600.359+ Zeichen Flugsimulation

Seit 2020 schreibe ich an einem Buch über Flugsimulation, das in meiner Vorstellung sozusagen das ultimative deutschsprachige Handbuch zum Thema werden soll – Flugsimulation als Hobby vom ersten Schnupperflug bis zu großen Passagierflugzeugen. Anlass war damals natürlich das Erscheinen des Microsoft Flight Simulators 2020, aber ich widme mich gleichberechtigt auch X-Plane, AeroflyFS und dem Open-Source-Simulator FlightGear.

Irgendwelche „meiner ist besser als deiner“-Kämpfe sind mir fremd. Man kann mit allen ‚Schreibtisch‘-Simulatoren mehr oder weniger plausibel bestimmte Aspekte des Fliegens simulieren, aber ich finde es auch nicht schlimm, wenn man nur ‚fliegen spielt‘ statt es total ernst zu nehmen. Und wenn man es ernst nimmt, muss man sich trotzdem bewusst sein, dass das Fluggefühl – wie es körperlich und leiblich (im phänomenologischen Sinne) wahrnehmbar ist – mit keiner dieser Simulationen richtig zu erfassen ist (auch nicht mit Virtual Reality, das kann sogar eher täuschen). Als offizielles Trainingsgerät ist im Normalzustand (d.h. ohne Einbettung in spezielle Hardware und besondere Einzelfall-Zertifizierung) auch keiner zugelassen.

Geeignet sind Simulationen für den ‚Hausgebrauch‘, um zu verstehen, warum ein Flugzeug fliegt, wie Navigation funktioniert (in aktuellen Simulatoren aufgrund sehr realistischer Optik auch nach Sichtflugregeln), wie Flüge geplant werden, wie technische Systeme im Flugzeug zusammenwirken und wie bestimmte Abläufe und Verfahren funktionieren. Im Prinzip eine tolle, anschauliche Ergänzung zu einem Theoriekurs! Im FS MAGAZIN, für das ich regelmäßig schreibe [@Bert, falls du mitliest: Ja, deine Artikel kommen ;P ] sowie in zwei dicken und sehr schönen GameStar-Sonderheften zur Flugsimulation, an denen ich 2020 und 2021 maßgeblich mitgearbeitet habe, kann man schon viel zu solchen Grundlagen lesen, aber halt nur relativ knapp oder (in den GS-Heften) auf den Microsoft Flight Simulator 2020 bezogen. Das Buch ist grundsätzlicher.

In das Buch fließen auch meine eigenen Erfahrungen aus meinen echten Ultraleicht-Flugstunden mit der Comco-Ikarus C42 ein. Ich schreibe im Kapitel 18 (wo es um echtes Fliegen als Ergänzung zur oder nächsten Schritt nach der Simulation geht) auch über die Flugangst, wegen der ich damals überhaupt erst mit Flugstunden begonnen hatte. Da ich mit dem echten Fliegen aber vorwiegend des Geldes wegen im letzten Herbst erst mal aufhören musste (wie ich hier schon mal kurz erwähnte), habe ich da das damals schon zu knapp 70% fertige Manuskript nur noch aus dem Augenwinkel angeschaut – ganz im Sinne des „Hochstapler-Syndroms“ (Impostor Syndrome), das da höhnisch über mein ‚Scheitern‘ grinsend um die Ecke lugte.

Aber mittlerweile habe ich meine Trauerphase [halbwegs] überwunden [Trauerphase? Ja. Nachdem ich mit der Flugangst endlich klargekommen war und mich sicher fühlte, war das nun ein geradezu leiblich spürbarer Verlust an Bewegungsfreiheit] und so auch wieder Spaß an Flugsimulation; bin außerdem optimistisch, dass ich irgendwann auch wieder in der echten Welt fliegen werde; und bin nun seit ca. 3-4 Wochen in einer Art ‚Schreibwahn‘, um das Buch endlich zu beenden [damit ich danach und nach einem für Mai anstehenden Aufsatz zu Politik und Spiel dann endlich das Projekt „Privileg des Analogen“ fortsetzen kann].

Zurzeit arbeite ich am Flugsimulationsbuch in jeder freien Minute und meist bis spät nachts. Und so ist das Manuskript mit zurzeit 380 Seiten mittlerweile umfangreicher als damals meine Dissertation war – und damit mein bisher längstes Werk.

Und die 400 Seiten kriege ich auch noch voll.

Bald: „Wer sehen will, muss spüren. Warum uns manche Serien und Filme berühren und uns andere kaltlassen“ (Über/Strom Band 4)

Wieso mögen wir eigentlich Filme und Serien — beziehungsweise wieso mögen wir manche mehr als andere? Woran liegt es, dass uns der eine Film total zu Herzen geht, während uns die andere Serie nur ein müdes Schulterzucken entlockt? Und wie spüren wir uns selbst eigentlich, während wir Filme schauen und Serien „bingen“? Wiebke Schwelgengräber geht diesen Fragen phänomenologisch erkundend und psychologisch interpretierend auf den Grund — in ihrem Buch „Wer sehen will, muss spüren. Warum uns manche Serien und Filme berühren und uns andere kaltlassen“.

Wiebke Schwelgengräber: Wer sehen will, muss spüren (Cover)

Das Buch erscheint voraussichtlich im September 2022. Es ist der vierte Band unserer Reihe „Über/Strom“. Hier mal der offizielle Klappentext:

Warum berühren uns Serien wie „Game of Thrones“, „Breaking Bad“, „Sex Education“ und Filme wie „Es“, „Sieben“, oder „Mamma Mia!“? Manchmal sind wir gefesselt von einem Film oder einer Serie und vergessen alles um uns herum. Und ein anderes Mal vergeht die Zeit einfach nicht und der Film langweilt uns zu Tode. Wieder andere Filme und Serien können wir gar nicht erst aushalten, weil Gewalt, Ekel, und Demütigungen von Figuren uns unangenehm vereinnahmen und geradezu einschnüren.

In diesem Buch erfahren Sie, wie Filme und Serien uns emotional berühren – oder eben auch nicht. Anhand zahlreicher Beispiele lernen Sie, wie Langeweile, Freude, Angst, Empathie, Ekel, Nervosität, Scham, Schrecken oder Sehnsucht beim Film- und Serienschauen geradezu leiblich spürbar werden. Diese philosophischen Betrachtungen werden jeweils psychologisch eingeordnet, um einen umfassenden Blick auf das ‚Spüren beim Sehen‘ zu erlangen. 

Wiebke Schwelgengräber studierte Germanistik, Philosophie und Kommunikationswissenschaften mit dem Schwerpunkt Psychologie an der Universität Rostock. Dort war sie bis 2013 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Instituten für Informatik und Schulpädagogik tätig. Seit 2016 ist sie als Lehrerin an einer berufsbildenden Schule tätig. Ihre Forschungsinteressen umfassen anthropologische, phänomenologische und psychologische Fragen des Erzählens und Fühlens.

Mit KI zur Utopie? „Pantopia“ von Theresa Hannig (2021)

Am 23.02.2021 erschien das neue Buch „Pantopia“ der Autorin Theresa Hannig. Der Roman will eine positive Utopie vorstellen, in der Künstliche Intelligenz (KI) nicht eine Bedrohung ist, sondern als Weg in eine bessere Weltgesellschaft fungiert. Nachdem Hannig (Interview 2019) das Thema KI und Gesellschaft schon vor einigen Jahren in ihren zusammengehörigen Romanen „Die Optimierer“ und „Die Unvollkommenen“ (Buchvorstellung) behandelte und danach mit „König und Meister“ einen Ausflug ins Mystery-Genre unternahm, ist sie mit „Pantopia“ wieder ins Science-Fiction-Genre zurückgekehrt. In einer szenischen Lesung wurde das Buch vorgestellt:

Der Ausgangspunkt „Pantopia“s ist noch deutlicher als unsere heutige Gesellschaft erkennbar als es in den früheren Romanen um Samson Freitag der Fall war. Ein großer Finanzdienstleister führt einen Programmierwettbewerb durch, bei dem ein neues Tool für möglichst effiziente Börsenspekulationen entstehen soll. Die beiden Uni-Absolvent*innen Henry Shevek und Patricia Jung nehmen daran teil und arbeiten ganz zeitgemäß mit KI-Technologien. Soweit man aus den Andeutungen zur Technik erkennen kann, ist die KI wohl zunächst ein normales neuronales Netz, wie sie heute im Machine Learning eingesetzt werden.

Doch dann passiert das, wovon sonst nur Transhumanist*innen wie Ray Kurtzweil träumen: Aufgrund ihrer zunehmenden Komplexität erwacht die KI langsam zu einem Bewusstsein (ein interessanter aktueller Artikel zu KI und Bewusstsein erschien kürzlich bei Technology Review). Ihre ‚Eltern‘ halten das unerwartete Verhalten der KI erst für die Folge eines Programmierfehlers, erkennen aber bald, dass dem nicht so ist. Sie merken schnell, dass sie die KI vor dem Zugriff der Firma und des Staates schützen müssen. Dies auch deshalb, weil die KI etwas vor hat: nämlich nichts weniger als eine völlige Umkrempelung des weltweiten politischen und wirtschaftlichen Systems — Pantopia eben.

Klar, dass die traditionellen staatlichen Systeme damit nicht glücklich sind und versuchen, dagegen vorzugehen. Doch bereits zu Beginn des Buches erfährt man, dass Pantopia gewinnen wird. Der Roman erzählt quasi rückblickend, wie es zu der neuen Gesellschaft kam. Die ist übrigens nicht kommunistisch oder sozialistisch, sondern im Kern weiterhin kapitalistisch.

Soweit ich es verstehe, ist die zentrale Idee, dass zwar ein bedingungsloses Grundeinkommen gezahlt wird, dass aber andererseits der ‚echte‘ Preis für jegliche Produkte verlangt wird, also inklusive aller möglichen Nebenkosten, die sonst ignoriert werden. Dadurch entsteht eine völlige Transparenz auf dem Markt. Gerade umweltschädliche Produkte und Dienstleistungen kann man sich dann nur selten leisten, was dafür sorgt, dass die Menschen trotzdem weiter für Gehalt arbeiten. Bezahlt wird bargeldlos per Pantopia-App; dadurch entstehen Einnahmen, die unter anderem der Finanzierung des Grundeinkommens dienen.

Angeschoben wird Pantopia anfangs noch durch die astronomischen Börsengewinne, die die KI weiterhin erzielt, aber bald ist das nicht mehr nötig. Millionen Menschen weltweit schließen sich Pantopia an, indem sie die App nutzen; die Staaten haben der entstehenden Bewegung kaum etwas entgegenzusetzen, zumal deren Bedienstete zunehmend selbst Pantopia nutzen. Die KI sorgt dafür, dass Pantopia den Behörden immer einige Schritte voraus ist.

Insbesondere in politischer Hinsicht kann man dem Buch vielleicht eine gewisse Naivität vorwerfen. In der echten Welt würde es in manchen Staaten vermutlich zu massiven Repressionen kommen und auch in demokratischen Staaten dürfte die Gegenwehr stärker ausfallen als im Roman. Das Buch verlässt sich darauf, dass sich zumindest die ‚westlichen‘ Staaten an grundlegende Regeln halten, etwa ein Demonstrations-Camp in München mit tausenden Teilnehmer*innen nicht einfach gewaltsam auflösen. Da steckt viel Fridays-for-Future-Optimismus in dem Buch. Auch manche technischen und wirtschaftlichen Schilderungen lassen Fragen offen, wenn man sich für Details interessiert. Doch Pantopia soll eine absichtlich positive Sicht bieten, und wenn man sich darauf einlässt, gewinnt man auf jeden Fall ein paar Denkanstöße.

„Du bist, was Dich stresst! Tabula Rasa für chronisch Gestresste im digitalen Zeitalter“ von Kathrin Marter jetzt erhältlich (Über/Strom-Buchreihe, Band 3)

Der dritte Band unserer Buchreihe ist endlich erhältlich, sowohl als gedrucktes Buch als auch als e-Book. In „Du bist, was Dich stresst! Tabula Rasa für chronisch Gestresste im digitalen Zeitalter“ zeigt Über/Strom-Autorin, Verhaltensneurobiologin, Yoga-Lehrerin und Coach Dr.in Kathrin Marter, was digitaler Stress mit uns macht und wie wir damit umgehen können. Hier einmal die Verlagsbeschreibung:

Viele Menschen nutzen täglich die Vorteile des digitalen Zeitalters: wenn sie mal eben ihr Zugticket mit dem Smartphone buchen, sich von ebendiesem zum vereinbarten Treffpunkt navigieren lassen und dann per Textnachricht erfahren, dass die werten Kolleg*innen ein paar Minuten zu spät kommen, der Tisch im Restaurant online schon reserviert wurde und das „Tisch-Ticket“ per QR-Code gleich mitsenden. Viele Menschen erfahren sich bei aller Erleichterung zunehmend reizüberflutet, überfordert und in der Folge gestresst.

Buchumschlag "Du bist, was Dich stresst!" von Kathrin Marter
Cover von „Du bist, was Dich stresst!“

Der Begriff und Zustand „Stress“ (heutzutage im Sprachjargon als diffus definierter Normalzustand verankert und schon lange in der Mitte der Gesellschaft angekommen) ist allerdings tatsächlich ein Zustand, der vielfältigen Leidensdruck verursacht und krank macht.

Die Autorin unterstützt allgemeinverständlich, anschaulich sowie naturwissenschaftlich und psychologisch fundiert bei der Auseinandersetzung mit Stress, Stressoren und Prozessen der Langzeitgedächtnisbildung. Letztere sind nicht unwesentlich an unserem chronischen Stresslevel beteiligt. Langzeitgedächtnisse, die, häufig schon in der Kindheit geformt, starke negative Glaubenssätze beinhalten. Diese negativen Glaubenssätze erfahren durch die Herausforderungen der digitalen Welt permanente Verstärkung und begünstigen dadurch chronischen Stress – mit seinen für viele Menschen spürbaren Folgen.

Das Buch lädt ein, klärt auf und gibt fundierte, anschauliche und handlungsorientierte Ansätze zur Selbstreflexion und Entwicklung einer gesunden Handlungskompetenz gegenüber dem eigenen Stresslevel, folglich der eigenen Gesundheit und dem eigenen Glück.

Die Autorin Frau Dr.in rer. nat. Kathrin Marter ist promovierte Verhaltensneurobiologin, systemische Coach, Wissenschaftsautorin, Dozentin, Pädagogin, Yogalehrerin und Trainerin. Als Wissenschaftlerin hat sie die psychologischen, neuro- und verhaltensbiologischen und molekularen Grundlagen von Verhalten, Lernen und Gedächtnis erforscht. Heute bringt sie ihr ganzheitliches Expertinnenwissen über Lernen und Gedächtnis, Gesundheit und Krankheit sowie Verhaltensänderungen in Lernumgebungen, beratenden Settings und der Gesundheitsbranche erfolgreich in die praktische Anwendung.

Das Privileg des Analogen

Auf Grundlage einiger früherer Skizzen (u.a. 2019 zum Zeitunglesen, so richtig auf Papier, an den Orten, wo diese Zeitungen erscheinen) und Beobachtungen im Alltag habe ich ein neues Schreibprojekt begonnen, in dem ich mich mit dem „Privileg des Analogen“ (als scheinbarer Kontrast zum „Digitalen“) auseinandersetzen will. Ich weiß noch nicht genau, ob das eine Artikelsammlung wird, oder ein neuer Band der Über/Strom-Reihe, oder noch was anderes, aber auf jeden Fall treibt mich das Thema jetzt schon lange um.

Der Grundgedanke ist, dass digitale Medien sowie digital umgesetzte Arbeits- und Lernszenarien einerseits Teilhabemöglichkeiten bieten, die rein analoge Formen nicht haben – dass das Analoge dabei aber noch mehr als vielleicht früher schon zu einem Privileg, vielleicht einem Luxus, wird. Im 2. Coronajahr 2021 erlebe ich dieses Spannungsfeld gleich mehrfach.

Beispiel Wissenschaft: Aus dem gesellschaftlichen Teilsystem Wissenschaft bin ich seit 2015 eigentlich raus (und in Hinblick auf #IchBinHanna möchte ich fast sagen: Gott sei dank), insofern ich seitdem keine institutionelle Zugehörigkeit mehr zu einer Hochschule habe und auch nicht mehr gesucht habe. Stattdessen arbeite ich in verschiedenen Zusammenhängen, 25 h/Woche unbefristet angestellt, Rest der Zeit tätig als „ich schreib so Texte“-Mensch aka „freier Autor“ von Sachtexten („Und, was machst du so?“). Ich werde nicht reich, aber meistens reicht es.

Die Themen meines Schreibens leiten sich zwar großteils aus meiner früheren wissenschaftlichen Tätigkeit her (Kommunikationswissenschaft; in mehr soziologischer und linguistischer Ausprägung, weniger medienwissenschaftlich). Meine Bücher richten sich aber an die Allgemeinheit oder an Praktiker*innen, die z.B. beruflich mit Softwareentwicklung oder technischem Kundendienst zu tun haben (da ist auch der Link zu meinem Angestelltenjob).

Jedoch habe ich in mir immer noch eine gewisse … wehmütige Sehnsucht nach nicht verwertungsgebundenem wissenschaftlichen Austausch. Ironisch sage ich manchmal, ich würde gerne mal ein Jahr lang einfach nur das Wortfeld „Baum“ erforschen. Oder sowas. Nur findet wissenschaftlicher Austausch halt nicht im Kundendienst statt und auch nicht beim Schreiben von Sachtexten, sondern, naja, im Teilsystem Wissenschaft. Daran zu partizipieren, setzt tradtionell nicht nur Zeit und Netzwerke voraus, sondern auch Geld. Denn zu Tagungen zu fahren (wo man Netzwerke knüpft), muss man bezahlen können. Wenn man keine Uni oder Firma hat, die das übernimmt, sieht’s düster aus. Und genau da war Corona dieses Jahr eine Möglichkeit, wieder Anknüpfungspunkte zu finden. Denn so schal das in sozialer Hinsicht auch ist: Viele Konferenzen wurden online durchgeführt und dabei auch die sonst oft hohen Teilnahmegebühren stark reduziert oder ganz fallengelassen. Auch Fahrt- und Übernachtungskosten entfielen. Und so sind es dieses Jahr drei Tagungen, an denen ich teilnahm/teilnehme (die letzte ist die Future and Reality of Gaming in Wien am 26./27.11., eine Games Studies-Tagung, wo ich auch selbst einen Beitrag vorstelle). Zu normalen Bedingungen wäre das weder zeitlich noch finanziell möglich gewesen, und insofern hat mir das Digitale einen länger beiseite geschobenen Teil meiner Identität zurückgebracht.

Man könnte jetzt sagen, dass das doch eher das Privileg des Digitalen ist. Ich kann ja eigentlich froh sein, dass mir das Internet eine Teilhabe an solchen Formen erlaubt. Aber das sind, wie erwähnt, Corona-Bedingungen und ich bin mir relativ sicher, dass beim Ende der Pandemie wieder mehr auf analoge Formen der Komunikation umgestellt wird. Und das ist gut so – mir tun junge Student*innen so so leid, die ihr Studium unter Corona-Bedingungen begonnen haben, jetzt endlich ein wenig Präsenzluft schnuppern konnten, aber nun sicher bald wieder (wo noch nicht geschehen) zurück in virtuelle Räume müssen. Aber dann werden eben auch wieder Zeit und Geld entscheidende Parameter sein, die eine Teilhabe ermöglichen oder ausschließen. Darum das Privileg des Analogen.

Ähnliche Beobachtungen mache ich in Bezug auf Medienkonsum (Kino vs. Stream, gedrucktes Buch vs. eBook, gedruckte Zeitungen vs. Paywall usw.), Spiele (Computerspiele vs. Brettspiele), Kundendienst (Menschen vs. Bots, Entscheidungsbefugnis vs. starre Prozesse), Einkaufen (online vs. Geschäft) usw. Ich habe nun vor, diese Beobachtungen jeweils zunächst zu beschreiben und dann gesellschaftlich einzuordnen (da ich nix anderes kann, vermutlich wieder vor systemtheoretischen Hintergründen). Wie genau, wird man dann sehen.

Bald: „Du bist, was Dich stresst! Tabula Rasa für chronisch Gestresste im digitalen Zeitalter“ (Band 3 der Über/Strom-Buchreihe)

Dass unser digitales Zeitalter ganz schön anstrengend sein kann und Stress verursacht, ist keine Neuigkeit mehr, aber immer noch eine Herausforderung für den persönlichen Umgang mit digitalen Medien. Wie viel davon möchten wir uns selbst zumuten, wie hilfreich oder hinderlich sind Twitter, LinkedIn, Blogs & Co. für unser Wohlbefinden, und was tun wir, wenn wir wie gefangen von Stresserfahrungen sind? Dieses Problems nimmt sich die Neurobiologin und Über/Strom-Autorin Dr. Kathrin Marter in ihrem in Kürze erscheinenden Buch „Du bist, was Dich stresst! Tabula Rasa für chronisch Gestresste im digitalen Zeitalter“ an.

Cover von „Du bist, was Dich stresst! Tabula Rasa für chronisch Gestresste im digitalen Zeitalter“ von Kathrin Marter (erscheint 2021)

„Du bist, was Dich stresst!“ ist der 3. Band der Über/Strom-Buchreihe. Nachdem in Band 1 Uta Buttkewitz das Phänomen der kontaktlosen, aber trotzdem stressenden Nicht-Kommunikation in digitalen Medien untersucht hat, und ich in Band 2 eher eskapistische Auswege im Computerspiel suchte, widmet sich Kathrin nun der Frage, wie wir das Problem des Stresses der digitalen Zeit direkt am Schopfe packen.

Ein paar Wochen dauert es noch, bis alles gesetzt und gedruckt ist (und ich bin sehr freudig aufgeregt 😀 es ist so schön, wenn ein Projekt wächst und fertig wird), aber hier ist schon mal der Klappentext:

Viele Menschen nutzen täglich die Vorteile des digitalen Zeitalters: wenn sie mal eben ihr Zugticket mit dem Smartphone buchen, sich von ebendiesem zum vereinbarten Treffpunkt navigieren lassen und dann per Textnachricht erfahren, dass die werten Kolleg*innen ein paar Minuten zu spät kommen, der Tisch im Restaurant online schon reserviert wurde und das „Tisch-Ticket“ per QR-Code gleich mitsenden. Viele Menschen erfahren sich bei aller Erleichterung zunehmend reizüberflutet, überfordert und in der Folge gestresst.

Der Begriff und Zustand „Stress“ (heutzutage im Sprachjargon als diffus definierter Normalzustand verankert und schon lange in der Mitte der Gesellschaft angekommen) ist allerdings tatsächlich ein Zustand, der vielfältigen Leidensdruck verursacht und krank macht.

Die Autorin unterstützt allgemeinverständlich, anschaulich sowie naturwissenschaftlich und psychologisch fundiert bei der Auseinandersetzung mit Stress, Stressoren und Prozessen der Langzeitgedächtnisbildung. Letztere sind nicht unwesentlich an unserem chronischen Stresslevel beteiligt. Langzeitgedächtnisse, die, häufig schon in der Kindheit geformt, starke negative Glaubenssätze beinhalten. Diese negativen Glaubenssätze erfahren durch die Herausforderungen der digitalen Welt permanente Verstärkung und begünstigen dadurch chronischen Stress – mit seinen für viele Menschen spürbaren Folgen.

Das Buch lädt ein, klärt auf und gibt fundierte, anschauliche und handlungsorientierte Ansätze zur Selbstreflexion und Entwicklung einer gesunden Handlungskompetenz gegenüber dem eigenen Stresslevel, folglich der eigenen Gesundheit und dem eigenen Glück.

Rezension zu „Let’s Play“ bei Spektrum.de

Auf der Wissenschaftsseite spektrum.de hat Adrian Lobe eine Rezension zu „Let’s Play! Was wir aus Computerspielen über das Leben lernen können“ geschrieben. Der Autor und Journalist findet den zweiten Band unserer Buchreihe „aufschlussreich und differenziert“. Das Buch mache Lust, selbst zu Spielen wie Sim City oder einem Flugsimulator zu greifen. Hier geht es zum Artikel: https://www.spektrum.de/rezension/buchkritik-zu-lets-play/1805897

2020 >> 2021

Ich weiß nicht, ob es am allgemeinen Älterwerden liegt, dass das Jahr 2020 für mich subjektiv sehr sehr schnell vergangen ist, oder an den drei medialen Pfeilern Corona, Brexit und Trump, die zwar mit zeitweise unterschiedlicher Gewichtung, aber doch zu jeder Tages- und Nachtzeit die großen Zeitungen, Nachrichtensendungen und Internetportale dominierten, andere Themen an den Rand drängten (etwa die Flüchtlingssituation in Moria oder die starken Wald- und Buschbrände in den USA und in Australien) und so keine Pause, kein zur-Ruhekommen zuließen, oder doch nur eines, zu dem ich mich wirklich zwingen musste.

Die Idee, doch einfach entsprechenden Medienkonsum zu reduzieren, ist nicht einfach umzusetzen, wenn man medientheoretisch-kommunikationssoziologisch geprägt ist. Das gehört dann nicht nur zur (frei)beruflichen Identität, sondern zum ganzen Selbstbild. Immerhin, im Lauf des Jahres gelang es mir, nicht mehr bis nachts zwischen Spiegel, Zeit, Süddeutscher, taz und FAZ hin und her zu „zappen“, und im Spätsommer war ich dann so weit, mich nur noch morgens auf den aktuellen Stand zu bringen. Und seit Weihnachten habe ich fast gar nicht mehr ins Internet geschaut, selbst E-Mails nur sporadisch gecheckt.

2020

Auf der aktiven, Medien produzierenden, Seite verging das Jahr ebenfalls sehr schnell. Vier große Projekte dominierten 2020. Zum einen kam mein Fachbuch „Nutzerverhalten verstehen — Softwarenutzen optimieren“ auf den Markt. Darin erkläre ich kurz und knapp, wie sich spätere Probleme der Softwarenutzung abfangen lassen, wenn man stärker als allgemein üblich qualitative Beobachtungen von Nutzer*innen während der Entwicklung einbezieht und dies vor bestimmten system- und differenztheoretischen Ansätzen auswertet. Im Allgemeinen findet sowas auch in sogenannten agilen Methoden nur in kleinem Rahmen statt; ich plädiere dafür, das auszuweiten. Kontext des Buches sind auch Gedanken zu mehr Transparenz, was Prozesse und Ergebnisse des Einsatzes von Software angeht, und zu denen ich im Januar zwei längere Artikel im Über/Strom-Blog veröffentlichen möchte.

Das zweite große Projekt war im August das GameStar-Sonderheft zum neuen Microsoft Flight Simulator, das einen großen Teil des Sommerurlaubs einnahm. Wir waren zu der Zeit gerade im Schwarzwald, im „Haus Rehblick“ in Saig, wo „zufällig“ auch Sitz des VST-Verlags und des FS MAGAZINs (der einzigen deutschsprachigen Fachzeitschrift zur Flugsimulation) ist. Die Tage teilten sich in schreiben (vormittags) und wandern (nachmittags). Ich habe ca. 48 der 146 Seiten des Hefts verfasst, vor allem Anleitungen/Tutorials. Das war alles ziemlich aufregend und stressig, weil wir nur wenig Zeit zur Verfügung hatten; gleichzeitig freue ich mich sehr, dass ich daran mitarbeiten konnte, weil mir gerade die Sonderhefte immer sehr gefallen (… die sind auch sehr hochwertig gedruckt).

Kurz vor dem Urlaub gelang es mir noch, mein Sachbuch „Let’s Play! Was wir aus Computerspielen über das Leben lernen können“ abzugeben. Im Gegensatz zu meinen anderen Büchern habe ich „Let’s Play“ auch selbst layoutet. Nicht, dass mir das Standardlayout meines Verlags nicht gefallen würde, aber ich wollte gerne zweispaltigen Satz, farbige Überschriften und Flexibilität bei der Bildgestaltung. Für den Satz habe ich die Open-Source-Software Scribus verwendet, was einige Einarbeitung benötigte. Das Endergebnis halte ich für recht gelungen, zumindest scheine ich keine ganz krassen Fehler gemacht zu haben. Als das Buch dann im November 2020 endlich erschien und ich meine drei Freiexemplare in der Hand hielt, war ich daher doppelt zufrieden.

Das vierte große Projekt schließlich ist die Buchreihe „Über/Strom“, in der „Let’s Play“ erschien und zu der auch dieses Blog gehört. Der erste Band der Reihe war im Frühjahr „Smiley, Herzchen, Hashtag. Zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter von Facebook, WhatsApp, Instagram @ Co.“ von Dr. Uta Buttkewitz (Uni Rostock), die ebenfalls Herausgeberin der Reihe ist. Zwei Gedanken aus dem medientheoretisch fundierten Band haben es mir besonders angetan: die These, dass Kommunikation im Internet oft nur ein kurzer, folgenloser Kontakt ist, der mehr der Selbstbestätigung dient als einem ‚echten‘ Austausch, und dass wir deshalb in einem „Zeitalter des Verschwindens“ leben würden (siehe dazu auch das Interview, das ich mit der Autorin vor einiger Zeit führte).

Neue Über/Strom-Bücher 2021

Und es geht weiter — 2021 erscheinen unter anderem folgende Bände:

Das Buch „Wer sehen will, muss spüren“ beschäftigt sich aus vorwiegend leibphänomenologischer Sicht sowie mit Bezügen zur Psychologie mit dem Schauen von Filmen und Serien. Die Germanistin, Philosophin und Lehrerin an einer berufsbildenden Schule Wiebke Schwelgengräber fragt darin, wie wir leiblich (als Abgrenzung zur Körperlichkeit der üblichen Sinnensorgane) von Filmen/Serien betroffen sind, wenn es etwa um die Entstehung und Wahrnehmung von Atmosphären und Gefühlen geht.

Im Buch „Tabula Rasa 2.0“ geht die Neurobiologin Dr. Kathrin Marter dem Stress in unserer digitalen Welt nach. Sie zeigt anschaulich, was Stress ist und wie er entsteht, und gibt vielfältige Anregungen zu einem bewussteren Umgang mit dem Phänomen im Alltag. Leser*innen des Über/Strom-Blogs kennen die Autorin bereits aus mehreren Beiträgen.

Weitere Bände der Reihe sind bereits in Planung; mehr dazu zu gegebener Zeit.


Soweit mein kleiner Jahresrückblick bzw. -vorgriff.

Möge das Jahr 2021

ruhiger

gesünder und

(zwischen)menschlicher sein.

Let’s Play Buch-Unboxing

Eben kamen meine Belegexemplare von „Let’s Play! Was wir aus Computerspielen über das Leben lernen können“ (dem zweiten Band der Über/Strom-Buchreihe) und ich freue mich sehr ^^ Das Buch liegt mir persönlich fast mehr am Herzen als meine letzten beiden. Hier einmal die Pressemitteilung des Verlags und nun ein paar Unboxing-Fotos: