilometer, die im Kreis der Familie, mit einzelnen Freunden oder auch alleine erwandert werden, für das Deutsche Wanderabzeichen gewertet. Dank der ehrenamtlichen Wegearbeit der Mitgliedsvereine im DWV ist das flächendeckend und auch abseits der Wanderhotspots möglich.“ (DWV Pressemitteilung 3/2021, Kassel, 26. Januar 2021)

Das pdf zum Sonderblatt gibt’s auf meiner Website in der Wanderabteilung und auf den Seiten des DWV. Tolle Aktion. Und mit einem Haushalt darf ich mich ja treffen. Also nix wie los! Hilft auch bei durch übermäßige Bildschirmarbeit bedingter Kurzsichtigkeit und sorgt so auch für mentale Weitsicht.

Was noch? Businesspilgern geht! Das habe ich im letzten Jahr schon mal begonnen. Es hat sich mit Weihnachten wieder aus der gesunden Routine verabschiedet und muss neu belebt werden. Also Netzwerkkarte raus (zur strategischen Netzwerkberatung hier entlang) und die Frage gestellt: Wer in meinem Netzwerk hat Bock, ist in der Nähe, zuverlässig und nett? Mit wem möchte ich Businesspilgern? Wo hab ich die Telefonnummer? Und los! Eine circa einstündige Mittagspause, ggf. eine Stunde nach Feierabend, um sich mit einer lieben Person eines anderen Haushalts zu einem Spaziergang zu treffen. Wenn alle meine Kontakte und ich verantwortungsvoll mit nur sehr wenigen Menschen Kontakt haben und wir uns nicht wild umarmen, sollte es doch möglich sein, neben einer Wanderung am Wochenende, zweimal pro Woche eine Stunde spazieren zu gehen. Das wärmt nicht nur den Körper, sondern auch das Herz und sorgt für ein ausgeglichenes Oxytocin-Level, so dass ich mich nicht einsam fühle und auch am Folgetag Lust und Elan habe, mich nochmal allein um den Block zu bewegen,… oder zum Magdeburger Dom, da bin ich sehr gerne…

Der KreisSportBund Saalekreis ruft „alle organisierten und nichtorganisierten Sportler*innen der Region auf sich im Zeitraum vom Samstag, den 23.01.2021 bis Sonntag, den 28.02.2021 an der Aktion KILOMETERSAMMLER zu beteiligen. In diesen 37 Tagen gilt es, möglichst viele Kilometer zu Fuß im Freien (Spaziergang, Walken, Joggen) zurückzulegen und die Leistung dem KreisSportBund Saalekreis zu melden. In Kooperation mit der Saalesparkasse werden die Sportvereine mit der größten Laufleistung prämiert. Nichtorganisierte Sportler*innen können ihre Laufleistung einem Verein unter dem Dach des KSB Saalekreis „spenden“.“ (Maik Heinel, stellv. Geschäftsführer, Breitensport / Sport und Gesellschaft, KreisSportBund Saalekreis e.V., 20.01.21) Hier geht es zum Aufruf. Sicher gibt es ähnliches auch in Ihrer Region. Die Vereine und Verbände hatten ja nun genug Zeit, sich Tolles auszudenken oder irgendwo abzuschauen, zu organisieren und anzubieten. Es ist eine großartige Möglichkeit, selbst in Bewegung zu kommen, zu helfen und zu unterstützen und soziale teilzuhaben.

Vielleicht hat das Unternehmen für das Sie arbeiten, ja einen Pausenexpress, in dem Sie sich angeleitet durch ein paar mobilisierende und stärkende Übungen (i.d.R. für Schultern und Nacken) arbeiten, um einen gesunden Impuls in den Körper zu geben. Hier treffen Sie auch ein paar Kolleg*innen, können sich kurz austauschen und erleben Gemeinschaftsgefühl. In meinen Online-Sport- und Yogakursen brauchen Sie auch nur wenig bis gar nicht auf den Bildschirm schauen und werden von mir auch immer wieder dazu eingeladen, auf den eigenen Körper zu hören, wie die Übung richtig ist. Und sollte die Übung doch ungesund ausgeführt werden, dann bin ich ja da, um zu unterstützen. Ich lasse meine Teilnehmenden gern mit geschlossenen Augen arbeiten, damit die Augen sich entspannen und wir die anderen Sinnesmodalitäten und z.B. unsere Atmung wieder bewusster wahrnehmen können. Das erdet, klärt, beruhigt und fokussiert ganz wundervoll und leitet Regeneration ein.

Sollte Ihr Unternehmen tatsächlich immer noch kein digitales Gesundheitsmanagement für das Home Office aufgebaut haben, könnten Sie ja höflich mal Bedarf und Unterstützung anmelden und ggf. auch Ihre Kolleg*innen darum bitten, gleiches zu tun. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und Sie dürfen hier für sich und andere in die Verantwortung gehen. Auch das fühlt sich großartig an und hilft, Körper, Psyche und emotionales System im Februar + Lockdown auszugleichen und Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Zunächst einmal nicht offline, aber motivierend und in Schwung bringend, könnte jede*r, die*der schon mal von Selbständigkeit geträumt hat (oder selbständig ist und situationsbedingt ein wenig umplanen muss, oder sowieso jede*r einfach mal so), seinen/ihren Businessplan erstellen, um sich zu positionieren und Träume wahr werden zu lassen. Es gibt da eine wunderschöne kostenfreie Website, die Gründerplattform. Sie wird auch vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt und bietet sehr nützliche Tipps zur Gründung und zur Erstellung von Businessmodellen durch wichtige und die richtigen Fragen zur Unternehmung im Baukastenprinzip und macht sehr viel Spaß. Offline kann man/frau dann mit Post its, Buntstiften und Vision Board kreativ weiterwirken, Ziele formulieren, Pläne schmieden, aus Träumen Wirklichkeit machen.

Ausmisten ist auch toll, komplett analog und bereitet den Frühling super vor. Sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Sich überlegen, was wirklich gebraucht wird und was seit Jahren an Ballast, z.T. auch mit Schuldgefühlen belastet, unreflektiert mitgeschleppt und aufgehoben wird. Sich von alten Klamotten, Büchern, Schnickschnack, Lohnstreifen und uralten Dokumenten zu trennen, das klärt auch die Psyche ungemein und hinterlässt ein befriedigendes Gefühl, mal wieder richtig was geschafft zu haben.

Zwischen den ungesunden zweistündigen Zoom-Meetings und ohne Pausenexpress lässt sich auch gut aufräumen, den Körper leicht mobilisieren und immer wieder mal das Auge auf Weite einstellen. Umräumen, um die eigene Wohnung gesünder zu gestalten und einen Impuls ins Neue zu geben ist auch eine fantastische Idee, um ungesunde Routinen loszulassen.

Die Steuererklärung kann auch ein schönes Spiel sein. Manch eine*r putzt aber lieber Fenster, als die Steuer zu erklären. Prokrastination. Auch in Ordnung. Fenster putzen regt auch den Stoffwechsel an und bringt Schultern und Nacken in Bewegung. Wenn Sie das Fenster aufmachen, um es auch von außen zu putzen (würde ja Sinn machen), bekommen Sie auch eine ordentliche Portion Sauerstoff in die Lungen und werden anschließend mit Durchblick belohnt. Das klingt sogar für mich attraktiv…

Wenn ich all diese Dinge als Pilotprojekt ansehe und wenigstes erstmal anfange, mit der Option, jederzeit mit dem Gesundwerden oder -sein wieder aufzuhören, sollte ich keine Lust mehr haben, sind Großprojekte wie die Entsorgung der Lohnstreifen der letzten 20 Jahre und anderer Dokumente aus etlichen Ordnern im Bettkasten auch keine unüberwindbare Hürde mehr.

Analoge Reizumgebungen — Wohlfühlatmosphäre im Corona-Lockdown

Sauerstoff durch Lüften ist eine gute Idee für körperliche und psychische Klarheit und Frische. Pflanzen reinigen und befeuchten darüber hinaus unsere Raumluft erheblich. Zusätzlich sorgt ein Diffuser oder eine Öllampe mit reinen ätherischen Ölen für gereinigte Luft und unterstützt je nach Öl ihre Grundstimmung:

In Zitrusfrüchten und deren konzentrierten Ölen sind Sonne und Sommer gespeichert. Zitrusöle in der Luft, auf der Haut, in den Getränken, in oder als Lebensmittel wirken entzündungshemmend, konzentrationssteigernd,… Das Öl der Orange z.B. wirkt belebend und erfrischend auf Körper (Entspannung der glatten Muskulatur) und Psyche (Förderung von Positivität, energetisierend) und kann so den Auswirkungen von Lichtmangel in der Winterzeit (Winterdepression) entgegenwirken; das Öl wirkt stimulierend auf die Zirbeldrüse (u.a. Ort der Melatonin-Bildung; Regulation zirkadianer Uhren im menschlichen Körper) und ausgleichend auf die Hypophyse (übergeordnete Hormondrüse, Schnittstelle Nervensystem – Hormonsystem). Es regt möglicherweise die Produktion des Hormons Enkephalin (stimmungserhellend) an.

Eukalyptusöl ist eines der stärksten Antiseptika, die natürlich wachsen. Heute wie damals gilt das Öl als eines der besten Mittel gegen Atemwegserkrankungen, Harnwegsinfektionen, Fieber, Rheumatismus, Muskelschmerzen, Wunden, Hautunreinheiten, Akne, Trägheit und Antriebsschwäche. Das Öl des Wohlbefindens hat einen frischen eindringlichen Duft, riecht etwas kampferartig, riecht ‚gesund‘. Eukalyptusöl eignet sich wegen seiner Intensität bestens zur Reinigung der Raumluft, erleichtert das Atmen bei Erkältungen und fördert so die Sauerstoffversorgung und Regeneration aller Körperzellen.

Lavendelöl stimuliert das parasympathische Nervensystems, d.h. den Teil unseres vegetativen Nervensystems, dass für Erholung, Entspannung, Regeneration und das Auftanken unserer Energiereserven zuständig ist. Das Öl der Kommunikation beruhigt das Nervensystem, lindert so Angst- und Stresszustände und macht so auch blockierte Kommunikation intra- & interpersonell wieder möglich. Durch die entspannende Wirkung ist es auch gut geeignet bei (Ein-) Schlafstörungen, Hyperaktivität, Jetlag und den unangenehmen Begleiterscheinungen von Stress (z.B. Zähneknirschen, Nägelkauen oder Verspannungen der Muskulatur). Ich könnte Ihnen noch sehr viel über die heilenden Wirkungen von ätherischen Ölen erzählen. Ich bin Fan dieser analogen, natürlichen, wohltuenden Reizumgebungen, die mich vom digitalen Ziegenmelken zurück in die Gegenwart bringen!

„Wenn dem Februar die Farbe von Schweineschmalz auf Schwarzbrot zukommt, so entspricht sein Geruch dem von nassen Wollhosen. Was den Ton angeht, so haben wir es mit einer abstrakten Melodie zu tun, die auf einer quietschenden Geige gespielt wird, jammernd wie eine seekranke Xanthippe. O Februar, du bist nicht nur klein, du bist auch bescheiden! Verfügtest du in deiner lästigen Ausdehnung über den doppelten Umfang, würden wohl nur wenige von uns überleben, um den schönen Monat Mai willkommen heißen zu können.“ (Aus: PanAroma von Tom Robbins, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1985)

Welche visuellen Reizen setzten Sie dem „Schweineschmalz auf Schwarzbrot“ entgegen, welche olfaktorischen den nassen Wollhosen? Welche akustischen Reize tun Ihnen gut, wärmen und nähren Sie durch den Februar in den Frühling? Geben Sie sich davon genug? Wie können Sie mehr davon bekommen, wenn Sie das möchten?

Eine positive, Sie ansprechende milde Reizumgebung vermittelt das Gefühl von Sicherheit. Wo ich sicher bin, bin ich weniger in der Angst, im Frust und/oder im Stress, kann mich öffnen, vertrauen, kreativ sein, fühle mich wohl. Tee, Kerzen, frische, helle Kleidung und frische und frisch zubereitete Lebensmittel, das Lesen analoger Bücher und/oder ein langes Schaumbad entstressen analog auf gleiche Weise.

„Wir festigen unsere Gedächtnisse über Nacht. Ein positiver, gesunder Input durch ein positives, gutes Buch oder Meditation am Abend verbessert unser Gedächtnis, schützt so vor neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, festigt positive Glaubenssätze und Gewohnheiten, lässt uns uns positiver und zufriedener fühlen, fördert unser Einfühlungsvermögen und verringert so auch die Wahrscheinlichkeit an Depressionen oder Angststörungen zu erkranken.“ (aus meinem 2021 erscheinenden Buch „Du bist was dich stresst! Tabula Rasa für chronisch Gestresste“)

Ich habe mir Anfang der Woche die ersten Tulpen gekauft und meiner Nachbarin auch gleich welche mitgebracht. Es sind Kleinigkeiten, die mir den analogen Tag versüßen. Um so eher ich diese Tätigkeiten, Situationen und Dinge für mich auch bewusst als positiv und mir wohltuend wahrnehme und wertschätze, um so stärker ist deren positiver und gesunder Effekt auf meinen Körper, meine Psyche und mein emotionales System!

Helfen und Hilfe annehmen

Anderen zu helfen ist ein wahnsinnig gesundes digitales und analoges Werkzeug, immer und gerade jetzt, um durch diesen Februar und die Pandemie zu kommen. Um zu geben, sollten die eigenen Ressourcen aufgefüllt sein. Das letzte Hemd zu geben, ist nicht gesund und auch für das Gegenüber nicht hilfreich. Ebenso sollte Hilfe bedingungslos sein und dem anderen tatsächlich helfen und nicht nur Ihr eigenes Bedürfnis nach Nähe und Anerkennung befriedigen.

Sollten Sie Hilfe benötigten, zögern Sie nie darum zu bitten. Suchen Sie sich Menschen in Ihrem Netzwerk, welche bereit sind zu helfen und, Ihr Anliegen betreffend, die erforderliche Kompetenz haben. Nur sehr, sehr wenige Menschen werden (und dann häufig, weil sie selbst keine Ressourcen mehr haben) Hilfe verweigern. Vor Zurückweisung brauchen Sie also keine Angst haben! Sollten Sie doch zurückgewiesen werden, dann ist das manchmal so und sagt über Sie gar nichts aus! 

Neben dem Geben von Hilfe und dem Annehmen von Hilfe, gibt es auch das Tauschen und die Synergie. Wenn ich mir für meine Wanderungen und fürs Businesspilgern Partner*innen suche, dann haben wir da beide was von.

Darüber hinaus gibt es viele tolle Initiativen, die offene Ohren und Herzen leihen, z.B. https://www.virtualsupporttalks.de/ich-biete-redezeit/. Hier wird pro bono von professionellen Coaches zugehört – wertfrei, achtsam, empathisch und vertraulich. Unabhängig von Ihrem Thema, Ihrer Herkunft, Identität, sexuellen, religiösen oder politischen Orientierung. Für 15 bis 30 Minuten. Am Telefon, auf Skype, Zoom, WhatsApp oder Facetime…

Zögern Sie nicht, Hilfetelefone in Anspruch zu nehmen. Das sind z.B.:

Sagen Sie mir gerne, was es sonst noch gibt / was Sie gerade an sich selbst oder anderen feststellen / an Möglichkeiten schon entdeckt haben:

  • zu ungesunden Denk- und Verhaltens,
  • zu Privilegien für die Dankbarkeitsliste,
  • zu analogen Ausgleichsmöglichkeiten und Angeboten für Körper, Psyche und emotionales System,
  • Unterstützungsangeboten,

Ich mache es dann hier sichtbar. Gemeinsam machen wir eine mega-riesengroße ganzheitlich gesunde Liste für die Do’s & Dont’s im Februar- dem übelsten Mond des Jahres und dem Lockdown des Jahrhunderts.

Beste Sonnengrüße

Ihre Dr.in Kathrin Marter

Raunächte — digitale Ruhe und Besinnlichkeit zwischen den Jahren

In diesem Blogbeitrag geht es um die Raunächte, ihre Bedeutung, wie wir sie gut für uns nutzen können, um das alte Jahr dankend gehen zu lassen und das neue Jahr zielorientiert willkommen zu heißen. Ganz im Sinne der Über-Strom-Reihe nutze ich Beispiele aus unserem digitalen Alltag, um Rück- und Vorschau einzuleiten. Ganz im Sinne von Tabula Rasa 2.0 frage ich, um ungesunde Glaubenssätze und Verhaltensweisen erkennbar zu machen und die Absicht der Integration neuer gesunder Verhaltens- und Denkweisen zu ermöglichen und zu stärken.

Raunächte — Tage außerhalb der Zeit

Die Raunächte, auch Rauhnächte, gehen vermutlich auf den germanischen Mondkalender zurück. Dieser hatte ein Jahr mit zwölf Mondmonaten und demnach 354 Tagen. Die zum heutigen Sonnenkalender mit 365 Tagen fehlenden elf Tage – bzw. zwölf Nächte – sind, aus Sicht des Mondkalenders, mit dem Wissen um den Sonnenkalender, Tage außerhalb der Zeit. (1)

Diese Tage außerhalb der Zeit sind für viele von uns arbeitsfreie Tage. Durch die vorbereitenden Adventsonntage, das Raunächte einleitende Weihnachten bei Kerzenlicht, Liedern, im Kreise der Familie kommen wir zur Ruhe und erleben zwischen den Jahren eine besinnliche und entschleunigte Zeit. Sie wirkt durch die kurzen Tage um die Wintersonnenwende mit dem 21.Dezember immer auch mystisch.

Analoge Tage außerhalb der Zeit?

Die Raunächte können dieses Jahr ganz besonders, auch eine Zeit sein in der Körper, Psyche und emotionales System einen Ausgleich zur Digitalisierung erfahren.

Ich liebe die Digitalisierung! Sie hat es mir ermöglicht meine YogaLehrAusbildung trotz Lockdown zu Hause zu beenden. Sie ermöglicht es mir in Kontakt zu bleiben und z.B. zu Weihnachten auch meine Schwester sehen zu können, die nicht ‚anfassbar präsent‘ bei uns sein wird. Die Digitalisierung ermöglicht es mir meine Yoga-Kurse auch weiterhin anzubieten und so viele Menschen bei ihrer Entspannung und Stressbewältigung in dieser irren Zeit zu unterstützen und ich kann sogar Formate wie die Raunächte-Meditations-Challenge anbieten, für die es vor Corona und den damit verbundenen Lockdowns keine Zielgruppe und/oder keine Bereitschaft und Vorstellungskraft gegeben hätte: Ab dem 21.Dezember werde ich nun jeden Morgen um 7 Uhr (vielleicht 6:50 Uhr) aus dem Bett kullern, den Rechner hochfahren und um 7:15 Uhr mit Gleichgesinnten meditativ die Raunächte begehen. Ebenso um 20:45 Uhr, damit ich gegen 21:30 Uhr tief verbunden mit mir selbst und absolut präsent wieder ins Bett kullern kann, um dort in der Meditation, die sich Schlaf nennt, zu regenerieren und aufzutanken. Ich wünsche mir von mir selbst, dass sich dieses Meditations-Ritual durch die Raunächte so festigt, dass ich es beibehalte, weil es mir gut tut, weil es gesund ist und ich gesund sein möchte.

Raunächte- digitale Ruhe und Besinnlichkeit zwischen den Jahren

Die Meditation, wenn hier auch digital übertragen, um im Lockdown gemeinsam zu sein, ist ein wundervolles Pendant zur Digitalisierung, weil wir uns in der Meditation von äußeren Reizen zurückziehen. Das Digitale, viele werden es spätestens in der Intensität des Home Office und der Lockdowns bemerkt haben, ist körperlich und kognitiv anstrengend:

Die Impulse der hellen Bildschirme strengen die Augen im Übermaß an, bei schlechter Verbindung der Telco muss das Gehirn sich aus abgehackten Tönen den Kontext zusammenschustern, viele Formate wollen unsere Aufmerksamkeit und einige versuchen sie über angstauslösende Titel und Artikel zu bekommen. Gleichzeitig haben wir, ob der Fülle der digitalen Angebote, Belehrungen und Informationen keine Zeit uns tief und ernsthaft mit deren Wahrheitsgehalt auseinanderzusetzen, um unsere individuelle Wirklichkeit in der aktuellen Situation überhaupt noch einschätzen zu können.

Dazu fehlt vielen Bewegung, vielen fehlen die eingefahrenen, Sicherheit-gebenden Routinen des Berufsalltag, die Gespräche auf dem Flur, das Käffchen. Zudem können digitale Formate uns nur sehr begrenzt emotional berühren, wie es ein Lächeln oder auch Nicht-Lächeln der Chefin in ‚Präsenz-Präsenz‘ könnte, so dass einigen Menschen sicher große Mengen Oxytocin fehlen und so ein Gefühl von Einsamkeit entstehen kann.

In der Summe kann der Körper am Ende dieses Corona-Jahres nicht-ausgelastet und rastlos sein, bei gleichzeitigen Gefühlen von Schwäche und/oder dem Gefühl nicht belastbar zu sein, schlecht in den Schlaf zu finden oder nicht durchschlafen zu können, eine stärkere Brille zu brauchen, Verspannungen in Hüfte, Schultern, Nacken und Gesicht, Kopfschmerzen bis hin zu Migräne und diffusen Ängsten, ob der Unsicherheiten und möglichen Veränderungen der eigenen Gesundheit und der eigenen Lebensumstände.

Raunächte — Rück- und Innenschau

Mit dem Wissen, dass die Tage wieder länger werden und das neue Jahr vor der Tür steht, regt sich Hoffnung in uns. Alle Jahre wieder, wünschen sich viele, dass das nächste Jahr besser wird als das vorangegangene, häufig ohne genau zu schauen, was alles erreicht wurde, ohne Dankbarkeit und Wertschätzung für das Erreichte und die Rückschau auf die Herausforderungen, die das Leben für uns bereit gehalten hat.

Diese Dankbarkeit und Wertschätzung allerdings sind es, die uns aus unserem tiefsten Innern heraus glücklich, zufrieden, entspannt und gesund sein lassen, die uns helfen, die Herausforderungen unseres Lebens anzunehmen, ohne dauerhaft den Ist-Zustand bekämpfen zu wollen, weil er noch nicht und niemals einen dauerhaften Zustand von Euphorie, Sicherheit und Fülle in uns auslöst.

Die Einflüsse von Sonne und Mond führen eine tiefe Empfindsamkeit herbei, die sich nutzen lässt, um

  • im Innen aufzuräumen,
  • Altes, das nicht mehr gebraucht wird, das nicht mehr nährt, dankbar und wertschätzend gehen zu lassen,
  • zu regenerieren,
  • die eigenen Wünsche und Bedürfnisse abzufragen,
  • neue Ziele zu visualisieren und
  • sich fest mit den eigenen kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Zielen zu verbinden,
  • Schritte zur Wunscherfüllung zu reflektieren,
  • sich zu fokussieren und
  • zu erden.

In Bezug auf den stark digitalisierten, bewegungs- und kontaktarmen Home Office-(Lockdown)-Alltag lässt es sich fragen:

  • Welche digitalen Medien und Werkzeuge nutze ich stündlich, täglich, wöchentlich? Wie viele Stunden bin ich auf diese Weise täglich online? Möchte ich das so?
  • Welche Regenerationsmöglichkeiten möchte ich meinem Körper, meiner Psyche, meinem emotionalem System vor / nach einen digitalen Tag geben? Ist das smart, d.h. ist das Ziel
    • simpel genug, um es auch anzugehen?
    • messbar? (spätestens hier fällt das Ziel, dauerhaft glücklich sein zu wollen raus)
    • für mich attraktiv? Hab ich da Bock drauf?
    • realistisch? (hier können wir auch nochmal über das Glück nachdenken…)
    • Ist der Startpunkt terminiert? Ein Zeitraum? (hier können wir auch nochmal über das Glück nachdenken…)
  • Wovon habe ich gerade zu viel in meinem Leben? Wo von zu wenig? Wie kann ich das ändern?

Raunächte — Tabula Rasa 2.0 pur

Wie in einem Karriere- und Persönlichkeitsentwicklungsprozess in einem Workshop oder Coaching fragen uns die Raunächte nach unseren Bedürfnissen, persönlichen Motiven, Zielen und Werthaltungen. Unsere Wünsche und Bedürfnisse sind natürlich und menschlich (siehe auch Artikel zur Maslowschen Bedürfnisse-Pyramide in Corona-Zeiten). Nicht immer ist allerdings die Art und Weise, wie wir uns unsere Wünsche erfüllen und Bedürfnisse befriedigen wollen, sinnvoll und zielführend. So kann ich mir und anderen zum neuen Jahr Gesundheit und Glück wünschen (lassen); daran zu glauben, dass ich durch das Aussprechen dieser Sätze allein dauerhaft gesund und glücklich bin, ist allerdings ziemlich esoterisch.

Um z.B. dauerhaft gesund zu sein, muss ich/musst Du Verantwortung für deine Gesundheit übernehmen.

Es braucht die Rückschau:

  • Was hab ich alles schon probiert?
  • Was hat gut funktioniert?
  • Was hat nicht so gut funktioniert?
  • Warum hat es nicht gut funktioniert?
  • Warum hat das, was gut funktioniert hat, gut funktioniert? …

Es braucht die Innenschau:

  • Wie zufrieden bin ich mit dem IST-Zustand?
  • Wofür bin ich dankbar?
  • Was brauche ich und warum?
  • Wie kann ich bekommen, was ich brauche?
  • Ist das wirklich wahr?
  • Was hindert mich daran, mein Ziel zu erreichen?

Und es braucht den Blick in die Zukunft:

  • Wie fühlt es sich an, wenn ich mein Ziel erreicht habe?
  • Wer teilt meine Werte, Bedürfnisse und/oder Ziele und wie können wir uns gegenseitig unterstützen ?
  • Wie sieht mein Plan aus? Was sind meine ersten Schritte hin zur Zielverwirklichung?
  • Was/wer/wo sind meine Reminder?

12 Tage und Nächte für diese und weitere Fragen lassen uns uns tief bei uns selbst ankommen und den ein oder anderen Wunsch, das ein oder andere Gefühl, als kontra-produktiv entlarven und im alten Jahr lassen. 12 Tage und Nächte in Verbindung, in Achtsamkeit und Wertschätzung mit uns selbst, ermöglichen es uns Achtsamkeit, Wertschätzung und Dankbarkeit zu üben und als Routine, als neue gesunde Verhaltensweise mit ins neue Jahr zu nehmen und in den Alltag zu integrieren.

Und wenn Dich im neuen Jahr das Hamsterrad nach einiger Zeit doch wieder einholt, dann hast Du mit dem Fasten zu Ostern und spätestens mit den Raunächten in 2021  wieder die Gelegenheit, rauszupurzeln.

Tipp: Um in Verbindung mit Dir selbst und Deinen Zielen, Wünschen und Bedürfnissen zu bleiben, bietet sich eine regelmäßige Yogapraxis an. Der Yoga ist vor 1000nden Jahren dafür entwickelt worden, dass wir unseren wahren Wesenskern entdecken können. Er bietet daher immer wieder die Innenschau an, verbindet Dich wärmend und umarmend mit Dir und schafft einen sanft-bewegenden, ent-spannenden Ausgleich zum wahnsinnig coolen und an-spannenden digitalen Zeitalter!

Herzlichst frohe Weihnachten, besinnliche Raunächte und ein zufriedenes neues Jahr,

wünscht Dir

Kathrin

Laptop, Internet und Yogalehr-Ausbildung gehen jetzt auch zusammen Teil 3/3

Eine der letzten analogen Hochburgen, die Yogalehr-Ausbildung ist nun auch digital. Ich durfte dabei sein! Dies ist Teil 3 von 3, meines Erfahrungsberichtes, aus dem sich Wertvolles und Hilfreiches für den Alltag im digitalen Zeitalter ableiten lässt. In der ersten Woche berichtete ich kurz von der Geschichte der Yogalehrtradition und vom Intensiv-Programm des analogen Formates im Ashram (klosterähnliches Meditationszentrum1 /Ort, an dem Yoga und andere spirituelle Praktiken praktiziert und gelehrt werden2).

In der zweiten Woche berichtete ich vom Online-Format und davon, wie Analog- und Onlineformat der Yoga-Lehrausbildung mit all seinen Gesunderhaltungsmaßnahmen zum Aufbau neuer gesünderer Verhaltensweisen anregen kann.

Nun möchte ich, nach zwei-wöchiger freiwilliger Isolation mit Intensiv-Programm in den eigenen vier Wänden, etwas zur sozialen Komponente der Online-Yogalehr-Ausbildung sagen.

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Wo Menschen sind, da menschelt’s!

Ein großer Vorteil der Online-Ausbildung war aus meiner Sicht, dass ich mich ganz auf mich selbst fokussieren durfte. Viele Gespräche, das ‚Sich zum Essen verabreden‘, sich gemeinsam über die Intensität des Programmes ärgern, oder darüber, dass der Dozent gefühlt immer überzieht, obwohl das Programm schon so dicht ist, sich gemeinsam über nervig oder überflüssig empfundene Fragen anderer Teilnehmer*innen ärgern und Höflichkeiten, wie das Türen aufhalten, fallen weg.

Hier besteht eine gewisse Gefahr, dass ihr mich im besten Fall für unsozial haltet. Das bin ich ganz sicher nicht. Wenn es nun aber für ein bis zwei Wochen das Ziel ist, nach innen zu schauen, zu beobachten auf welchen Schaukeln denn die Affen im eigenen Kopf so unterwegs sind und zur Ruhe zu kommen, ist es sinnvoll nicht unentwegt nach außen reagieren zu müssen.

Im Alltag und auch an den Schweigetagen im Analog-Format im Ashram merkte ich, wie wahnsinnig energieaufwendig und anstrengend Kommunikation doch sein kann.

Obwohl für die menschliche Psyche und darüber auch für den Körper unverzichtbar, wertvoll, freude-bringend und gesund, wenn erfolgreich, tun sich in zwischenmenschlicher Kommunikation eben auch immer wieder schwere Abgründe und Missverständnisse auf. Diese wiederum können das Gefühl von Unverstanden sein, unmittelbar damit verbunden, der Einsamkeit und tiefer Traurigkeit mit sich bringen.

Das liegt heute sehr viel daran, dass das Gegenüber in der Regel, vor allem im Alltagsstress und irgendwann aus Gewohnheit, gar nicht wirklich zuhört (im Sinne von Aktivem Zuhören nach Carl Rogers), sondern seine eigenen Neuronen schon auf der Suche nach eigenen Mustern sind, die dann als Antwort von den zuständigen Motoneuronen ausgespuckt werden und mit meiner Aussage nicht mehr viel zu tun haben. Häufig fängt der Satz des Gegenübers dann auch mit ‚aber‘ an, oder wird irgendeine Art von Belehrung.

„Ich weiß nicht, was ich gesagt habe, bevor ich die Antwort meines Gegenübers gehört habe.“

Paul Watzlawick

Herz und Kopf schmerzen mir dann, weil ich weiß, dass dies wieder eines der Gespräche ist, die nicht auf Augenhöhe stattfinden und nicht dafür da sind, das Gegenüber tatsächlich besser zu verstehen.

Und selbst wenn das Zuhören klappt, sind Realitäten, Worte und Interpretationen von Worten beider am Gespräch Beteiligter so vielschichtig, dass man doch häufig aneinander vorbei redet und es eben ganz viel Zeit, Herzwärme und aktives Zuhören braucht, bis sichergestellt ist, das Person B die Lebenswelt von Person A ansatzweise verstanden hat und so auch für sich selbst etwas neues mitnehmen kann.

Bildquelle: unbekannt

Wenn es bei all diesem Aufwand nur um das Wetter geht, darum, ob es nun zu warm, zu kalt, zu windig, zu wolkig, zu sonnig, zu trocken, zu nass ist, dann möchte ich mir den Energieverlust, welcher meinem Gehirn bei diesem Gespräch entstehen würde, gerne ersparen.

Die Schweigetage im Analog-Format der Ausbildung und das Online-Format boten sich hervorragend an, um selbst zu merken, welche Gespräche wirklich nötig sind und welche eben unnötig. Ganz herrliche Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin.

Und doch möchte ich deutlich hervorheben, dass eine dauerhafte Isolation der Gesundheit schadet. Ich habe mich (so gut es eben durch die Corona-Maßnahmen ging) vorbereitet, z.B. habe ich vor und nach meiner zwei-wöchigen freiwilligen Isolation sehr proaktiv dafür gesorgt, Treffen mit Freund*innen zu haben und auch an den zwei halb-freien Tagen des Online-Formats unter Menschen zu sein und einige der Pausen draußen an der frischen Luft zu verbringen.

Auch handelte es sich bei der Online-Ausbildung zwar um einen längeren Zeitraum ohne körperliche Kontakte. Ich war aber doch den ganzen Tag intensiv und gemeinsam mit rund 40 anderen Teilnehmenden in ein Programm eingebunden und hatte so eine feste Struktur. Solch eine feste Struktur kann sehr viel Sicherheit mitbringen und konnte für mich so einige Unsicherheiten und fehlende Routinen im Zusammenhang mit den notwendigen Corona-Maßnahmen ausgleichen.

Wir brauchen den persönlichen Kontakt und das persönliche Gespräch, auch wenn es nicht immer zufriedenstellend sein sollte. Auch das muss sich beobachten und durch geeignete Werkzeuge aushalten oder ändern lassen.

Uta Buttkewitz veröffentlichte ja gerade zur Kommunikation im digitalen Zeitalter mit seinen Herausforderungen und möglichen Gefahren in der Über/Strom-Reihe ihr Buch „Smiley. Herzchen. Hashtag. Zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter von Facebook, WhatsApp, Instagram @ Co.“

Tiefes Lernen durch tiefe Erfahrungen

In der Online-Ausbildung konnte ich mich sehr gut auf die Lehrinhalte konzentrieren. Ich konnte selbst mal eben etwas nachschlagen oder vertiefen und die Inhalte sind bei mir deshalb und aufgrund der stressfreien Umgebung auch sehr gut ‚hängen‘ geblieben. Inhalte, von denen ich ohnehin schon mehr weiß, als die Ausbildung abdecken konnte, z.B. Körperphysiologie, habe ich weniger intensiv gehört, bzw. tiefere Parallelen zum Yoga ziehen und verinnerlichen können.

Ohne Ablenkungen von außen war auch die Konzentration in der Meditation für mich leichter zu erreichen. Auch die Tiefenentspannung war tiefer und energetisierender. Und weil ich so ohne große Ablenkung war, habe ich auch Dinge gelernt, die ich in der Präsenzausbildung vermutlich nicht in Angriff genommen hätte. So kann ich jetzt auch den Kopfstand und übe das Rad. Am Pfau versuche ich mich auch, aber der braucht noch ein bissel bis ich ihn vorführen wollen würde.

Gemeinschaftsgefühl geht auch online

In unserer Online-Ausbildung gab es viele engagierte Teilnehmende, welche auch kleinere Gruppen für Chats und WhatsApp-Gruppen zum Austauschen organisiert haben.

Auch die Lehrproben fanden in kleinen Gruppen von 3-4 Personen statt, in denen wir hübsch geschnattert haben, Daumen für den Prüfling gehalten haben, uns anleiten lassen haben, selber Prüfling waren… Das hat ein schönes Gemeinschaftsgefühl geschaffen. 

Unsere Ausbilder*innen und das Team drumherum haben durch ihre persönliche Art und persönliche Geschichten viel Nähe geschaffen. Die Hauptausbilderin meinte sogar, dass sie in der Online-Ausbildung mehr Persönliches geteilt hat, als jemals zuvor in den Präsenz-Ausbildungen. Einer der Zoom-Technik-Verantwortlichen hat uns über WhatsApp, Bilder von ‚hinter den Kulissen‘ geschickt, weil er diese Ansicht mit uns teilen wollte. Das fand ich großartig und hat für mich viel Nähe geschaffen.

Der Höhepunkt an Gemeinschaftsgefühl war für mich der bunte Abend, den wir Teilnehmenden selbst organisierten. Hier haben viele Teilnehmenden Geschichten aus dem eigenen Leben erzählt. Eine Teilnehmerin hat aus ihrem Nepal-Reisetagebuch gelesen, das war sehr berührend. Andere haben musikalisch performt, eigene Gedichte gelesen, oder uns zu indischen Rezepten angeleitet.

In der Summe gab es sehr viele, sehr schöne soziale Gemeinschaftserlebnisse in der Online-Ausbildung, so dass zumindest ich mich in meinem zwei-wöchigen Rückzug niemals allein, geschweige denn einsam gefühlt habe.

Namasté und viele Sonnengrüße

Kathrin

Literaturverlinkungen

1 www.de.wikipedia.org/wiki/Aschram

2 www.wiki.yoga-vidya.de/Ashram

Laptop, Internet und Yogalehr-Ausbildung gehen jetzt auch zusammen Teil 2/3

Eine der letzten analogen Hochburgen, die Yogalehr-Ausbildung ist nun auch digital. Ich durfte dabei sein! Dies ist Teil 2 von 3 meines Erfahrungsberichtes, aus dem sich Wertvolles und Hilfreiches für den Alltag im digitalen Zeitalter ableiten lässt.

Letzte Woche berichtete ich von der Geschichte der Yogalehrtradition und vom Intensiv-Programm des analogen Formates im Ashram und fragte:

Wie soll solch ein Intensiv-Programm nun online gehen?

Es geht super! Ich habe das Glück beide Formate vergleichen zu können. Da ich meine vier Intensiv-Wochen gesplittet habe. Ich habe 2 mal eine Woche im Ashram (klosterähnliches Meditationszentrum1 /Ort, an dem Yoga und andere spirituelle Praktiken praktiziert und gelehrt werden2) verbracht und dann kam Corona, so dass ich die letzten beiden Wochen am Stück online absolviert habe.

Die Online-Tage waren nicht ganz so lang. Sie gingen ‚nur‘ von 7 -21 Uhr, dafür waren die Pausen kürzer und es war nebenbei eine Hausarbeit zu schreiben.

Für mich sind beide Erfahrungen, Präsenz im Ashram und Online zu Hause, wundervolle Erfahrungen für die ich sehr dankbar bin und die ich nicht missen möchte.

Das Leben im Ashram ist wunderbar gesund, ruhig und entschleunigt. Man praktiziert dort sehr viel Yoga und Meditation, ist in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten und hat so wenig Möglichkeit über den Alltag nachzudenken. Man kommt dort wirklich gut zur Ruhe und kann regenerieren. Auch wenn das Programm straff ist, merkt man wie die Arbeit mit Körper und Geist, die natürliche Umgebung und das gesunde Essen im Intervall einem sehr viel neue Energie geben.

Die große Herausforderung besteht dann darin, wenn man heimkommt, wenigstens einen Teil dieser sehr gesunden Verhaltensweisen und Einstellungen dauerhaft in den eigenen Alltag zu integrieren.

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Über die Notwendigkeit als Erwachsene überhaupt erst anfangen zu müssen, gesunde Verhaltensweisen und Einstellungen in den Alltag einzubauen, denke ich, gespeist aus und gespickt mit meinen Expertisen und Erfahrungen seit Jahren intensiv nach.

Mal wütend darüber, dass man uns einen gesunden Umgang mit unserem Körper, unseren Gedanken und unseren Gefühlen nicht beigebracht hat, mal besorgt, mit der Frage, was das für die Gesellschaft und das Glück jeder/jedes Einzelnen in unserer Gesellschaft bedeutet, mal handlungsorientiert mit Werkzeugen zur nachhaltig-gesunden Lebensführung.

Viele dieser Gedanken finden sich dann Anfang nächsten Jahren auch in meinem Buch über Stress in der Überstrom-Reihe für den Springer-Verlag.

Integration von Gelerntem in den Alltag

Es fällt mir seit der Ausbildung wesentlich leichter, den Tag mit Meditieren zu beginnen. Gerade morgens bin ich normalerweise voller Tatendrang und Gedanken und möchte eigentlich sofort losarbeiten, was mir die Meditation bisher immer zur Challenge gemacht hat und ich es letztlich ließ. Eine ruhige, fokussierte Morgenroutine ist aber sehr wichtig um nicht mittags schon im Stresslevel zu versinken und keine Sonne oder kein Land mehr zu sehen.

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Auch das Intervall-Fasten habe ich beibehalten. Durch die lange Pause, das Intervall von 16 Stunden zwischen der abendlichen und der vormittäglichen Mahlzeit (19 bis 11 Uhr) hat mein Körper mehr Zeit das Gegessene zu verdauen, das heißt zu verstoffwechseln, das heißt die Nährstoffe und Energieträger aus der Nahrung abzubauen, Energie zu generieren und neue, körpereigene Stoffe aufzubauen.

Die Pause dient auch dazu, dass der Körper nicht andauernd mit Verdauen beschäftigt, sozusagen friedlicher, ist. Der Körper hat so weniger Aufgaben zu erledigen und dadurch Zeit zum Entgiften und Reinigen, bevor die nächste Nahrungsaufnahme die Konzentration des Körpers wieder auf die Verdauung lenkt.

Anders als im Ashram, war es in der Online-Ausbildung nicht möglich, den Alltag komplett auszublenden und auch das habe ich als sehr positiv empfunden.

Ich höre die Nachbarn, ich reagiere auf E-Mails, der Postbote klingelt, das Essen besorgt sich nicht, wie im Ashram, von allein und auch die Wohnung macht sich nicht vollautomatisch selber sauber. All dies musste sich machen lassen und trotzdem war ein fokussiertes, von Alltagsstress-gelöstes Yoga und Meditieren möglich und damit einhergehend tiefe geistige und körperliche Entspannung und Regeneration in den eigenen vier Wänden.

Tabula Rasa mit alten Gewohnheiten

Meine Wohnung ist so auch ein wenig zu meinem Ashram geworden und ich gebe mir große Mühe die neuen Verhaltensweisen zu festen Routinen und letztlich spielerischen Gewohnheiten werden zu lassen.

Es heißt ja, nach 21 Tagen hat sich eine Gewohnheit gefestigt. Ich glaube, dass es länger dauern kann, eine ungesunde Gewohnheit gegen eine Gesunde zu ersetzen.

Wie lange das dauert, hängt auch davon ab, wie gefestigt die alte Gewohnheit ist, das heißt z.B. auch wie lange übe ich sie schon aus? Wie wichtig war mir diese Gewohnheit, d.h. welches Bedürfnis hat sie befriedigt? Und auch, wie unspezifisch sind die Reize mit der Zeit geworden, die das Verhalten (die ungesunde Gewohnheit) auslösen.

Von solchen Faktoren hängt die Größe des Gedächtnisses ab und deshalb u.a. auch die Zeit die es dauert, bis ein neues, gesünderes Gedächtnis groß genug ist um das ältere, ungesunde Gedächtnis im Verhalten automatisch abzulösen.

Ein kleines harmloses Beispiel ist das Kaffee trinken. Es ist eine unnötige Gewohnheit, basierend auf mehreren ungesunden Glaubenssätzen, z.B. „Ich bin müde, ich brauche erstmal einen Kaffee“, usw. Auch Generationsgedächtnissen spielen eine große Rolle: Das Kaffeetrinken (Verhalten / Gewohnheit) gehört über viele Generationen zur Morgenroutine und war ursprünglich ein Zeichen des Wohlstandes.

Es wird von den Eltern, inklusive der Glaubenssätze, völlig automatisiert an die nächste Generation weitergegeben. Der morgendliche Kaffee ist für viele so selbstverständlich, als gäbe es nur diese eine Option, diese eine Wirklichkeit, wie Watzlawick3 sagen würde.

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Obwohl die ersten Tassen Kaffee wohl kaum einem Jugendlichen wirklich schmecken, ist der Einstieg in das Kaffeetrinken, aufgrund des Kaffeeverbotes für Kinder, auch ein Einstieg in das Erwachsensein, mit der Hoffnung und dem Bedürfnis auf Augenhöhe behandelt zu werden.

Die Wirklichkeit endet ohne den Kaffee nicht. Kein Mensch braucht wirklich Kaffee um morgens wirklich wach zu werden. Wer morgens nicht wach wird, ist körperlich oder geistig erschöpft und sollte besser Körper und Geist erholen.

Kaffee ist dabei sogar kontraproduktiv, weil das Koffein, wenn es denn überhaupt noch eine Wirkung4 auf den habituierten (gewöhnten) Körper hat, unruhig macht, anstatt zu beleben und Körper und Geist so noch mehr erschöpft…

Das bringt den unruhigen erschöpften Geist nun auf die Idee noch mehr Kaffee zu trinken…, oder sogar ein Zigarettchen dazu zu rauchen, wenn das Rauchen Teil der Lebensgewohnheiten ist, oder auf dem frühen Abend vom Kaffee zum Bierchen überzugehen… …Feedbackloop zur morgendlichen Erschöpfung…

Die Macht solcher Gewohnheiten wird mir im Verzicht besonders deutlich, weshalb die Yogalehr-Ausbildung schon im Präsenzteil, im Online-Teil zu Hause dann noch einmal mit stärkerem Bezug zu den eigenen Alltags-Routinen so wertvoll und ‚erleuchtend‘ war.

Dieses war der zweite Streich. Im letzten Teil, nächste Woche, soll es um die soziale Komponente der Online-Yogalehr-Ausbildung gehen.

Stay tuned.

Eure Kathrin

Literaturverlinkungen

1 www.de.wikipedia.org/wiki/Aschram

2 www.wiki.yoga-vidya.de/Ashram

3 https://www.youtube.com/watch?v=zjrX5GhqWck, Ein Audio-Vortrag von Paul Watzlawick mit dem Titel “Wie wirklich ist die Wirklichkeit” ausgestrahlt von RadioKultur

4https://www.ted.com/talks/matt_walker_how_caffeine_and_alcohol_affect_your_sleep, Ein wunderschöner TED-Talk zu den Effekten von Kaffee und Alkohol auf unseren Schlaf.

Laptop, Internet und Yogalehr-Ausbildung gehen jetzt auch zusammen

Eine der letzten analogen Hochburgen, die Yogalehr-Ausbildung ist nun auch digital. Ich durfte dabei sein!

In drei Teilen berichte ich in den nächsten Wochen von meinen Erfahrungen, aus denen sich Wertvolles und Hilfreiches für den Alltag im digitalen Zeitalter ableiten lässt.

Zur Geschichte der Yogalehre

Der Yoga ist uralt. Er wurde wahrscheinlich viele Jahrhunderte lang in Indien mündlich an ausgewählte Schüler*innen weitergegeben. Die ältesten Darstelllungen von Yoga-Stellungen sollen über 5000 Jahren alt sein1,2, die ältesten Yoga-Schriften, die Veden, bzw. Teile davon sind mindestens 800-1500 v. Chr. entstanden (Auffassung der westlichen Indologie), wenn nicht sogar mehr als 3000 v. Chr. (klassische indische Auffassung) 3.

Mal sehr populär, mal fast vergessen, wurde der Yoga nur von Yoga-Meister*innen (jemand, der die Erleuchtung oder einen hohen Grad an spiritueller Verwirklichung erreicht hat) an ausgewählte Schüler*innen weitergegeben. Den Legenden nach waren diese Yoga-Schüler*innen zum Teil auch große Könige, die ihre Königreiche für die Lehre bei den großen Yoga-Meister*innen hinter sich ließen. Ein*e Yoga Meister*in war jemand, bei dem Yoga-Schüler*innen viele Jahre wohnten und dienten, um Yoga zu lernen.

Sowohl die Yoga-Meister*innen, als auch die Yoga*Schülerinnen habe ich hier bewusst gegendert. Denn es gab sie, die Frauen, in der langen Tradition des Yoga4, wenn auch nicht zu allen Zeiten und sicher eher in der Minderheit und in einer männlich dominierten Öffentlichkeit, weniger wahrgenommen.

Ihre Wahrnehmung & Akzeptanz sinkt zusätzlich, zum Beispiel auch durch ungegenderte Online-Beiträge.

In den letzten 100 Jahren bis heute gibt es einige große Yoga-Meisterinnen und heute, zumindest in der westlichen Welt mehr Yoga-Schülerinnen5 als Yoga-Schüler.

Die Gründe für die Umkehr des Geschlechtes unter den Schülerinnen und Schülern mit der Verbreitung des Yoga im Westen sind allerdings kein Zeichen für Geschlechtergerechtigkeit, sondern den unterschiedlichen Assoziationen der Kulturen mit dem Yoga geschuldet:

Während der Yoga in Indien z.T. nur ausgewählten, in der Regel wohlhabenden Personenkreisen und hier im Besonderen den Männern vorbehalten war, gilt der Yoga im Westen der Entspannung, der Schulung von Achtsamkeit, der Wahrnehmung und Vereinigung von Körper und Geist. Themen, mit denen der gemeine westliche Mann leider noch nicht unbedingt etwas anfangen kann und möchte.

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Auch Auszubildende gehen heutzutage sozusagen als Schüler*innen für mehrere Jahre und wenig Entlohnung in die Lehre, d.h. (eigentlich) in eine umfangreiche Betreuung zu einer*m Meister*in des jeweiligen Faches.

Während ernsthafte Aspirant*innen (spirituell Suchende) auch heute noch oder vielleicht gerade im digitalen Zeitalter auf der Suche nach einer*m Lehrenden sind, die/der auf dem spirituellen Weg unterstützt, hat sich an der Art der Ausbildung im letzten Jahrhundert vieles verändert.

So ist z.B. das Ziel des Yoga im Westen für einen Großteil der Yoga-Praktizierenden kein Spirituelles und vielleicht werden deshalb die alten Yoga-Schriften in den Grundausbildungen zunächst einmal nur angerissen. Yogalehrende, welche ihr Wissen in diese Richtung vertiefen möchten, können das in weiterführenden Seminaren und Ausbildungen tun.

Zu diesen Veränderungen des Yoga lässt sich durchaus Kritisches anmerken, wenn der Yoga nicht groß wäre und für Vielfältigkeit und Individualität stünde. So wird gesagt, das eine Jahrhunderte alte indische Tradition „aus seinem gesamten spirituellen, historischen und kulturellen Kontext“6 genommen wurde und der Westen, insbesondere über die Briten während der Kolonialzeit, sich den Yoga kulturell angeeignet habe6,7 und damit z.T. zu einer Dehnübung reduziert.

Vieles was in der Yoga-Tradition, -Philosophie, – und dem Lebensstil wichtig und heilend ist, kann, in Abhängigkeit vom Lehrenden, im Fitnessstudio verloren gehen. Wenn ich auch selbst eine Verunglimpfung der Yoga-Tradition, z.B. im Bier-Yoga sehe und manchmal auch keine Lust mehr habe, immer wieder zu erklären, dass (mein) Yoga nicht nur Sport ist, teile ich obige Ansicht nur bedingt:

Es gibt viele Quellen, so auch mein Yoga-Lehrenden-Handbuch aus der Ausbildung, die davon berichten, dass es Wunsch, Wille und Streben einiger großer indischer Meister des späten 19. Jahrhundert und des 20. Jahrhundert war, den Yoga im Westen populär zu machen und es so heute auch in Deutschland möglich ist, den Yoga in seiner Ganzheit (und nicht nur als Dehnübung) zu erlernen.

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Yogalehre im digitalen Zeitalter

Yoga dient den meisten Praktizierenden im digitalen Zeitalter zur Entspannung und zur Erhöhung der körperlichen Fitness. Der Yoga ist für sie Gegenstück zu einem sehr schnell-lebigen, reizüberflutenden, materialistischen und häufig ungesundem Alltag.

Die Ausbildungen zur/zum Yogalehrenden, so auch die 4-Wochen-Intensiv-Ausbildung, welche ich vor einigen Wochen abgeschlossen habe, versuchen die westlichen Anforderungen an den Yoga mit dem hohen Anspruch und Niveau des traditionellen Yoga anzugleichen.

Deshalb meint intensiv in der Ankündigung ‚4-Wochen-Intensiv-Ausbildung‘ auch wirklich intensiv! Intensiver, als ich es mir habe vorstellen können und ganz anders (besser, wenn auch herausfordernd) als man Aus- und Fortbildung normalerweise in Deutschland gewohnt ist.

In weiser Voraussicht und weil auch für mich ein beruflicher Alltag zu bewältigen ist, habe ich meine Ausbildung in drei Teile geteilt. Ich war zweimal eine Woche in der Präsenzausbildung im Ashram (klosterähnliches Meditationszentrum8 / Ort, an dem Yoga und andere spirituelle Praktiken praktiziert und gelehrt werden9) in Bad Meinberg und habe Corona-bedingt, die letzten beiden Wochen am Stück online zu Hause absolviert.

Intensiv bedeutet in der Präsenzausbildung im Ashram u.a., dass der Tag (das Aufstehen nicht inklusive) um 6 Uhr morgens mit Atemübungen, Meditation, gemeinsamem Singen, rituellen, hinduistischen Zeremonien und einem Vortrag zur Yoga-Philosophie bis 8:30 Uhr beginnt.

Dem schließt sich fast nahtlos die erste mehr als zwei-stündige Yoga-Praxis des Tages von 8:45 bis 11:05 Uhr an, bevor es bis 12 Uhr gesunde biologische, mindestens vegetarische Vollwertkost gibt. Dann folgen 45 Minuten Karma-Yoga (für mich Putzen in der Küche) und 45 Minuten Studienzeit. Schon ist es 14 Uhr und es geht weiter: Vortrag bis 16 Uhr, Yoga-Praxis bis 18 Uhr, Essen 18-19 Uhr, Meditation, Vortrag und gemeinsames Singen bis 22:10 Uhr.

12 Stunden jeden Tag. Und immer stehen die sogenannten ‚Türengel‘ an der Tür, bei denen man sich anwesend zeichnen lassen muss. Fehlzeiten sind nicht gestattet.

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Wenn man allerdings einfach mal im Vortrag einschläft, so wie ich, ist das in Ordnung. Und auch, wenn man die ein oder andere Yogaübung auslässt, ist das ganz normal. Jeder achtet auf seinen Körper mit seinen aktuellen Grenzen (die sich mit der Zeit verschieben!)! Auch kritische Fragen und Diskussionen zu den Themen waren gewünscht, wurden aufgenommen und geklärt.

Es stehen auch Fasten- und Schweigetage auf dem Programm, wobei insbesondere das Fasten freiwillig ist, zumal der ‚normale‘ Rhythmus der Nahrungsaufnahme im Ashram ja schon ein Intervall-Fasten ist. (Hier zu meinem Artikel über das Fasten von Gewohnheiten…)

Der Verzicht auf Fleisch, Fisch, Eier, Tabak und Alkohol während der Ausbildung ist selbstverständlich, wo doch in der ‚normalen Welt‘ das Gegenteil selbstverständlich scheint.

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Für Menschen mit hohem Autonomiebedürfnis hört sich dieses Programm vielleicht schockierend an und löst Gegenwehr aus. Auch ich war manchmal ziemlich genervt, weil überfordert.

Ich habe meine (automatisierten, neuronal nicht-mehr anstrengenden) Routinen vermisst. Routinen, die Sicherheiten geben und an die auch mein Körper sich gewöhnt hat (z.B. das Kaffee trinken).

Routinen, die ich als meine bezeichne, von denen ich aber annehmen darf, dass es sich auch um Generationsgedächtnisse der Generationsgedächtnisse meiner Eltern und Großeltern und dem sozio-kulturellen Einfluss der deutschen Gesellschaft handelt.

Routinen, von denen ich mich im Yoga-philosophischen, sowie verhaltensneurobiologischem Kontext auch fragen darf (oder darüber meditieren darf), ob es denn bei der ein oder anderen erlernten Routine nicht sinnvoller wäre, sie loszulassen, weil sie nicht gesund ist und mir nicht gut tut…

Ich war vorher noch nicht im Ashram und hatte sicher eine falsche, westliche Vorstellung von der Ausbildung. Und das, obwohl sowohl Vorbereitungswochenenden zur Ausbildung angeboten werden als auch im Internet viele Informationen, insbesondere das Programm detailliert beschrieben sind. Ich hatte einfach noch keine Neuronen für diese Vorstellung.

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Es war eine sehr intensive und gesunde Erfahrung und beide Male wollte ich bei der Abreise schon am Bahnhof lieber wieder zurück in den Ashram. Gleichzeitig wollte ich aber auch wieder zurück in meinen Alltag. Das waren sehr widersprüchliche Gedanken, letztlich mit dem Vorsatz, so viele gesunde Routinen wie möglich in meinen Alltag zu integrieren.

Der Kontrast ist wirklich stark. Das merkt man erst, wenn Körper und Geist durch den Yoga und das Meditieren mal richtig runtergefahren, zentriert und gestärkt sind, die Lungen vom vielen Yoga, den vielen Atemübungen und der Landluft wieder frei sind, der Körper durch das Intervall-Fasten, den Yoga und das gesunde Essen entgiftet ist und das Herz durch das Singen, die schönen, alten Geschichten und die Gemeinschaft wieder weit offen ist…

Wie solch ein Intensiv-Programm nun online gehen kann, erfahrt ihr in der nächsten Woche…

Stay tuned.

Eure Kathrin

Literaturverlinkungen

1 http://www.wiki.yoga-vidya.de/Yoga_Geschichte

2 http://www.yogaeasy.de/artikel/Die-Geschichte-des-Yoga

3 http://www.wiki.yoga-vidya.de/Veden

4 http://www.vedanta-yoga.de/yogameisterinnen-heilige-frauen-rishikas/

5 http://www.yoga.de/yoga-als-beruf/yoga-in-zahlen/yoga-in-zahlen-2018/

6 http://www.zeit.de/kultur/2019-09/yoga-geschichte-historie-sport-achtsamkeit-spiritualitaet

7 http://www.bento.de/sport/yoga-ist-mehr-als-sport-und-nicht-so-harmlos-wie-wir-denken-a-68cf3b17-8cc5-4839-a392-547e69b3bd66

8 http://www.de.wikipedia.org/wiki/Aschram

9 http://www.wiki.yoga-vidya.de/Ashram

Laptop, Internet und Yogamatte gehen jetzt auch bei mir gemeinsame Wege

Nun ist der Yoga also auch im digitalen Zeitalter angekommen.

Online-Yoga,

  • live,
  • ohne Aufzeichnung,
  • zu einer festen Zeit,
  • in einer kleinen geschützten Gruppe,
  • die vor dem Kursstart miteinander schnattert,
  • mit einer Lehrenden, die schaut, ob die Teilnehmenden die Übungen korrekt ausführen und auf sie eingeht, wenn sie Anleitung brauchen, oder die Handgelenke vom herabschauenden Hund schmerzen,
  • eine tolle Gruppe, die gemeinsam Mantras singt und sich berühren lässt, wenn ich als Lehrenden Gitarre spiele,

schafft Gemeinschaftsgefühl, Nähe und Entspannung über den digitalen Raum.

Der Yoga lebt von der Persönlichkeit der Yogalehrenden und dem Vertrauen, das die Teilnehmenden sich selbst und auch dem/der Yogalehrenden entgegenbringen. Immerhin sind die Entspannung von Körper und Geist wichtige Ziele des Yoga und für viele initial der Grund mindestens einmal pro Woche ins Yoga-Studio zu gehen. Aus diesem Grund ist die Beziehung zwischen Teilnehmenden und Yogalehrenden zwar nicht unbedingt eine private, aber doch eine persönliche.

Nun konnten wir eine Zeit lang nicht analog zusammen Yoga machen. Ich und viele andere Yogalehrende boten ihre Kurse gezwungenermaßen online an.

Wie kann das digital funktionieren mit der Persönlichkeit?

Für mich funktioniert das sehr gut. Ich habe so viel Emotion, Herzwärme und Sensitivität zum Weitertransport über Zoom in mir, dass ebenso herzwarme Menschen tiefe Entspannung und Heilung in meinen Online-Kursen finden.

Viele berichten, dass sie zu Hause tiefer entspannen können und auch länger, weil sie nicht noch nach Hause fahren und dort wieder ankommen müssen. Sie können nach der Yoga-Praxis gleich in Meditations- und Rumlümmel-Stimmung verweilen, Körper und Geist so länger und nachhaltiger regenerieren und spüren die Effekte dieser Erholungsphase über Tage.

Andere berichten, dass es ihnen schwerer fällt zu Hause zur Ruhe zu kommen, weil das Abschalten schwerer fällt als im Yoga-Studio-Kontext.

Ganz klassische klassische und operante Konditionierungen, die wir zu festen Verhaltens-, Denk- und Glaubensmustern haben heranreifen lassen. Das Zu Hause ist (noch) mit Denken und Arbeiten verbunden, weil wir von der Arbeit nicht abschalten können und das obwohl der Arbeitsort in der Regel ein anderer ist.

‚Zu Hause‘ sollte DER Rückzugsort, der Ort der Regeneration und Entspannung sein. Wer zu Hause geistig und körperlich nicht zur Ruhe kommt, kann nicht regenerieren und baut mit der Zeit chronische körperliche und geistige Anspannungen auf, die Körper und Geist, zusätzlich zum Alltags-Input, unter Druck setzen und in der Summe und auf Dauer krank machen.

Im Yoga sagt man zur Verbildlichung der Gedanken, welche z.B. auch zu Hause noch um die Arbeit kreisen und uns nicht abschalten lassen, gerne: ‚die Affen im Kopf, welche von Schaukel zu Schaukel springen, geben keine Ruhe‘ oder ‚the monkey mind‘.

Ich gehörte auch in diese Kategorie. Wenn mein Stresslevel hoch genug ist, gehöre ich auch nach wie vor immer wieder mal in diese Kategorie, so auch im Shutdown-Home Office.

Ich habe über viele Jahre, mich konsequent beobachtend, Strategien entwickelt, die mich bei der Trennung von Arbeit und Freizeit unterstützen. Ich beobachte weiter sehr genau, wann und wie meine geliebten Neuronen, auf der Grundlage des Leistungsgedankens, der Annahme das Arbeit irgendwie was Anstrengendes ist und mit ein bisschen Sorge im Nacken, wieder neue Türen in den Stress aufmachen. Ich beobachte und entscheide auch was mein Körper und mein Geist dann brauchen. Ich arbeite mit neuen gesunden Routinen, vor allem regelmäßiger Meditation, verschiedenen wohltuenden Reizen, z.B. durch ätherische Öle und Affirmationen so liebevoll, wertschätzend, erlaubend, geduldig und nährend wie (mit Stresslevel eben) möglich gegen den Stress und seine eigentlichen Ursachen an.

Online-Yoga ist für solche Beobachtungen eine ideale Gelegenheit. Es bietet eine riesige Chance gesunde Verhaltens- und Denkweisen in den Alltag, in die ‚zu Hause-Routinen‘ einzubauen und zu lernen, Gedanken über die Arbeit so in den Griff zu bekommen, dass sie die eigentlichen Erholungsphasen nicht stören.

Ich freu mich sehr, neben einigen Präsenzkursen, auch online weiterzumachen. Ich freue mich riesig auf meine Teilnehmenden von überall her; aus Magdeburg, aus der Hauptstadt und ganz verschiedenen Orten in Norddeutschland und sogar der Schweiz.

Damit unser aller Augen von der vielen Bildschirmarbeit nicht noch weiter ermüden, habe ich auch immer wieder Übungen zur Reinigung, Kräftigung und Entspannung der Augen dabei, die jede/r Home-Office- oder Digitalisierungsgeplagte super auch in den Alltag integrieren kann… 

Gesunde Mindsets zur Differenzierung von neuem Alltag und akutem persönlichen Corona-Krisenmanagement

Wir alle haben in den letzten Wochen und Monaten auf sehr vielen Ebenen sehr viele Veränderungen erlebt, die uns körperlich, mental und emotional stark gefordert haben, fordern und weiter fordern werden: Im Rahmen des politischen Corona-Krisenmanagements hat sich für uns vieles verändert, ebenso im Rahmen des unternehmerischen/betrieblichen Krisenmanagements, zum Teil als direkte Folge der Auflagen, z.T. als individuelle unternehmerische Maßnahme im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

Letztlich landen alle politischen, betrieblichen, und individuellen betrieblichen Maßgaben auf unserer persönlichen Agenda und treffen auf unsere individuelle Persönlichkeit mit all ihren schillernden Farben!

Ich habe gestern Abend eine Mindmap zu den verschiedenen Maßgaben gebastelt, um meine Gedanken zu den Veränderungen und vor allem den daraus entstehenden Belastungen zu sammeln und zu ordnen.

Mit meiner Mindmap zeige ich spezifisch die individuellen Komponenten der Corona-Krisensituation auf. Die politische und wirtschaftliche Komponente sind deshalb absichtlich kurz gehalten und bilden die Komplexität des Einflusses von COVID19 auf beide Systeme nicht vollständig ab.

Sie verdeutlichen aber den Einfluss von Politik und Wirtschaft auf unsere individuelle Situation. Sie zeigen auch, dass wir, da wir die Maßgaben ja letztlich auf unserer eigenen Agenda haben, auch nur in Eigenverantwortung damit umgehen können, um unser eigenes Stress- und Krisenmanagement in den Griff zu bekommen.

Ich darf erschöpft sein!

Eigenverantwortliches Handeln im Sinne der eigenen Gesundheit bei voller Agenda ist ganz sicher nicht einfach, insbesondere wenn die Kinder zu Hause zu beschulen sind; die Arbeitgebenden Forderungen haben; die Vorgesetzten nicht erreichbar sind; der Arbeitsvertrag auszulaufen droht; das Einkommen ausbleibt; und so weiter und so weiter… Die individuelle Komponente des Corona-Krisenmanagements lässt sich durch Sie selbst und Ihre Herausforderungen deshalb beliebig ergänzen.

Die Mindmap dient dabei aber nicht der Eskalation von Angst und/oder Wut, sondern der konstruktiven Lösungsfindung: Durch die Mindmap wird auf den ersten Blick deutlich, dass die Veränderungen, Herausforderungen und Belastungen enorm sind, auf allen Ebenen: körperlich, mental und emotional.

Da Veränderungen immer Energie kosten, ist es (mindestens) deshalb völlig in Ordnung, nach Wochen und Monaten des akuten Krisenmanagements jetzt körperlich, mental und emotional erschöpft zu sein.

Trotz Frühling mit sommerlichen Temperaturen dürfen wir auf der Couch bingewatchen, wenn wir das brauchen. Wir dürfen Dinge vergessen und Fehler machen. Das dürfen wir immer und jetzt noch mehr, auch wenn das aktuelle Gefühl (aus der Erziehung und dem Stresslevel heraus) oder das System, in dem wir uns bewegen, etwas anderes behaupten!

Ich wünsche mir, dass wir Erschöpfung, Vergessen und Fehler für uns als Anzeichen von Überlastung erkennen, nicht weil wir schwach sind (das ist nie der Grund für Überlastung), sondern weil die Belastungen hoch sind.

Grobe, unfreiwillige Veränderungen versetzen uns in der Regel erst einmal in einen akuten Stresszustand: das ist ein Zustand erhöhter Aufmerksamkeit, Konzentration und erhöhten Leistungsvermögens. Das ist auch gut so!

Akut bedeutet laut Duden ‘im Augenblick‘, ‚brennend‘, ‚schnell und heftig‘. Unser aktueller Stresszustand ist mittlerweile aber nicht mehr ‚im Augenblick‘, er beinhaltet schon eine Vergangenheit von Wochen bis Monaten. Er ‚brennt‘ sozusagen seit Wochen ‚schnell und heftig‘. Es handelt sich deshalb um einen chronischen Stresszustand, der uns, wenn wir nicht auf uns aufpassen, ausbrennt.

Ich bin für mein Wohlbefinden verantwortlich!

Die Systeme Politik und Wirtschaft können gegen unser persönliches Ausbrennen gerade nur wenig tun. Nur die wenigsten Arbeitgebenden sorgen sich gerade darum, die Mitarbeitenden im Home Office mit betrieblichem Gesundheitsmanagement zu versorgen. Und ganz ehrlich, viele Betriebe und Unternehmen haben ganz andere Sorgen.

Eigentlich immer, aber jetzt unbedingt, wünsche ich mir, dass jeder akut und chronisch Gestresste/Belastete für die eigene körperliche, mentale und emotionale Gesundheit selbst Verantwortung übernimmt.

Dabei dürfen Fragen aufkommen wie: „Was tut mir gut?“, „Was tut mir nicht gut?“, „Wovon habe ich gerade zu wenig in meinem Leben?“, „Wovon habe ich gerade zu viel in meinem Leben?“.

Unter Berücksichtigung der Pandemie-Maßgaben stellen sich anschließend Fragen wie „Wie / wo / von wem bekomme ich was ich brauche?“, „Was kann ich jetzt sofort für mich tun?“, „Wen kann ich mir ins Boot holen, um mein Ziel zu erreichen?“.

Bedürfnis und Bedürfnisbefriedigung können dann manchmal ganz nah beieinander liegen, zum Beispiel: „Ich brauche Bewegung“ und verabrede mich deshalb fürs Wochenende mit meiner besten Freundin zum Wandern.

In diesem Fall werden dabei eine ganze Reihe anderer Bedürfnisse und Work-Life-Balance-Aspekte mit abgedeckt; das Bedürfnis nach sozialem Kontakt, nach Sonne und Wärme, nach Zeit in der Natur. Die Augen erholen sich von den Videokonferenzen, die Lunge kann sich weiten und saubere Luft atmen um den Körper gut mit Energie zu versorgen…

Die Belastungen auf unserer Agenda lösen sich auf diese Weise nicht in Luft auf. Wir unterstützen uns aber dabei Sie besser angehen zu können und leisten einen extrem wertvollen und unbedingt nötigen Beitrag zu unserer körperlichen, mentalen und emotionalen Gesundheit.

Auch professionelle Hilfssysteme: Beratende und Coaches, je nach Stressor, z.B. Unternehmensberatende, Karriereberatende, Gesundheitscoaches oder Yogalehrende sind gute Ansprechpartner*innen um beim Lösen akuter Spannungen zu unterstützen und Entlastung zu begleiten.

Allerdings, wenn Sie massiv erschöpft sind, es Ihnen körperlich und/oder psychisch nicht gut geht, wenn Sie sich in einem körperlich oder psychisch ungesunden Umfeld befinden, zögern Sie bitte nicht Ihren Arzt anzurufen und/oder die Hilfesysteme in Anspruch zu nehmen, z.B. Nummer gegen Kummer: 116 111, www.nummergegenkummer.de, Telefonische Seelsorge: 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222, www.telefonseelsorge.de, Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 08000 116 016, www.hilfetelefon.de, NINA – Hilfetelefon: 0800-22 55 530, www.nina-info.de.

„Ich trenne mein Krisenmanagement von meinem gesunden Alltag!“

Es ist gerade sehr wichtig, bewusst das kurzfristige Krisenmanagement zu verlassen, in welchem wir uns angetrieben durch die Gegend peitschen (lassen) und eigene körperliche und psychische Bedürfnisse zurückstellen.

Die aktuellen Lockerungen mögen den Eindruck erwecken, dass der Spuk demnächst vorbei ist, wir bis dahin nur noch etwas ‚durchhalten müssen‘ und wir dann wieder wie gewohnt im Büro in unseren gut eingestellten Bürostühlen sitzen und Käffchen trinkend mit unseren Kolleg*innen schnattern.

Realistischer ist jedoch, dass es (1) noch dauert und sich (2) Home Office, (3) Online-Weiterbildungen und (4) Home Schooling etablieren, weil sie – in Balance – auch gut funktionieren können.

Wir tun deshalb gut daran, unsere Heimarbeitsplätze aufzuwerten, gemütlich und ergonomisch einzurichten, um nicht weiterhin den ganzen Tag total verdreht auf dem Küchenstuhl am Küchentisch zu sitzen. Es bedarf dafür nicht unbedingt einer teuren Büroausstattung. Seien wir kreativ!

Es ist nötig lange Mittagspausen mit Bewegung in unseren Alltag einzubauen, in denen sich (besonders, aber nicht nur) unsere Augen vom Bildschirm erholen können. Auch Videokonferenzen sind sehr anstrengend und stressig für Körper und Geist. Zum einen ist Information dabei stärker komprimiert, zum anderen lässt sie sich schlechter abspeichern, auch weil die persönliche Komponente fehlt. Außerdem braucht unser Gehirn viel Energie und Zeit, um die Pixel und Töne zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen. Noch mehr, wenn Bild und/oder Ton ruckeln oder wackeln. Vielleicht haben Sie sich dabei auch schon mal gefühlt, als würde gleich der Kopf platzen.

Jede Stunde Videokonferenz braucht danach eine analoge Pause zum Gitarre spielen, singen, tanzen, Wäsche waschen, Abwasch machen, Staubsaugen, Essen kochen, essen, Pause im Grünen, handschriftliches Arbeiten… Wir sollten nicht mehr als vier Stunden am Tag in Videokonferenzen verbringen und eigentlich auch keine acht Stunden vor dem Computerbildschirm… Eine liebe Kollegin, Jasmin Döhling-Wölm, hat speziell dazu kürzlich einen sehr lesenswerten und hilfreichen Artikel geschrieben: Wie man zoomt, ohne auszubrennen.

Fazit

Auch wenn die akute Krisen-Management-To-do-Liste nach wie vor lang ist und gefühlt nicht kürzer wird, verlassen Sie bitte bewusst das kurzfristige Krisenmanagement. Es ist niemandem geholfen, wenn wir in einem Monat so erschöpft sind, dass nichts mehr funktioniert und wir, sofern vorhanden, unsere Berufsunfähigkeitsversicherung in Anspruch nehmen müssen…

Regelmäßige Affirmationen wie: „Ich verlasse das akute Krisenmanagement“, „Ich gehe in eine gesündere Form meines Krisenmanagements über!“ oder „Ich trenne mein Krisenmanagement von meinem gesunden Alltag“ hilft, mit neuem Mindset in diese neue Phase überzugehen.

Es hilft, die Fragen in der Mindmap für sich selbst zu beantworten und mit Herz, Kreativität und ein wenig Verstand (in dieser Reihenfolge) Gesundheit, Regeneration und Freude mit oberster Priorität in den neuen Alltag zu integrieren.

Und es wird helfen, die Mindmap hinsichtlich positiver Veränderungen neu aufzubauen und Dinge zu sammeln, die jetzt besser funktionieren oder für die man dankbar ist! Es gibt auch davon eine ganze Menge!

Viel Erfolg, viel Freude, alles Gute und herzliche Sonnengrüße!

Fasten und Verzicht vor Ostern, nach Ostern und in der Corona-Krise

Zur Bedeutung des Fastens vor Ostern

Die Fastenzeit, im christlichen Sinne der bewusste Verzicht auf feste Nahrung, ist mit Ostern zu Ende gegangen. In allen Religionen praktiziert, beginnt die wichtigste Fastenzeit im Christentum in der Nacht von Faschingsdienstag auf Aschermittwoch. Sie endet 40 Tage später am späten Nachmittag des Gründonnerstag bzw. je nach Auslegung und Zählweise am Karsamstag (40 Tage, weil Jesus, höchstwahrscheinlich nur mit Wasser, in der Wüste auf Nahrung verzichtete und betete).

Gründonnerstag ist der Tag des letzten Abendmahls, der Tag vor der Kreuzigung. Am darauf-folgenden Karfreitag stirbt Jesu am Kreuz, am Karsamstag gilt die Grabesruhe. Am Ostersonntag feiern wir die Auferstehung Jesu Christi und das eigentlich drei Tage lang: Ostersonntag, Ostermontag und -dienstag.

Die 40 Tage vor Ostern, Ostern selbst (Leiden, Sterben und Auferstehung Jesu Christis) und die mit dem Ostersonntag beginnende fünfzigtägige Freudenzeit (Osterzeit) bis einschließlich Pfingsten ist dabei in unseren Breiten die Zeit des Frühlings – eine Zeit des Neubeginns, in der alles Leben nach dem (grauem, kalten) Winter wieder erwacht (aufersteht).

Eine Freudenzeit, in der die Tage spürbar länger und lichtvoller werden; in der die Sonne wieder wärmende Kraft entwickelt und in der es uns langsam wieder mehr nach draußen treibt.

Fastenzeit – Leidenszeit?

Die Fastenzeit ist aus der christlichen Liturgie heraus häufig mit Leiden (den Leiden Christi) assoziiert. In anderen Religionen gibt es andere Sichtweisen auf und Gründe für das Fasten.

Muslime fasten einen ganzen Monat (Ramadan) von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang sowohl Nahrung als auch Getränke.

Im Judentum gibt es religiöse Fastentage, an denen Nahrung und Getränke für maximal 25 Stunden gefastet werden.

Im Buddhismus sind weder Völlerei noch Hunger empfehlenswert. Beides schadet Körper und Geist, genauso wie Alkohol, Nikotin, große Mengen und/oder täglicher Fleischkonsum und vieles mehr. Bei den buddhistischen Mönchen und Nonnen ist das Ziel einer einzigen, täglichen Mahlzeit um zwölf Uhr mittags die Beruhigung von Körper und Geist für die Meditation auf dem Weg zum inneren Frieden und der Erleuchtung.

In den hinduistischen Religionen und den Yoga-Philosophien wird unterschiedlich intensiv gefastet. Manch ein*e (spirituelle) Yogin*i fastet regelmäßig, z.B. einmal pro Woche, andere zu Vollmond, wieder andere an Ehrentagen der Gottheiten. Von strengem Nahrungsverzicht bis zu leichten Einschränkungen bei der Ernährung sind alle Abstufungen zu finden.

In Ashrams (das sind klosterähnliche spirituelle Meditationszentren) ist das Intervall-Fasten fest in den Alltag integriert. Beispielsweise wird in den deutschen Yoga Vidya-Ashrams der Swami Sivananda-Tradition nur zwei Mal am Tag gegessen: vormittags um 11 Uhr und abends um 18 Uhr, rein biologisch, mit möglichst regionalen Zutaten, vegetarisch und z.T. vegan.

Schon der Verzicht auf liebgewonnene Gewohnheiten wie tierische Produkte, Kaffee und Süßigkeiten bedeutet für viele Menschen ein Fasten, sofern der Verzicht bewusst und freiwillig geschieht.

Dazu kommt die lange Pause, das Intervall von 16 Stunden zwischen der abendlichen und der vormittäglichen Mahlzeit (19 bis 11 Uhr). Die Pause dient dazu, dass der Körper nicht andauernd mit dem Verdauen beschäftigt, sozusagen friedlicher, ist. Der Körper hat so weniger Aufgaben zu erledigen und dadurch Zeit zum Entgiften und Reinigen, bevor die nächste Nahrungsaufnahme die Konzentration des Körpers wieder auf die Verdauung lenkt.

Wenn die Ziele des Fastens nun nicht das Leiden und der Verzicht selbst sein müssen, sondern eine Entlastung, Entgiftung und Reinigung von Körper und Geist zum eigenen Wohlergehen, dann lässt sich, aus meiner Sicht, vieles fasten, und jederzeit!

Vor allem und zuerst die Dinge, die uns eh nicht gut tun: Im digitalen Zeitalter sind das z.B. Stress, Selbstoptimierung, viel sitzen, viel quatschen, viel Fernsehen, viele digitale Medien, viele Computerspiele, viel Alkohol, viel Zucker, viel Plastik, viel Lärm, viel künstliches Licht, viel Salz, viel Weizen, viel materieller Besitz…

Der Verzicht aus Liebe zu sich Selbst

Das tolle am Fasten, am bewussten, freiwilligen Verzicht, ist, dass man die Gelegenheit bekommt, sich sehr genau zu beobachten und zu hinterfragen.

So muss man sich vor dem Fasten überlegt haben, was man den mit dem Fasten erreichen möchte. Dabei dürfen Fragen aufkommen wie: „Was tut mir gut?“, „Was tut mir nicht gut?“, „Wovon habe ich zu wenig in meinem Leben?“, „Wovon habe ich zu viel in meinem Leben?“.

Anschließend stellt sich die Frage, wie und wie lange möchte ich fasten, wann möchte ich damit anfangen und was möchte ich tun, wenn ich mein Fasten breche oder brechen muss?

Spätestens wenn das Fasten dann beginnt, lohnt es sich ein Fasten-Tagebuch zu schreiben, um die Beobachtungen und die Reflexionen zu verschriftlichen. Es ist etwas anderes, Gedanken und Gefühle, Empfindungen (des Körpers) und Bedürfnisse niederzuschreiben, als sie nur mal kurz zu denken. Dann sind sie im nächsten Moment wieder weg bzw. kommen unkontrolliert immer wieder und belasten so den Geist, ohne Lösungen zu generieren.

Wenn sie niedergeschrieben sind, sind sie fester, manifest, können besser hinterfragt und losgelassen werden. Das Aufschreiben funktioniert ähnlich wie das Denkarium aus Harry Potter, in dem Professor Dumbledore mit seinem Zauberstab seine Gedanken & Erinnerungen aus dem Kopf herausziehen und außerhalb abspeichern konnte. Unser Zauberstab dafür ist der Stift zum Schreiben.

Beim Fasten geht es zwar auch um Selbstdisziplin, aber nicht in der Weise, in der wir es in der westlichen Welt gewohnt sind. Wir fasten ja bewusst und freiwillig, um uns etwas Gutes zu tun, um gesund und glücklich zu sein.

Das darf auch unser Antrieb sein: „Ich verzichte heute (bzw. einmal pro Woche) auf Salz, weil der Verzicht meinem Körper gut tut und ich gesund sein möchte“. Gesprochene oder gedachte Worte wie „Sollen“, „Müssen“, „Nicht dürfen“ sind dabei kontraproduktiv. Sie verstärken eine negative Perspektive des Verzichts, lösen Stress in uns aus und erschweren oder behindern so das Fasten ungemein.

Auch wenn ich im Fasten merke, dass ich auf das, was ich gerade fasten möchte, nicht verzichten kann, und es mir mit dem Verzicht nicht gut geht, dann ist es möglicherweise wichtig für meinen Körper und es liegt vielleicht eine organische Ursache vor, die es abzuklären gilt.

Seinen Körper und Geist unter diesen Umständen mit „Sollen“, „Müssen“, „Nicht dürfen“ unter Druck zu setzen, kann dann gesundheitsschädigend sein. Das Schwierige ist, das eine (die Gewohnheit) vom anderen (das körperliche Bedürfnis) zu unterscheiden. Das Fasten ist ein Weg, nicht das Ziel. Das Ziel ist Erkenntnis.

Das Fasten, also der bewusste, freiwillige Verzicht auf Dinge, die uns nicht gut tun, kann durch das Selbstliebe-Prinzip hervorragend geübt werden.

Wir kommen unseren Konditionierungen auf die Spur, wir lernen unseren Körper und Geist und auch die Abwehrmechanismen unseres Geistes kennen und können uns langsam in Enthaltsamkeit und Abstinenz üben, wenn wir das wollen. Die eigenen Abwehrmechanismen kennenzulernen, herzlichst anzunehmen und zu lösen, hilft dann auch, langfristig schwierige Projekte wie Ängste und Sucht in den Blick zu nehmen.

Verzicht in der Corona-Krise

Auch in der Corona-Krisenzeit müssen wir auf vieles verzichten und auch das kann, wenn wir die Situation aus der entsprechenden Perspektive betrachten, ein Fasten sein. Für die meisten Menschen ist es das jedoch nicht, weil der Verzicht nicht freiwillig ist.

Der Virus zwingt uns z.B. die Kontaktsperre auf. Viele leiden unter dem Verzicht auf bestimmte Gewohnheiten, aber auch wichtige Bedürfnisse werden nicht oder nur unzureichend befriedigt.

Das natürliche, menschliche Bedürfnis nach Nähe und persönlichem Kontakt steht dabei, denke ich, auf Platz 1. Für mich kommt die regelmäßige körperliche Betätigung, das Bewegen und Durchbluten meiner Muskulatur, das gesunde und gewohnte Kalorien- und Energieverbrennen gleich danach.

Dass dieser Verzicht nicht freiwillig ist, drückt auch auf unser Autonomie-Bedürfnis und verstärkt momentan spürbar den Widerstand in manchen Menschen. Die Maßnahmen werden z.T. kritisch hinterfragt und diskutiert, z.T. wird der Blick für den Grund der Einschränkungen und das Vertrauen in die zuständigen Systeme verloren und lautstark durch die digitalen Medien geschrien. Wie immer, ein breites Portfolio an Verhaltens- und Ausdrucksmöglichkeiten.

Ich mache den Perspektivwechsel, ich faste weiter. Ich beobachte und reflektiere, was das Sozial- und Bewegungsfasten mit mir macht.

Ich lebe und feiere die Traurigkeit und Unausgeglichenheit, die dieses spezielle Fasten an einigen Tagen mit sich bringt und heile sie in Yoga und Meditation, mit tollen ätherischen Ölen und mit, was immer ich meine, was mir in diesen Momenten gut tut.

Da sind sie wieder, diese wichtigen Fragen: „Was tut mir gut?“, „Was tut mir nicht gut?“, „Wovon habe ich gerade zu wenig in meinem Leben?“, „Wovon habe ich zu viel in meinem Leben?“.

Ich spiele in Gesellschaft online Gitarre und schnattere was das Zeug hält, spiele lustige Ratespiele, schreibe und schaue Fernsehen.

Letzteres ist ein Kompensations- und Verdrängungsmechanismus aus vergangenen Tagen, der mich kurzfristig abschalten und zur Ruhe kommen lässt, der mir durch vermeintliche Normalität Stabilität gibt, weil ich das ja seit vielen, vielen Jahren so gewohnt bin.

Ich spüre aber auch immer wieder, dass das Fernsehen eigentlich nur unnötig Kraft und neuronale Energie kostet und mich letztlich eher frustriert als nährt.

Ich könnte dem Sozial- und dem Bewegungsfasten jetzt noch TV-Fasten hinzufügen. Mach‘ ich aber nicht! Denn diese Zeit ist ereignisreich, anstrengend und lehrreich genug und, wie gesagt, Fasten muss nicht zum Leiden werden, sondern darf auch ein Akt der Selbstliebe und Selbsterkundung sein!