„Du bist, was Dich stresst! Tabula Rasa für chronisch Gestresste im digitalen Zeitalter“ von Kathrin Marter jetzt erhältlich (Über/Strom-Buchreihe, Band 3)

Der dritte Band unserer Buchreihe ist endlich erhältlich, sowohl als gedrucktes Buch als auch als e-Book. In „Du bist, was Dich stresst! Tabula Rasa für chronisch Gestresste im digitalen Zeitalter“ zeigt Über/Strom-Autorin, Verhaltensneurobiologin, Yoga-Lehrerin und Coach Dr.in Kathrin Marter, was digitaler Stress mit uns macht und wie wir damit umgehen können. Hier einmal die Verlagsbeschreibung:

Viele Menschen nutzen täglich die Vorteile des digitalen Zeitalters: wenn sie mal eben ihr Zugticket mit dem Smartphone buchen, sich von ebendiesem zum vereinbarten Treffpunkt navigieren lassen und dann per Textnachricht erfahren, dass die werten Kolleg*innen ein paar Minuten zu spät kommen, der Tisch im Restaurant online schon reserviert wurde und das „Tisch-Ticket“ per QR-Code gleich mitsenden. Viele Menschen erfahren sich bei aller Erleichterung zunehmend reizüberflutet, überfordert und in der Folge gestresst.

Buchumschlag "Du bist, was Dich stresst!" von Kathrin Marter
Cover von „Du bist, was Dich stresst!“

Der Begriff und Zustand „Stress“ (heutzutage im Sprachjargon als diffus definierter Normalzustand verankert und schon lange in der Mitte der Gesellschaft angekommen) ist allerdings tatsächlich ein Zustand, der vielfältigen Leidensdruck verursacht und krank macht.

Die Autorin unterstützt allgemeinverständlich, anschaulich sowie naturwissenschaftlich und psychologisch fundiert bei der Auseinandersetzung mit Stress, Stressoren und Prozessen der Langzeitgedächtnisbildung. Letztere sind nicht unwesentlich an unserem chronischen Stresslevel beteiligt. Langzeitgedächtnisse, die, häufig schon in der Kindheit geformt, starke negative Glaubenssätze beinhalten. Diese negativen Glaubenssätze erfahren durch die Herausforderungen der digitalen Welt permanente Verstärkung und begünstigen dadurch chronischen Stress – mit seinen für viele Menschen spürbaren Folgen.

Das Buch lädt ein, klärt auf und gibt fundierte, anschauliche und handlungsorientierte Ansätze zur Selbstreflexion und Entwicklung einer gesunden Handlungskompetenz gegenüber dem eigenen Stresslevel, folglich der eigenen Gesundheit und dem eigenen Glück.

Die Autorin Frau Dr.in rer. nat. Kathrin Marter ist promovierte Verhaltensneurobiologin, systemische Coach, Wissenschaftsautorin, Dozentin, Pädagogin, Yogalehrerin und Trainerin. Als Wissenschaftlerin hat sie die psychologischen, neuro- und verhaltensbiologischen und molekularen Grundlagen von Verhalten, Lernen und Gedächtnis erforscht. Heute bringt sie ihr ganzheitliches Expertinnenwissen über Lernen und Gedächtnis, Gesundheit und Krankheit sowie Verhaltensänderungen in Lernumgebungen, beratenden Settings und der Gesundheitsbranche erfolgreich in die praktische Anwendung.

Bald: „Du bist, was Dich stresst! Tabula Rasa für chronisch Gestresste im digitalen Zeitalter“ (Band 3 der Über/Strom-Buchreihe)

Dass unser digitales Zeitalter ganz schön anstrengend sein kann und Stress verursacht, ist keine Neuigkeit mehr, aber immer noch eine Herausforderung für den persönlichen Umgang mit digitalen Medien. Wie viel davon möchten wir uns selbst zumuten, wie hilfreich oder hinderlich sind Twitter, LinkedIn, Blogs & Co. für unser Wohlbefinden, und was tun wir, wenn wir wie gefangen von Stresserfahrungen sind? Dieses Problems nimmt sich die Neurobiologin und Über/Strom-Autorin Dr. Kathrin Marter in ihrem in Kürze erscheinenden Buch „Du bist, was Dich stresst! Tabula Rasa für chronisch Gestresste im digitalen Zeitalter“ an.

Cover von „Du bist, was Dich stresst! Tabula Rasa für chronisch Gestresste im digitalen Zeitalter“ von Kathrin Marter (erscheint 2021)

„Du bist, was Dich stresst!“ ist der 3. Band der Über/Strom-Buchreihe. Nachdem in Band 1 Uta Buttkewitz das Phänomen der kontaktlosen, aber trotzdem stressenden Nicht-Kommunikation in digitalen Medien untersucht hat, und ich in Band 2 eher eskapistische Auswege im Computerspiel suchte, widmet sich Kathrin nun der Frage, wie wir das Problem des Stresses der digitalen Zeit direkt am Schopfe packen.

Ein paar Wochen dauert es noch, bis alles gesetzt und gedruckt ist (und ich bin sehr freudig aufgeregt 😀 es ist so schön, wenn ein Projekt wächst und fertig wird), aber hier ist schon mal der Klappentext:

Viele Menschen nutzen täglich die Vorteile des digitalen Zeitalters: wenn sie mal eben ihr Zugticket mit dem Smartphone buchen, sich von ebendiesem zum vereinbarten Treffpunkt navigieren lassen und dann per Textnachricht erfahren, dass die werten Kolleg*innen ein paar Minuten zu spät kommen, der Tisch im Restaurant online schon reserviert wurde und das „Tisch-Ticket“ per QR-Code gleich mitsenden. Viele Menschen erfahren sich bei aller Erleichterung zunehmend reizüberflutet, überfordert und in der Folge gestresst.

Der Begriff und Zustand „Stress“ (heutzutage im Sprachjargon als diffus definierter Normalzustand verankert und schon lange in der Mitte der Gesellschaft angekommen) ist allerdings tatsächlich ein Zustand, der vielfältigen Leidensdruck verursacht und krank macht.

Die Autorin unterstützt allgemeinverständlich, anschaulich sowie naturwissenschaftlich und psychologisch fundiert bei der Auseinandersetzung mit Stress, Stressoren und Prozessen der Langzeitgedächtnisbildung. Letztere sind nicht unwesentlich an unserem chronischen Stresslevel beteiligt. Langzeitgedächtnisse, die, häufig schon in der Kindheit geformt, starke negative Glaubenssätze beinhalten. Diese negativen Glaubenssätze erfahren durch die Herausforderungen der digitalen Welt permanente Verstärkung und begünstigen dadurch chronischen Stress – mit seinen für viele Menschen spürbaren Folgen.

Das Buch lädt ein, klärt auf und gibt fundierte, anschauliche und handlungsorientierte Ansätze zur Selbstreflexion und Entwicklung einer gesunden Handlungskompetenz gegenüber dem eigenen Stresslevel, folglich der eigenen Gesundheit und dem eigenen Glück.

„Was möchten Sie heute erledigen?“ ✔

Es gibt Zeiten, in denen ich diverse digitale Tools nutze, um Aufgaben zu organisieren und Ideen/Entwürfe festzuhalten. Da wird alles konsequent in Cloud-Diensten gespeichert, um so mehr oder minder elegant zwischen Tablet, PC und Laptop hin und her wechseln zu können. Das fühlt sich dann auch sehr effizient und zielorientiert an — bis zu dem Moment, an dem ich das alles unglaublich anstrengend finde: das Planen, Eintakten, Abarbeiten, das kalte 0 und 1 aus [ ] und ✔.

Das beginnt schleichend, indem ich neue Aufgaben nur noch ohne Fälligkeitsdatum oder ggf. dafür nötige andere Daten (Personen, Adressen, usw.) eintrage und endet damit, dass ich vergesse, erledigte Aufgaben abzuhaken und neue aufzunehmen. Statt in der Cloud wird auf diversen USB-Sticks gespeichert („wo war jetzt die Datei? Ach schade eigentlich, dass es keine Disketten mehr gibt“). Irgendwann komme ich bei Stift, Notizbuch und Wandkalender an, und wenig später lande ich bei der Wahnvorstellung, ich könnte mir alles Wichtige auch einfach so merken und im Kopf behalten.

Was sich bald als Irrtum herausstellt und dazu führt, dass ich nichts davon schaffe, was ich mir vorgenommen habe — wenigstens nicht in der veranschlagten Zeit. Dann beginnt die Phase der Resignation. Selbstmitleidig sitze ich abends um elf vor dem leeren Scrivener-Dokument („noch 230 Seiten to go“), trinke meinen fünften Kaffee und denke mir „vielleicht sollte ich meinen ’normalen‘ Fünf-Stunden-Job auf Vollzeit ausdehnen, da taktet mich mein Arbeitgeber in einen genau definierten Zeitplan und nach Feierabend wäre ich zwar total am Ende, aber das wär‘ nicht schlimm, denn niemand und am wenigsten ich selbst würde noch was von mir erwarten.“

Fieserweise lässt mich die digitale Welt in der Resignation nicht frei. Denn auch in Zeiten nicht vorhandener Organisation hat zumindest die TODO-App von Microsoft unter Android die Angewohnheit, regelmäßig zu fragen: „Was möchten Sie heute erledigen?“ Eine ewige, sehr lästige Mahnung, dass der Pile of Shame nicht kleiner wird und doch bitte organisiert und abgearbeitet werden möchte.

Die TODO-App zeigt sich als virtueller ‚Arbeitgeber‘, der hinter mir steht und mich antreiben will. Es gibt immer was zu tun, was willst du davon heute schaffen? „Die Konkurrenz schläft nicht“, schreit der kleine Kapitalist auf der einen Schulter, während der kleine Baron Münchhausen auf der anderen Schulter listig flüstert: „Es wird schon Gründe geben, warum keiner deine Bücher kauft!!“ [Das war ein Sprechakt. ;-]

Ich glaube, ich bin einfach faul.

Das sage ich dann zu meiner Frau, die mir natürlich versichert, dass ich „so viel“ mache und keinen Grund für das Impostor-Syndrom hätte, und dann ‚reiße ich mich zusammen‘ und fange an, digitale Tools zur besseren Organisation zu verwenden, womit wirklich alles einfacher und effizienter geht, und Erfolgserlebnisse verschafft, zumindest so lange, bis der Kreislauf von vorn beginnt.

Bis es so weit ist, schreibe ich Artikel wie diese hier, weil die schamhaft geöffnete TODO-App („Hey, wie geht’s denn so? Lange nicht geseh’n!“) mir sagt, dass ich das bis 17.06.2020 erledigen wollte.


(Titelbild: Janossy Gergely / Shutterstock.com)

Tipps gegen Update-Stress

Wir leben in der Zeit der „ewigen Beta“. Die Programme, die heute auf unseren Computern, Tablets und Smartphones laufen, werden immer weniger als fertiges Produkt angesehen, sondern als Dienstleistung — „Software as a Service“. Wir bezahlen keine Ware, sondern erwerben eine Nutzungslizenz, oder wir schließen Abonnements ab. Eine neue Version der Software wird so oft nicht mehr explizit erworben, sondern kommt automatisch, und wenn wir ein Programm starten, um einfach damit zu arbeiten, müssen wir mitunter erstmal minutenlang warten, bis es sich aktualisiert hat.

Bekanntestes Beispiel ist Microsofts Betriebssystem Windows 10, das ca. zwei Mal im Jahr ein großes Update erhält und dazwischen mehrere kleine. Die lassen sich zwar für einige Tage verschieben, sind aber schließlich zwingend zu installieren. Auch Apple hat Mitte 2020 in seinem Betriebssystem macOS die Möglichkeit entfernt, Updates zu ignorieren. Das mobile Betriebssystem Android, viele Spiele und Anwendungsprogramme (oder „Apps“) erscheinen ebenfalls als „rolling release“ ohne absehbaren Endzustand.

Beispiele für Update-Stress

Solch regelmäßige Aktualisierungen beheben heute nicht nur Fehler, damit am Ende ein möglichst ‚rundes‘ Produkt entsteht. Oft fügen sie neue Funktionen hinzu, verändern oder entfernen bekannte Funktionen und bringen leider auch neue Fehler mit. Das alles kann auf Nutzer*innen-Seite echten Stress verursachen.

Nicht nur an mir selbst, auch in meinen diversen Kundenservice-Erfahrungen erlebe ich immer wieder Kombinationen von Situationen wie den folgenden:

  • Ein Update verändert Bezeichnungen, Symbole oder die Anordnung von Bedienelementen so, dass bekannte Funktionen nicht mehr wiedergefunden oder nicht mehr korrekt bedient werden können, obwohl sie ansonsten weiter vorhanden sind. Das bereitet Menschen große Schwierigkeiten, die sich mit Mühe in eine Nutzerschnittstelle eingearbeitet hatten und nun umlernen müssen. Das betrifft mehr Leute, als man als computeraffiner Mensch glaubt.
  • Ein Update verändert bekannte Funktionen so, dass die Leistungen dieser Funktionen (ihre Ergebnisse oder Effekte) anders sind als zuvor. Funktion A hatte vor dem Update Effekt 1 und 2, nach dem Update hat sie vielleicht noch Effekt 3, oder Effekt 2 wurde entfernt, weil dafür nun eine neue Funktion B eingeführt wurde.
  • Ein Update verändert die ‚harten‘ technischen Voraussetzungen, die nötig sind, damit das Programm vernünftig läuft — es benötigt auf einmal mehr Speicher, einen besseren Prozessor oder eine bessere Grafikkarte, um genauso schnell wie zuvor auf unsere Wünsche zu reagieren. Im schlimmsten Fall stellen wir dann fest, dass wir auch die Hardware selbst aktualisieren müssen, damit alles wieder gut funktioniert.
  • Ein automatisches Update wird genau dann durchgeführt, wenn man es gerade am wenigsten brauchen kann — statt einfach schnell die jeweilige Aufgabe zu erledigen, muss man erstmal warten, bis das Update fertig ist. Wenn dafür auch noch lange Downloads nötig sind, während der Internetzugang vielleicht gerade durch andere Haushaltsmitglieder ausgelastet ist, kann das sehr frustrierend sein.
  • Ein automatisches Update ist nicht verhinderbar („Zwangsupdate“) oder kann nicht auf einen geeigneteren Zeitpunkt verschoben werden.
  • Es wird nicht verständlich erklärt, was ein Update für Änderungen zur Folge hat, und ob es wichtig oder unwichtig für meine eigene, ganz konkrete Nutzungssituation ist.

Ihnen fallen sicher noch andere Punkte ein. Jedenfalls kann all das ‚ganz schön stressig‘ sein.

Tipps gegen den Updatestress

Auf Updates zu verzichten, ist keine gute Idee, denn oft sind die Änderungen positiv und wichtige Fehlerquellen oder Sicherheitslücken (die sich eben nie ganz im Vorfeld verhindern lassen) werden behoben. Auch Zwangsupdates können sinnvoll sein, um gegen akute Sicherheitsprobleme oder Fehler mit großen Auswirkungen vorzugehen. In diesen Fällen mag das — eigentlich ziemlich übergriffige — Verhalten der großen Softwarefirmen gerechtfertigt erscheinen, denn ein nicht aktuell gehaltenes System wird im Internet auch zur Gefahr für andere.

Daher folgen nun einige einfache Tipps, wie man Updatestress vorbeugen kann.

  1. Vereinfachung I: Man muss nicht gleich „Digital Detox“ machen, aber was nicht installiert ist, braucht auch keine Updates. Viele Geräte werden von Anfang an mit Software geliefert, die man gar nicht verwendet. Misten Sie Ihre Geräte daher regelmäßig aus und vermeiden Sie es, irgendwelche Programme aus dem Internet oder Apps aus dem Appstore runterzuladen, nur weil die Werbung irgendwelche Wunder verspricht oder ein neues Programm toller aussieht als das alte. Neu ist nicht immer besser.
  2. Vereinfachung II: Im Laufe der Zeit sammeln sich heute ziemlich viele Geräte an. Das ist nicht nur ein Problem für die natürlichen Ressourcen der Erde, das Klima und die Stromrechnung. Jedes Gerät will gewartet sein, und gerade Geräte, die wir nur selten verwenden, sind beim nächsten Mal erstmal lange mit Aktualisierungen beschäftigt. Beschränken Sie sich daher auf wenige, möglichst langlebige Geräte, die Sie wirklich brauchen und regelmäßig verwenden.
  3. Erkennen Sie Ihren Bedarf: Um zu ermitteln, welche Geräte und Programme wir ‚wirklich brauchen‘, hilft es, mal einen Monat Tagebuch über die eigenen Nutzungsgewohnheiten zu führen. Was tue ich in welchem Umfang mit meinem Smartphone, meinem Tablet, meinem PC und meinem Laptop? Kann ich eventuell bei der nächsten Mobilfunkvertragsverlängerung auf ein neues Gerät verzichten? Kann das Tablet möglicherweise PC und Laptop ersetzen? Muss das Telefon wirklich ’smart‘ sein, wenn ich daneben auch ein Tablet habe? Verzichte ich vielleicht sogar ganz auf Smartphone und Tablet, um die Computer dorthin zu verbannen, wo sie hingehören (nämlich auf den Schreibtisch statt auf die Couch oder neben das Bett)? Habe ich das Gefühl, dass die Verwendung von Gerät A, Programm B oder App C mir einen echten Nutzen oder Freude bringt? Wenn nicht, weg damit.
  4. Legen Sie Updates auf eine günstige Zeit: Um zu vermeiden, dass sich Updates gerade dann in den Vordergrund drängen, wenn Ihnen das gar nicht passt, planen Sie regelmäßige Zeitfenster für Updates ein — so wie für den Hausputz. Der ist übrigens eine gute Zeit, um größere Updates durchzuführen (besser, als Geräte dafür nachts angeschaltet zu lassen, während wir schlafen). Während wir Staub saugen, das Bad putzen oder abwaschen, können parallel Updates runtergeladen und installiert werden — die Geräte nutzen wir da ohnehin nicht und wenn wir mit der Hausarbeit fertig sind, dürften die meisten Updates auch abgeschlossen sein. Falls zwischendurch ein Neustart nötig ist, ist der auch schnell erledigt.
  5. Verschieben Sie brandneue Updates eine Weile, wenn möglich: Wenn es nicht gerade um wichtige Sicherheitslücken geht, warten Sie einige Tage ab. Schon öfter hatten etwa Nutzer*innen von Windows 10 das Problem, dass der Computer nach Updates nicht mehr startete; der Hersteller zog dann diese Updates zurück und brachte später korrigierte Versionen heraus. Mittlerweile kann man eine „Update-Pause“ für bis zu 35 Tage in Windows 10 einstellen; unter Umständen ist das sinnvoll.
  6. Informieren Sie sich im Internet, ob ein Update Probleme bereiten könnte. Seriöse Seiten sind dafür etwa technische Nachrichtenportale wie heise.de oder golem.de; Social Media und Foren verbreiten hingegen oft auch oft Halbwissen und Mythen.
  7. Machen Sie Backups: Wertvolle Texte, Fotos, Musik, usw. sollten regelmäßig gesichert werden — das geht zwar in der Cloud, aber falls das Internet mal ausfällt, schadet es auch nicht, traditionelle Backups auf externen Datenträgern zu haben. Das nimmt die Sorge davor, alles zu verlieren, wenn mal etwas schiefgeht. Sie müssen dazu keine komplexe Backupstrategie mit zig Versionen einführen. Machen Sie einfach jede Woche eine Sicherung der wichtigsten Ordner und löschen Sie nach vier Wochen die jeweils älteste Sicherung. Auch dies lässt sich übrigens mit dem Hausputztermin kombinieren.

Fazit

Natürlich könnte man noch viel weitergehen. Man könnte selbst zum ‚Techniknerd‘ werden, ein freies Betriebssystem wie Linux installieren und so eine fast vollständige Kontrolle über die eigenen Geräte und Programme erlangen. Dies jedoch verschiebt den eigenen Fokus von der möglichst einfachen Nutzung und verlangt zeitaufwendige Einarbeitung (an deren Ende zwar ebenfalls eine elegante Form von Einfachheit stehen kann, aber der Weg dahin braucht etwas Zeit und Lernwillen). Die genannten Tipps hingegen — sie dienen letztlich der Systematisierung und dem Gewinnen eines Überblicks — lassen sich auch in einem ’normalen‘ Nutzungsalltag umsetzen.

(Titelbild: mohamed_Hassan / Pixabay.com)

Aushalten durch Offenhalten. Zum Umgang mit dem medialen Nachrichtenfeuerwerk

„Ein Mann mit nacktem Oberkörper, riesiger Fellmütze und Hörnern stieg auf das Podest des Senats, sah in den Saal und spannte seine Muskeln als Geste des Triumphs.“ In dieser nüchternern Berichtsform fasst der Politikwissenschaftler Yascha Mounk bei Zeit Online eine der Szenen der Ereignisse im US-Kapitol zusammen und damit auch den Zustand vieler Staaten (Demokratien und andere) weltweit, die von machtorientierten Machotypen regiert werden. Das unfreiwillig lächerliche Bild des behörnten Trump-Supporters (der, wie ein anderer Artikel bei Spiegel Online erklärt, als QAnon-Schamane bekannt ist) und die ebenso komische sprachliche Nähe von Trump und Triumph werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben, zumindest bis es zur nächsten Eskalationsstufe des „surrealste[n] Aufstand[s] seit Woody Allens Bananas“ (Mounk) kommt.

Mounk leitet den Artikel mit einem Verweis auf das aristotelische Drama ein, dessen Ende „überraschend und zugleich unausweichlich“ sein sollte und urteilt, dass „die vier Jahre, die Donald Trump Präsident der USA war, gerade zu einem angemessenen Schluss gekommen“ seien. Da bin ich mir nicht so sicher, immerhin hat Trump bereits angekündigt, dass sein Kampf gerade erst begonnen habe, und seine engsten Anhänger werden sicher nicht einfach aufgeben, nur weil eine Formalie nun Joe Biden offiziell zum Wahlsieger erklärt hat. Nein, ich denke, der Vergleich zu einer endlosen Streamingserie ist angemessener, und die nächste Staffel kommt bestimmt, denn die Einschaltquoten sind gut.

Unbearbeitbare Ungewissheiten

Jeder der Krisenkomplexe Trump, Corona, Brexit, Klima, usw. wird medial sowohl als äußerst dringlich markiert, als auch als zu komplex für schnelle Lösungen. Der Wunsch, auf alles vorbereitet zu sein, sodass eine komplexe Krise in abschließend bearbeitbare Teilprobleme zerlegbar ist, ist zwar verständlich, aber illusorisch. „Es kann doch nicht sein!“ riefen einem seit Trumps Wahlsieg 2016 die Medien immer wieder entgegen, ungläubiges Staunen, bis zum vorläufigen Höhepunkt. „Es kann doch nicht sein“, dachte man während des Brexit-Prozesses, von dem immerhin John Bercows „Order!“-Rufe in Erinnerung bleiben — der Ordnungsruf, der zur Ruhe im Parlament mahnte, kann rückblickend auch als Ausdruck der Sehnsucht nach dem Ende des Wahnsinns gelesen werden. Und wieder „es kann doch nicht sein“, dass Corona-Maßnahme XYZ immer noch nicht durchgesetzt ist, dass zu wenig Impfstoff bestellt wurde, dass immer noch Lüften statt Luftfilter das Mittel der Wahl für Präsenzunterricht ist, dass der Weg zum Arbeitsplatz nicht von Beschränkungen betroffen ist, dass Home Office immer noch nur eine Empfehlung und keine verbindliche Richtlinie ist, usw. Kommentare von Leser*innen unter entsprechenden Kommentaren echoen die ausgedrückte Ungläubigkeit, Verzweiflung und Wut, und verstärken den medialen Stress nur noch.

Das eine große Stichwort, unter dem sich der medienbedingte Stress in aktuellen soziologischen Perspektiven fassen lässt, ist unbearbeitbare Ungewissheit. Normalerweise verlassen wir uns auf gesellschaftliche Funktionssysteme, Ungewissheiten zu klären. Die gerade relevante Krise wird als zu lösendes Problem definiert, und je nach Problem trauen wir dem einen oder anderen System zu, es zu bearbeiten. Wir erwarten uns Antworten und Lösungen, die, wenn schon nicht schnell, dann doch verlässlich sein sollten und entsprechend kommuniziert. Eine Weile kann man Ungewissheit gut aushalten, aber was, wenn sie über Monate oder Jahre anhält?

Resilienz und Umgang mit Stress

In der Psychologie spricht man von Widerstandsfähigkeit oder Resilienz. In dem Zusammenhang unterscheidet man problemorientierte und emotionsorientierte Strategien zum Umgang mit Stress. Erstere widmen sich dem stressauslösenden Element (dem Stressor); letztere dienen dazu, dass man sich besser fühlt, ohne den Stressor selbst verändern zu können. Welche Strategie sinnvoll ist, hängt auch davon ab, ob der Stressor kontrollierbar ist oder nicht. Beispiel individueller Corona-Stress: Abstandhalten, Maske tragen oder jetzt die Impfung können Verbreitung oder Wirkung des Virus eindämmen und gehören zu den problemorientierten Strategien. Der eskapistische Gebrauch von Filmen oder Computerspielen zur Ablenkung wäre dagegen eine emotionsorientierte Strategie; ebenso der Versuch, die eigene Einstellung zu dem Stressor zu ändern.

Der Stress, der durch die unklaren, sich teils widersprechenden politischen und medialen Lagen ausgelöst wird, kann ebenfalls problem- oder emotionsorientiert bearbeitet werden. „Einfach abschalten“ ist dabei die einfachste problemorientierte Strategie: nur noch sporadisch Nachrichten schauen oder lesen, oder gar nicht mehr. Mit dieser Flucht vor dem Stressor lebt es sich erstmal leichter. Auch massive Medien- bzw. Politikkritik oder eine Abwertung der Systeme Massenmedien und Politik können so eine Funktion erfüllen.

Doch auf Dauer entlastend ist beides nicht. Abschalten funktioniert dann nicht mehr, wenn sich zeigt, dass hinter den Medienberichten doch echte Ereignisse stehen, die auch ohne Medienkonsum passieren. Spätestens, wenn der erste schwere Coronafall im eigenen sozialen Umfeld auftaucht, ist man betroffen, auch wenn man sich durch Ignorieren der Medien in eine heile Welt geträumt hat. Ähnlich die abwertende Kritik an Medien und Politik: Die funktioniert nicht mehr, wenn man irgendwann doch versteht, dass die von diesen Funktionssystemen bearbeiteten Ungewissheiten einfach nicht verlässlich in Gewissheiten verwandelt werden können — nicht, weil die Leute alle unfähig oder korrupt oder „Lügenpresse“ wären, sondern weil es einfach Probleme ohne allgemeingültige oder dauerhafte Lösung gibt.

Situative Offenheit

Jede Lösung gesamtgesellschaftlicher Probleme ist heute ein Kompromiss, denn jede Lösung beruht auf unvollständigen Informationen und muss immer wieder an neue Situationen angepasst werden. In der ethnomethodologischen Forschung (wo seit Ende der 1960er Jahre der subjektive Umgang mit Plänen zur Problemlösung beobachtet wird) sowie in der soziologischen Systemtheorie (in der es nicht um Erklärungen im kausalen Sinne geht, sondern um Funktionsäquivalente zum Beobachteten) hat man diese Erkenntnis schon lange — jetzt kommt sie langsam im Alltag an, wenn etwa heute ein Beschluss gefasst wird, der morgen schon wieder anders ausgelegt wird, oder wenn in derselben Zeitung zwei sich widersprechende Einschätzungen stehen, die beide Absolutheit beanspruchen. Aber noch wehrt man sich mit Händen und Füßen gegen das, was negativ interpretiert vielleicht als nur noch mehr Ungewissheit verbreitender Relativismus erscheint.

Doch statt sich darüber in Ärger zu versteifen, lohnt es sich, das ewige „Es kann doch nicht sein!“ mit all der Verzweiflung und Wut dahinter zu ersetzen durch ein positiv gedachtes, Luhmann’sches „Es kann auch immer anders sein!“ Es geht um das sich-Offenhalten für Alternativen, um auch in schnell veränderlichen Situationen handlungs- bzw. anpassungsfähig zu bleiben. Bewährte Methoden der Stressbewältigung (die z.B. Kathrin Marter vor einigen Monaten in ihrem Artikel zum persönlichen Corona-Management erläutert hat) helfen dabei, diese Offenheit aufrechtzuerhalten.

(Titelbild: Andrys Stienstra / Pixabay)

Raunächte — digitale Ruhe und Besinnlichkeit zwischen den Jahren

In diesem Blogbeitrag geht es um die Raunächte, ihre Bedeutung, wie wir sie gut für uns nutzen können, um das alte Jahr dankend gehen zu lassen und das neue Jahr zielorientiert willkommen zu heißen. Ganz im Sinne der Über-Strom-Reihe nutze ich Beispiele aus unserem digitalen Alltag, um Rück- und Vorschau einzuleiten. Ganz im Sinne von Tabula Rasa 2.0 frage ich, um ungesunde Glaubenssätze und Verhaltensweisen erkennbar zu machen und die Absicht der Integration neuer gesunder Verhaltens- und Denkweisen zu ermöglichen und zu stärken.

Raunächte — Tage außerhalb der Zeit

Die Raunächte, auch Rauhnächte, gehen vermutlich auf den germanischen Mondkalender zurück. Dieser hatte ein Jahr mit zwölf Mondmonaten und demnach 354 Tagen. Die zum heutigen Sonnenkalender mit 365 Tagen fehlenden elf Tage – bzw. zwölf Nächte – sind, aus Sicht des Mondkalenders, mit dem Wissen um den Sonnenkalender, Tage außerhalb der Zeit. (1)

Diese Tage außerhalb der Zeit sind für viele von uns arbeitsfreie Tage. Durch die vorbereitenden Adventsonntage, das Raunächte einleitende Weihnachten bei Kerzenlicht, Liedern, im Kreise der Familie kommen wir zur Ruhe und erleben zwischen den Jahren eine besinnliche und entschleunigte Zeit. Sie wirkt durch die kurzen Tage um die Wintersonnenwende mit dem 21.Dezember immer auch mystisch.

Analoge Tage außerhalb der Zeit?

Die Raunächte können dieses Jahr ganz besonders, auch eine Zeit sein in der Körper, Psyche und emotionales System einen Ausgleich zur Digitalisierung erfahren.

Ich liebe die Digitalisierung! Sie hat es mir ermöglicht meine YogaLehrAusbildung trotz Lockdown zu Hause zu beenden. Sie ermöglicht es mir in Kontakt zu bleiben und z.B. zu Weihnachten auch meine Schwester sehen zu können, die nicht ‚anfassbar präsent‘ bei uns sein wird. Die Digitalisierung ermöglicht es mir meine Yoga-Kurse auch weiterhin anzubieten und so viele Menschen bei ihrer Entspannung und Stressbewältigung in dieser irren Zeit zu unterstützen und ich kann sogar Formate wie die Raunächte-Meditations-Challenge anbieten, für die es vor Corona und den damit verbundenen Lockdowns keine Zielgruppe und/oder keine Bereitschaft und Vorstellungskraft gegeben hätte: Ab dem 21.Dezember werde ich nun jeden Morgen um 7 Uhr (vielleicht 6:50 Uhr) aus dem Bett kullern, den Rechner hochfahren und um 7:15 Uhr mit Gleichgesinnten meditativ die Raunächte begehen. Ebenso um 20:45 Uhr, damit ich gegen 21:30 Uhr tief verbunden mit mir selbst und absolut präsent wieder ins Bett kullern kann, um dort in der Meditation, die sich Schlaf nennt, zu regenerieren und aufzutanken. Ich wünsche mir von mir selbst, dass sich dieses Meditations-Ritual durch die Raunächte so festigt, dass ich es beibehalte, weil es mir gut tut, weil es gesund ist und ich gesund sein möchte.

Raunächte- digitale Ruhe und Besinnlichkeit zwischen den Jahren

Die Meditation, wenn hier auch digital übertragen, um im Lockdown gemeinsam zu sein, ist ein wundervolles Pendant zur Digitalisierung, weil wir uns in der Meditation von äußeren Reizen zurückziehen. Das Digitale, viele werden es spätestens in der Intensität des Home Office und der Lockdowns bemerkt haben, ist körperlich und kognitiv anstrengend:

Die Impulse der hellen Bildschirme strengen die Augen im Übermaß an, bei schlechter Verbindung der Telco muss das Gehirn sich aus abgehackten Tönen den Kontext zusammenschustern, viele Formate wollen unsere Aufmerksamkeit und einige versuchen sie über angstauslösende Titel und Artikel zu bekommen. Gleichzeitig haben wir, ob der Fülle der digitalen Angebote, Belehrungen und Informationen keine Zeit uns tief und ernsthaft mit deren Wahrheitsgehalt auseinanderzusetzen, um unsere individuelle Wirklichkeit in der aktuellen Situation überhaupt noch einschätzen zu können.

Dazu fehlt vielen Bewegung, vielen fehlen die eingefahrenen, Sicherheit-gebenden Routinen des Berufsalltag, die Gespräche auf dem Flur, das Käffchen. Zudem können digitale Formate uns nur sehr begrenzt emotional berühren, wie es ein Lächeln oder auch Nicht-Lächeln der Chefin in ‚Präsenz-Präsenz‘ könnte, so dass einigen Menschen sicher große Mengen Oxytocin fehlen und so ein Gefühl von Einsamkeit entstehen kann.

In der Summe kann der Körper am Ende dieses Corona-Jahres nicht-ausgelastet und rastlos sein, bei gleichzeitigen Gefühlen von Schwäche und/oder dem Gefühl nicht belastbar zu sein, schlecht in den Schlaf zu finden oder nicht durchschlafen zu können, eine stärkere Brille zu brauchen, Verspannungen in Hüfte, Schultern, Nacken und Gesicht, Kopfschmerzen bis hin zu Migräne und diffusen Ängsten, ob der Unsicherheiten und möglichen Veränderungen der eigenen Gesundheit und der eigenen Lebensumstände.

Raunächte — Rück- und Innenschau

Mit dem Wissen, dass die Tage wieder länger werden und das neue Jahr vor der Tür steht, regt sich Hoffnung in uns. Alle Jahre wieder, wünschen sich viele, dass das nächste Jahr besser wird als das vorangegangene, häufig ohne genau zu schauen, was alles erreicht wurde, ohne Dankbarkeit und Wertschätzung für das Erreichte und die Rückschau auf die Herausforderungen, die das Leben für uns bereit gehalten hat.

Diese Dankbarkeit und Wertschätzung allerdings sind es, die uns aus unserem tiefsten Innern heraus glücklich, zufrieden, entspannt und gesund sein lassen, die uns helfen, die Herausforderungen unseres Lebens anzunehmen, ohne dauerhaft den Ist-Zustand bekämpfen zu wollen, weil er noch nicht und niemals einen dauerhaften Zustand von Euphorie, Sicherheit und Fülle in uns auslöst.

Die Einflüsse von Sonne und Mond führen eine tiefe Empfindsamkeit herbei, die sich nutzen lässt, um

  • im Innen aufzuräumen,
  • Altes, das nicht mehr gebraucht wird, das nicht mehr nährt, dankbar und wertschätzend gehen zu lassen,
  • zu regenerieren,
  • die eigenen Wünsche und Bedürfnisse abzufragen,
  • neue Ziele zu visualisieren und
  • sich fest mit den eigenen kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Zielen zu verbinden,
  • Schritte zur Wunscherfüllung zu reflektieren,
  • sich zu fokussieren und
  • zu erden.

In Bezug auf den stark digitalisierten, bewegungs- und kontaktarmen Home Office-(Lockdown)-Alltag lässt es sich fragen:

  • Welche digitalen Medien und Werkzeuge nutze ich stündlich, täglich, wöchentlich? Wie viele Stunden bin ich auf diese Weise täglich online? Möchte ich das so?
  • Welche Regenerationsmöglichkeiten möchte ich meinem Körper, meiner Psyche, meinem emotionalem System vor / nach einen digitalen Tag geben? Ist das smart, d.h. ist das Ziel
    • simpel genug, um es auch anzugehen?
    • messbar? (spätestens hier fällt das Ziel, dauerhaft glücklich sein zu wollen raus)
    • für mich attraktiv? Hab ich da Bock drauf?
    • realistisch? (hier können wir auch nochmal über das Glück nachdenken…)
    • Ist der Startpunkt terminiert? Ein Zeitraum? (hier können wir auch nochmal über das Glück nachdenken…)
  • Wovon habe ich gerade zu viel in meinem Leben? Wo von zu wenig? Wie kann ich das ändern?

Raunächte — Tabula Rasa 2.0 pur

Wie in einem Karriere- und Persönlichkeitsentwicklungsprozess in einem Workshop oder Coaching fragen uns die Raunächte nach unseren Bedürfnissen, persönlichen Motiven, Zielen und Werthaltungen. Unsere Wünsche und Bedürfnisse sind natürlich und menschlich (siehe auch Artikel zur Maslowschen Bedürfnisse-Pyramide in Corona-Zeiten). Nicht immer ist allerdings die Art und Weise, wie wir uns unsere Wünsche erfüllen und Bedürfnisse befriedigen wollen, sinnvoll und zielführend. So kann ich mir und anderen zum neuen Jahr Gesundheit und Glück wünschen (lassen); daran zu glauben, dass ich durch das Aussprechen dieser Sätze allein dauerhaft gesund und glücklich bin, ist allerdings ziemlich esoterisch.

Um z.B. dauerhaft gesund zu sein, muss ich/musst Du Verantwortung für deine Gesundheit übernehmen.

Es braucht die Rückschau:

  • Was hab ich alles schon probiert?
  • Was hat gut funktioniert?
  • Was hat nicht so gut funktioniert?
  • Warum hat es nicht gut funktioniert?
  • Warum hat das, was gut funktioniert hat, gut funktioniert? …

Es braucht die Innenschau:

  • Wie zufrieden bin ich mit dem IST-Zustand?
  • Wofür bin ich dankbar?
  • Was brauche ich und warum?
  • Wie kann ich bekommen, was ich brauche?
  • Ist das wirklich wahr?
  • Was hindert mich daran, mein Ziel zu erreichen?

Und es braucht den Blick in die Zukunft:

  • Wie fühlt es sich an, wenn ich mein Ziel erreicht habe?
  • Wer teilt meine Werte, Bedürfnisse und/oder Ziele und wie können wir uns gegenseitig unterstützen ?
  • Wie sieht mein Plan aus? Was sind meine ersten Schritte hin zur Zielverwirklichung?
  • Was/wer/wo sind meine Reminder?

12 Tage und Nächte für diese und weitere Fragen lassen uns uns tief bei uns selbst ankommen und den ein oder anderen Wunsch, das ein oder andere Gefühl, als kontra-produktiv entlarven und im alten Jahr lassen. 12 Tage und Nächte in Verbindung, in Achtsamkeit und Wertschätzung mit uns selbst, ermöglichen es uns Achtsamkeit, Wertschätzung und Dankbarkeit zu üben und als Routine, als neue gesunde Verhaltensweise mit ins neue Jahr zu nehmen und in den Alltag zu integrieren.

Und wenn Dich im neuen Jahr das Hamsterrad nach einiger Zeit doch wieder einholt, dann hast Du mit dem Fasten zu Ostern und spätestens mit den Raunächten in 2021  wieder die Gelegenheit, rauszupurzeln.

Tipp: Um in Verbindung mit Dir selbst und Deinen Zielen, Wünschen und Bedürfnissen zu bleiben, bietet sich eine regelmäßige Yogapraxis an. Der Yoga ist vor 1000nden Jahren dafür entwickelt worden, dass wir unseren wahren Wesenskern entdecken können. Er bietet daher immer wieder die Innenschau an, verbindet Dich wärmend und umarmend mit Dir und schafft einen sanft-bewegenden, ent-spannenden Ausgleich zum wahnsinnig coolen und an-spannenden digitalen Zeitalter!

Herzlichst frohe Weihnachten, besinnliche Raunächte und ein zufriedenes neues Jahr,

wünscht Dir

Kathrin

Atmend durch die Corona-Krise

Während einige Menschen in Zeiten des Kontaktverbotes der Corona-Pandemie von mehr Zeit und Ruhe berichten, berichten viele andere von Stress und Unausgeglichenheit.

Letztere können mindestens noch einmal unterteilt werden, in die, die Veränderungen grundsätzlich als etwas Negatives empfinden und ohne ihre Routinen in Unsicherheiten geraten, welche ihnen Stress verursachen und die, deren Belastungen, z.B. durch Sorgen wegen fehlenden Einkommens, und vieler anderer Sorgen und Ängste im Zusammenhang mit dem Virus, oder der Kinderbetreuung neben dem Home Office tatsächlich gestiegen sind.

Beide brauchen neue Strukturen, Rituale, Regeln, Absprachen und Handlungsweisen um das neue Chaos zu bändigen und den eigenen Stress (und damit eventuell auch den des Umfeldes) zu reduzieren.

Ob und wie wir Stress haben, wird in unserem Körper durch unser Nervensystem reguliert

Unser vegetatives Nervensystem, bestehend (neben dem Darmnervensystem) aus dem parasympathischen Nervensystem (Parasympathikus) und dem sympathischen Nervensystem (Sympathikus) reguliert, kurz- und langfristig, über Hormonausschüttungen u.a. in Gehirn, Nebennieren und Nebennierenmark, unsere Körperfunktionen.

Stark vereinfacht, ‚feuern‘ die Nervenzellen des sympathischen Nervensystems in Stresssituationen, und erhöhen auf diese Weise die Stoffwechselrate vieler Organe (andere Organe die in der Stressreaktion primär eher nicht gebraucht werden, werden gehemmt), die mit Bewegung und erhöhter Leistungsbereitschaft in Zusammenhang stehen.

Dazu gehören unter anderem

  • unser Gehirn zur kurzfristigen Erhöhung von Konzentration, Aufmerksamkeit und Denkvermögen,
  • unser Herz pumpt in Stresssituationen schneller Blut und unsere Blutgefäße werden verengt (der Blutdruck erhöht), so dass mehr Nährstoffe und Sauerstoff durch unseren Körper transportiert werden, damit u.a. Muskelzellen gut versorgt sind und schnell arbeiten können,
  • unsere Pupillen werden durch die sympathische Innervation geweitet (damit wir besser sehen können), auch die anderen Sinnesorgane werden ‚geschärft‘,
  • die Leber (zur Aktivierung von Energiereserven),
  • und unsere Bronchien werden erweitert, unsere Atmung beschleunigt, damit wir mehr Sauerstoff zur Verfügung haben.

Den Sauerstoff brauchen wir unbedingt, um in den Körperzellen Energie zu produzieren, auf diese Weise alle in diesem Moment ‚systemrelevanten‘ Körperfunktionen aufrecht zu erhalten, Aufnahme-, denk- und handlungsfähig zu sein.

All dies passiert unbewusst. Wir müssen uns nicht darum kümmern. Weil unsere Körper ziemlich coole Socken sind!

Nun ist es aber so, dass wir im digitalem Zeitalter auch im Zeitalter des chronischen Stresses leben und dieser wiederum Ursache vieler körperlicher und seelischer Erkrankungen unserer Zeit ist. Die Gründe dafür sind vielfältig und werden in meinem Buch für die Über/Strom Reihe beim Springer-Verlag ausführlich und vertiefend erläutert (Erscheinungsdatum Anfang 2021). Die Lebensumstände, Gedanken und Gefühle, die die Corona-Krise mit sich bringt, erhöhen das Stresslevel vieler Menschen allerdings noch einmal zusätzlich, dass Gedanken-Karussell dreht und dreht sich und der Körper kommt nicht zur Ruhe.

Obwohl der Sympathikus autonom handelt und wir unsere Herzfrequenz, Pupillengröße etc. nicht bewusst steuern können, können wir doch Einfluss nehmen auf unsere Atmung, auf unsere Gedanken durch, z.B. die Art und Menge der Medien mit denen wir unsere Sinnesorgane und unsere Nervenzellen fluten.

Das Stresslevel darin ungeübter Menschen lässt sich nicht mal eben auf Knopfdruck ausschalten. Das ist ein Lernprozess. Und Lernen bedarf Training.

Atmen gegen den Stress

Der erste und wichtigste Schritt zur Kontrolle unseres Stresssystems ist unsere Atmung. So einfach ist das! Weil gerade alles neu ist, haben wir gerade die Möglichkeit uns neue Rituale zu schaffen und das Atmen, darüber die Kontrolle des Gedanken-Karussells und darüber unsere Gesundheit besser in den Griff zu bekommen und vor allem die neuen Handlungsweisen und Programme dann langfristig in unseren Alltag einzubauen.

Wenn wir uns vornehmen, uns in den nächsten Wochen jeden Tag 2-3x 5 Minuten mit unserer Atmung zu beschäftigen, haben wir gute Chancen, kurzfristig auf unser Stresslevel einzuwirken und langfristig und nachhaltig etwas für unsere Gesundheit zu tun:

  • Wir können morgens voller Dankbarkeit und Liebe für uns selbst aufwachen und uns mit der Hand auf dem Herzen und emotional aus tiefstem Herzen bei uns selbst, unserem Körper, unserem Nervensystem, unserer Atmung dafür bedanken, dass wir die ganze Nacht völlig mühelos und automatisch weitergeatmet haben.
  • Mit ebenso viel Liebe können wir uns abends dafür bedanken, dass unser Körper uns mit knapp 20.000 Atemzügen pro Tag durch den Tag gebracht hat, damit wir tun können, was wir tun wollen.
  • Wir können im Laufe des Tages immer wieder mal unserer Atmung folgen, spüren wie die Bauchdecke sich hebt und senkt und die Dauer einer Ein- und Ausatmung zählen. Wir können visualisieren, wie der Sauerstoff in unserem Körper zirkuliert, die Energie spüren, die durch unsere Arterien fließt und/oder wie diese Energie in den Körperzellen pulsiert.
  • Wir können einen Frühlingsspaziergang machen (achten Sie bitte auf die momentanen Bestimmungen ihres Bundeslandes im Zusammenhang mit der Kontaktsperre) und den Spaziergang, oder immer wieder mal Teile davon, ganz bewusst unserer Atmung schenken. Die Luft wird gerade so schön warm und ist sauberer als sonst. Wir können uns bewusst machen, wie diese wundervolle gesunde Frühlingsluft unseren Körper und Geist nährt. Wir können uns den Frühling bewusst machen, ihn riechen, schmecken und fühlen und womöglich können wir in diesen Momenten der Ruhe, Acht- und Dankbarkeit tiefes Glück empfinden.
  • Wir können versuchen, unsere Atmung zu verlangsamen, indem wir Ein- und Ausatmung mitzählen. Für Anfänger empfehlen sich 4-6 Sekunden lang durch die Nase einzuatmen und anschließend 4-6  Sekunden lang durch die Nase auszuatmen. Fortgeschrittene Anfänger bauen 2-3 Sekunden Atempausen in der Atemfülle und Atemleere ein.

Wer regelmäßig übt, kann sein Atemvolumen so enorm erhöhen, Körper und Geist enorm beruhigen, den Körper regelmäßig in die nötige Regeneration bringen und aus diesem Gefühl des Versorgt-Seins, tiefes Glück erfahren.

"Smiley. Herzchen. Hashtag." Digitale zwischenmenschliche Kommunikation

„Haben Sie sich schon einmal darüber Gedanken gemacht, was passiert, wenn Sie Ihr Smartphone und Ihren Computer ausschalten? In welcher Welt leben Sie dann? Ist die Welt eine andere geworden? Vermissen Sie etwas? Was vermissen Sie?“ Dies ist nur eine der Fragen, die die Kommunikationswissenschaftlerin Uta Buttkewitz in ihrem neuen Buch „Smiley. Herzchen. Hashtag. Zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter von Facebook, WhatsApp, Instagram @ Co.“ stellt.

Der Autorin geht es nicht darum, internetbasierte Kommunikation einfach nur als gut oder schlecht zu bewerten (gerade zurzeit, wo wir alle durch die Corona-Krise aus der Bahn geworfen sind, sind wohl alle ganz froh, dass wir zumindest über das Internet miteinander verbunden bleiben). Uta Buttkewitz möchte vor allem „den Wandel der Kommunikation im digitalen Zeitalter beschreiben und zeigen, dass sich dieser Wandel nicht isoliert vollzieht, sondern dass sich dadurch die Beziehungen zu unseren Mitmenschen verändern und auch die Entwicklung anderer gesellschaftlicher Bereiche davon nicht unberührt bleibt.“

In Form eines medientheoretischen Essays (in dem auch kurz ein Überblick über die Mediengeschichte gegeben wird) reflektiert Buttkewitz über die Doppelseitigkeit digitaler Kommunikation. Im ‚Kleinen‘ betrifft das etwa die Feststellung, dass das Telefon trotz aller neuen Technologien nicht verschwindet, wir aber trotzdem oft das Gefühl haben ‚zu stören‘, wenn wir spontan anrufen anstatt jemanden nur schriftlich zu kontaktieren. Im ‚Großen‘ geht es um den Eindruck, dass uns mit digitaler Kommunikation ein unendlicher Raum an Möglichkeiten offenliegt, dem aber die Endlichkeit unseres Lebens gegenübersteht. Eine Lösung für diese und weitere Konfliktfelder sieht die Autorin in der Zurückgewinnung einer gewissen „Lässigkeit“ im Umgang mit den Medien und unserem Leben, in der wir uns nicht der Aufmerksamkeitsökonomie vieler sozialer Medien unterwerfen, sondern auch gut damit zurechtkommen, einmal nichts zu posten.


Smiley. Herzchen. Hashtag. Zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter von Facebook, WhatsApp, Instagram & Co.“ von Uta Buttkewitz ist jetzt bei Springer Fachmedien erschienen. Bei Amazon gibt es bereits die Kindle-Version; das gedruckte Buch ist voraussichtlich ab 21.04.2020 lieferbar. Das Buch ist der erste Band der Buchreihe „Über/Strom: Wegweiser durchs digitale Zeitalter“.

(Titelbild Blogeintrag: Tanja-Denise Schantz / pixabay.com)

„Smiley. Herzchen. Hashtag.“ Digitale zwischenmenschliche Kommunikation

„Haben Sie sich schon einmal darüber Gedanken gemacht, was passiert, wenn Sie Ihr Smartphone und Ihren Computer ausschalten? In welcher Welt leben Sie dann? Ist die Welt eine andere geworden? Vermissen Sie etwas? Was vermissen Sie?“ Dies ist nur eine der Fragen, die die Kommunikationswissenschaftlerin Uta Buttkewitz in ihrem neuen Buch „Smiley. Herzchen. Hashtag. Zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter von Facebook, WhatsApp, Instagram @ Co.“ stellt.

Der Autorin geht es nicht darum, internetbasierte Kommunikation einfach nur als gut oder schlecht zu bewerten (gerade zurzeit, wo wir alle durch die Corona-Krise aus der Bahn geworfen sind, sind wohl alle ganz froh, dass wir zumindest über das Internet miteinander verbunden bleiben). Uta Buttkewitz möchte vor allem „den Wandel der Kommunikation im digitalen Zeitalter beschreiben und zeigen, dass sich dieser Wandel nicht isoliert vollzieht, sondern dass sich dadurch die Beziehungen zu unseren Mitmenschen verändern und auch die Entwicklung anderer gesellschaftlicher Bereiche davon nicht unberührt bleibt.“

In Form eines medientheoretischen Essays (in dem auch kurz ein Überblick über die Mediengeschichte gegeben wird) reflektiert Buttkewitz über die Doppelseitigkeit digitaler Kommunikation. Im ‚Kleinen‘ betrifft das etwa die Feststellung, dass das Telefon trotz aller neuen Technologien nicht verschwindet, wir aber trotzdem oft das Gefühl haben ‚zu stören‘, wenn wir spontan anrufen anstatt jemanden nur schriftlich zu kontaktieren. Im ‚Großen‘ geht es um den Eindruck, dass uns mit digitaler Kommunikation ein unendlicher Raum an Möglichkeiten offenliegt, dem aber die Endlichkeit unseres Lebens gegenübersteht. Eine Lösung für diese und weitere Konfliktfelder sieht die Autorin in der Zurückgewinnung einer gewissen „Lässigkeit“ im Umgang mit den Medien und unserem Leben, in der wir uns nicht der Aufmerksamkeitsökonomie vieler sozialer Medien unterwerfen, sondern auch gut damit zurechtkommen, einmal nichts zu posten.


Smiley. Herzchen. Hashtag. Zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter von Facebook, WhatsApp, Instagram & Co.“ von Uta Buttkewitz ist jetzt bei Springer Fachmedien erschienen. Bei Amazon gibt es bereits die Kindle-Version; das gedruckte Buch ist voraussichtlich ab 21.04.2020 lieferbar. Das Buch ist der erste Band der Buchreihe „Über/Strom: Wegweiser durchs digitale Zeitalter“.

(Titelbild Blogeintrag: Tanja-Denise Schantz / pixabay.com)

„Suffizienz ist nicht Verzicht“: Interview mit Vivian Frick und Anja Höfner über Bits & Bäume

Eine gerechtere, umweltbewusste Welt heißt nicht, auf moderne Technologien zu verzichten. Aber es heißt, Technik anders zu denken und einzusetzen. Das wird im Tagungsband zur Konferenz „Bits & Bäume“ deutlich, über den wir bereits berichtet haben. Wir haben uns mit den beiden Herausgeberinnen des Bandes, der Soziologin Anja Höfner und der Umweltpsychologin Vivian Frick, per E-Mail ausgetauscht.

Frau Frick, Frau Höfner, könnten Sie beide bitte zunächst kurz erzählen, wer Sie sind, und wo und woran Sie arbeiten?

Vivian Frick (VF): Ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Berlin und dem IÖW Berlin, und arbeite hier aus psychologischer Sicht an den Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

Anja Höfner (AH): Ich war Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe Digitalisierung und sozial-ökologische Transformation am IÖW und arbeite seit August 2019 beim Konzeptwerk neue Ökonomie zum Thema Digitalisierung.

Was ist Ihre persönliche Motivation bei Ihren Tätigkeiten?

AH: Digitalisierung wird oft als Selbstläufer gesehen: es passiert einfach so und wir können nichts unternehmen bzw. mitgestalten. Mir ist es ein Anliegen, mit meiner Arbeit dazu beizutragen, dies zu ändern und Digitalisierung aus einer kritisch-emanzipatorischen Perspektive zu betrachten.

VF: Persönlich habe ich meinen Beruf gewählt, um mich für den Umweltschutz einzusetzen. Als Umweltpsychologin interessiert mich dabei vor allem, wie menschliches Denken und Handeln nachhaltiger werden können. Auch im Forschungsfeld und der Gestaltung von Digitalisierung möchte ich das Augenmerk vermehrt auf Umweltverhalten und -bewusstsein lenken.

Sie beide haben vor kurzem den Tagungsband zur Tagung „Bits & Bäume“ herausgegeben, die letztes Jahr stattfand. Welches Ziel haben Sie mit der Tagung verfolgt? Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Tagungsband zu Bits & Bäume (Download)

AH: Der Andrang auf der Konferenz hat uns überwältigt: wir hatten ursprünglich mit 1.000 Teilnehmenden gerechnet, am Ende waren es knapp 2.000!

VF: Die Bits & Bäume war als Vernetzungsplattform für Menschen aus der Techie-Szene und der Nachhaltigkeits-Szene gedacht. Der Trägerkreis wollte dabei eine schon länger vorhandene Lücke füllen: Bei der Gestaltung von Digitalisierung muss Nachhaltigkeit viel stärkere Beachtung finden. Mit dem Ergebnis waren wir dann mehr als zufrieden. Über 120 Veranstaltungen, fast 2.000 Teilnehmende und der #bitsundbaeume-Trend bestätigten uns: das Bedürfnis, diese Themen zu verbinden, ist groß, die Diskussion steht ganz am Anfang.

Welches Feedback haben Sie von Teilnehmer*innen erhalten, wie war das Medienecho?

AH: Das persönliche Feedback und die Stimmung an der Konferenz waren total motivierend! Auch eine Online-Evaluation fiel sehr positiv aus, die Teilnehmenden wünschten sich eine Fortsetzung. Die Leute aus dem Trägerkreis bekommen jetzt noch regelmäßig die Frage zu hören, wann denn die nächste Bits & Bäume stattfindet.

Und, ist denn eine Wiederholung geplant?

AH: Eine nächste Bits & Bäume-Konferenz wie 2018 ist derzeit nicht geplant. Wir verfolgen vielmehr das Ziel, dass Bits & Bäume zur Bewegung wächst. Der Trägerkreis der Bits & Bäume will zivilgesellschaftliche Akteure motivieren, selbst aktiv zu werden. Und das ist unserer Meinung nach auf einem guten Weg.

So wurde der Name „Bits & Bäume“ freigegeben für alle, die eine Veranstaltung oder ein Projekt starten wollen, das sich mit den Forderungen (siehe hier) der Bits & Bäume identifiziert. Es gab in Dresden im Mai 2019 bereits eine kleinere Bits & Bäume Veranstaltung, in Dresden und Berlin gibt es außerdem regelmäßig stattfindende Stammtische und in Berlin ein Forum.

VF: Die von Anja Höfner eben erwähnten Forderungen für eine nachhaltige Digitalisierung können online unterzeichnet und mitgetragen werden. Auch innerhalb des Chaos Computer Clubs haben sich unter dem Namen Bits & Bäume bereits Engagierte gefunden, um das Thema Nachhaltigkeit auch in diesem Kontext stärker zu verankern.

Ergab sich die Tagung direkt aus Ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit, oder ging das darüber hinaus (d.h. sind Sie beide auch außerhalb der Arbeit in technologischen und Nachhaltigkeitsszenen engagiert)?

VF: Unsere Forschungsgruppe hatte sich zum Ziel gesetzt, eine zivilgesellschaftliche Konferenz zu Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu organisieren. Im Sinne der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung wollten wir mit unserer Forschungsarbeit eine gesellschaftliche Wirkung erzielen, das gesellschaftliche Bewusstsein für diese Themen stärken. Wir sind beide auch in der Nachhaltigkeitsszene aktiv — und dank der Konferenz kennen wir nun auch mehr Menschen im Techie-Bereich, besuchen Kryptoparties oder das Chaos Communication Camp, welches im August 2019 stattfand. Zumindest aus unserer persönlichen Perspektive ergab sich also tatsächlich ein Zusammenwachsen der Szenen.

AH: Genau, wir haben durch die Zusammenarbeit mit den Techies auf jeden Fall einen stärkeren Zugang zu dem Thema gefunden. Es macht Spaß, so eine ganz andere Kultur wie die der Techie-Bewegung kennenzulernen!

Die meisten Beiträge im Tagungsband diskutieren vor allem große Zusammenhänge, die in der Breite noch nicht unbedingt bekannt sind. Für das Individuum ergeben sich daraus zunächst Anhaltspunkte für eigene politische und ökonomische Entscheidungen (z.B. zum Konsumverhalten, für Wahlen, für Spenden an Organisationen, oder für weitergehendes zivilgesellschaftliches, publizistisches oder politisches Engagement). Was wünschen Sie sich, das Ihre Tagung und der Tagungsband bei den Leser*innen auslösen?

VF: Ganz im Sinne der Konferenz hat auch das Buch vor allem die Aufgabe, zu informieren und zu politisieren. Bewusst sprechen wir die „großen Fragen“ an, denn das Individuum ist eben gerade nicht passive Konsument*in. Natürlich ist es auch wichtig, was und wieviel wir konsumieren — digital wie analog. Aus Sicht der überlasteten Umwelt, dem benachteiligten Globalen Süden, aber auch aus Perspektive des Datenschutzes sollte man um gewisse soziale Medien oder E-Commerce-Riesen besser einen Bogen machen. Im Buch finden sich einige nachhaltigere Alternativen.

Vielmehr wünschen wir uns jedoch, die Leser*innen zu zivilgesellschaftlichem Engagement zu motivieren, und die politische Selbstwirksamkeit zu stärken. Damit Digitalisierung sozial-ökologisch wird, müssen wir alle mitreden können — ganz nach der ursprünglichen Idee des Internets als demokratischer, offener Raum.

Die (derzeitige Form von) Digitalisierung ist nicht nur problematisch für die Erde, die Menschheit und für Gesellschaften als Ganzes. Sie kann sich auch für das einzelne Indivduum überfordernd anfühlen — mitunter das Gefühl erzeugen, in einem rasenden Strom mitgezogen zu werden, der zwar fasziniert, aber doch auch ganz schön anstrengend ist. So entstehen dann Ideen wie „Digital Detox“, man meldet sich von Facebook oder stellt sein Smartphone auf Graustufen, weil irgendwo im Internet steht, dass man dann weniger raufgucken würde. Frau Frick, aus psychologischer Sicht gefragt, inwiefern könnte eine nachhaltigere Digitalisierung auf gesellschaftlicher Ebene sich auch „positiv“ auf den Alltag einzelner Menschen im Umgang mit und der Betroffenheit von digitalen Medien auswirken?

VF: In der psychologischen Forschung bestätigt sich, dass viele digitale Anwendungen so programmiert wurden, dass sie möglichst viel Aufmerksamkeit der Nutzer*innen binden. Wir merken dies vor allem bei sozialen Medien, personalisiertem Online-Marketing oder bei Streaming-Diensten. Diese „Ökonomie der Aufmerksamkeit“ ist in vielen Belangen nachteilig: Sie kann zu mangelnder Konzentration, Leistungsabfall, Prokrastination, aber auch Abhängigkeit und Sucht, insbesondere der (auch umweltbelastenden) Kaufsucht führen.

Video- und Spiele-Streaming vermeidet Transportwege und verzichtet auf Ressourcen für die Produktion physischer Datenträger, aber dafür steigt beim „bingewatching“ der Energieverbrauch. (Tagungsband Bits & Bäume, S. 34, CC)

Die Antwort auf diese „psychologische“ Problematik ist aber keine individuelle oder konsumseitige. Vielmehr gilt es, die Gestaltungsfrage zu stellen: Welche Akteure bauen diese Apps mit welchem Ziel? Solange wir die Gestaltung des digitalen Raumes weitgehend kommerziellen Akteuren überlassen, wird psychologisches Wohlbefinden oder Nachhaltigkeit nicht sein Design bestimmen. Es braucht mehr gesellschaftliche Debatte: wozu möchten wir die Digitalisierung einsetzen, für Konsumsteigerung oder das Gemeinwohl?

Könnte ein auf Suffizienz ausgerichteter Umgang mit Technik und Digitalisierung (wie er zum Beispiel in Ihrem Tagungsband in dem Beitrag von Steffen Lange, Tilman Santarius & Angelika Zahrnt beschrieben wird) auch gegen individuell empfundenen digitalen Stress wirken?

VF: Auf jeden Fall! Nur dass in unserer zunehmend vernetzten Gesellschaft ein kompletter „Digital-Entzug“ auf individueller Ebene weder machbar noch sinnvoll ist. Vielmehr müssen wir Wege finden, die Technik selbst alltagstauglicher, gemeinwohlorientierter zu machen. Wie es ja auch das Konzept der digitalen Suffizienz vorschlägt.

Frau Höfner, kann man aus soziologischer Sicht erklären, warum wir so ungern bereit sind, zum Wohle größerer Gemeinschaften auf liebgewonnenen Luxus zu verzichten?

AH: Nun, ich glaube, die Frage sollte nicht speziell lauten, dass wir nicht nur zum Wohle größerer Gemeinschaften nicht bereit sind, auf Luxus zu verzichten, sondern es ist generell schwierig, auf Annehmlichkeiten zu verzichten, an die wir uns gewöhnt haben (wie Vivian Frick weiter unten beschreibt). Warum wir dies trotzdem — auch wenn wir wissen, dass es für andere Menschen besser wäre, weniger zu konsumieren — nicht tun, liegt meiner Meinung nach daran, dass es schwierig ist, sich dies ständig in Erinnerung zu rufen bei unseren alltäglichen Abläufen.

Zudem ist dies nicht nur eine individuelle Frage, sondern eine gesellschaftliche: Wie wir unser Leben innerhalb der Gesellschaft führen, ist durch gesellschaftliche Strukturen wie Arbeit(steilung) oder Freizeitgestaltung und soziale Normen zu einem wesentlichen Teil bereits vorgegeben. Sich dem zu entziehen und Dinge anders zu machen, erfordert viel Zeit und persönliche Ressourcen. Es ist schon schwierig, sein eigenes Verhalten zu ändern – gesellschaftliche Strukturen zu verändern, ist noch viel schwerer.

Frau Frick, gleiche Frage an Sie aus psychologischer Sicht?

VF: Wir schweifen wir hier ein bisschen ab vom Thema Digitalisierung, aber generell ist es keine Neuigkeit, dass materieller Wohlstand nur bis zu einem gewissen Maß das Wohlergehen fördert. Psycholog*innen sprechen hier von einem Tretmühleneffekt: der Mensch gewöhnt sich sehr schnell an neu gewonnene materielle Annehmlichkeiten: Was erst noch als luxuriös empfunden wird und Freude auslöst, wird bald zur Notwendigkeit und der Verzicht darauf wäre unangenehm. So geht es uns gerade bei vielen digitalen Innovationen, wie beim Smartphone oder beim Netzausbau.

Bei Suffizienz geht es darum, auszuloten was für ein Gutes Leben nötig ist. Wie viele materiellen Güter brauchen wir, um glücklich zu sein? Und gehören zu diesem Guten Leben nicht auch Zeit, soziale Kontakte, Sinnhaftigkeit, Solidarität? Ein suffizienter Lebensstil grenzt ja nur materiellen Überfluss ein — dies kann zu ökonomischer Entlastung führen, auch zu mehr Zeitwohlstand.

Techniknutzung und Postwachstum (Tagungsband Bits & Bäume, S. 105, CC)

AH: Suffizienz ist also nicht Verzicht, sondern eine andere Gewichtung bei der Definition des Guten Lebens. Daneben thematisiert Suffizienz die soziale Gerechtigkeit: Brauche ich jedes Jahr ein neues Smartphone, wenn die dafür nötigen Ressourcen immer noch unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut werden, ebenso wie die Arbeitsbedingungen bei der Produktion?

Ich frage mich, wie man Menschen dazu bewegen kann, sich nachhaltiger zu verhalten. Eine Idee, die mir eher als Horrorvorstellung erscheint, aber in China schon umgesetzt wird, sind Sozialpunktesysteme, die computergestützt, ggf. mit Machine-Learning-Verfahren, unser Verhalten bewerten und darauf basierend Privilegien verteilen oder wegnehmen. Könnte dies ein Weg der Steuerung sein, wenn der „maßvolle Wohlstands- und Technologieboykott“, den Niko Paech neulich gefordert hat, nicht zustande kommt, weil ‚die Leute‘ das halt von allein nicht oder nicht schnell genug einsehen?

VF: Diese Maßnahmen klingen sehr aufwendig und nicht ohne ein erhebliches Maß an Überwachung und Bürokratie umsetzbar. Ein viel direkterer Weg wäre es, den ehrlichen Preis für unseren Konsum zu zahlen: Die Förderung fossiler Energien sollte nicht mehr subventioniert, und multinationale Konzerne angemessen besteuert werden.

Dieses Jahr war die sogenannte „Flugscham“ ein großes Thema in vielen Medien, denn der Anteil des Luftverkehrs an Klimaveränderungen ist sehr groß. Kann Scham ein wirksames Mittel sein, solchen Problemen zu begegnen?

VF: Scham emotionalisiert und privatisiert ein gesellschaftliches Problem. Der Begriff spiegelt nur, wie die neoliberale Wirtschaftsweise die soziale Verantwortung an Individuen abzutreten versucht.

Aus Sicht der Umweltpsychologie hat es sich als wirksamer erwiesen, Menschen zu nachhaltigem Verhalten zu befähigen, Ohnmacht gegen Selbstwirksamkeit einzutauschen, und ihnen die Vorteile solidarischen, umweltbewussten Verhaltens aufzuzeigen.

Das ist ein Hoffnung machendes Fazit. Ich danke Ihnen beiden für das Interview und wünsche Ihrem Buch viele Leser*innen!