Digitales Wohlfühlen und Verantwortung ― Tabula Rasa 2.0 für von digitalen Netzwerken Gestresste

Digitale Medien sind Teil unseres Alltags und interferieren mit unserem Privat- und Berufsleben. Digitale Netzwerke werden so entwickelt, dass sie unsere Aufmerksamkeit möglichst lange binden, mit unvorhersehbaren, variablen kleinen positiven Verstärkern, die unser intrinsisches Belohnungssystem stimulieren, hin zu unkontrolliertem, abhängigen Verhalten. Wie ist die Datenlage? Wer ist dafür verantwortlich und wer ist verantwortlich dafür, dass es mir gut geht? Was kann ich tun, damit es mir gut geht? Das sind die Fragen, auf die dieser Artikel antwortet.

Digitales Wohlfühlen: Fühle ich mich mit meinem digitalen Konsum (noch) wohl?

Der DAK Gesundheitsbericht 2019 zeigt, dass die große Mehrheit der Erwerbstätigen (85 %) soziale Medien nutzt. Unter sozialen Medien (die keineswegs „sozial“ sein müssen, d.h. „eine empathische Bedeutung im Sinne von ‚dem Gemeinwohl dienend‘ oder ‚den Schwächeren schützend‘“ (DAK Gesundheitsbericht 2019, S. 146-147) implizieren) wurden hier „digitale Medien und Plattformen gemeint, durch die Sie mit anderen Nutzerinnen und Nutzern in Austausch treten und/oder Inhalte erstellen und austauschen können. Das sind unter anderem soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder LinkedIn, Blogs und Internetforen, sogenannte Mikroblogs wie z. B. Twitter. Auch Messaging-Dienste wie WhatsApp oder Snapchat gehören dazu. Die Nutzung von E-Mail oder Web-Seiten gehört dagegen nicht dazu.“ […] „Gefragt nach den zwei wichtigsten sozialen Medien, die sie in den letzten 12 Monaten genutzt haben, geben die Befragten vor allem Facebook (51 Prozent) und WhatsApp (49 Prozent) an. Ein kleinerer Teil der Befragten zählen Instagram (18 Prozent) und Twitter (3,7 Prozent) dazu. (ebd., S. 147). Dabei sei der Anteil der Nutzer*innen sozialer Medien über alle Altersgruppen hoch, in der Altersgruppe 18-29 mit 95, 3 % am höchsten.

Schade, dass die Studie nicht zwischen den Messenger-Diensten, die ja irgendwie auch als „moderne Anrufbeantworter des geschriebenen Wortes + Emojis“ zwischen zwei einander bekannten Personen oder Kleingruppen (Study Groups, Familiengruppen) verstanden werden können und den, potentiell in die Welt projizierenden digitalen Netzwerken wie Facebook und Instagram unterscheidet.

Instagram-Fund; Quelle: Süddeutsche Zeitung Magazin

Wie scherzhaft von der Süddeutschen Zeitung auf Instagram visualisiert, geben auch 9 Prozent der in der DAK-Studie Befragten einen gewissen Kontrollverlust bei der Nutzung digitaler Medien an.

8 Prozent der in 2019 Befragten „haben oft soziale Medien genutzt, um nicht an unangenehme Dinge denken zu müssen“ (ebd., S. 151). Digitale Medien dienen somit auch als Flucht- und Abwehrmechanismus, wenn die Realwelt vermeintlich zu schmerzhaft wird.

Knapp 4 Prozent der Befragten geben einen Interessenverlust an Hobbies und Interessen durch die Nutzung digitaler Medien an (ebd., S. 151), der häufig auch mit einen Rückzug aus physischen Kontakten einhergeht und begleitet wird durch andere Beeinträchtigungen, wie starke Ängste, Schlafstörungen, Essstörungen oder Depressionen.

Die Zahlen, sowie das Ausmaß der Erscheinungen dürften sich aufgrund fehlender physischer Kontakte und fehlender adäquater Möglichkeiten zur Stressbewältigung durch die Corona-Pandemie mit ihren Begleitmaßnahmen erhöht, bzw. verstärkt haben. So berichtet auch Uta neulich von ihrem Digital Overload und ‚Zoom Fatigue‘ und Mario von weniger überladenen und vor allem weniger überlastenden Alternativen zum World Wide Web. Wenn Sie mal schauen möchten, wie sich Ihre tatsächliche Nutzung von digitalen Medien von Ihrer Erwartung und Selbsteinschätzung unterscheiden, habe ich dafür hier eine kleine Reflexionshilfe gebaut, die sich ausdrucken und analog ausfüllen lässt (Marter, 2021).

Insbesondere die digitalen Netzwerke (ich möchte sie nicht sozial nennen) haben Suchtpotential; mindestens für solche, die ohnehin schon Suchtthematiken haben. Und auch wenn sie kein Suchtpotential hätten, so haben sie doch einen starken Einfluss auf die Art und Weiße wie wir kommunizieren, unsere Zeit verbringen, unsere physische, psychische und emotionale Gesundheit und unsere Gesellschaft.

Wer verantwortet mein intrinsisches Belohnungssystem?

Früher (als das Leben noch unbequemer war) haben Menschen mit Suchtthematiken ‚nur‘ zu viel getrunken, dann auch (zu viel) geraucht (wenn man einmal die Problematik ‚harter‘ Drogen ausklammert). Im digitalen Zeitalter nun kommen durch Digitales induzierte Dopamin-Kicks (und vieles mehr) im Belohnungssystem des Gehirns hinzu. Das Belohnungssystem schließt auch das emotionale Zentrum (das limbische System) mit ein. So kommt es, dass wir uns, wenn wir ‚gestresst‘, traurig, ängstlich oder wütend sind, eine sogenannte ‚Belohnung‘ suchen, die uns vermeintlich beruhigt und entspannt. Heute wird dafür dann recht schnell das Smartphone gezückt. Wichtig zu wissen ist, dass es sich hier nicht um eine echte, gesunde Belohnung handelt, sondern mindestens um eine Ablenkung, in der Regel einen Abwehrmechanismus, der uns der Lösung des Ursprungsproblems der leid-auslösenden Emotion nicht näher bringt.

Ein mich inspirierender und meine Message unterstützender Fund aus irgendeinem digitalen Netzwerk. Quelle unbekannt.

Wie bei Alkohol und Nikotin ist der Weg über eine ungesunde Gewohnheit in eine potentielle Abhängigkeit schleichend. Einstieg und Zugang sind niedrigschwellig und gesellschaftlich anerkannt, wenn nicht sogar anerkannter als der Verzicht. „Wie, du bist nicht bei Whatsapp!“ + Augenverdrehen. „Wie, du trinkst keinen Alkohol!“ + Bist du schwanger?“ oder „Spaßbremse!“

Für den Konsum von Tabak haben sich diese Phänomene der Gruppendynamik durch politische Regelungen drastisch geändert. So ist das Rauchen in gastronomischen Einrichtungen und Diskotheken seit 2008 verboten. Binnen kürzester Zeit sind nun die Rauchenden zu den Spaßbremsen und Spalter*innen geworden.

Ich bin allerdings überhaupt keine Freundin des Trends, überall sofort politische Lösungen zu fordern. Zumal diese ja auch sofort wieder abgelehnt und bekämpft werden und von anderen wieder neue, andere politische Lösungen gefordert werden. Viele vergessen bei all ihrer Arbeit, zwischenmenschlichen Problemen und automatisierten Ablenkungs- und Abwehrmechanismen durch Smartphone, Alkohol, Zucker, Konsum und Co., dass sie selbst eine Verantwortung für Körper, Psyche und Emotionen und ein soziales Miteinander zum Wohle aller haben.

Letztlich brauchte es ein politisches Eingreifen in Sachen Nichtrauchendenschutz, weil das Rauchen in Diskotheken und der Gastronomie ‚normaler‘ war als das Nichtrauchen. Deshalb kamen Rauchende gar nicht auf die Idee, zum Rauchen raus zu gehen, um so andere durch ihr eigenes ungesundes (Sucht-)Verhalten nicht zu schädigen. Ähnlich verhält es sich mit der Gleichstellung der Geschlechter und dem Pfandsystem für PET-Flaschen. Beim Pfandsystem gilt der politische Eingriff dem Schutz der Erde durch den sinnvollen Umgang mit Ressourcen. Er war nötig, weil wir Verbrauchenden von allein nicht ausreichend recyceln und die Produktion von neuem Plastik für die Herstellenden günstiger als Recyceln ist. (Deposy, 2021)

Ein politischer Eingriff in unseren Alltag durch Restriktion des Konsums digitaler Medien zum Schutz unserer körperlichen, psychischen und emotionalen Gesundheit ist natürlich undenkbar und nicht erstrebenswert. Zumal gut aufbereitete digitale Medien und der digitale Austausch z.B. in Lockdown-Zeiten zum Erhalt der Gesundheit beitragen können. Ich selbst bekomme durch die Kanäle, die ich abonniert habe, immer wieder wunderschöne Erinnerungen und Inspirationen zu Aspekten eines gesunden Lebens und Arbeitens oder freche Frauenpower-Kommentare, die meinen Horizont erweitert und mich über die Jahre wachsen lassen haben.

Visualisierte Daten: Ein mich inspirierender Facebook-Fund von Lena Deser über editionF.
Ein mich inspirierender Facebook-Fund. Quelle: unbekannt

Es ist an uns, an jeder und jedem einzelnen von uns Verantwortung zu übernehmen und gesund, fair, sozial und nachhaltig zu denken, zu sprechen und zu handeln. Jede*r von uns kann dabei ein strahlendes Licht für Werte sein ohne andere zu belehren, Ängste zu schüren, zu beleidigen oder Meinungen aufzudrücken. Jede*r von uns kann so zu einem gesünderen, neuen Normal beitragen. Dafür müssten wir regelmäßig aus der Eskalationsspirale des Außen (d.h. der Reizüberflutung und dem unrealistischen Leistungsdruck im beruflichen Alltag, TV und digitalen Medien), uns beruhigend, entspannend, klärend und so deeskalierend bei uns selbst ankommen. Das hilft auch gegen Sucht und jede andere Art des Versuches der ungesunden und nicht zielführenden Bedürfnisbefriedigung.

Im Selbst ankommen macht handlungsfähig und gestaltungsfrei

Aus der Sicherheit und Verankerung, die beim Ankommen bei sich selbst wieder wahrgenommen werden können, erwachsen Ruhe und Zentrierung. Das Herz kann sich wieder öffnen, der eskalierte Verstand beruhigt sich. Vertrauen in die eigenen Stärken, Vertrauen in die Welt, Geduld und Humor mit den eigenen Schwächen und denen anderer wird wieder möglich.

Umso mehr wir in Liebe und Vertrauen bei uns selbst ankommen, umso heller scheint unser Licht und der Wunsch sich nicht mehr an gesellschaftlichen Eskalationsprozessen zu beteiligen, was nicht gleichbedeutend ist, mit: keine Meinung zu haben und diese nicht auch angemessen zu vertreten.

In der Kraft, zentriert und mit offenem Herzen fällt es schwerer, Margarine mit Palmöl zu kaufen, wenn der Preis dafür die Abholzung der Regenwälder ist. Auch die Billigsalami lächelt einen nicht mehr an, ganz im Gegenteil.

Weil wir uns nicht mehr in einem Zustand des Mangels empfinden, brauchen wir auch nicht mehr 2 € ‚sparen‘, um bei den gängigsten Online-Anbietern ein neues Scrabble-Spiel zu bestellen. Auch diese Klicks stimulieren das Belohnungssystem auf eine ungesunde und manipulative Weise und der ständige Hinweis darauf, dass nur noch drei, zwei, ein Stück auf Lager sind/ist, gibt uns gezielt das Gefühl, nicht genug zu bekommen und gestresst, noch schneller und unreflektierter auf den Kauf-Button zu drücken. Danach stellt sich kurzzeitig vermeintlich belohnende Erleichterung ein, weil wir das wertvolle Stück zum Mindestpreis ergattert haben und diesmal nicht diejenigen sind, die ‚zu spät‘ kommen und leer ausgehen.

Geankert, herz-offen und zentriert, beteiligen wir uns so nicht an ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen, haben die Möglichkeit im Laden in einen physischen, sozialen Kontakt zu gehen, ein Stadtbild mit kleinen Lädchen zu erhalten, die wiederum ihre Steuern im Land des Lädchens zahlen und so auch zu sehr vielem beitragen, dass uns im Wohlstand hält.

„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“

―Mahatma Gandhi

In diesem Zustand der Handlungsfähigkeit und Gestaltungsfreiheit fragen wir uns recht bald auch, von wem wir uns inspirieren, leiten oder manipulieren lassen möchten.

  • Möchte ich meine wertvolle Frei- und Regenerationszeit mit digitalen Medien verbringen, die es darauf anlegen, meine Aufmerksamkeit durch gezielt eingesetzte verhaltenswissenschaftliche Konzepte (z.B. Konditionierungen, Ansprache des Belohnungssystems,…) so geschickt und ungesund zu binden, dass ich selbst keine Kontrolle mehr darüber habe, was ich da eigentlich tue? (Giesler, 2018)
  • Möchte ich getrieben sein von der Angst, in der fiktiven Parallelwelt meiner digitalen Filterblase etwas zu verpassen („Fear to miss out“)? Was verpasse ich denn wirklich? Was kann ich gewinnen, wenn ich keine Angst habe? Was mache ich statt dessen? Wer kann mich unterstützen? Mit wem möchte ich spazieren gehen, mit wem Scrabble spielen?
  • Möchte ich mich, das leuchtende, geerdete, zentrierte, liebende und geliebte, wertvolle, herz-offene, sanfte Wesen, das ich bin, abhängig machen von Like-Buttons und Likes Unbekannter? Was braucht es für mich wirklich, um meine menschlichen Bedürfnisse nach Nähe und Wertschätzung zu befrieden? Wieviel davon braucht es wirklich von außen? Und wo muss ich erstmal anfangen, mich selbst zu liken? Wieviel mehr Lebensqualität kann ich wohl erlangen, wenn ich mich selber mag?
  • Wenn ich in den digitalen Medien Reize und Informationen konsumiere, welche sind das? Machen sie mir Angst, mich traurig oder wütend? Sind sie gut recherchiert und von Menschen mit Expertise geschrieben? Haben sie die Absicht mich zu schwächen oder machen sie mich handlungsfähiger?

Digitale Ruhe und Besinnlichkeit zwischen den Jahren

In Vorbereitung auf die Rauhnächte, einer Zeit der inneren Einkehr, und auf meine Rauhnächte Meditation Challenge hab ich gestern alle digitalen Netzwerke von meinem Smartphone deinstalliert. Ich faste mal wieder, d.h. ich verzichte freiwillig.

Nun brauche ich allerdings neue gesunde Routinen für die neu-gewonnene Zeit und Freiheit (in der Regel macht man*frau sich da vorher einen Plan für) und eine neue gesunde Routine, um die digitalen Netzwerke, auch für meine beruflichen Tätigkeiten weiterhin regelmäßig zu nutzen, ohne dass wertvolle Zeit und Lebensenergie unkontrolliert vergeht. Ich dachte da so an eine Stunde pro Tag am Vormittag vom Rechner aus, mit Timer.

Als nächstes wird dann auch das E-Mail-Postfach im Smartphone um sein Dasein fürchten müssen. Das braucht aber wirklich einen Plan und Zeit damit nichts verloren geht. Meine analoge Uhr hab ich auch aus den Tiefen der Verbannung befreit. Sie braucht aber eine neue Batterie und damit habe ich einen neuen Punkt auf meiner To-Do-Liste, den ich abarbeiten muss, um in die neue Freiheit (gesunde Belohnung) zu kommen. 

Gesunde intrinsische Belohnungen

Heute habe ich Wikipedia gespendet, um einen kleinen Beitrag zu daten- und literaturbasierter Informationsverbreitung zu leisten (gesunde Belohnung). Nachher geh ich noch ein Scrabble-Spiel, Milch und Kerzen kaufen (gesunde Belohnung) und auf den Weihnachtsmarkt (gesunde Belohnung), um das Privileg des Analogen zu genießen (gesunde Belohnung). Ich habe vor, alle Welt anzulächeln (gesunde Belohnung). Ich habe heute auch schon ein überraschendes Weihnachtspäckchen bekommen und freue mich sehr (gesunde Belohnung).

Drücken Sie mir die Daumen, wie ich Ihnen die Daumen drücke!

Geerdete, herz-offene und zentrierte Sonnen- und Weihnachtsgrüße,

Ihre Dr.in Kathrin Marter

Do’s & Don‘ts im Lockdown des Jahrhunderts: Ein Mutmacher und Ideengeber

In diesem Beitrag geht es um den Februar als schwierigen Monat, der mit Corona und Lockdown, nach einem schwierigen Jahr, noch schwieriger wird. Es geht darum, zu reflektieren, was wir alles haben und wofür wir dankbar sein können. Es geht um den Konsum digitaler Technologien im Arbeits-und Gammelmodus. Der Beitrag enthält eine Übersicht zur Reflexion des eigenen Konsums digitaler Technologien und bietet Ideen für analoge Alternativen, die das Potential haben, uns körperlich und psychisch in die Balance zu bringen oder zu halten, damit wir körperlich und psychisch gesund bleiben können.

Der Februar, der „übelste Mond des Winters“ im Corona-Lockdown

Zur Erinnerung, weil es momentan recht leicht ist in der eigenen Alltags-Filter-Blase das Gefühl für Zeit und Raum zu verlieren: Es ist Anfang Februar, noch mindestens zwei Wochen Lockdown liegen vor uns. Folgen wir dem Kalender, ist der Februar der kürzeste Monat, der mit den wenigsten Tagen, Stunden, … Anfühlen tut er sich länger als alle anderen:

„Er ist der übelste Mond des Winters, und dass er zu allem Überfluss gelegentlich auch noch als Frühling verkleidet daherkommt, und das auch jeweils nur für ein paar Stunden, um sich dann sogleich wieder mit einem sadistischen Lachen die Maske vom Kopf zu reißen und all den einfältigen Gesichtern Hagelkörner ins Gesicht zu spucken – ein Benehmen, das einem schnell zum Hals raushängt –, all dies macht in nur noch grausamer. Der Februar ist erbarmungslos und er ist langweilig. […]“ (Aus: PanAroma von Tom Robbins, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1985)

Privilegien-Check im Corona-Lockdown

Wohl denen, bei all der langen Weile,

Nephila spec.
  • die einen Coronakrisen-sicheren Job haben,
  • deren Arbeitgebende nicht Kontrollfreaks, Verantwortungsabschiebende und Angsthas*innen genug sind, weiterhin Home Office zu verweigern (hier hat sich für mich mit dem ersten Lockdown schon die Spreu vom Weizen getrennt und ich kann nur jedem/jeder Arbeitnehmenden, welche grundlos ins Büro mussten, raten, sich jetzt, mit der langen Weile, nach einem fleißigen erfolgreichen Arbeitstag, nach einem neuen Arbeitsplatz umzuschauen (vielleicht durften Sie ja deshalb kein Home Office machen, weil Ihre komplette Führungsriege von zu Hause arbeitete?),
  • noch wohler denen, deren Arbeitgebende ein vorbildliches, verantwortungsvolles, digitales Betriebliches Gesundheitsmanagement durch engagierte Verantwortliche aufgebaut haben, damit wir als Arbeitnehmende in dieser (ohne verwurzelte gesunde Routinen außerhalb von Kino, Café und Vereinssport auch ohne Corona-Erkrankung oder auch ohne Lockdowns) nicht ganz gesundförderlichen, für Körper und Psyche ohnehin schweren Winterzeit, nun nicht noch schwerer wird. Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement, dessen Verantwortliche nicht immer noch argumentieren, dass Gesundheit nur analog möglich ist und wir erst nach Corona (Ey, wann soll das bitte sein?) wieder betrieblich beim gesund sein unterstützt werden. Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement, das uns hilft und anregt, gesunde Alternativen zur Smartphone- und Netflix- Langeweile zu entwickeln und für die eigene Salutogenese zu nutzen, damit wir auch alle irgendwann wieder körperlich und psychisch gesund zurück an den Arbeitsplatz kommen, um weiter hochmotiviert und -engagiert, mit viel Power und Ausdauer zum Erfolg des Unternehmens beizutragen.
  • Wohl uns, die wir in Deutschland leben und selbst mit Einschränkungen oder drohender Pleite (obwohl häufig anders kommuniziert, nicht gleichzusetzen mit Existenz!!!) wenigstens den schwachen Trost einer Grundabsicherung erwarten dürfen (sofern Sie nicht Schüler*in oder Studierende ohne Elternhaus mit Mittelstandseinkommen sind. Als Mitglied einer solchen ‚Randgruppe‘ sind Sie mächtig in der Patsche und brauchen unsere Unterstützung!) Immer und besonders jetzt ist das Aufgeben eines Yoga-Studios, eines Reisebusunternehmens, einer gastronomischen Einrichtung, eines Einzelhandels,… weder Schande noch Scheitern. In den USA könnten wir unter diesen Umständen mit unseren letzten 13 $ einen Greyhoundbus nach San Diego, in SunnySo(thern)Cal(ifornia) nehmen. Dort ist es für Menschen ohne festen Wohnsitz besonders attraktiv, denn es ist durchgehend warm und es regnet recht wenig. Anders als im Sunshine State Florida. Dort ist es auch warm, aber es regnet, für die Tropen typisch, täglich und deshalb gibt es giftige Spinnen, z.B. Schwarze Witwen, riesengroße Seidenspinnen der Gattung Nephila, Alligatoren gibt es auch und Schlangen, darunter auch giftige…
  • Wohl uns, die wir in Deutschland leben und ein in der Regel schnelles und qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem erfahren dürfen.
  • Wohl uns, …. Diese Liste ist trotz allem beliebig erweiterbar. Wenn Sie mögen, schicken Sie mir (oder schreiben Sie in die Kommentare) die Punkte, für die Sie dankbar sind, damit die Liste länger und länger und länger werden kann und wir uns sicherer und trotz allem in unserer Kraft fühlen können.

Danke, danke, danke!

Privilegien-Check im Corona-Lockdown

Der Februar, ein Hindernis; matschige, sumpfige Langeweile?

Der Februar „führt sich auf wie ein Hindernis, er ist ein matschiges, ein sumpfiges, ein langweiliges Zwischenstück, das sowohl Fortschritt als auch Befriedigung verhindert.“ (Aus: PanAroma von Tom Robbins, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1985)

Was nun tun, in diesem Februar, in dem uns, wie so häufig im übelsten Mond des Winters die Decke auf den Kopf fällt, im Spagat zwischen Homeschooling und Homeoffice, alleinstehend zuhause, oder mit selbst dem/der liebenswürdigsten Partner*in, der Diskussion und konflikt-belasteten Entscheidung, wer nun abwäscht und wer staubsaugt.

Ich könnte, aus Mangel an Alternativen, noch mehr arbeiten. Möglichst am Rechner, damit ich zu Ostern auch garantiert

  • chronisch eine (stärkere) Sehhilfe brauche,
  • meine Muskulatur sich auf ein Minimum reduziert hat,
  • meine Faszien maximal verklebt und
  • Nacken und Schultern chronisch verspannt sind,
  • die Halswirbelsäule blockiert ist,
  • mein Herz-Kreislauf-System soweit runter gefahren ist, dass mein Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird und Umwelttoxine nicht abgebaut werden können — Toxine, die ich mit stark verarbeiteten, wenig nahrhaften Lebensmitteln (wie Pizza, Pommes, Currywurst, Chips), Zigaretten, Weichspüler und all den anderen Dingen zu mir nehme und die nicht abgebaut werden können und sich in meinen Zellen ablagern. Dinge, welche ich so vor mich hin konsumiere und dabei Amazon leer kaufe (anstatt den lokalen Handel zu unterstützen), um die Langeweile möglichst kurzfristig zu befriedigen, zu füllen. Gebongt.

Sollten sich hier zwischen den einzelnen Pflanz-, Melk- und Bauzeiten doch mal einige Minuten lange Weile ergeben, hab ich sicherheitshalber Netflix am Laufen und könnte mal bei Facebook oder LinkedIn gucken, was meine anderen digitalen Tribes so machen.

Ohne Likes und Kommentare versteht sich, muss ja keine*r wissen, was und wen ich mag. Ich bin lieber inkognito unterwegs und mag unpersonalisierte Werbung viel lieber als die Personalisierte oder gar das Persönliche. 

Digitales Wohlfühlen

Achtung! Licht am Ende des Tunnels und Hoffnung ganz unten in der Büchse der Pandora. Damit ich nicht komplett durchdrehe, mach‘ ich mir mal eine Übersicht über meinen Medien- und Digitalkonsum. Vielleicht hilft mir die nackte, faktenbasierte, in Stunden greif- und sichtbar gemachte Tatsache, den Hintern und die Lunge an die frische Luft zu befördern, so wie ich es mir vor nicht mal einem Monat zu Silvester schließlich vom Universum gewünscht habe… Wenn frau sich nicht um alles selbst kümmert, keine SMARTen Ziele macht, nicht in die Verantwortung für die eigenen Bedürfnisse und die eigene Gesundheit geht, dann wird das verflixt nochmal wohl nix…

Digitales Wohlfühlen, modifiziert und in Teilen aus dem Englischen übersetzt aus Material eines Kurses zum Digital Wellbeing, den ich online und for free im Dezember an der University of York gemacht habe.

Mist! Die Fakten sind, ich sag mal, unschön. Okay, was kann ich für mich tun…

Zum Jahresanfang kommt mein Krankenkassen-Bonusheft. Dort bekomme ich auch einen Stempel mitsamt Bonus für das deutsche Wanderabzeichen! Cool! Wie komm ich an das Deutsche Wanderabzeichen?

Da Gruppenwanderungen in Lockdown-Zeiten nicht möglich sind, verlängert der Deutsche Wanderverband (DWV) die Sonderregel, nach der auch individuelle Wanderungen für das Deutsche Wanderabzeichen punkten. Das ist auch deswegen wichtig, weil während der Corona-Pandemie viele andere Freizeitsport-Aktivitäten nicht mehr möglich sind. […]

Um das Bewegungsabzeichen samt Urkunde am Ende des Jahres 2021 zu bekommen, benötigen Erwachsene über das Jahr hinweg 200 Kilometer, Jugendliche 150 Kilometer und Kinder 100 Kilometer, die in mindestens zehn Einzelwanderungen gelaufen werden. […]

Der Deutsche Wanderverband möchte mit der Sonderregelung möglichst viele Menschen in Bewegung halten oder bringen. Daher werden pro Monat bis zu 20 Kilometer, die im Kreis der Familie, mit einzelnen Freunden oder auch alleine erwandert werden, für das Deutsche Wanderabzeichen gewertet. Dank der ehrenamtlichen Wegearbeit der Mitgliedsvereine im DWV ist das flächendeckend und auch abseits der Wanderhotspots möglich.“ (DWV Pressemitteilung 3/2021, Kassel, 26. Januar 2021)

Das pdf zum Sonderblatt gibt’s auf meiner Website in der Wanderabteilung und auf den Seiten des DWV. Tolle Aktion. Und mit einem Haushalt darf ich mich ja treffen. Also nix wie los! Hilft auch bei durch übermäßige Bildschirmarbeit bedingter Kurzsichtigkeit und sorgt so auch für mentale Weitsicht.

Was noch? Businesspilgern geht! Das habe ich im letzten Jahr schon mal begonnen. Es hat sich mit Weihnachten wieder aus der gesunden Routine verabschiedet und muss neu belebt werden. Also Netzwerkkarte raus (zur strategischen Netzwerkberatung hier entlang) und die Frage gestellt: Wer in meinem Netzwerk hat Bock, ist in der Nähe, zuverlässig und nett? Mit wem möchte ich Businesspilgern? Wo hab ich die Telefonnummer? Und los! Eine circa einstündige Mittagspause, ggf. eine Stunde nach Feierabend, um sich mit einer lieben Person eines anderen Haushalts zu einem Spaziergang zu treffen. Wenn alle meine Kontakte und ich verantwortungsvoll mit nur sehr wenigen Menschen Kontakt haben und wir uns nicht wild umarmen, sollte es doch möglich sein, neben einer Wanderung am Wochenende, zweimal pro Woche eine Stunde spazieren zu gehen. Das wärmt nicht nur den Körper, sondern auch das Herz und sorgt für ein ausgeglichenes Oxytocin-Level, so dass ich mich nicht einsam fühle und auch am Folgetag Lust und Elan habe, mich nochmal allein um den Block zu bewegen,… oder zum Magdeburger Dom, da bin ich sehr gerne…

Der KreisSportBund Saalekreis ruft „alle organisierten und nichtorganisierten Sportler*innen der Region auf sich im Zeitraum vom Samstag, den 23.01.2021 bis Sonntag, den 28.02.2021 an der Aktion KILOMETERSAMMLER zu beteiligen. In diesen 37 Tagen gilt es, möglichst viele Kilometer zu Fuß im Freien (Spaziergang, Walken, Joggen) zurückzulegen und die Leistung dem KreisSportBund Saalekreis zu melden. In Kooperation mit der Saalesparkasse werden die Sportvereine mit der größten Laufleistung prämiert. Nichtorganisierte Sportler*innen können ihre Laufleistung einem Verein unter dem Dach des KSB Saalekreis „spenden“.“ (Maik Heinel, stellv. Geschäftsführer, Breitensport / Sport und Gesellschaft, KreisSportBund Saalekreis e.V., 20.01.21) Hier geht es zum Aufruf. Sicher gibt es ähnliches auch in Ihrer Region. Die Vereine und Verbände hatten ja nun genug Zeit, sich Tolles auszudenken oder irgendwo abzuschauen, zu organisieren und anzubieten. Es ist eine großartige Möglichkeit, selbst in Bewegung zu kommen, zu helfen und zu unterstützen und soziale teilzuhaben.

Vielleicht hat das Unternehmen für das Sie arbeiten, ja einen Pausenexpress, in dem Sie sich angeleitet durch ein paar mobilisierende und stärkende Übungen (i.d.R. für Schultern und Nacken) arbeiten, um einen gesunden Impuls in den Körper zu geben. Hier treffen Sie auch ein paar Kolleg*innen, können sich kurz austauschen und erleben Gemeinschaftsgefühl. In meinen Online-Sport- und Yogakursen brauchen Sie auch nur wenig bis gar nicht auf den Bildschirm schauen und werden von mir auch immer wieder dazu eingeladen, auf den eigenen Körper zu hören, wie die Übung richtig ist. Und sollte die Übung doch ungesund ausgeführt werden, dann bin ich ja da, um zu unterstützen. Ich lasse meine Teilnehmenden gern mit geschlossenen Augen arbeiten, damit die Augen sich entspannen und wir die anderen Sinnesmodalitäten und z.B. unsere Atmung wieder bewusster wahrnehmen können. Das erdet, klärt, beruhigt und fokussiert ganz wundervoll und leitet Regeneration ein.

Sollte Ihr Unternehmen tatsächlich immer noch kein digitales Gesundheitsmanagement für das Home Office aufgebaut haben, könnten Sie ja höflich mal Bedarf und Unterstützung anmelden und ggf. auch Ihre Kolleg*innen darum bitten, gleiches zu tun. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und Sie dürfen hier für sich und andere in die Verantwortung gehen. Auch das fühlt sich großartig an und hilft, Körper, Psyche und emotionales System im Februar + Lockdown auszugleichen und Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Zunächst einmal nicht offline, aber motivierend und in Schwung bringend, könnte jede*r, die*der schon mal von Selbständigkeit geträumt hat (oder selbständig ist und situationsbedingt ein wenig umplanen muss, oder sowieso jede*r einfach mal so), seinen/ihren Businessplan erstellen, um sich zu positionieren und Träume wahr werden zu lassen. Es gibt da eine wunderschöne kostenfreie Website, die Gründerplattform. Sie wird auch vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt und bietet sehr nützliche Tipps zur Gründung und zur Erstellung von Businessmodellen durch wichtige und die richtigen Fragen zur Unternehmung im Baukastenprinzip und macht sehr viel Spaß. Offline kann man/frau dann mit Post its, Buntstiften und Vision Board kreativ weiterwirken, Ziele formulieren, Pläne schmieden, aus Träumen Wirklichkeit machen.

Ausmisten ist auch toll, komplett analog und bereitet den Frühling super vor. Sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Sich überlegen, was wirklich gebraucht wird und was seit Jahren an Ballast, z.T. auch mit Schuldgefühlen belastet, unreflektiert mitgeschleppt und aufgehoben wird. Sich von alten Klamotten, Büchern, Schnickschnack, Lohnstreifen und uralten Dokumenten zu trennen, das klärt auch die Psyche ungemein und hinterlässt ein befriedigendes Gefühl, mal wieder richtig was geschafft zu haben.

Zwischen den ungesunden zweistündigen Zoom-Meetings und ohne Pausenexpress lässt sich auch gut aufräumen, den Körper leicht mobilisieren und immer wieder mal das Auge auf Weite einstellen. Umräumen, um die eigene Wohnung gesünder zu gestalten und einen Impuls ins Neue zu geben ist auch eine fantastische Idee, um ungesunde Routinen loszulassen.

Die Steuererklärung kann auch ein schönes Spiel sein. Manch eine*r putzt aber lieber Fenster, als die Steuer zu erklären. Prokrastination. Auch in Ordnung. Fenster putzen regt auch den Stoffwechsel an und bringt Schultern und Nacken in Bewegung. Wenn Sie das Fenster aufmachen, um es auch von außen zu putzen (würde ja Sinn machen), bekommen Sie auch eine ordentliche Portion Sauerstoff in die Lungen und werden anschließend mit Durchblick belohnt. Das klingt sogar für mich attraktiv…

Wenn ich all diese Dinge als Pilotprojekt ansehe und wenigstes erstmal anfange, mit der Option, jederzeit mit dem Gesundwerden oder -sein wieder aufzuhören, sollte ich keine Lust mehr haben, sind Großprojekte wie die Entsorgung der Lohnstreifen der letzten 20 Jahre und anderer Dokumente aus etlichen Ordnern im Bettkasten auch keine unüberwindbare Hürde mehr.

Analoge Reizumgebungen — Wohlfühlatmosphäre im Corona-Lockdown

Sauerstoff durch Lüften ist eine gute Idee für körperliche und psychische Klarheit und Frische. Pflanzen reinigen und befeuchten darüber hinaus unsere Raumluft erheblich. Zusätzlich sorgt ein Diffuser oder eine Öllampe mit reinen ätherischen Ölen für gereinigte Luft und unterstützt je nach Öl ihre Grundstimmung:

In Zitrusfrüchten und deren konzentrierten Ölen sind Sonne und Sommer gespeichert. Zitrusöle in der Luft, auf der Haut, in den Getränken, in oder als Lebensmittel wirken entzündungshemmend, konzentrationssteigernd,… Das Öl der Orange z.B. wirkt belebend und erfrischend auf Körper (Entspannung der glatten Muskulatur) und Psyche (Förderung von Positivität, energetisierend) und kann so den Auswirkungen von Lichtmangel in der Winterzeit (Winterdepression) entgegenwirken; das Öl wirkt stimulierend auf die Zirbeldrüse (u.a. Ort der Melatonin-Bildung; Regulation zirkadianer Uhren im menschlichen Körper) und ausgleichend auf die Hypophyse (übergeordnete Hormondrüse, Schnittstelle Nervensystem – Hormonsystem). Es regt möglicherweise die Produktion des Hormons Enkephalin (stimmungserhellend) an.

Eukalyptusöl ist eines der stärksten Antiseptika, die natürlich wachsen. Heute wie damals gilt das Öl als eines der besten Mittel gegen Atemwegserkrankungen, Harnwegsinfektionen, Fieber, Rheumatismus, Muskelschmerzen, Wunden, Hautunreinheiten, Akne, Trägheit und Antriebsschwäche. Das Öl des Wohlbefindens hat einen frischen eindringlichen Duft, riecht etwas kampferartig, riecht ‚gesund‘. Eukalyptusöl eignet sich wegen seiner Intensität bestens zur Reinigung der Raumluft, erleichtert das Atmen bei Erkältungen und fördert so die Sauerstoffversorgung und Regeneration aller Körperzellen.

Lavendelöl stimuliert das parasympathische Nervensystems, d.h. den Teil unseres vegetativen Nervensystems, dass für Erholung, Entspannung, Regeneration und das Auftanken unserer Energiereserven zuständig ist. Das Öl der Kommunikation beruhigt das Nervensystem, lindert so Angst- und Stresszustände und macht so auch blockierte Kommunikation intra- & interpersonell wieder möglich. Durch die entspannende Wirkung ist es auch gut geeignet bei (Ein-) Schlafstörungen, Hyperaktivität, Jetlag und den unangenehmen Begleiterscheinungen von Stress (z.B. Zähneknirschen, Nägelkauen oder Verspannungen der Muskulatur). Ich könnte Ihnen noch sehr viel über die heilenden Wirkungen von ätherischen Ölen erzählen. Ich bin Fan dieser analogen, natürlichen, wohltuenden Reizumgebungen, die mich vom digitalen Ziegenmelken zurück in die Gegenwart bringen!

„Wenn dem Februar die Farbe von Schweineschmalz auf Schwarzbrot zukommt, so entspricht sein Geruch dem von nassen Wollhosen. Was den Ton angeht, so haben wir es mit einer abstrakten Melodie zu tun, die auf einer quietschenden Geige gespielt wird, jammernd wie eine seekranke Xanthippe. O Februar, du bist nicht nur klein, du bist auch bescheiden! Verfügtest du in deiner lästigen Ausdehnung über den doppelten Umfang, würden wohl nur wenige von uns überleben, um den schönen Monat Mai willkommen heißen zu können.“ (Aus: PanAroma von Tom Robbins, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1985)

Welche visuellen Reizen setzten Sie dem „Schweineschmalz auf Schwarzbrot“ entgegen, welche olfaktorischen den nassen Wollhosen? Welche akustischen Reize tun Ihnen gut, wärmen und nähren Sie durch den Februar in den Frühling? Geben Sie sich davon genug? Wie können Sie mehr davon bekommen, wenn Sie das möchten?

Eine positive, Sie ansprechende milde Reizumgebung vermittelt das Gefühl von Sicherheit. Wo ich sicher bin, bin ich weniger in der Angst, im Frust und/oder im Stress, kann mich öffnen, vertrauen, kreativ sein, fühle mich wohl. Tee, Kerzen, frische, helle Kleidung und frische und frisch zubereitete Lebensmittel, das Lesen analoger Bücher und/oder ein langes Schaumbad entstressen analog auf gleiche Weise.

„Wir festigen unsere Gedächtnisse über Nacht. Ein positiver, gesunder Input durch ein positives, gutes Buch oder Meditation am Abend verbessert unser Gedächtnis, schützt so vor neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, festigt positive Glaubenssätze und Gewohnheiten, lässt uns uns positiver und zufriedener fühlen, fördert unser Einfühlungsvermögen und verringert so auch die Wahrscheinlichkeit an Depressionen oder Angststörungen zu erkranken.“ (aus meinem 2021 erscheinenden Buch „Du bist was dich stresst! Tabula Rasa für chronisch Gestresste“)

Ich habe mir Anfang der Woche die ersten Tulpen gekauft und meiner Nachbarin auch gleich welche mitgebracht. Es sind Kleinigkeiten, die mir den analogen Tag versüßen. Um so eher ich diese Tätigkeiten, Situationen und Dinge für mich auch bewusst als positiv und mir wohltuend wahrnehme und wertschätze, um so stärker ist deren positiver und gesunder Effekt auf meinen Körper, meine Psyche und mein emotionales System!

Helfen und Hilfe annehmen

Anderen zu helfen ist ein wahnsinnig gesundes digitales und analoges Werkzeug, immer und gerade jetzt, um durch diesen Februar und die Pandemie zu kommen. Um zu geben, sollten die eigenen Ressourcen aufgefüllt sein. Das letzte Hemd zu geben, ist nicht gesund und auch für das Gegenüber nicht hilfreich. Ebenso sollte Hilfe bedingungslos sein und dem anderen tatsächlich helfen und nicht nur Ihr eigenes Bedürfnis nach Nähe und Anerkennung befriedigen.

Sollten Sie Hilfe benötigten, zögern Sie nie darum zu bitten. Suchen Sie sich Menschen in Ihrem Netzwerk, welche bereit sind zu helfen und, Ihr Anliegen betreffend, die erforderliche Kompetenz haben. Nur sehr, sehr wenige Menschen werden (und dann häufig, weil sie selbst keine Ressourcen mehr haben) Hilfe verweigern. Vor Zurückweisung brauchen Sie also keine Angst haben! Sollten Sie doch zurückgewiesen werden, dann ist das manchmal so und sagt über Sie gar nichts aus! 

Neben dem Geben von Hilfe und dem Annehmen von Hilfe, gibt es auch das Tauschen und die Synergie. Wenn ich mir für meine Wanderungen und fürs Businesspilgern Partner*innen suche, dann haben wir da beide was von.

Darüber hinaus gibt es viele tolle Initiativen, die offene Ohren und Herzen leihen, z.B. https://www.virtualsupporttalks.de/ich-biete-redezeit/. Hier wird pro bono von professionellen Coaches zugehört – wertfrei, achtsam, empathisch und vertraulich. Unabhängig von Ihrem Thema, Ihrer Herkunft, Identität, sexuellen, religiösen oder politischen Orientierung. Für 15 bis 30 Minuten. Am Telefon, auf Skype, Zoom, WhatsApp oder Facetime…

Zögern Sie nicht, Hilfetelefone in Anspruch zu nehmen. Das sind z.B.:

Sagen Sie mir gerne, was es sonst noch gibt / was Sie gerade an sich selbst oder anderen feststellen / an Möglichkeiten schon entdeckt haben:

  • zu ungesunden Denk- und Verhaltens,
  • zu Privilegien für die Dankbarkeitsliste,
  • zu analogen Ausgleichsmöglichkeiten und Angeboten für Körper, Psyche und emotionales System,
  • Unterstützungsangeboten,

Ich mache es dann hier sichtbar. Gemeinsam machen wir eine mega-riesengroße ganzheitlich gesunde Liste für die Do’s & Dont’s im Februar- dem übelsten Mond des Jahres und dem Lockdown des Jahrhunderts.

Beste Sonnengrüße

Ihre Dr.in Kathrin Marter

Lubomyr Melnyk: Continuous Music und die digitale Unendlichkeit

Kürzlich besuchte ich auf dem Hamburger Reeperbahnfestival ein Konzert des herausragenden ukrainisch-kanadischen Pianisten Lubomyr Melnyk, das in der St. Pauli Kirche stattfand. Schon die erste Begegnung mit dem 70jährigen Künstler war fast surreal. Vor Beginn des Konzerts verkaufte er selbst seine Schallplatten und CDs, deren Cover er teilweise selbst gestaltet hat, wie er stolz berichtete. Man konnte mit ihm völlig unkompliziert und nahbar ins Gespräch kommen und merkte ihm an, dass er erst im fortgeschrittenen Alter Ruhm und Anerkennung erlangte – so gelassen und unaufgeregt wirkte er.

Im jugendlichen Alter von 64 Jahren erhielt er seinen ersten Plattenvertrag. Solange blieb sein Talent zumindest einem breiteren Publikum verborgen. Er gilt als der Erfinder der so genannten continuous music und nachweislich als der schnellste Pianist der Welt, da er 19,5 Noten pro Sekunde spielen kann und gehört der so genannten Neo-Klassik-Ambient-Szene an, wozu auch so bekannte Namen wie Philip Glas und die jungen Musiker Nils Frahm und Ólafur Arnalds zählen.

Melnyks Musik ist wunderschön, sanft, beruhigend und zeitlos. Sie fließt und strömt immer weiter und weiter. In seinen Werken gibt es jeweils ein melodisches Leitmotiv, das er immer wieder verändert. Was sein Spiel von anderen Pianisten und Komponisten unterscheidet, ist das Phänomen, dass er seine Musik wie in einem schnellen Strom unglaublich beschleunigen kann, so dass sie sich manchmal gewaltig aufbäumt, um dann wieder ganz zart in sich zusammen zu fallen.

Unwillkürlich weckt Melnyks Musik eine Assoziation zur digitalen Welt, in der man auch unendlich und immer weiter versinken und sich verlieren kann – es ist einfach kein Ende in Sicht. Durch die Schnelligkeit seines Spiels überlagern sich die einzelnen Töne und fließen ineinander, so dass Klangflächen erzeugt werden, wie es sonst nur mehrere Instrumente gleichzeitig zu erzeugen vermögen.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass Künstler wie Frahm, Arnalds und Melnyk gerade in diesen Zeiten enorm an Popularität gewinnen. Ihre Musik entspricht insofern dem gegenwärtigen digitalen Zeitgeist, als dass sie einerseits mit ihrem Minimalismus und ihrer kontemplativen Ruhe einen Gegenentwurf zur beschleunigten und chaotischen digitalen Welt wagen und auf der anderen Seite ihr wiederum aber genau entsprechen, indem ihre Musik die sich unaufhörlich beschleunigende Welt widerspiegelt.

Interessanterweise kam Lubomyr Melnyk dann bei seinen Kommentaren zwischen den einzelnen Stücken, die er auf dem Konzert spielte, auch auf das Digitale zu sprechen und kritisierte die digitale Aufnahmetechnik dahingehend, dass sie kaum in der Lage sei, sein schnelles Spiel adäquat wiederzugeben. Zumindest Lubomyr Melnyk geht also als Sieger aus dem Wettstreit mit der Maschine hervor. Eine beruhigende Erkenntnis am Ende dieses besonderen Abends in anderen Sphären…

Anspieltipp:

Windmills: https://www.youtube.com/watch?v=2LychIfAtRM

Eine Welt ohne Puls, Verbindlichkeit und Tiefe … tatsächlich. (Teil 1)

Eine der Hauptthesen in unserer heutigen Gesellschaft lautet immer wieder, dass das digitale Zeitalter die Gesellschaft so sehr verändert hat wie kaum je zuvor. Die Frage ist jedoch, ob diese These sich immer noch so leicht halten lässt wie noch vor zehn Jahren. Durch unseren alltäglichen Umgang mit digitaler Kommunikationstechnik tauchen wir immer mehr ein in die virtuelle Realität; und während es vor zehn Jahren noch viele Menschen gab, die sich bewusst gegen den Umgang mit Computern oder Smartphones bzw. Handys entschieden, ist das heutzutage kaum noch möglich – wenn man nicht gleich als weltfremd gelten möchte. Das bedeutet aber auch, dass kaum noch jemand eine so genannte „Ursprungsrealität“ kennt, von der man quasi von außen aus der realen auf die hyperreale Welt schauen kann, weil sich beide Welten immer mehr miteinander vermischen und ineinander greifen. Trotzdem bleibt die Skepsis, ob nicht die Einführung der Fotografie und der bewegten Bilder und die Erfindung des Telefons entscheidender zur Veränderung der Gesellschaft beitrugen als es jetzt die Computer tun und den derzeitigen Veränderungen andere Ursachen zugrunde liegen. Worin liegt diese Skepsis begründet? Der vorliegende Text erhebt nicht den Anspruch einer technisch basierten detaillierten Medienanalyse, sondern möchte die kommunikativen Umwälzungen, die sämtliche gesellschaftliche Bereiche erfassen, in erster Linie als „Temperatur“ beschreiben.

Nachrichten ohne Aussage

Bei jeder neuen Nachricht fallen wir in einen kleinen Schockzustand. Jean Baudrillard und Marshall McLuhan nannten diese Form der Kommunikation taktile Kommunikation. Es handelt sich um eine Form der Kommunikation, bei der der Rezipient nur kurz von der Nachricht berührt wird, ohne dass eine Reflexion darüber möglich ist, denn im Hintergrund wartet schon die nächste Nachricht in der Timeline auf Facebook und keine ist so wichtig, als dass es sich lohnte, länger als zehn Sekunden darüber nachzudenken. Ein typisches Beispiel, wie Hyperrealität nach dem Verständnis von Baudrillard funktioniert, ist die Causa Jan Böhmermann und seine Äußerungen über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ am 31. März 2016. Der Fall bestimmte zwei Wochen sämtliche Medien. Die Auseinandersetzungen darüber fanden jedoch nur hyperreal innerhalb des medialen Kreislaufs statt. Es ist eine Nachricht, die von den Medien selbst in Umlauf gebracht wurde und nur rein medial diskutiert wurde, d. h. die Medien bekämpfen das, was man im analogen Zeitalter „Papiertiger“ nannte. Der Medienkreislauf erzeugt Nachrichten, über die sich dann wiederum medial ausgetauscht wird – es handelt sich dabei nahezu um ein Nullsummenspiel ohne jeglichen Erkenntniswert, der nachhallt. Nachrichten lösen sich immer schneller ab, kaum eine kann noch längerfristige Wirkung erzeugen. Geniale Theateraufführungen wie Frank Castorfs Abschiedsinszenierung „Faust“ an der Berliner Volksbühne erreichen zwar mediale Präsenz, gehen aber im Rausch der Medien unter, so dass sie ohne gesellschaftliche Auswirkungen bleiben. Es lässt sich schwer antizipieren, wie wir diesem Dilemma entkommen könnten. Zeichenwelten oder Simulationen verfügen über keinen Referenten (Signifikanten) mehr, bezeichnen nichts, sondern interagieren nur noch mit anderen Simulakren, die den Zugang zur unmittelbaren und sinnlichen Wahrnehmung der Welt verschüttet haben. Die Geistes- und Kulturwissenschaften sind quasi narkotisiert und liefern kaum Erklärungsversuche bzw. Versuche zur Einordnung der rasant voranschreitenden digitalen Kommunikation und der sich damit verändernden Arbeitsgesellschaft und der zwischenmenschlichen Kommunikation. Es fehlen Erklärungsversuche, die über die bekannte Mensch-Maschine-Dichotomie hinausgehen und auch die psychologische und moralische Perspektive beleuchten. Damit ist in erster Linie nicht das veränderte Nutzungsverhalten hinsichtlich digitaler Kommunikationstechniken gemeint, sondern die Auswirkungen, die das Nutzungsverhalten auf das zwischenmenschliche Miteinander ausübt. Wir können zunehmend beobachten, dass das „Frontend“, das nach außen Sichtbare und Plakative, in der Kommunikation immer mehr an Relevanz gewinnt, während das „Backend“, die komplexe Gedankenvielfalt, nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Parallelität der Kommunikationsmedien

Im Gegensatz zu früheren kommunikationstechnologischen Entwicklungen, bei der ein Medium das andere ablöste bzw. Medien mit neuen Funktionen dazukamen, haben wir mittlerweile eine Reihe von Kommunikationstechnologien, die trotz gleicher oder ähnlicher Funktionen parallel existieren und genutzt werden (Facebook, Instagram, Whatsapp, SMS; CD, Schallplatte, Mp3, Streaming-Dienste, Radio; lineares Fernsehen, Mediatheken, Netflix, Amazon, DVD, Kino; Telefon, Skype, Handy; Buch, ebook; Fotoapparat, Smartphone; PC, Tablet, Smartphone; Email, Twitter, Facebook, Website; Zeitung, epaper, Videotext, Online-Zeitungen). Die Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig. Sie soll vor allem verdeutlichen, welche Entwicklung sich gerade einmal in den letzten 15 bis 20 Jahren vollzogen hat und warum die Menschen immer mehr auf der Suche nach „Zeit-Oasen“ sind. Es gibt zu viele Kommunikationsmöglichkeiten, die noch nicht ausreichend voneinander abgegrenzt sind. de Bis zur Übernahme der Massenmedien durch das Internet gab es neben dem Fernsehen noch eine „Realität erster Ordnung“, d. h. einen Gegenpol. Jetzt haben bzw. nehmen wir uns nur noch die Zeit, uns mit „Weltausschnitten“ zu beschäftigen, die beispielsweise auf Facebook zufällig erscheinen, je nachdem was unsere „Freunde“ geliked oder geteilt haben – so entsteht dann eine kleine neue Welt mit Ausschnitten, deren Auswahl zwar auf bestimmten Algorithmen beruht, die jedoch von künstlicher, und nur indirekt von menschlicher Intelligenz berechnet wurden. Auch die Journalisten haben nicht das „Große, Ganze“ im Blick. Das Silicon Valley mit seinen großen Akteuren wie Facebook, Google, Youtube, Uber, Airbnb usw. präsentieren sich als moderne Visionäre und strotzen vor Selbstbewusstsein, wenn einmal wieder eine „innovative“ Idee wie die Vermietung von Wohnungen enormen Profit abwirft. Diese Ideen haben jedoch nichts mit einer nachhaltig wissenschaftlich technologischen Weiterentwicklung im Interesse der Menschen zu tun – wenn im Vordergrund die kapitalistische Frage der Vermarktungsmöglichkeit steht:

Ein faustisches Territorium in den USA ist das Silicon Valley. Die Leute dort sind die Faustfiguren unserer Zeit. Auch sie wollen alles. Sie wollen das Globale, sie wollen Unsterblichkeit, sie wollen alle Informationen sammeln. Der Faust unserer Zeit ist Google.“ ( Hegemann, Carl Wie man ein Arschloch wird. Kapitalismus und Kolonialisierung, Berlin, 2017, S. 110. )

Vor allen Dingen durch Anwendungen wie Facebook, Instagram, Whatsapp usw. verliert die tiefgründige und analytische Debattenkultur zunehmend an Bedeutung. Jeder kann zwar zu allem seine Meinung kundtun – oft ist es durch die dem Internet inhärente Öffentlichkeit und Selbstzensur eine gebremste Meinung. Die Folge ist der Verlust von Meinungsvielfalt, Kreativität und Originalität. Die parallele Nutzung von Kommunikationsmedien und die Verbreitung derselben Nachrichten auf verschiedenen Informationskanälen und die schnelle, technische Möglichkeit des Nachrichtenaustauschs (Teilen, Liken, Weiterleiten usw.) führen zu einer eindimensionalen, oberflächlichen und indifferenten Debattenkultur. Es fehlt oftmals schlicht und einfach die Zeit eines substanziellen Austausches, so dass ich die These formulieren möchte, dass die gegenwärtige Ausprägung der Kommunikationstechnologien nicht zu mehr Zeitersparnis führt, sondern im Gegenteil wertvolle Zeit verschluckt. Beispielsweise können die Effektivitätssteigerung und Vereinfachung der Arbeitsabläufe, die durch eine professionelle Internetnutzung in der Tat erreicht werden, keine kreative Energien freisetzen, da zunehmend beim Personal gespart wird – paradoxerweise mit der Begründung der technologischen Weiterentwicklung in vielen Bereichen.

Facebook und Instagram befördern ein egozentrisches und individualistisches Verhalten, während gleichzeitig die globale Nutzung dieser Medien wiederum Einförmigkeit im Denken und in der Lebensweise unterstützt. Die Kommunikation innerhalb von Gruppen wird zwar forciert – das ist jedoch nur oberflächlich der Fall, denn bei den meisten Spielarten der digitalen Kommunikationsmittel geht es in erster Linie um die Darstellung der eigenen Person.

Authentizität des Digitalen

Durch die Reizüberflutung in der modernen Gesellschaft und die Angst etwas zu verpassen, löst immer schneller ein Ereignis und ein neuer Trend den nächsten ab – egal ob es sich um Musik, neue Apps, Kleidung, Filme, eine Ausstellung oder andere diverse Events handelt.

„Das Eindringen des binären Frage/Antwort-Schemas hat eine unabsehbare Tragweite: es zerstückelt jeden Diskurs, es schließt alles kurz, was im inzwischen vergangenen goldenen Zeitalter die Dialektik des Signifikanten und des Signifikats, des Repräsentanten und des Repräsentierten war. Es ist vorbei mit den Objekten, deren Signifikat die Funktion wäre, vorbei auch mit der freien Meinung, die in Abstimmungen sogar zu „repräsentativen“ Repräsentanten führte, vorbei die wirkliche Befragung, der die Antwort entspricht (vorbei vor allem die Fragen, auf die es keine Antwort gibt). Dieser ganze Prozeß ist auseinandergerissen: der widersprüchliche Prozeß zwischen dem Wahren und dem Falschen, dem Realen und dem Imaginären wird durch die hyperreale Logik der Montage beseitigt.“ ( Baudrillard, Jean: Der symbolische Tausch und der Tod, Berlin, 2005, S. 101.)

Jean Baudrillard hat bereits im Jahr 1976 die aktuelle Problematik des digitalen Zeitalters beschrieben. Sein luzides Postulat von der Agonie des Realen ist von der Wirklichkeit insofern absorbiert worden, als dass wir uns mittlerweile in der „Matrix“ befinden. Es ist nicht so, dass es die Realität nicht mehr gibt oder die Realität lediglich simuliert wird. Nein, die Realität ist zu einem großen Teil mittlerweile zur Realität des Digitalen geworden. Es geht nicht mehr nur um die Simulation oder Dissimulation des Realen, sondern das Reale ist vom Digitalen kassiert worden. Und wenn es ein Verdienst von Facebook und Co. gibt, dann ist es das der Entzauberung des Digitalen. Es gibt keinen Verdacht mehr, der unter der opaken Schicht der Oberfläche lauern könnte. Die Simulation der Medien im Fernsehzeitalter wurde durch eine neue Authentizität des Digitalen abgelöst – es handelt sich jedoch um eine äußerst oberflächliche Authentizität. Die spielerische Referenzlosigkeit der Kommunikation via Youtube, Facebook, Twitter, Instagram und Whatsapp ist allgemeiner Konsens geworden. Die Schwierigkeit besteht darin, dass diese referenzlose Kommunikation jede Möglichkeit eines ernsthaften dialektischen Diskurses verwehrt. Nachrichten, Kommunikationen und Reaktionen drehen sich in einem digitalen Kreislauf. Hinzu kommt die Steuerung der neuen digitalen Welt durch ein Silicon Valley, das immer mächtiger wird und sich anschickt, die Grundlagenforschung an den Universitäten ernsthaft zu beeinflussen und zu bestimmen.

„Denn schließlich hat sich als erstes das Kapital im Laufe seiner Geschichte von der Zerstörung aller Referentiale, aller menschlichen Zwecke genährt und hat dabei alle Unterscheidungen zwischen wahr und falsch, gut und böse zerschlagen, um so ein radikales Äquivalenz- und Tauschgesetz, das eherne Gesetz seiner Macht zu zementieren.“ (Baudrillard, Jean: Agonie des Realen, Berlin, 1978, S. 39.

Wir befinden uns im Zeitalter der Reaktion und nicht der Aktion, Kreativität und Originalität:

„Es gibt kein Medium im buchstäblichen Sinne des Wortes mehr: von nun an lässt es sich nicht mehr greifen, es hat sich im Realen ausgedehnt und gebrochen, und man kann nicht einmal sagen, es habe sich dadurch verfälscht. Obwohl sich die Medien derartig einmischen und wie ein Virus endemisch, chronisch und panisch präsent sind, können sie in ihren Wirkungen nicht mehr isoliert betrachtet werden. Die Wirkungen werden wie die Werbeskulpturen des Lasers im leeren Raum von durch die Medien gefilterten Ereignissen spektralisiert. Auflösung des Fernsehens im Leben, Auflösung des Lebens im Fernsehen – eine nicht mehr zu unterscheidende, chemische Lösung […]“. (Baudrillard, Jean: Agonie des Realen, Berlin, 1978, S. 48-49.)

Während das Fernsehen noch Informationsübermittlung und Zeit des Reflektierens bietet, schaffen soziale Netzwerke keinen eigentlichen Mehrwert mehr. Jeder Mensch hat weiterhin nur 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Die fehlende Zeit führt dazu, dass sich die Menschen vor permanenter Kommunikation in Kurzform keine Zeit mehr zur Reflexion gönnen:

„Die Tyrannei des Moments‘ liegt in der Abfolge an Augenblicken, die, bei aller Intensität, nichts meinen“. ( Simanowski, Roberto: Die Facebook-Gesellschaft, Berlin, 2016, S. 45 )

„[…] die Möglichkeit umfassender Kontrolle des individuellen und kollektiven Verhaltens in sozialen Netzwerken führt subtil zu Selbstzensur; die vorrangig phatische Kommunikation und der Ausbau nicht-reflexiver Selbst- und Weltbezüge untergräbt die intellektuelle Basis einer politischen Gegenbewegung.“ ( Simanowski, Roberto: Die Facebook-Gesellschaft, Berlin, 2016, S. 154 )

Die Filme der letztjährigen 67. Berlinale spiegelten visionär den aktuellen Zeitgeist wieder. Den Menschen und dem kritischen Denken geht die Puste aus. Sie sind müde und überreizt vom permanenten Nachrichtenfluss in der scheinbar immer komplexer werdenden Welt und den stressigen und beschleunigten Arbeitsbedingungen. Was bleibt ist das Sitzen auf der Parkbank wie im koreanischen Film „On the beach at night alone“, dessen Hauptdarstellerin einen silbernen Bären gewonnen hat. Das völlig kraftlose Loslassen ersetzt aktives kreatives Denken und den Drang, neue Lebensmodelle zu entwerfen und zu erproben. Die Zukunft bleibt ungewisser denn je.

Die Menschen lassen sich durch die sozialen Medien wie eine Kugel in einem Flipperautomaten zufällig und ziellos umhertreiben ohne konkretes Ziel. Dieses Verhalten ähnelt dem Aufenthalt in einem Hotel. Während dort das sich treiben lassen jedoch als Entspannung vom Alltag erwünscht ist – nach einer fest bestimmten Zeit steigt man aus dem Spiel aus und wechselt wieder in die „Realität“ – ist der Ausstieg aus der digitalen Kommunikation so gut wie nicht mehr möglich: „Die digitale Abstandslosigkeit beseitigt alle Spielformen von Nähe und Ferne. […] Das Spiel bedarf eines Scheins, einer Unwahrheit. Die nackte, pornographische Wahrheit lässt kein Spiel, keine Verführung zu“ ( Han, Byung-Chul: Die Austreibung des Anderen, Frankfurt a.M., 2016, S. 13-14 )

Der Ruf nach ständiger Transparenz, Konstruktivität und Authentizität verhindert jegliche Form von Geheimnissen, „zwischen den Zeilen lesen“, gedanklicher Tiefe und der Lust nach der Suche von Erkenntnissen. Dabei ist es dieses spielerische Moment, das das Leben überraschend und spannend und gleichzeitig entspannend macht. Die Transparenz- und Kommunikationsgesellschaft widerspricht dem natürlichen Bedürfnis eines jeden Menschen nach Privatheit und einer Intimsphäre. Deutlich wird das an dem verzweifelten und aussichtslosen Kampf des Menschen im digitalen Zeitalter um die Beibehaltung der Herrschaft über die eigenen Daten. Man kann jedoch nicht seine Daten bereitwillig preisgeben, um sie dann wieder mühsam beschützen zu wollen. Es bedeutet eine Form von Anstrengung und Stress, Transparenz und Authentizität zu simulieren, um weiterhin eine gewisse Privatsphäre und Anonymität zu wahren und somit die spielerische Leichtigkeit nicht völlig zu verlieren.

Vor lauter hektischem Teilen, Liken und Kommunizieren vergessen die Menschen immer mehr, ihren eigenen Gedanken zu vertrauen. Es passiert nur das, was gerade aktionistisch in sämtlichen Medien berichtet wird und auch nur darüber wird diskutiert. In der kulturellen Landschaft und an den Universitäten passiert scheinbar kaum noch etwas Relevantes – auch innovative Denkansätze und Entwicklungen gehen im allgemeinen Medienrauschen unter. Wie bereits oben beschrieben, verhindern die vielen Worte und die ständige Aktualisierung von Daten und Nachrichten jegliches Nachdenken, die Entwicklung von Visionen und ihre Umsetzung in die Tat. Wenn es noch Taten gibt, dann bleiben sie ohne größere substanzielle Wirkung.

Die Fortsetzung des Essays finden Sie hier.