Link: Dirk Baecker über die Gesellschaft der Kontaktverbote

„Die Corona-Krise lädt uns ein, den Gesellschaftsbegriff neu zu denken“, schreibt der Soziologe Dirk Baecker in einem neuen Essay. Hier der Link: https://kure.hypotheses.org/872 Und dazu ein Interview Baeckers vom 02.04.2020 mit dem mdr: https://www.mdr.de/kultur/videos-und-audios/audio-radio/audio-corona-virtuelle-welt-100.html

Auf den Punkt gebracht: Mely Kiyak über den Zustand einer Gesellschaft, in der Minderheiten nicht sicher sind.

Lesen. Teilen. Immer wieder daran denken: https://www.zeit.de/kultur/2020-02/minderheiten-parteien-afd-fdp-cdu-demokratie/komplettansicht

Thomas E. Schmidt sieht den Menschen wiederkehren

Thomas E. Schmidt stellt die These auf, dass gerade im  Zeitalter der Digitalisierung die Natürlichkeit oder Mensch an sich zurückkehrt. Schmidt unternimmt mit seinem neuen Buch den Versuch, den Antagonismus von realer und virtueller Welt aufzulösen. Es entspricht sicher dem Zeitgeist, die digitale Welt nicht mehr absolut als simulative und manipulierte Welt zu betrachten, wie es zum Beispiel Jean Baudrillard getan hat. Aber Schmidt beschreibt, wie der Mensch allmählich mit dem Digitalen verschmilzt und darüber reflektiert, dass die Kommunikation immer eine medial vermittelte ist.

„Das Digitale ist folglich keine Anderswelt“, so beschreibt es Schmidt. Das Internet mit all seinen verschiedenen Austauschplattform ist kein System, das entkoppelt von der Gesellschaft funktioniert, sondern uns als eine Form der sozialen Gemeinschaft gegenübertritt, die lediglich nach etwas anderen Regeln als die herkömmliche analoge Gesellschaft funktioniert. Da sich die Menschen bei ihrer Kommunikation gegenseitig beobachten und darüber reflektieren, entsteht in der digitalen Sphäre also eine eigene Binnenethik, konstatiert Schmidt.

Im Mittelpunkt der digitalen Kommunikation stehen seiner Meinung nach nicht mehr die Informationen, sondern die Mitteilungen, emotionale Inszenierungen, Meinungen und geäußerte Wahrheitsansprüche. Hoffnung äußert Schmidt dahingehend, dass die sogenannten „sozialen Episoden“ im Netz neue gesellschaftliche Alternativen und Lebenswelten hervorbringen könnten, die die Menschen der „Naturzeit“ im Unterschied zur „linearen kapitalistischen Globalzeit“ wieder näherbringen.

Das Buch überzeugt durch interessante, neue Thesen; das Lesen erfordert jedoch durch seine dichte Darstellung und nicht einer immer ganz klaren Struktur, eine hohe Konzentration.

Thomas E. Schmidt: Wiederkehr des Menschen: Natur und Natürlichkeit im digitalen Zeitalter, Merve, 2019, 240 Seiten.