#Coronaµdigkeit #NeunMonateTwitter #Grounded

Ich habe echt langsam keine Lust mehr auf Corona, und bin überzeugt, dass durch mehr Vernunft und Rationalität der derzeitige Anstieg der Zahlen vermeidbar gewesen wäre. Als generell vorsichtiger, oft sogar ängstlicher Mensch habe ich durchaus Verständnis für irrationale Sorgen. Ich verstehe auch, dass es für Leute, die kein naturgegebenes Talent für Mathe haben (auch so wie ich), schwer ist, statistische Zusammenhänge (Einordnung von Impfquoten, Beurteilung von Impfdurchbrüchen, usw.) zu durchdenken oder sich – immer noch, nach fast zwei Jahren Corona – exponentielle Anstiege von Fallzahlen vorzustellen. Aber das kann man alles lernen.

Ich hatte zum Beispiel sehr lange Flugangst, mit den typischen irrationalen Befürchtungen: „Gerade weil es so selten Abstürze gibt, muss es doch mich treffen!“ Durch Fliegen lernen, also nicht nur theoretisch oder am Simulator zu verstehen, wie ein Flugzeug fliegt, sondern durch das Erfahren am eigenen Leibe, ist es mir gelungen, diese Angst einzudämmen und zu kontrollieren.

[Leider bin ich aus finanziellen Gründen derzeit #Grounded, also erst mal für längere Zeit nicht mehr in der Luft, was mit einer für mich überraschenden Traurigkeit und einem echten Gefühl der Einschränkung der Bewegungsfreiheit auf nur noch zwei Dimensionen einhergeht, aber das ist ein anderes Thema und ließe sich auch gut unter Privilegienchecks diskutieren.]

Genauso jedenfalls kann man sich mit Corona-Tools (wie der Impfung) befassen und verstehen, warum sie nicht schlimm, sondern hilfreich ist. Aber sowas trifft mittlerweile häufig sofort auf Abwehr. Guckt man sich halt nicht an, versucht es nicht mal. Ein bisschen wie in Brechts „Leben des Galilei“, wenn man halt bei festen Überzeugungen bleibt, ohne empirische Fakten dagegen auch nur als potenziell gültig zu prüfen.

Vielleicht braucht es daher den Druck der Masse? #allesindenArm ist gerade ein Twitter-Trend, bei dem alle möglichen Leute dazu aufrufen, sich endlich impfen zu lassen. Zurzeit ist er bei 68.400 Tweets, was sehr viel ist, vor allem im Vergleich zu impfkritischen Hashtags (die ich nicht verlinke, was wiederum durch das Hashtag #FalseBalance begründet werden könnte). Es ist in gewisser Weise beruhigend zu sehen, dass ‚die Mehrheit‘ ähnlich denkt wie ich. Natürlich ist letzteres kein Wert an sich. Aber vor dem Hintergrund der rationalen Beschäftigung mit der Corona-Thematik macht es doch Hoffnung.

Seit Januar 2021 übrigens habe ich einen Twitter-Account, …

[Edit: äh … was dann 11 Monate sind, nicht 9 wie in der Überschrift … so viel zu meinem Mathetalent 😀 ]

… um auszuprobieren, wozu das gut ist und wie sich das anfühlt. Uta Buttkewitz hat ja in ihrem Buch kritisiert, dass es kurze folgenlose Kontakte sind, um die es in ’sozialen‘ Medien geht, aber das ist nicht immer so. Ich hatte auch positive Twittererlebnisse: Wenn Wissenschaftler*innen Erklärthreads zu diversen Themen posten; wenn (wie beim Historikertag neulich) parallel auf Twitter diskutiert werden kann, was ein schönes Gefühl der Teilhabe erzeugt; oder wenn man über interessante Veröffentlichungen und Veranstaltungen informiert wird. Auch als simpler Newsfeed der üblichen Zeitungen und Nachrichtensendungen lässt sich Twitter benutzen.

Aber, ja, wesentlich sind immer auch Selbstdarstellung (persönlich oder zu Werbezwecken), Affektentladung als Einzelne*r oder hinter Hash-getaggte Twitter-Trends versammelte Gruppe, sowie das kurzfristige Belohnungsgefühl eines „Likes“ (nett) oder gar eines „Retweets“ (viel besser). Gerade letzteres ist mir selten vergönnt, was vermutlich heißt, dass die Dinge, die ich dort schreibe oder verlinke, nicht relevant genug für meine derzeit 55 „Follower“ sind. 🙂

Führt das Ausleben unserer Individualität zukünftig auch zu mehr Isolation?

Diana Kinnert/Marc Bielefeld: Die neue Einsamkeit. Und wie wir sie als Gesellschaft überwinden können

In den letzten Monaten habe ich einige Interviews der jungen CDU-Politikerin Diana Kinnert gesehen, die mich sehr beeindruckt haben, weil es sich hier um eine Politikerin handelt, die in einem völlig anderen Sound als andere Politiker*innen spricht und dazu noch Inhalte vertritt, die man selten aus der CDU hört. Obwohl ich keine Nähe zu der Partei verspüre, begeistert mich die junge unkonventionelle Diana Kinnert, die als Markenzeichen einen Cowboyhut trägt und die ansonsten auch eine sehr lässige Erscheinung ist.

Was mir besonders an ihrem Buch „Die neue Einsamkeit“ gefällt, ist die Tatsache, dass darin keine üblichen politischen Phrasen gedroschen werden, sondern Kinnert in ihrer Gesellschaftsanalyse und beim Beschreiben des Phänomens „Einsamkeit“ vom Menschen und seinen Emotionen ausgeht, was in der Politik und auch in gesellschaftlichen Debatten meistens zu kurz kommt. Sie versucht sich auf knapp 500 Seiten der Frage zu nähern, warum die Vereinzelung innerhalb der Gesellschaft, das Gefühl der Einsamkeit und der Bedarf an psychologischer Therapie besonders bei jüngeren Leuten zunehmen. Dabei kommt sie zu dem originellen Ergebnis: „Der Mainstream ist in tausend Subkulturen zerfasert – und diese tausend Subkulturen sind gerade dabei, zum Mainstream zu werden“. Sie bezeichnet unsere Gesellschaft als „überindividualisiert“, da jeder Mensch sein eigenes Leben heutzutage ganz individuell kreieren und gestalten kann – zunehmend unabhängig von Geschlechterzugehörigkeit, sozialen Schichten und tradierten Normen. Diese durchaus positiv zu bewertende Entwicklung hat aber auch eine negative Seite.

Ähnlich wie der Philosoph Byung-Chul Han stellt auch Kinnert fest, dass der moderne Mensch im digitalen Zeitalter die Lust auf Spiritualität, auf das Rätselhafte und auf die Frage nach dem Sinn des Lebens verloren hat. Das Smartphone produziere die „maximale Unverbundenheit durch maximale Absorbiertheit“.

Die scheinbare digitale Revolution befördert die Arroganz, Selbstherrlichkeit und Überzeugtheit der Jetztmenschen, in einem Zeitenumbruch zu leben, so wie keine Generation vor uns. Dabei ist diese Annahme wissenschaftlich betrachtet absoluter Nonsens und dazu noch völlig unlogisch, denn wir kennen nun einmal nur unsere Jetztzeit und können uns in das Lebensgefühl der späteren und früheren menschlichen Generationen überhaupt nicht hineinversetzen.

Wie viele andere Autor*innen, die in den letzten Jahren Bücher zum digitalen Zeitalter geschrieben haben, analysiert Diana Kinnert, dass das Smartphone und die sozialen Medien das Unverbindliche, Oberflächliche und Flüchtige befördern. Das ist erst einmal kein neuer Befund. Neu ist jedoch, dass hier eine junge Politikerin und Publizistin in einer unprätentiösen, authentischen Art und Weise und in einer direkten Sprache den aus dem Ruder gelaufenen Kapitalismus anprangert: „Und darum würde ich heute, nach allen Betrachtungen und Überlegungen, ganz besonders die Jugend mit Nachdruck und Überzeugung dazu auffordern, dem verlogenen Schein- und Community-Kapitalismus zu sagen: fuck you. Ich würde einfach wieder siezen“. Das ist eine herrlich erfrischende Sprache und tut gut. Die Autorin folgt dabei der Analyse des Soziologen Richard Sennett, der die Jugend dazu aufgefordert hat, sich einfach nicht auf den ausufernden Neoliberalismus einzulassen – das erinnert an das berühmte Zitat aus einem Gedicht von Carl Sandburg: „Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.“

Der zweite Teil des Buches verliert sich teilweise zu sehr im Allgemeinen, was bei dem Thema nicht ausbleibt, da das Gefühl der Einsamkeit ein sehr subjektives ist und auch per se nicht unbedingt negativ sein muss. Kinnert unterscheidet in ihrem Buch die emotionale, soziale und kollektive Einsamkeit. Und sie macht deutlich, dass das Gefühl des unfreiwilligen Ausgeschlossenseins aus Gemeinschaften eines der traumatischsten Erlebnisse ist, die ein Mensch erfahren kann. Es reiche nicht aus, einfach nur physische oder virtuelle Orte der Begegnung zu schaffen (wie zum Beispiel Mehrgenerationenhäuser), um der Vereinzelung entgegenzuwirken, so die Autorin. Notwendig sei es, eine tiefere Verbundenheit der Menschen untereinander zu fördern, zum Beispiel durch „neue Modelle der ökonomischen Partizipation“.

Auch wenn Kinnert am Ende des Buches keine Lösung des Problems präsentiert und dieses auch gar nicht möglich ist – ist es auf jeden Fall ein großes Verdienst, das Thema aus der kommunikativen Tabuzone herausgeholt zu haben, da es mit sehr viel Scham belegt ist und sicher viel mehr Menschen unter Einsamkeit leiden, als nur diejenigen, die den Mut haben, darüber zu reden.

Die Kontaktbeschränkungen während der Corona-Pandemie haben einen kleinen Ausblick darauf gegeben, wie es sich anfühlt, wenn die digitale Kommunikation im Privaten und im Beruf weiter zunimmt. Eine gesellschaftliche, interdisziplinäre Debatte darüber, wieviel digitale Kommunikation den Menschen und uns als Gesellschaft guttut, wäre wünschenswert. Wenn wir zum Beispiel berufliche und private Reisen aus ökonomischen und ökologischen Gründen einschränken, bedeutet das im gleichen Atemzug weniger persönliche, soziale Kontakte und weniger Möglichkeiten, neue Menschen kennenzulernen – denn das funktioniert nur persönlich.

Möchten wir das? Und wie lassen sich Klimaschutz, soziale Nähe und funktionierende Zusammenarbeit miteinander verbinden? Mobiles Arbeiten führt unter Umständen zu weniger körperlicher Bewegung und ebenfalls zu weniger persönlichen Gesprächen mit Kolleg*innen. Ist das für ein gutes Miteinander und das gegenseitige Verständnis wirklich förderlich, wenn man nur noch am Rande erfährt und spürt, woran die Kolleg*innen gerade arbeiten oder was sie umtreibt? Und droht nicht das Gemeinschaftsgefühl verloren zu gehen, wenn sich die Individuen mit ihren Familien oder Freundeskreisen immer mehr in ihrer eigenen privaten Blase befinden, die für andere kaum mehr sichtbar und zugänglich ist?

Das sind meines Erachtens wichtige Fragen, die wir diskutieren sollten. Die rasend schnell gewordene Kommunikation und der Überstrom an Nachrichten, der uns täglich überflutet, lässt Erinnerungen an vergangene Ereignisse immer schneller verschwinden bzw. verblassen, so dass wir uns immer weniger Zeit dafür nehmen, neue Arbeitsprozesse, Verhaltensweisen und Routinen, die durch die Digitalisierung geprägt sind, mit der Vergangenheit zu vergleichen und auf ihre Tauglichkeit und Sinnhaftigkeit zu bewerten.

(Titelbild: Jeshu John, http://www.designerspics.com/)

Zwei Jahre Über/Strom

Fast vergessen: Über/Strom hatte schon wieder Geburtstag. Seit zwei Jahren gibt es jetzt diese Mischung aus Blog und Online-Zeitschrift, immer noch auf der Suche nach der Beziehung von Mensch und Digitalisierung.

Das Design der Seite hat sich immer mal wieder verändert; auch habe ich vor ein paar Monaten die Kategorie „Interview“ eingeführt, weil das ja doch ein recht wichtiger Bereich geworden ist.

Ich könnte nun langweilige Statistiken benennen; auswerten, was für Artikel und Themen „gut liefen“ und welche weniger gut, aber ich denke nicht, dass das wirklich von Interesse ist. Ich möchte viel lieber Uta Buttkewitz, Kathrin Marter und Jessica Kathmann für ihre Beiträge danken, und allen Leser*innen für Ihr Interesse! 🙂 Mal sehen, was das nächste Jahr so bringt.

Die Buchreihe

Die Über/Strom-Website begleitet die gleichnamige Buchreihe, deren erste zwei Bände 2020 erschienen sind:

Und bald erscheint der nächste Band:

Weitere Bände sind in Arbeit.

Eine Auswahl interessanter Artikel

Wie schon letztes Jahr, folgt auch hier wieder eine unvollständige Auswahl interessanter Artikel, die seit Beginn veröffentlicht wurden. Die Liste habe ich teils so gelassen wie 2020, teils etwas angepasst, damit sie nicht zu lang wird.

Gesellschaft / Medien / Kommunikation

Leben mit Technik

Umwelt und Nachhaltigkeit

Leben mit (und ohne) Corona

Bücher und Filme

Neben den hier aufgeführten Artikeln gibt es noch eine ganze Menge mehr — über das Kategorien-Menü, das Archiv auf der rechten Seite und die Schlagwort-Wolke kann man sie durchstöbern.

Corona-Tools und das Bedürfnis nach transparenter Technik

Wenn es an den eigenen Körper geht, werden Menschen schnell vorsichtig. Während wir vielen Technologien und Techniken im Alltag sonst schnell vertrauen (oder dank effektiver Werbung gar nicht erst die Vertrauensfrage stellen), verspüren wir bei Werkzeugen, die unser Leben im engen Sinne betreffen — unsere Gesundheit –, Unbehagen. Wenigstens, solange das jeweilige Werkzeug sich nicht als sicher herausgestellt hat, oder solange nicht klar ist, dass seine Urheber*innen es (und unsere Daten, die bei der Nutzung anfallen) nicht für hintergründige Zwecke missbrauchen. Gerade kann man das sehr gut an diversen Diskussionen um Corona-Tools nachvollziehen: letztes Jahr die erfreulich offene Debatte um die Ausgestaltung der ‚offiziellen‘ Corona-Warn-App, dieses Jahr die Frage, ob die Luca-App zu vorsichtigen Öffnungen von Geschäften, Restaurants oder Kulturveranstaltungen taugt, oder auch die Ängste vor den neuen Impfstoffen gegen COVID19.

Beispiel 1: Luca-Quellcode: Missglückter Transparenzversuch

Beim IT-Portal golem.de erschein kürzlich ein sehr negativer Kommentar zur Luca-App. Insbesondere wurde die Intransparenz bemängelt. Zwar wurde der Quellcode der Luca-Android-App öffentlich einsehbar gemacht, durfte aber zunächst nicht bearbeitet oder verbreitet werden. Selbst Zitate aus dem Code, etwa in Analysen, die Probleme aufdecken würden, waren verboten. Nach starker Kritik wurde die Lizenz des veröffentlichten Codes auf die bekannte GPL (GNU General Public License) geändert.

Problematisch bleibt, dass der Code nicht exakt derselbe ist, auf dem die aktuelle Android-App auf den Smartphones der Nutzer*innen beruht. Der Code der iOS-Version ist bisher gar nicht öffentlich, ebenso wenig der Code für die ‚Gegenstelle‘, also die Server des Betreibers. Das ist alles nur ein Open Source ‚Light‘ und wirkt eher wie ein Feigenblatt, das nur oberflächlich Vertrauen schaffen kann.

Zwar kann der Quellcode von Software ohnehin nur von Menschen verstanden werden, die selbst in der jeweiligen Sprache programmieren können und die Systemzusammenhänge durchschauen. Aber davon gibt es durchaus genug. Doch wenn der Quellcode nicht aktuell ist, stellt die Herstellerfirma nur scheinbare Transparenz her, und gerade das weckt Zweifel. Kommunikativ ist das nicht gerade geschickt. Statt Vertrauen erzeugt das Vorgehen der Luca-Entwickler*innen bisher eher Misstrauen, selbst wenn die Herstellerfirma und ihr PR-Gesicht, der Rapper Smudo, nur das Beste wollen.

Beispiel 2: RNA-Code des BioNTech-Impfstoffes

Bei der Weltgesundheitsorganisation war die RNA-Sequenz des COVID-Impfstoffes von BioNTech eine ganze Weile als Word-Datei verfügbar. Mittlerweile ist der Link veraltet, aber im Internetarchiv gibt es noch eine Kopie: https://web.archive.org/web/20210110172535/https://mednet-communities.net/inn/db/media/docs/11889.doc ). Wenn man mal von der Grundsatzdiskussion absieht, ob DNA und RNA mit Software-Quellcode vergleichbar sind, dann können solche Veröffentlichungen genauso nützlich sein wie veröffentlichter Quellcode — wiederum nicht direkt für Laien, aber für jene „Trivialisierungsexperten“ (Luhmann), die ihn stellvertretend für uns einschätzen und erklären. Für den BioNTech-Impfstoff hat das der niederländische Softwareentwickler Bert Hubert getan (oben auf der Seite sind auch Übersetzungen des Artikels in andere Sprachen verlinkt, u.a. Deutsch). Eine faszinierende Lektüre, die nebenbei zeigt, wie technisch mit biologischen Mechanismen umgegangen wird.

Trivialisierungsexpert*innen sind diejenigen Instanzen, denen wir stellvertretend vertrauen, wenn wir den durch sie trivialisierten Zusammenhängen selbst nicht vertrauen können, weil diese zu komplex sind, als dass wir sie als Laien ohne unverhältnismäßig hohen Lernaufwand nachvollziehen könnten. Aber wenn ein*e Trivialisierungsexpert*in in der Lage ist, die Zusammenhänge und die Folgen von Technik auf eine Weise zu kommunizieren, dass sie auch für Laien anschlussfähig wird, dann kann sich viel unnötiges Misstrauen (mit all seinen mitunter stressigen Auswirkungen) auflösen. Lehrer*innen und Wissenschaftsjournalist*innen sind typische Beispiele.

Natürlich funktioniert der Vertrauensaufbau über Trivialisierungsexpert*innen nur, wenn wir diesen Menschen trauen. Wer sowieso jedes Vertrauen in etablierte Instanzen verloren hat, wird im RNA-Beispiel auch nach der Erklärung Huberts weiter misstrauisch bleiben, etwa weiter glauben, dass der Impfstoff die menschliche DNA verändert, obwohl das rein technisch gar nicht geht. Allerdings ist so eine misstrauische Grundstimmung, wie wir sie heute oft in sozialen Medien erleben, auch eine Folge einer jahrzehntelang erlernten Blackbox-Sicht auf komplexe Technik. Glücklicherweise ändert sich das seit einiger Zeit.

Technik-Transparenz als gesellschaftliches Ideal

In meinem Buch „Nutzerverhalten verstehen — Softwarenutzen optimieren“ (2020) habe ich Technik-Transparenz als Forderung an eine Gesellschaft gestellt, „in der Menschen nicht nur als Konsumenten von Produkten funktionieren“ (S. 19). Ich bezog mich im Buch nur auf Software im engeren Sinne, aber man kann das auch auf Technik insgesamt ausweiten.

„Transparent gegenüber Nutzer*innen ist Software, wenn Nutzer*innen jederzeit die Möglichkeit haben, sich über Hintergründe und Aktivitäten der Software in der aktuellen Situation sowie über das Zustandekommen der Berechnungs- oder Verarbeitungsprozesse zu informieren“ (S. 18).

Das ist aber nicht nur eine Bringschuld der Entwickler*innen von Software bzw. Technik, sondern auch wir Nutzer*innen, wir Laien, sind gefordert, uns mit Technik beschäftigen zu wollen, zumindest wenn wir als selbstbestimmte Menschen handlungsfähig bleiben wollen. Es braucht also einerseits eine lernförderliche Umgebung — Technik, die uns einlädt, sich tiefer mit ihr zu befassen — und andererseits unseren Wunsch, zu lernen und zu verstehen.

Das „Ideal transparenter Software“ hatte ich im Buch in einer einfachen Grafik zusammengefasst:

Das Ideal transparenter Software (aus meinem Buch „Nutzerverhalten verstehen – Softwarenutzung optimieren“, 2020, S. 20)

Was da für Software dargestellt wird, gilt in Wahrheit für Technik insgesamt. Es gibt bei jeder Technik (ob nun konkret ‚anfassbare‘ Sachtechnik oder Technik im Sinne eines Verfahrens) immer die Oberflächenstruktur, mit der wir auf Technik zu-greifen oder sie verwenden, und dahinter liegende Annahmen und Modelle, die bestimmen, was wir im Zu-griff tun können und wie wir das, was wir da eigentlich tun, verstehen können.

Ich plädiere für einen stärkeren Fokus auf die Vermittlungsebene. Es reicht nicht, eine Technik nur nach ergonomischen Kriterien, Effizienzgedanken oder auch Nutzungsfreude (Joy of Use) zu gestalten. Schon bei Planung und Entwicklung sollten Wege mitgedacht werden, wie Nutzer*innen bei Bedarf auf die Tiefenstruktur zugreifen können.

(Titelbild: SplitShire / Pixabay.com)

+++ Betrachtungen zur aktuellen Corona-Lage +++

Wie mein Kollege Mario Donick habe ich auch längere Zeit nichts mehr in diesen Blog geschrieben, da die derzeitige Corona-Glocke sehr viel Motivation und Kreativität einfach so verschluckt. Aus meiner Sicht liegt es vor allem an diesem merkwürdigen Vakuum, in dem wir uns seit Monaten befinden und wodurch es zunehmend für einen selbst immer schwieriger wird, zu bewerten, welche Entscheidungen bzw. Maßnahmen noch angemessen sind und welche nicht – gerade, weil wir uns zu schon zu sehr mittendrin in der Ausnahmesituation befinden und uns die Außenperspektive immer mehr abhandenkommt. Und diese quälende Langsamkeit beim Impfen ist kaum mehr zu ertragen…

Mir fallen momentan gesellschaftliche Diagnosen immer schwerer, weil man nicht so richtig einschätzen kann, in welche Richtung sich unsere (Welt-)Gesellschaft nach der Pandemie entwickeln wird und welche Themen dann vor allen Dingen im Fokus stehen werden. Ist es die Identitätspolitik oder ist das jetzt schon Schnee von gestern? Ist es der Klimawandel? Sind es soziale Ungleichheiten? Oder werden wir uns wieder hedonistisch ins Leben stürzen und alle Probleme erst einmal verdrängen, um das Leben wieder so richtig genießen zu können?

Kürzlich habe ich das Buch des Soziologen Steffen Mau „Lütten Klein“ gelesen. So wie er wurde ich auch in den 1970er Jahren in Rostock geboren. Ich bin allerdings nicht in Lütten Klein, sondern in Groß Klein 😉 aufgewachsen. Mau blickt zuerst auf den DDR-Alltag zurück und analysiert im Anschluss, welchen Veränderungen die DDR-Bürger:innen nach 1989 ausgesetzt waren und in welche Richtung sich der Stadtteil Lütten Klein entwickeln hat. Ich habe mich in dem Buch sehr wieder erkannt und stimme fast mit allen Beobachtungen von Mau überein. Und interessanterweise wurde mir beim Lesen immer bewusster, dass die Ostdeutschen fast mehr durch die Wende selbst als durch die DDR geprägt wurden. Steffen Mau verwendet dafür den Begriff der „Transformationsgesellschaft“, die sich während des Umbruchs in den ostdeutschen Bundesländern herausgebildet hat.

Der Zusammenfall der DDR und die Einbindung dieser in ein kapitalistisches Wirtschaftssystem war mit Transformationsprozessen verbunden, die die ehemaligen DDR-Bürger:innen völlig aus ihrem Gleichgewicht brachte und eine jahrelange Neu-Orientierung und Anstrengung nötig war, um sich im neuen System zurechtzufinden. Das hat mich in gewisser Weise an unsere Situation in der Corona-Pandemie erinnert. Mittlerweile dauert sie schon ein gutes Jahr und das ist ein Zeitraum, der in Gesellschaften schon eine sehr nachhaltige Wirkung entfalten kann. Ich bin gespannt, wie vor allem die Jugendlichen diese Zeit verarbeiten und wie sie in ihrem Verhalten als Erwachsene dadurch geprägt werden. Denn wie Steffen Mau herausgearbeitet hat, waren es vor allem die 13- bis 14-Jährigen, die besonders große Schwierigkeiten hatten, den Umbruch der DDR zu verkraften und sich an die neuen Verhältnisse anzupassen, da ihnen ihre Eltern als orientierende Wegweiser oft nicht zur Verfügung standen, da sie mit sich selbst genug zu tun hatten – die meisten wurden von einem auf den anderen Tag arbeitslos und waren gezwungen, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben und dafür viel Mut aufzubringen.

Seit einem Jahr müssen wir unser Leben wieder neu sortieren; Wünsche hintenanstellen. Damit verbunden ist, dass wir vieles in Frage stellen, was bis heute selbstverständlich war. Am Anfang der Pandemie schien die Digitalisierung noch als ein Allheilmittel und eine große Chance zu gelten, was sich aber schon teilweise als ein Trugschluss herausgestellt hat. Denn die Menschen sehnen sich nach zwischenmenschlicher Nähe und möchten endlich wieder gemeinsam Zeit verbringen, ohne durch einen Bildschirm getrennt zu sein. Wir befinden uns in einer erschreckend inhaltsleeren Zeit. Wenn Menschen nicht real miteinander – sondern nur über elektronische Medien – kommunizieren dürfen, dann stagniert scheinbar das Denken und die Entwicklung neuer Ideen. Klar, es ist gut, dass wir uns jetzt mit Videokonferenzen auskennen und uns smarter durch den digitalen Dschungel bewegen können – die digitale Kommunikation bringt aber keine „Neue Normalität“, sondern sie ist lediglich ein gutes Instrument, um die Einschränkungen abzufedern und trotzdem zwischenmenschlichen Kontakt möglich zu machen. Es bleibt aber immer nur eine schlechte Kopie des Originals – nämlich unserer analogen Kommunikation in der „primären Realität“. Die Welt erscheint mir im Moment schon fast lächerlich banal – die Fokussierung nur auf ein einziges Thema vernebelt das Gehirn. Umso länger die Einschränkungen dauern, umso mehr erkenne ich, wie sehr wir neue Reize und Erlebnisse brauchen – durch Kultur, Mobilität und gemeinsame Erlebnisse mit anderen Menschen. Und dann beginnt hoffentlich eine Zeit von neuen Visionen und wieder mehr Kreativität.

(Titelbild von Alexandra Koch / Pixabay)

Corona-Müdigkeit IV: Gegen den Inneren Lockdown

Es ist jetzt fast auf den Tag genau ein Jahr her, dass ich das erste Mal über Corona-Müdigkeit schrieb. Da war COVID19 in Deutschland gerade erst so richtig angekommen, und mit „Müdigkeit“ bezog ich mich vor allem auf den medialen Lärm. Vier Monate später hatte sich dann Müdigkeit hinsichtlich der Gesamtsituation in mir breit gemacht, die aber dank der Sommermonate und viel Arbeit nicht sehr anhaltend war. Ende November kam sie zurück, und ehrlich gesagt hielt sie bis vor kurzem an. Während ich das im Dezember und Januar aber produktiv nutzen konnte, um unter anderem auch viele Texte für Über/Strom zu produzieren (auch eine Form von Eskapismus), waren der Februar und die erste Märzhälfte von einer echt unangenehmen Dumpfheit erfüllt, die ziemlich genau das war, wogegen sich zuletzt Kathrins Ideengeber-Artikel „Do’s & Don’ts im Lockdown des Jahrhunderts“ gerichtet hatte. Ach, diese Ironie. 🙂 Zwar habe ich weiter eine Menge geschrieben (vor allem sehr lesenswerte GameStar-Artikel). Aber bezogen auf andere Projekte habe ich mich innerlich doch irgendwie schreibblockiert gefühlt.

Und dann beschloss ich, angesichts gerade etwas niedrigerer Corona-Fallzahlen, das Home Office meines ’normalen‘ Jobs mal wieder zu verlassen und ins Büro zu gehen. Gott, war das eine gute Entscheidung. Echte Menschen. Echte Gesichter. Stimmen. Lachen. Fluchen. Diese typische Büro-Geruchsmischung aus Kaffee, Teppich, Computern, von draußen ekliger Zigarettenrauch, und irgendwo hat wieder wer nicht richtig die WC-Tür geschlossen, was man selbst mit FFP2-Maske wahrnimmt. War das schön. Ich komme eigentlich gut mit mir allein zurecht, aber offenbar kann selbst ich vereinsamen, wenn alle Kontakte nur virtuell sind.

Leider steigen die Fallzahlen jetzt wieder, sodass fraglich ist, wann ich das nächste Mal ins Büro gehe. Aber selbst diese eine Woche war ein scheinbar sehr nötiges soziales Auftanken, ohne das man gegen den inneren, ich möchte fast sagen seelischen, Lockdown nicht ankommt. Echt spannend.

Do’s & Don‘ts im Lockdown des Jahrhunderts: Ein Mutmacher und Ideengeber

In diesem Beitrag geht es um den Februar als schwierigen Monat, der mit Corona und Lockdown, nach einem schwierigen Jahr, noch schwieriger wird. Es geht darum, zu reflektieren, was wir alles haben und wofür wir dankbar sein können. Es geht um den Konsum digitaler Technologien im Arbeits-und Gammelmodus. Der Beitrag enthält eine Übersicht zur Reflexion des eigenen Konsums digitaler Technologien und bietet Ideen für analoge Alternativen, die das Potential haben, uns körperlich und psychisch in die Balance zu bringen oder zu halten, damit wir körperlich und psychisch gesund bleiben können.

Der Februar, der „übelste Mond des Winters“ im Corona-Lockdown

Zur Erinnerung, weil es momentan recht leicht ist in der eigenen Alltags-Filter-Blase das Gefühl für Zeit und Raum zu verlieren: Es ist Anfang Februar, noch mindestens zwei Wochen Lockdown liegen vor uns. Folgen wir dem Kalender, ist der Februar der kürzeste Monat, der mit den wenigsten Tagen, Stunden, … Anfühlen tut er sich länger als alle anderen:

„Er ist der übelste Mond des Winters, und dass er zu allem Überfluss gelegentlich auch noch als Frühling verkleidet daherkommt, und das auch jeweils nur für ein paar Stunden, um sich dann sogleich wieder mit einem sadistischen Lachen die Maske vom Kopf zu reißen und all den einfältigen Gesichtern Hagelkörner ins Gesicht zu spucken – ein Benehmen, das einem schnell zum Hals raushängt –, all dies macht in nur noch grausamer. Der Februar ist erbarmungslos und er ist langweilig. […]“ (Aus: PanAroma von Tom Robbins, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1985)

Privilegien-Check im Corona-Lockdown

Wohl denen, bei all der langen Weile,

Nephila spec.
  • die einen Coronakrisen-sicheren Job haben,
  • deren Arbeitgebende nicht Kontrollfreaks, Verantwortungsabschiebende und Angsthas*innen genug sind, weiterhin Home Office zu verweigern (hier hat sich für mich mit dem ersten Lockdown schon die Spreu vom Weizen getrennt und ich kann nur jedem/jeder Arbeitnehmenden, welche grundlos ins Büro mussten, raten, sich jetzt, mit der langen Weile, nach einem fleißigen erfolgreichen Arbeitstag, nach einem neuen Arbeitsplatz umzuschauen (vielleicht durften Sie ja deshalb kein Home Office machen, weil Ihre komplette Führungsriege von zu Hause arbeitete?),
  • noch wohler denen, deren Arbeitgebende ein vorbildliches, verantwortungsvolles, digitales Betriebliches Gesundheitsmanagement durch engagierte Verantwortliche aufgebaut haben, damit wir als Arbeitnehmende in dieser (ohne verwurzelte gesunde Routinen außerhalb von Kino, Café und Vereinssport auch ohne Corona-Erkrankung oder auch ohne Lockdowns) nicht ganz gesundförderlichen, für Körper und Psyche ohnehin schweren Winterzeit, nun nicht noch schwerer wird. Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement, dessen Verantwortliche nicht immer noch argumentieren, dass Gesundheit nur analog möglich ist und wir erst nach Corona (Ey, wann soll das bitte sein?) wieder betrieblich beim gesund sein unterstützt werden. Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement, das uns hilft und anregt, gesunde Alternativen zur Smartphone- und Netflix- Langeweile zu entwickeln und für die eigene Salutogenese zu nutzen, damit wir auch alle irgendwann wieder körperlich und psychisch gesund zurück an den Arbeitsplatz kommen, um weiter hochmotiviert und -engagiert, mit viel Power und Ausdauer zum Erfolg des Unternehmens beizutragen.
  • Wohl uns, die wir in Deutschland leben und selbst mit Einschränkungen oder drohender Pleite (obwohl häufig anders kommuniziert, nicht gleichzusetzen mit Existenz!!!) wenigstens den schwachen Trost einer Grundabsicherung erwarten dürfen (sofern Sie nicht Schüler*in oder Studierende ohne Elternhaus mit Mittelstandseinkommen sind. Als Mitglied einer solchen ‚Randgruppe‘ sind Sie mächtig in der Patsche und brauchen unsere Unterstützung!) Immer und besonders jetzt ist das Aufgeben eines Yoga-Studios, eines Reisebusunternehmens, einer gastronomischen Einrichtung, eines Einzelhandels,… weder Schande noch Scheitern. In den USA könnten wir unter diesen Umständen mit unseren letzten 13 $ einen Greyhoundbus nach San Diego, in SunnySo(thern)Cal(ifornia) nehmen. Dort ist es für Menschen ohne festen Wohnsitz besonders attraktiv, denn es ist durchgehend warm und es regnet recht wenig. Anders als im Sunshine State Florida. Dort ist es auch warm, aber es regnet, für die Tropen typisch, täglich und deshalb gibt es giftige Spinnen, z.B. Schwarze Witwen, riesengroße Seidenspinnen der Gattung Nephila, Alligatoren gibt es auch und Schlangen, darunter auch giftige…
  • Wohl uns, die wir in Deutschland leben und ein in der Regel schnelles und qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem erfahren dürfen.
  • Wohl uns, …. Diese Liste ist trotz allem beliebig erweiterbar. Wenn Sie mögen, schicken Sie mir (oder schreiben Sie in die Kommentare) die Punkte, für die Sie dankbar sind, damit die Liste länger und länger und länger werden kann und wir uns sicherer und trotz allem in unserer Kraft fühlen können.

Danke, danke, danke!

Privilegien-Check im Corona-Lockdown

Der Februar, ein Hindernis; matschige, sumpfige Langeweile?

Der Februar „führt sich auf wie ein Hindernis, er ist ein matschiges, ein sumpfiges, ein langweiliges Zwischenstück, das sowohl Fortschritt als auch Befriedigung verhindert.“ (Aus: PanAroma von Tom Robbins, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1985)

Was nun tun, in diesem Februar, in dem uns, wie so häufig im übelsten Mond des Winters die Decke auf den Kopf fällt, im Spagat zwischen Homeschooling und Homeoffice, alleinstehend zuhause, oder mit selbst dem/der liebenswürdigsten Partner*in, der Diskussion und konflikt-belasteten Entscheidung, wer nun abwäscht und wer staubsaugt.

Ich könnte, aus Mangel an Alternativen, noch mehr arbeiten. Möglichst am Rechner, damit ich zu Ostern auch garantiert

  • chronisch eine (stärkere) Sehhilfe brauche,
  • meine Muskulatur sich auf ein Minimum reduziert hat,
  • meine Faszien maximal verklebt und
  • Nacken und Schultern chronisch verspannt sind,
  • die Halswirbelsäule blockiert ist,
  • mein Herz-Kreislauf-System soweit runter gefahren ist, dass mein Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird und Umwelttoxine nicht abgebaut werden können — Toxine, die ich mit stark verarbeiteten, wenig nahrhaften Lebensmitteln (wie Pizza, Pommes, Currywurst, Chips), Zigaretten, Weichspüler und all den anderen Dingen zu mir nehme und die nicht abgebaut werden können und sich in meinen Zellen ablagern. Dinge, welche ich so vor mich hin konsumiere und dabei Amazon leer kaufe (anstatt den lokalen Handel zu unterstützen), um die Langeweile möglichst kurzfristig zu befriedigen, zu füllen. Gebongt.

Sollten sich hier zwischen den einzelnen Pflanz-, Melk- und Bauzeiten doch mal einige Minuten lange Weile ergeben, hab ich sicherheitshalber Netflix am Laufen und könnte mal bei Facebook oder LinkedIn gucken, was meine anderen digitalen Tribes so machen.

Ohne Likes und Kommentare versteht sich, muss ja keine*r wissen, was und wen ich mag. Ich bin lieber inkognito unterwegs und mag unpersonalisierte Werbung viel lieber als die Personalisierte oder gar das Persönliche. 

Digitales Wohlfühlen

Achtung! Licht am Ende des Tunnels und Hoffnung ganz unten in der Büchse der Pandora. Damit ich nicht komplett durchdrehe, mach‘ ich mir mal eine Übersicht über meinen Medien- und Digitalkonsum. Vielleicht hilft mir die nackte, faktenbasierte, in Stunden greif- und sichtbar gemachte Tatsache, den Hintern und die Lunge an die frische Luft zu befördern, so wie ich es mir vor nicht mal einem Monat zu Silvester schließlich vom Universum gewünscht habe… Wenn frau sich nicht um alles selbst kümmert, keine SMARTen Ziele macht, nicht in die Verantwortung für die eigenen Bedürfnisse und die eigene Gesundheit geht, dann wird das verflixt nochmal wohl nix…

Digitales Wohlfühlen, modifiziert und in Teilen aus dem Englischen übersetzt aus Material eines Kurses zum Digital Wellbeing, den ich online und for free im Dezember an der University of York gemacht habe.

Mist! Die Fakten sind, ich sag mal, unschön. Okay, was kann ich für mich tun…

Zum Jahresanfang kommt mein Krankenkassen-Bonusheft. Dort bekomme ich auch einen Stempel mitsamt Bonus für das deutsche Wanderabzeichen! Cool! Wie komm ich an das Deutsche Wanderabzeichen?

Da Gruppenwanderungen in Lockdown-Zeiten nicht möglich sind, verlängert der Deutsche Wanderverband (DWV) die Sonderregel, nach der auch individuelle Wanderungen für das Deutsche Wanderabzeichen punkten. Das ist auch deswegen wichtig, weil während der Corona-Pandemie viele andere Freizeitsport-Aktivitäten nicht mehr möglich sind. […]

Um das Bewegungsabzeichen samt Urkunde am Ende des Jahres 2021 zu bekommen, benötigen Erwachsene über das Jahr hinweg 200 Kilometer, Jugendliche 150 Kilometer und Kinder 100 Kilometer, die in mindestens zehn Einzelwanderungen gelaufen werden. […]

Der Deutsche Wanderverband möchte mit der Sonderregelung möglichst viele Menschen in Bewegung halten oder bringen. Daher werden pro Monat bis zu 20 Kilometer, die im Kreis der Familie, mit einzelnen Freunden oder auch alleine erwandert werden, für das Deutsche Wanderabzeichen gewertet. Dank der ehrenamtlichen Wegearbeit der Mitgliedsvereine im DWV ist das flächendeckend und auch abseits der Wanderhotspots möglich.“ (DWV Pressemitteilung 3/2021, Kassel, 26. Januar 2021)

Das pdf zum Sonderblatt gibt’s auf meiner Website in der Wanderabteilung und auf den Seiten des DWV. Tolle Aktion. Und mit einem Haushalt darf ich mich ja treffen. Also nix wie los! Hilft auch bei durch übermäßige Bildschirmarbeit bedingter Kurzsichtigkeit und sorgt so auch für mentale Weitsicht.

Was noch? Businesspilgern geht! Das habe ich im letzten Jahr schon mal begonnen. Es hat sich mit Weihnachten wieder aus der gesunden Routine verabschiedet und muss neu belebt werden. Also Netzwerkkarte raus (zur strategischen Netzwerkberatung hier entlang) und die Frage gestellt: Wer in meinem Netzwerk hat Bock, ist in der Nähe, zuverlässig und nett? Mit wem möchte ich Businesspilgern? Wo hab ich die Telefonnummer? Und los! Eine circa einstündige Mittagspause, ggf. eine Stunde nach Feierabend, um sich mit einer lieben Person eines anderen Haushalts zu einem Spaziergang zu treffen. Wenn alle meine Kontakte und ich verantwortungsvoll mit nur sehr wenigen Menschen Kontakt haben und wir uns nicht wild umarmen, sollte es doch möglich sein, neben einer Wanderung am Wochenende, zweimal pro Woche eine Stunde spazieren zu gehen. Das wärmt nicht nur den Körper, sondern auch das Herz und sorgt für ein ausgeglichenes Oxytocin-Level, so dass ich mich nicht einsam fühle und auch am Folgetag Lust und Elan habe, mich nochmal allein um den Block zu bewegen,… oder zum Magdeburger Dom, da bin ich sehr gerne…

Der KreisSportBund Saalekreis ruft „alle organisierten und nichtorganisierten Sportler*innen der Region auf sich im Zeitraum vom Samstag, den 23.01.2021 bis Sonntag, den 28.02.2021 an der Aktion KILOMETERSAMMLER zu beteiligen. In diesen 37 Tagen gilt es, möglichst viele Kilometer zu Fuß im Freien (Spaziergang, Walken, Joggen) zurückzulegen und die Leistung dem KreisSportBund Saalekreis zu melden. In Kooperation mit der Saalesparkasse werden die Sportvereine mit der größten Laufleistung prämiert. Nichtorganisierte Sportler*innen können ihre Laufleistung einem Verein unter dem Dach des KSB Saalekreis „spenden“.“ (Maik Heinel, stellv. Geschäftsführer, Breitensport / Sport und Gesellschaft, KreisSportBund Saalekreis e.V., 20.01.21) Hier geht es zum Aufruf. Sicher gibt es ähnliches auch in Ihrer Region. Die Vereine und Verbände hatten ja nun genug Zeit, sich Tolles auszudenken oder irgendwo abzuschauen, zu organisieren und anzubieten. Es ist eine großartige Möglichkeit, selbst in Bewegung zu kommen, zu helfen und zu unterstützen und soziale teilzuhaben.

Vielleicht hat das Unternehmen für das Sie arbeiten, ja einen Pausenexpress, in dem Sie sich angeleitet durch ein paar mobilisierende und stärkende Übungen (i.d.R. für Schultern und Nacken) arbeiten, um einen gesunden Impuls in den Körper zu geben. Hier treffen Sie auch ein paar Kolleg*innen, können sich kurz austauschen und erleben Gemeinschaftsgefühl. In meinen Online-Sport- und Yogakursen brauchen Sie auch nur wenig bis gar nicht auf den Bildschirm schauen und werden von mir auch immer wieder dazu eingeladen, auf den eigenen Körper zu hören, wie die Übung richtig ist. Und sollte die Übung doch ungesund ausgeführt werden, dann bin ich ja da, um zu unterstützen. Ich lasse meine Teilnehmenden gern mit geschlossenen Augen arbeiten, damit die Augen sich entspannen und wir die anderen Sinnesmodalitäten und z.B. unsere Atmung wieder bewusster wahrnehmen können. Das erdet, klärt, beruhigt und fokussiert ganz wundervoll und leitet Regeneration ein.

Sollte Ihr Unternehmen tatsächlich immer noch kein digitales Gesundheitsmanagement für das Home Office aufgebaut haben, könnten Sie ja höflich mal Bedarf und Unterstützung anmelden und ggf. auch Ihre Kolleg*innen darum bitten, gleiches zu tun. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und Sie dürfen hier für sich und andere in die Verantwortung gehen. Auch das fühlt sich großartig an und hilft, Körper, Psyche und emotionales System im Februar + Lockdown auszugleichen und Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Zunächst einmal nicht offline, aber motivierend und in Schwung bringend, könnte jede*r, die*der schon mal von Selbständigkeit geträumt hat (oder selbständig ist und situationsbedingt ein wenig umplanen muss, oder sowieso jede*r einfach mal so), seinen/ihren Businessplan erstellen, um sich zu positionieren und Träume wahr werden zu lassen. Es gibt da eine wunderschöne kostenfreie Website, die Gründerplattform. Sie wird auch vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt und bietet sehr nützliche Tipps zur Gründung und zur Erstellung von Businessmodellen durch wichtige und die richtigen Fragen zur Unternehmung im Baukastenprinzip und macht sehr viel Spaß. Offline kann man/frau dann mit Post its, Buntstiften und Vision Board kreativ weiterwirken, Ziele formulieren, Pläne schmieden, aus Träumen Wirklichkeit machen.

Ausmisten ist auch toll, komplett analog und bereitet den Frühling super vor. Sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Sich überlegen, was wirklich gebraucht wird und was seit Jahren an Ballast, z.T. auch mit Schuldgefühlen belastet, unreflektiert mitgeschleppt und aufgehoben wird. Sich von alten Klamotten, Büchern, Schnickschnack, Lohnstreifen und uralten Dokumenten zu trennen, das klärt auch die Psyche ungemein und hinterlässt ein befriedigendes Gefühl, mal wieder richtig was geschafft zu haben.

Zwischen den ungesunden zweistündigen Zoom-Meetings und ohne Pausenexpress lässt sich auch gut aufräumen, den Körper leicht mobilisieren und immer wieder mal das Auge auf Weite einstellen. Umräumen, um die eigene Wohnung gesünder zu gestalten und einen Impuls ins Neue zu geben ist auch eine fantastische Idee, um ungesunde Routinen loszulassen.

Die Steuererklärung kann auch ein schönes Spiel sein. Manch eine*r putzt aber lieber Fenster, als die Steuer zu erklären. Prokrastination. Auch in Ordnung. Fenster putzen regt auch den Stoffwechsel an und bringt Schultern und Nacken in Bewegung. Wenn Sie das Fenster aufmachen, um es auch von außen zu putzen (würde ja Sinn machen), bekommen Sie auch eine ordentliche Portion Sauerstoff in die Lungen und werden anschließend mit Durchblick belohnt. Das klingt sogar für mich attraktiv…

Wenn ich all diese Dinge als Pilotprojekt ansehe und wenigstes erstmal anfange, mit der Option, jederzeit mit dem Gesundwerden oder -sein wieder aufzuhören, sollte ich keine Lust mehr haben, sind Großprojekte wie die Entsorgung der Lohnstreifen der letzten 20 Jahre und anderer Dokumente aus etlichen Ordnern im Bettkasten auch keine unüberwindbare Hürde mehr.

Analoge Reizumgebungen — Wohlfühlatmosphäre im Corona-Lockdown

Sauerstoff durch Lüften ist eine gute Idee für körperliche und psychische Klarheit und Frische. Pflanzen reinigen und befeuchten darüber hinaus unsere Raumluft erheblich. Zusätzlich sorgt ein Diffuser oder eine Öllampe mit reinen ätherischen Ölen für gereinigte Luft und unterstützt je nach Öl ihre Grundstimmung:

In Zitrusfrüchten und deren konzentrierten Ölen sind Sonne und Sommer gespeichert. Zitrusöle in der Luft, auf der Haut, in den Getränken, in oder als Lebensmittel wirken entzündungshemmend, konzentrationssteigernd,… Das Öl der Orange z.B. wirkt belebend und erfrischend auf Körper (Entspannung der glatten Muskulatur) und Psyche (Förderung von Positivität, energetisierend) und kann so den Auswirkungen von Lichtmangel in der Winterzeit (Winterdepression) entgegenwirken; das Öl wirkt stimulierend auf die Zirbeldrüse (u.a. Ort der Melatonin-Bildung; Regulation zirkadianer Uhren im menschlichen Körper) und ausgleichend auf die Hypophyse (übergeordnete Hormondrüse, Schnittstelle Nervensystem – Hormonsystem). Es regt möglicherweise die Produktion des Hormons Enkephalin (stimmungserhellend) an.

Eukalyptusöl ist eines der stärksten Antiseptika, die natürlich wachsen. Heute wie damals gilt das Öl als eines der besten Mittel gegen Atemwegserkrankungen, Harnwegsinfektionen, Fieber, Rheumatismus, Muskelschmerzen, Wunden, Hautunreinheiten, Akne, Trägheit und Antriebsschwäche. Das Öl des Wohlbefindens hat einen frischen eindringlichen Duft, riecht etwas kampferartig, riecht ‚gesund‘. Eukalyptusöl eignet sich wegen seiner Intensität bestens zur Reinigung der Raumluft, erleichtert das Atmen bei Erkältungen und fördert so die Sauerstoffversorgung und Regeneration aller Körperzellen.

Lavendelöl stimuliert das parasympathische Nervensystems, d.h. den Teil unseres vegetativen Nervensystems, dass für Erholung, Entspannung, Regeneration und das Auftanken unserer Energiereserven zuständig ist. Das Öl der Kommunikation beruhigt das Nervensystem, lindert so Angst- und Stresszustände und macht so auch blockierte Kommunikation intra- & interpersonell wieder möglich. Durch die entspannende Wirkung ist es auch gut geeignet bei (Ein-) Schlafstörungen, Hyperaktivität, Jetlag und den unangenehmen Begleiterscheinungen von Stress (z.B. Zähneknirschen, Nägelkauen oder Verspannungen der Muskulatur). Ich könnte Ihnen noch sehr viel über die heilenden Wirkungen von ätherischen Ölen erzählen. Ich bin Fan dieser analogen, natürlichen, wohltuenden Reizumgebungen, die mich vom digitalen Ziegenmelken zurück in die Gegenwart bringen!

„Wenn dem Februar die Farbe von Schweineschmalz auf Schwarzbrot zukommt, so entspricht sein Geruch dem von nassen Wollhosen. Was den Ton angeht, so haben wir es mit einer abstrakten Melodie zu tun, die auf einer quietschenden Geige gespielt wird, jammernd wie eine seekranke Xanthippe. O Februar, du bist nicht nur klein, du bist auch bescheiden! Verfügtest du in deiner lästigen Ausdehnung über den doppelten Umfang, würden wohl nur wenige von uns überleben, um den schönen Monat Mai willkommen heißen zu können.“ (Aus: PanAroma von Tom Robbins, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1985)

Welche visuellen Reizen setzten Sie dem „Schweineschmalz auf Schwarzbrot“ entgegen, welche olfaktorischen den nassen Wollhosen? Welche akustischen Reize tun Ihnen gut, wärmen und nähren Sie durch den Februar in den Frühling? Geben Sie sich davon genug? Wie können Sie mehr davon bekommen, wenn Sie das möchten?

Eine positive, Sie ansprechende milde Reizumgebung vermittelt das Gefühl von Sicherheit. Wo ich sicher bin, bin ich weniger in der Angst, im Frust und/oder im Stress, kann mich öffnen, vertrauen, kreativ sein, fühle mich wohl. Tee, Kerzen, frische, helle Kleidung und frische und frisch zubereitete Lebensmittel, das Lesen analoger Bücher und/oder ein langes Schaumbad entstressen analog auf gleiche Weise.

„Wir festigen unsere Gedächtnisse über Nacht. Ein positiver, gesunder Input durch ein positives, gutes Buch oder Meditation am Abend verbessert unser Gedächtnis, schützt so vor neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, festigt positive Glaubenssätze und Gewohnheiten, lässt uns uns positiver und zufriedener fühlen, fördert unser Einfühlungsvermögen und verringert so auch die Wahrscheinlichkeit an Depressionen oder Angststörungen zu erkranken.“ (aus meinem 2021 erscheinenden Buch „Du bist was dich stresst! Tabula Rasa für chronisch Gestresste“)

Ich habe mir Anfang der Woche die ersten Tulpen gekauft und meiner Nachbarin auch gleich welche mitgebracht. Es sind Kleinigkeiten, die mir den analogen Tag versüßen. Um so eher ich diese Tätigkeiten, Situationen und Dinge für mich auch bewusst als positiv und mir wohltuend wahrnehme und wertschätze, um so stärker ist deren positiver und gesunder Effekt auf meinen Körper, meine Psyche und mein emotionales System!

Helfen und Hilfe annehmen

Anderen zu helfen ist ein wahnsinnig gesundes digitales und analoges Werkzeug, immer und gerade jetzt, um durch diesen Februar und die Pandemie zu kommen. Um zu geben, sollten die eigenen Ressourcen aufgefüllt sein. Das letzte Hemd zu geben, ist nicht gesund und auch für das Gegenüber nicht hilfreich. Ebenso sollte Hilfe bedingungslos sein und dem anderen tatsächlich helfen und nicht nur Ihr eigenes Bedürfnis nach Nähe und Anerkennung befriedigen.

Sollten Sie Hilfe benötigten, zögern Sie nie darum zu bitten. Suchen Sie sich Menschen in Ihrem Netzwerk, welche bereit sind zu helfen und, Ihr Anliegen betreffend, die erforderliche Kompetenz haben. Nur sehr, sehr wenige Menschen werden (und dann häufig, weil sie selbst keine Ressourcen mehr haben) Hilfe verweigern. Vor Zurückweisung brauchen Sie also keine Angst haben! Sollten Sie doch zurückgewiesen werden, dann ist das manchmal so und sagt über Sie gar nichts aus! 

Neben dem Geben von Hilfe und dem Annehmen von Hilfe, gibt es auch das Tauschen und die Synergie. Wenn ich mir für meine Wanderungen und fürs Businesspilgern Partner*innen suche, dann haben wir da beide was von.

Darüber hinaus gibt es viele tolle Initiativen, die offene Ohren und Herzen leihen, z.B. https://www.virtualsupporttalks.de/ich-biete-redezeit/. Hier wird pro bono von professionellen Coaches zugehört – wertfrei, achtsam, empathisch und vertraulich. Unabhängig von Ihrem Thema, Ihrer Herkunft, Identität, sexuellen, religiösen oder politischen Orientierung. Für 15 bis 30 Minuten. Am Telefon, auf Skype, Zoom, WhatsApp oder Facetime…

Zögern Sie nicht, Hilfetelefone in Anspruch zu nehmen. Das sind z.B.:

Sagen Sie mir gerne, was es sonst noch gibt / was Sie gerade an sich selbst oder anderen feststellen / an Möglichkeiten schon entdeckt haben:

  • zu ungesunden Denk- und Verhaltens,
  • zu Privilegien für die Dankbarkeitsliste,
  • zu analogen Ausgleichsmöglichkeiten und Angeboten für Körper, Psyche und emotionales System,
  • Unterstützungsangeboten,

Ich mache es dann hier sichtbar. Gemeinsam machen wir eine mega-riesengroße ganzheitlich gesunde Liste für die Do’s & Dont’s im Februar- dem übelsten Mond des Jahres und dem Lockdown des Jahrhunderts.

Beste Sonnengrüße

Ihre Dr.in Kathrin Marter

Aushalten durch Offenhalten. Zum Umgang mit dem medialen Nachrichtenfeuerwerk

„Ein Mann mit nacktem Oberkörper, riesiger Fellmütze und Hörnern stieg auf das Podest des Senats, sah in den Saal und spannte seine Muskeln als Geste des Triumphs.“ In dieser nüchternern Berichtsform fasst der Politikwissenschaftler Yascha Mounk bei Zeit Online eine der Szenen der Ereignisse im US-Kapitol zusammen und damit auch den Zustand vieler Staaten (Demokratien und andere) weltweit, die von machtorientierten Machotypen regiert werden. Das unfreiwillig lächerliche Bild des behörnten Trump-Supporters (der, wie ein anderer Artikel bei Spiegel Online erklärt, als QAnon-Schamane bekannt ist) und die ebenso komische sprachliche Nähe von Trump und Triumph werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben, zumindest bis es zur nächsten Eskalationsstufe des „surrealste[n] Aufstand[s] seit Woody Allens Bananas“ (Mounk) kommt.

Mounk leitet den Artikel mit einem Verweis auf das aristotelische Drama ein, dessen Ende „überraschend und zugleich unausweichlich“ sein sollte und urteilt, dass „die vier Jahre, die Donald Trump Präsident der USA war, gerade zu einem angemessenen Schluss gekommen“ seien. Da bin ich mir nicht so sicher, immerhin hat Trump bereits angekündigt, dass sein Kampf gerade erst begonnen habe, und seine engsten Anhänger werden sicher nicht einfach aufgeben, nur weil eine Formalie nun Joe Biden offiziell zum Wahlsieger erklärt hat. Nein, ich denke, der Vergleich zu einer endlosen Streamingserie ist angemessener, und die nächste Staffel kommt bestimmt, denn die Einschaltquoten sind gut.

Unbearbeitbare Ungewissheiten

Jeder der Krisenkomplexe Trump, Corona, Brexit, Klima, usw. wird medial sowohl als äußerst dringlich markiert, als auch als zu komplex für schnelle Lösungen. Der Wunsch, auf alles vorbereitet zu sein, sodass eine komplexe Krise in abschließend bearbeitbare Teilprobleme zerlegbar ist, ist zwar verständlich, aber illusorisch. „Es kann doch nicht sein!“ riefen einem seit Trumps Wahlsieg 2016 die Medien immer wieder entgegen, ungläubiges Staunen, bis zum vorläufigen Höhepunkt. „Es kann doch nicht sein“, dachte man während des Brexit-Prozesses, von dem immerhin John Bercows „Order!“-Rufe in Erinnerung bleiben — der Ordnungsruf, der zur Ruhe im Parlament mahnte, kann rückblickend auch als Ausdruck der Sehnsucht nach dem Ende des Wahnsinns gelesen werden. Und wieder „es kann doch nicht sein“, dass Corona-Maßnahme XYZ immer noch nicht durchgesetzt ist, dass zu wenig Impfstoff bestellt wurde, dass immer noch Lüften statt Luftfilter das Mittel der Wahl für Präsenzunterricht ist, dass der Weg zum Arbeitsplatz nicht von Beschränkungen betroffen ist, dass Home Office immer noch nur eine Empfehlung und keine verbindliche Richtlinie ist, usw. Kommentare von Leser*innen unter entsprechenden Kommentaren echoen die ausgedrückte Ungläubigkeit, Verzweiflung und Wut, und verstärken den medialen Stress nur noch.

Das eine große Stichwort, unter dem sich der medienbedingte Stress in aktuellen soziologischen Perspektiven fassen lässt, ist unbearbeitbare Ungewissheit. Normalerweise verlassen wir uns auf gesellschaftliche Funktionssysteme, Ungewissheiten zu klären. Die gerade relevante Krise wird als zu lösendes Problem definiert, und je nach Problem trauen wir dem einen oder anderen System zu, es zu bearbeiten. Wir erwarten uns Antworten und Lösungen, die, wenn schon nicht schnell, dann doch verlässlich sein sollten und entsprechend kommuniziert. Eine Weile kann man Ungewissheit gut aushalten, aber was, wenn sie über Monate oder Jahre anhält?

Resilienz und Umgang mit Stress

In der Psychologie spricht man von Widerstandsfähigkeit oder Resilienz. In dem Zusammenhang unterscheidet man problemorientierte und emotionsorientierte Strategien zum Umgang mit Stress. Erstere widmen sich dem stressauslösenden Element (dem Stressor); letztere dienen dazu, dass man sich besser fühlt, ohne den Stressor selbst verändern zu können. Welche Strategie sinnvoll ist, hängt auch davon ab, ob der Stressor kontrollierbar ist oder nicht. Beispiel individueller Corona-Stress: Abstandhalten, Maske tragen oder jetzt die Impfung können Verbreitung oder Wirkung des Virus eindämmen und gehören zu den problemorientierten Strategien. Der eskapistische Gebrauch von Filmen oder Computerspielen zur Ablenkung wäre dagegen eine emotionsorientierte Strategie; ebenso der Versuch, die eigene Einstellung zu dem Stressor zu ändern.

Der Stress, der durch die unklaren, sich teils widersprechenden politischen und medialen Lagen ausgelöst wird, kann ebenfalls problem- oder emotionsorientiert bearbeitet werden. „Einfach abschalten“ ist dabei die einfachste problemorientierte Strategie: nur noch sporadisch Nachrichten schauen oder lesen, oder gar nicht mehr. Mit dieser Flucht vor dem Stressor lebt es sich erstmal leichter. Auch massive Medien- bzw. Politikkritik oder eine Abwertung der Systeme Massenmedien und Politik können so eine Funktion erfüllen.

Doch auf Dauer entlastend ist beides nicht. Abschalten funktioniert dann nicht mehr, wenn sich zeigt, dass hinter den Medienberichten doch echte Ereignisse stehen, die auch ohne Medienkonsum passieren. Spätestens, wenn der erste schwere Coronafall im eigenen sozialen Umfeld auftaucht, ist man betroffen, auch wenn man sich durch Ignorieren der Medien in eine heile Welt geträumt hat. Ähnlich die abwertende Kritik an Medien und Politik: Die funktioniert nicht mehr, wenn man irgendwann doch versteht, dass die von diesen Funktionssystemen bearbeiteten Ungewissheiten einfach nicht verlässlich in Gewissheiten verwandelt werden können — nicht, weil die Leute alle unfähig oder korrupt oder „Lügenpresse“ wären, sondern weil es einfach Probleme ohne allgemeingültige oder dauerhafte Lösung gibt.

Situative Offenheit

Jede Lösung gesamtgesellschaftlicher Probleme ist heute ein Kompromiss, denn jede Lösung beruht auf unvollständigen Informationen und muss immer wieder an neue Situationen angepasst werden. In der ethnomethodologischen Forschung (wo seit Ende der 1960er Jahre der subjektive Umgang mit Plänen zur Problemlösung beobachtet wird) sowie in der soziologischen Systemtheorie (in der es nicht um Erklärungen im kausalen Sinne geht, sondern um Funktionsäquivalente zum Beobachteten) hat man diese Erkenntnis schon lange — jetzt kommt sie langsam im Alltag an, wenn etwa heute ein Beschluss gefasst wird, der morgen schon wieder anders ausgelegt wird, oder wenn in derselben Zeitung zwei sich widersprechende Einschätzungen stehen, die beide Absolutheit beanspruchen. Aber noch wehrt man sich mit Händen und Füßen gegen das, was negativ interpretiert vielleicht als nur noch mehr Ungewissheit verbreitender Relativismus erscheint.

Doch statt sich darüber in Ärger zu versteifen, lohnt es sich, das ewige „Es kann doch nicht sein!“ mit all der Verzweiflung und Wut dahinter zu ersetzen durch ein positiv gedachtes, Luhmann’sches „Es kann auch immer anders sein!“ Es geht um das sich-Offenhalten für Alternativen, um auch in schnell veränderlichen Situationen handlungs- bzw. anpassungsfähig zu bleiben. Bewährte Methoden der Stressbewältigung (die z.B. Kathrin Marter vor einigen Monaten in ihrem Artikel zum persönlichen Corona-Management erläutert hat) helfen dabei, diese Offenheit aufrechtzuerhalten.

(Titelbild: Andrys Stienstra / Pixabay)

Raunächte — digitale Ruhe und Besinnlichkeit zwischen den Jahren

In diesem Blogbeitrag geht es um die Raunächte, ihre Bedeutung, wie wir sie gut für uns nutzen können, um das alte Jahr dankend gehen zu lassen und das neue Jahr zielorientiert willkommen zu heißen. Ganz im Sinne der Über-Strom-Reihe nutze ich Beispiele aus unserem digitalen Alltag, um Rück- und Vorschau einzuleiten. Ganz im Sinne von Tabula Rasa 2.0 frage ich, um ungesunde Glaubenssätze und Verhaltensweisen erkennbar zu machen und die Absicht der Integration neuer gesunder Verhaltens- und Denkweisen zu ermöglichen und zu stärken.

Raunächte — Tage außerhalb der Zeit

Die Raunächte, auch Rauhnächte, gehen vermutlich auf den germanischen Mondkalender zurück. Dieser hatte ein Jahr mit zwölf Mondmonaten und demnach 354 Tagen. Die zum heutigen Sonnenkalender mit 365 Tagen fehlenden elf Tage – bzw. zwölf Nächte – sind, aus Sicht des Mondkalenders, mit dem Wissen um den Sonnenkalender, Tage außerhalb der Zeit. (1)

Diese Tage außerhalb der Zeit sind für viele von uns arbeitsfreie Tage. Durch die vorbereitenden Adventsonntage, das Raunächte einleitende Weihnachten bei Kerzenlicht, Liedern, im Kreise der Familie kommen wir zur Ruhe und erleben zwischen den Jahren eine besinnliche und entschleunigte Zeit. Sie wirkt durch die kurzen Tage um die Wintersonnenwende mit dem 21.Dezember immer auch mystisch.

Analoge Tage außerhalb der Zeit?

Die Raunächte können dieses Jahr ganz besonders, auch eine Zeit sein in der Körper, Psyche und emotionales System einen Ausgleich zur Digitalisierung erfahren.

Ich liebe die Digitalisierung! Sie hat es mir ermöglicht meine YogaLehrAusbildung trotz Lockdown zu Hause zu beenden. Sie ermöglicht es mir in Kontakt zu bleiben und z.B. zu Weihnachten auch meine Schwester sehen zu können, die nicht ‚anfassbar präsent‘ bei uns sein wird. Die Digitalisierung ermöglicht es mir meine Yoga-Kurse auch weiterhin anzubieten und so viele Menschen bei ihrer Entspannung und Stressbewältigung in dieser irren Zeit zu unterstützen und ich kann sogar Formate wie die Raunächte-Meditations-Challenge anbieten, für die es vor Corona und den damit verbundenen Lockdowns keine Zielgruppe und/oder keine Bereitschaft und Vorstellungskraft gegeben hätte: Ab dem 21.Dezember werde ich nun jeden Morgen um 7 Uhr (vielleicht 6:50 Uhr) aus dem Bett kullern, den Rechner hochfahren und um 7:15 Uhr mit Gleichgesinnten meditativ die Raunächte begehen. Ebenso um 20:45 Uhr, damit ich gegen 21:30 Uhr tief verbunden mit mir selbst und absolut präsent wieder ins Bett kullern kann, um dort in der Meditation, die sich Schlaf nennt, zu regenerieren und aufzutanken. Ich wünsche mir von mir selbst, dass sich dieses Meditations-Ritual durch die Raunächte so festigt, dass ich es beibehalte, weil es mir gut tut, weil es gesund ist und ich gesund sein möchte.

Raunächte- digitale Ruhe und Besinnlichkeit zwischen den Jahren

Die Meditation, wenn hier auch digital übertragen, um im Lockdown gemeinsam zu sein, ist ein wundervolles Pendant zur Digitalisierung, weil wir uns in der Meditation von äußeren Reizen zurückziehen. Das Digitale, viele werden es spätestens in der Intensität des Home Office und der Lockdowns bemerkt haben, ist körperlich und kognitiv anstrengend:

Die Impulse der hellen Bildschirme strengen die Augen im Übermaß an, bei schlechter Verbindung der Telco muss das Gehirn sich aus abgehackten Tönen den Kontext zusammenschustern, viele Formate wollen unsere Aufmerksamkeit und einige versuchen sie über angstauslösende Titel und Artikel zu bekommen. Gleichzeitig haben wir, ob der Fülle der digitalen Angebote, Belehrungen und Informationen keine Zeit uns tief und ernsthaft mit deren Wahrheitsgehalt auseinanderzusetzen, um unsere individuelle Wirklichkeit in der aktuellen Situation überhaupt noch einschätzen zu können.

Dazu fehlt vielen Bewegung, vielen fehlen die eingefahrenen, Sicherheit-gebenden Routinen des Berufsalltag, die Gespräche auf dem Flur, das Käffchen. Zudem können digitale Formate uns nur sehr begrenzt emotional berühren, wie es ein Lächeln oder auch Nicht-Lächeln der Chefin in ‚Präsenz-Präsenz‘ könnte, so dass einigen Menschen sicher große Mengen Oxytocin fehlen und so ein Gefühl von Einsamkeit entstehen kann.

In der Summe kann der Körper am Ende dieses Corona-Jahres nicht-ausgelastet und rastlos sein, bei gleichzeitigen Gefühlen von Schwäche und/oder dem Gefühl nicht belastbar zu sein, schlecht in den Schlaf zu finden oder nicht durchschlafen zu können, eine stärkere Brille zu brauchen, Verspannungen in Hüfte, Schultern, Nacken und Gesicht, Kopfschmerzen bis hin zu Migräne und diffusen Ängsten, ob der Unsicherheiten und möglichen Veränderungen der eigenen Gesundheit und der eigenen Lebensumstände.

Raunächte — Rück- und Innenschau

Mit dem Wissen, dass die Tage wieder länger werden und das neue Jahr vor der Tür steht, regt sich Hoffnung in uns. Alle Jahre wieder, wünschen sich viele, dass das nächste Jahr besser wird als das vorangegangene, häufig ohne genau zu schauen, was alles erreicht wurde, ohne Dankbarkeit und Wertschätzung für das Erreichte und die Rückschau auf die Herausforderungen, die das Leben für uns bereit gehalten hat.

Diese Dankbarkeit und Wertschätzung allerdings sind es, die uns aus unserem tiefsten Innern heraus glücklich, zufrieden, entspannt und gesund sein lassen, die uns helfen, die Herausforderungen unseres Lebens anzunehmen, ohne dauerhaft den Ist-Zustand bekämpfen zu wollen, weil er noch nicht und niemals einen dauerhaften Zustand von Euphorie, Sicherheit und Fülle in uns auslöst.

Die Einflüsse von Sonne und Mond führen eine tiefe Empfindsamkeit herbei, die sich nutzen lässt, um

  • im Innen aufzuräumen,
  • Altes, das nicht mehr gebraucht wird, das nicht mehr nährt, dankbar und wertschätzend gehen zu lassen,
  • zu regenerieren,
  • die eigenen Wünsche und Bedürfnisse abzufragen,
  • neue Ziele zu visualisieren und
  • sich fest mit den eigenen kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Zielen zu verbinden,
  • Schritte zur Wunscherfüllung zu reflektieren,
  • sich zu fokussieren und
  • zu erden.

In Bezug auf den stark digitalisierten, bewegungs- und kontaktarmen Home Office-(Lockdown)-Alltag lässt es sich fragen:

  • Welche digitalen Medien und Werkzeuge nutze ich stündlich, täglich, wöchentlich? Wie viele Stunden bin ich auf diese Weise täglich online? Möchte ich das so?
  • Welche Regenerationsmöglichkeiten möchte ich meinem Körper, meiner Psyche, meinem emotionalem System vor / nach einen digitalen Tag geben? Ist das smart, d.h. ist das Ziel
    • simpel genug, um es auch anzugehen?
    • messbar? (spätestens hier fällt das Ziel, dauerhaft glücklich sein zu wollen raus)
    • für mich attraktiv? Hab ich da Bock drauf?
    • realistisch? (hier können wir auch nochmal über das Glück nachdenken…)
    • Ist der Startpunkt terminiert? Ein Zeitraum? (hier können wir auch nochmal über das Glück nachdenken…)
  • Wovon habe ich gerade zu viel in meinem Leben? Wo von zu wenig? Wie kann ich das ändern?

Raunächte — Tabula Rasa 2.0 pur

Wie in einem Karriere- und Persönlichkeitsentwicklungsprozess in einem Workshop oder Coaching fragen uns die Raunächte nach unseren Bedürfnissen, persönlichen Motiven, Zielen und Werthaltungen. Unsere Wünsche und Bedürfnisse sind natürlich und menschlich (siehe auch Artikel zur Maslowschen Bedürfnisse-Pyramide in Corona-Zeiten). Nicht immer ist allerdings die Art und Weise, wie wir uns unsere Wünsche erfüllen und Bedürfnisse befriedigen wollen, sinnvoll und zielführend. So kann ich mir und anderen zum neuen Jahr Gesundheit und Glück wünschen (lassen); daran zu glauben, dass ich durch das Aussprechen dieser Sätze allein dauerhaft gesund und glücklich bin, ist allerdings ziemlich esoterisch.

Um z.B. dauerhaft gesund zu sein, muss ich/musst Du Verantwortung für deine Gesundheit übernehmen.

Es braucht die Rückschau:

  • Was hab ich alles schon probiert?
  • Was hat gut funktioniert?
  • Was hat nicht so gut funktioniert?
  • Warum hat es nicht gut funktioniert?
  • Warum hat das, was gut funktioniert hat, gut funktioniert? …

Es braucht die Innenschau:

  • Wie zufrieden bin ich mit dem IST-Zustand?
  • Wofür bin ich dankbar?
  • Was brauche ich und warum?
  • Wie kann ich bekommen, was ich brauche?
  • Ist das wirklich wahr?
  • Was hindert mich daran, mein Ziel zu erreichen?

Und es braucht den Blick in die Zukunft:

  • Wie fühlt es sich an, wenn ich mein Ziel erreicht habe?
  • Wer teilt meine Werte, Bedürfnisse und/oder Ziele und wie können wir uns gegenseitig unterstützen ?
  • Wie sieht mein Plan aus? Was sind meine ersten Schritte hin zur Zielverwirklichung?
  • Was/wer/wo sind meine Reminder?

12 Tage und Nächte für diese und weitere Fragen lassen uns uns tief bei uns selbst ankommen und den ein oder anderen Wunsch, das ein oder andere Gefühl, als kontra-produktiv entlarven und im alten Jahr lassen. 12 Tage und Nächte in Verbindung, in Achtsamkeit und Wertschätzung mit uns selbst, ermöglichen es uns Achtsamkeit, Wertschätzung und Dankbarkeit zu üben und als Routine, als neue gesunde Verhaltensweise mit ins neue Jahr zu nehmen und in den Alltag zu integrieren.

Und wenn Dich im neuen Jahr das Hamsterrad nach einiger Zeit doch wieder einholt, dann hast Du mit dem Fasten zu Ostern und spätestens mit den Raunächten in 2021  wieder die Gelegenheit, rauszupurzeln.

Tipp: Um in Verbindung mit Dir selbst und Deinen Zielen, Wünschen und Bedürfnissen zu bleiben, bietet sich eine regelmäßige Yogapraxis an. Der Yoga ist vor 1000nden Jahren dafür entwickelt worden, dass wir unseren wahren Wesenskern entdecken können. Er bietet daher immer wieder die Innenschau an, verbindet Dich wärmend und umarmend mit Dir und schafft einen sanft-bewegenden, ent-spannenden Ausgleich zum wahnsinnig coolen und an-spannenden digitalen Zeitalter!

Herzlichst frohe Weihnachten, besinnliche Raunächte und ein zufriedenes neues Jahr,

wünscht Dir

Kathrin

Bürgerkrieg und Glühwein

Die New York Times, deren Artikelauswahl und Layout ich mir in letzter Zeit öfter mal angesehen habe, hatte gestern in ihrer International Edition mal wieder eine bemerkenswerte Gegenüberstellung von Themen. Einerseits die humanitäre Katastrophe in Äthiopien. Andererseits das Corona-bedingte Fehlen von Weihnachtsmärkten in Deutschland: „A christmas fundamentally lacking glühwein“. Während ich den Fokus auf ersteres absolut nachvollziehen kann, halte ich letzteres für doch bestenfalls sekundär. Und daneben dann Qualitätswerbung.