Lesetipp zum Verstehen von Komplexität: Tobias Moebert zur Wahrnehmung von Mensch-Technik-Interaktionen

Forderungen an Entwickler*innen, Technik transparent zu gestalten, sowie Forderungen an Nutzer*innen, sich aktiv um ein Verständnis von Technik zu bemühen, sind zwei Seiten einer Medaille: Es geht um Handlungsfähigkeit in einer technisierten Welt. Statt jede neue Technologie (bzw. deren konkrete Ausprägung als technisches Werkzeug) immer naiv zu begrüßen oder Technik gleich grundsätzlich abzulehnen, geht es um einen reflektierten Umgang, der Vor- und Nachteile bewusst erkennt, abwägt und entsprechende Handlungsoptionen identifiziert. Das ist gerade in unserer heutigen Gesellschaft wichtig, in der es immer mehr technische Systeme gibt, die unseren Alltag auf vielfältige Weise prägen, die aber uneinsehbar erscheinen, etwa Systeme maschinellen Lernens bzw. Künstlicher Intelligenz oder erste Ansätze zum Transhumanismus.

Der vom Soziologen Niklas Luhmann gern genutzte Begriff der Blackbox, des uneinsehbaren schwarzen Kastens, ist eine bequeme Metapher, um ein grundlegendes Wahrnehmungsproblem von Technik zu bezeichnen: Wir können als bloße Nutzer*innen nicht einfach in die internen Abläufe eines Computers reinschauen. Wir können auch die Wechselwirkung technischer Systeme mit ihrer Umwelt nicht immer einfach erkennen. Und selbst Expert*innen sind mitunter von den Ergebnissen maschinellen Lernens überrascht, weil zum Beispiel künstliche neuronale Netze so viele Schichten aufweisen, dass die Funktionsweise des Netzes zwar theoretisch erklärbar, aber das Zustandekommen eines konkreten Ergebnisses nicht mehr herleitbar ist. Es ist eben alles sehr komplex mit (post)moderner Technik.

Es ist kompliziert. Oder?

Aber was genau heißt das überhaupt — Komplexität in Mensch-Technik-Zusammenhängen? Was ist der Unterschied zu Kompliziertheit? Und wie nehmen Entwickler*innen und Nutzer*innen beides wahr? Das ist eine Fragestellung, die an der Schnittstelle von Kommunikationssoziologie und Informatik angesiedelt ist und noch viel zu wenig bearbeitet wird.

Sie deutet sich an in der bekannten Arbeit der amerikanischen Anthropologin Lucy Suchman, die in „Plans and Situated Actions“ in den 1980ern ethnomethodologisch untersucht hat, wie Menschen mit Kopiergeräten umgehen. Suchman hatte das konkrete Handeln der Nutzer*innen beobachtet und analysiert und so einige Grundkonzepte menschlicher Erwartungen an Technik aufgedeckt. Insbesondere die „What’s next?“-Erwartung ist da zentral — wir neigen dazu, eine Ausgabe einer Maschine sinnhaft zu interpretieren und daraus den nächsten möglichen Handlungsschritt abzuleiten.

Wir fragen uns also „Wie geht es weiter?“ um die Nutzung aufrechtzuerhalten, ganz ähnlich wie wir auch in menschlicher Kommunikation davon ausgehen, dass unsere Partner*innen etwa entsprechend des Grice’schen Kooperationsprinzips agieren und wir deren Äußerungen sinnhaft einordnen. Problematisch wird es, wenn wir da ‚auf dem Holzweg‘ sind (Suchman nennt das „garden path“), wir also entweder eine falsche Erwartung haben oder wir glauben, wir hätten etwas falsch gemacht, obwohl wir das gar nicht haben. Solche Missverständnisse entstehen, wenn die Maschine nicht transparent und verstehbar kommuniziert, wie ihre Situationsdefinition gerade aussieht.

Doch technische Systeme sind keine Menschen und die Grundannahmen ihrer Entwickler*innen liegen selten offen. Wieso reagiert der Computer nicht auf meinen Mausklick? Wieso druckt der Drucker nicht? Und „was macht er denn jetzt schon wieder?“ — der Legende nach eine häufige Frage von Airbus-Pilot*innen, wenn der Bordcomputer des Flugzeugs wieder mal was anderes tut, als man erwartet. Wir nehmen also an, dass das System auf unsere Eingabe hin etwas Bestimmtes tut, aber dann macht es doch etwas anderes oder gleich gar nichts.

Durch die enttäuschte Erwartung kann die Nutzungssituation kompliziert, komplex, sogar chaotisch erscheinen. Das führt zum Erleben von Ungewissheit, die die fortgesetzte Nutzung gefährdet und sich nebenbei auch phänomenologisch zeigen sowie psychische Auswirkungen haben kann. Diese Beobachtung sowie deren Einbettung in aktuelle soziologische Annahmen zur Unsicherheit der Gesellschaft — ob wir sie nun mit Dirk Baecker als Computergesellschaft, mit Ulrich Beck als Risikogesellschaft oder mit Andreas Reckwitz als Gesellschaft der Singularitäten bezeichnen — war vor einigen Jahren die Grundannahme meiner eigenen Disseration zur Softwarenutzung (gibt’s auf Nachfrage aus kostenlos von mir); Ungewissheit der Softwarenutzung liegt auch meinem 2020 erschienenen Fachbuch zugrunde. In beiden Büchern plädiere ich für die direkte Beobachtung von Nutzungssituationen, um die Merkmale der Situationen außerhalb des Labors herauszuarbeiten — und die Schwierigkeiten beim Umgang mit konkreter Technik.

Wie ‚es weitergeht‘ war für Lucy Suchman eine entscheidende Frage, die wir uns als Technik-Nutzer*innen bei jedem Nutzungsschritt beantworten müssen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die dabei entstehende Komplexität wird nun durch eine Arbeit von Tobias Moebert (Universität Potsdam) untersucht. (Bild: Razmik Badalyan / Pixabay.com)

Doch was Kompliziertheit und Komplexität in diesem Zusammenhang eigentlich sind, war trotz bestehender Arbeiten bisher ein Desiderat. Natürlich gibt es unterschiedliche Definitionen dieser Begriffe, doch wie beides beim ganz konkreten Umgang mit Technik wahrgenommen wird und sich auf die Nutzungssituation aus Sicht der Betroffenen auswirkt, ließ sich bislang nur indirekt aus früheren Ergebnissen ableiten. Umso positiver, dass an der Universität Potsdam am Institut für Informatik und Computational Science nun eine Dissertation zum Thema erschienen ist, die genau in diese Lücke vordringt.

Tobias Moebert: Zum Einfluss von Adaptivität auf die Wahrnehmung von Komplexität in der Mensch-Technik-Interaktion

Der Informatiker Tobias Moebert hat im März 2021 seine Arbeit „Zum Einfluss von Adaptivität auf die Wahrnehmung von Komplexität in der Mensch-Technik-Interaktion. Dargestellt am Beispiel Bildungstechnologie“ vorgelegt (Download als PDF über den Publikationsserver der Uni Potsdam). Moebert entwickelt darin „ein Werkzeug“, um zu untersuchen, wie Menschen Komplexität der Techniknutzung wahrnehmen und so auch den Begriff für seinen Anwendungsbereich näher einzugrenzen. Wer aber bei einer Informatik-Dissertation unter „Werkzeug“ nur ein weiteres Computerprogramm oder ein weiteres, in einer Techniker*innenblase entstandenes Vorgehensmodell erwartet, oder auch eine bloße Studie zur Benutzbarkeit eines Produkts (Usability), wird positiv überrascht. Denn Moebert hat sich intensiv mit soziologischen und sozialwissenschaftlichen Perspektiven auf Komplexität und Techniknutzung auseinandergesetzt. Konkret fragt der Autor:

„Wie nehmen Menschen Komplexität wahr? Welche Ursachen hat die Wahrnehmung von Komplexität? Welche Folgen hat die Konfrontation mit Komplexität?“ (S. 164)

Zur Beantwortung der Fragen wurden Leitfadeninterviews mit Studierenden und Wissenschaftler*innen aus Informatik, Soziologie und Psychologie durchgeführt und die erhaltenen Aussagen anschließend inhaltsanalytisch (nach Mayring) interpretiert. Die befragten Personen waren allesamt mit zwei beispielhaft untersuchten Softwarewerkzeugen aus dem Bildungsbereich befasst — Software, deren Einsatz zu genau den erwähnten komplexen, mithin ungewissen, Nutzungssituationen führen kann, zumal sich diese Software auch wechselnden Nutzungskontexten anpassen sollte (Adaptivität).

Theoriegeleiteter Ausgangspunkt der Untersuchung war, dass komplexe Situationen dynamisch sind und dass die der Situation zugrundeliegenden Ursache-Wirkungs-Beziehungen und die Handlungsfolgen der Nutzer*innen unvorhersehbar sind. Dies lässt sich durch mehrere Indikatoren ausdrücken, etwa die Wahrnehmung einer Software als „kontraintuitiv“ (Ursache/Wirkung ist nicht allein durch Intuition erfassbar und steht oft im Widerspruch zu unseren Erwartungen, S. 27) oder als „interventionsbeständig“ (weil ein System komplexer ist als unsere Fähigkeit, es zu verstehen, scheitern Eingriffe in das System oder führen zu unerwarteten Folgen, ebd.). In der Inhaltsanalyse zeigte sich nun, dass insbesondere das Merkmal der Kontraintuitivität in allen untersuchten Beispielen auftrat.

Das Problem der Intransparenz

Interessant ist in diesem Zusammenhang der Verweis auf die Wahrnehmung von Intransparenz:

„Diese Kontraintuitivität war in der Regel darauf zurückzuführen, dass den Beteiligten entscheidendes Wissen über die zugrundeliegenden Zusammenhänge der Situation gefehlt haben. Entweder war dieses Wissen generell nicht verfügbar oder durch die Intransparenz des Systems versteckt. [Hervorh. M.D.] Als Folge konnten die Beteiligten […] oft nicht richtig intuitiv beziehungsweise zielführend handeln und es war zu erwarten, dass unerwartete Handlungsfolgen auftreten würden“ (S. 165).

Gerade der Versuch, die Software als kontextsensitiv (adaptiv) zu gestalten, führte zu Transparenzproblemen:

„Auch wenn in beiden Anwendungen grundsätzliche Bemühungen vorgenommen wurden, um die basale Funktionsweise des Adaptierungsmechanismus sichtbar zu machen, bleiben viele konkrete Details jedoch im Verborgenen (z. B. Auswahl von Lehrinhalten, getroffene Annahmen etc.)“ (S. 166)

Dies führte nach Moebert zu einem für Nutzer*innen „unerreichbare[n] Detailwissen […], das lediglich dem Konstruktionskonsortium“, sprich: den Entwickler*innen bekannt war (ebd.). Genau das ist das Problem, das bei der meist üblichen intransparenten Technik häufig der Fall ist: Wir verstehen sie nicht, wir können ihre Entscheidungen nicht nachvollzuziehen, gerade wenn die Technik Fehlverhalten zeigt:

„Als Folge haben es die Nutzenden zuweilen schwer, die Adaptierungen nachzuvollziehen. Dies trifft ganz besonders dann zu, wenn Kontexterfassung und/oder Adaptierung fehlerhaft funktionieren“ (ebd.).

Moeberts Untersuchung deckte noch einige weitere typische Problemfelder auf, die sich in anderen Untersuchungen andeuteten, aber bisher, soweit mir bekannt, zumindest nicht in dieser Stringenz empirisch untersucht wurden.

Der Autor bietet im Anschluss Orientierungspunkte für Entwickler*innen, unter anderem, um intransparentes Systemverhalten zu verbessern. Moebert empfiehlt, „zwar weiterhin die komplizierten internen Mechanismen [einer adaptiven Software] außen vor zu lassen, aber Nutzenden die Möglichkeit zu geben, adaptive Entscheidungen nachzuvollziehen“ (S. 173).

Das heißt konkret, man muss als Nutzer*in nicht im Detail die Algorithmen und Modelle offengelegt bekommen, nach denen eine Software sich an einen Kontext anpasst (und wir könnten verallgemeinern: nach denen eine Software Entscheidungen trifft und Ergebnisse ermittelt). Aber die Software kann all dies durchaus in Alltagssprache verdeutlichen, und zwar nicht versteckt in der Dokumentation, sondern an der Stelle während der Nutzung, an der ein entsprechender Hinweis auch relevant ist. In dem Zusammenhang dürfte auch Moeberts Empfehlung, „die Offenheit und Ungewissheit menschlicher Lebenserfahrungen“ (S. 169) stärker zu berücksichtigen, von Bedeutung sein.

Fazit: Nicht nur für Informatiker*innen

Die Stoßrichtung von Moeberts Untersuchung und seiner abgeleiteten Empfehlungen ist unbedingt zu unterstützen und sollte weiter ausgebaut werden. Dass ich Technik-Transparenz als gesellschaftliches Ideal ansehe, habe ich erst kürzlich wieder betont. Für das Feld der KI-Forschung kennen wir die Richtung der Explainable Artificial Intelligence. Doch auch nicht-KI-basierte Technik kann komplex sein und bedarf entsprechender transparenter Unterstützung für ihre Nutzer*innen. Dies ist etwas anderes als früher übliche Forschungen zu Usability (Benutzbarkeit) und User Experience (Benutzererfahrung). Es geht um Erklärbarkeit des Handelns mit Technik in einer Situation. Hier ist noch viel zu tun, und Moeberts Arbeit ist ein wichtiges Puzzlestück dazu.

Verwandte offene Fragen sind, welche Rolle „Trivialisierungsexperten“ wie Handbuch-Autor*innen, Technik-Journalist*innen, technikbezogene Influencer*innen, die Werbung oder der technische Kundendienst in dem Kontext spielen. All diese Instanzen können Transparenz entweder fördern oder aber Komplexität bloß verschleiern. Auch eine phänomenologische Perspektive auf die Wahrnehmung von Techniknutzung ist noch ein Desiderat.

Abschließend ein Hinweis. Wie erwähnt, handelt es sich um eine Dissertation und damit eine wissenschaftliche Qualifikationsarbeit im Fach Informatik; entsprechend formal ist der Stil. Doch davon sollte sich niemand, die*der am Thema interessiert ist, abschrecken lassen. Der Text ist durchgehend gut lesbar und technisch wird es vor allem bei der Beschreibung der Fallbeispiele. Für Nicht-Techniker*innen mögen diese Kapitel etwas ermüdend sein, aber sie sind nötig, weil sie der Hintergrund sind, vor dem sich die empirischen Ergebnisse der Inhaltsanalyse erst abheben, also verstehbar werden. Und einen letzten Vorteil hat das Format der Dissertation: Die Rohdaten der Interviews (Transkripte) sind vollständig im Anhang vorhanden und ermöglichen so einerseits den direkten Nachvollzug der Ergebnisse und andererseits laden sie geradezu zu weiteren Forschungen ein.


Titelbild: Gerd Altmann / Pixabay.com

Unsere Bücher

Über/Strom-Reihe

Band 1: Smiley. Herzchen. Hashtag. Zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter von Facebook, WhatsApp, Instagram @ Co.

Uta Buttkewitz, 2020, Sachbuch, Springer Fachmedien, Softcover 20,00 €, eBook 14,99 € (Band 1 der Reihe Über/Strom)

Lieber eine schnelle Sprachnachricht als ein persönlicher Anruf, ein Smiley statt eines Grußes – die Kommunikation verändert sich im digitalen Zeitalter. Kommunikation wird unverbindlich, aber gleichzeitig steigt der Kommunikationsdruck durch soziale Medien und Netzwerke. Wir stehen unter Druck, jederzeit schnell zu kommunizieren. In Ruhe einen Kaffee trinken, die Aussicht genießen? Geht nicht, jede WhatsApp muss umgehend beantwortet werden und die Likes unter dem Foto zählen mehr als der Genuss des Augenblicks. Viel zu kurz kommt bei all dem die zwischenmenschliche Kommunikation.

Dieses Buch zeigt, wie aktuelle Kommunikationsmedien wie WhatsApp, Facebook oder Instagram die zwischenmenschliche Kommunikation beeinflussen und wie diese Veränderungen unsere Beziehungen und unser gesellschaftliches Zusammenleben schleichend verändern. Die Verfügbarkeit einer Vielzahl von Medien stellt uns vor große Herausforderungen. Wenn Sie sich schon immer gefragt haben, warum das Kommunizieren im Privat- oder Berufsleben plötzlich schwieriger geworden ist, finden Sie in diesem Buch Antworten darauf. Sie lernen, wie Sie im digitalen Zeitalter bei sich bleiben und sich nicht von kurzfristigen Erregungszuständen der Medien aus dem Gleichgewicht bringen lassen. Treffen Sie bewusste Entscheidungen für Medien und ihre Nutzung und erobern Sie Ihre kommunikative Selbstbestimmung zurück!

Band 2: Let’s Play! Was wir aus Computerspielen über das Leben lernen können

Mario Donick, 2020, Sachbuch, Springer Fachmedien, Softcover 17,99 €, eBook 12,99 € (Band 2 der Reihe Über/Strom)

Computer- und Videospiele sind mittlerweile so vielfältig, dass sich aus ihnen viel lernen lässt: über unsere eigene Wahrnehmung, über unseren Umgang mit Erwartungen und Enttäuschungen, über Geduld und Ungeduld, über Vorurteile und Weltbilder, über menschliche Kommunikation und Kooperation und vieles mehr.

Das Buch ist ein Reiseführer durch die Welt der Spiele und richtet sich nicht nur an alle, die mit Computerspielen aufgewachsen sind, sondern auch an jene, die Spielen nach wie vor skeptisch gegenüberstehen.

Auf unseren Touren wird deutlich, wie vielfältig und anregend Computerspiele heute sind – dass sie nicht nur bloße Konsumprodukte einer viele Millionen Euro schweren Unterhaltungsindustrie sind, sondern buntes Zeugnis menschlicher Kreativität. Das Buch zeigt Ihnen, wie Spiele uns allen Möglichkeiten zur kreativen Entfaltung bieten – oft in einem viel weiteren Sinne, als Spiele-Entwicklerinnen und -Entwickler selbst vorhersehen können.

Band 3: Du bist, was Dich stresst! Tabula Rasa für chronisch Gestresste im digitalen Zeitalter

Kathrin Marter, 2021, Sachbuch, Springer Fachmedien, Softcover 22,99 €, eBook 16,99 € (Band 3 der Reihe Über/Strom)

Viele Menschen nutzen täglich die Vorteile des digitalen Zeitalters: wenn sie mal eben ihr Zugticket mit dem Smartphone buchen, sich von ebendiesem zum vereinbarten Treffpunkt navigieren lassen und dann per Textnachricht erfahren, dass die werten Kolleg*innen ein paar Minuten zu spät kommen, der Tisch im Restaurant online schon reserviert wurde und das „Tisch-Ticket“ per QR-Code gleich mitsenden. Viele Menschen erfahren sich bei aller Erleichterung zunehmend reizüberflutet, überfordert und in der Folge gestresst.

Der Begriff und Zustand „Stress“ (heutzutage im Sprachjargon als diffus definierter Normalzustand verankert und schon lange in der Mitte der Gesellschaft angekommen) ist allerdings tatsächlich ein Zustand, der vielfältigen Leidensdruck verursacht und krank macht.

Die Autorin unterstützt allgemeinverständlich, anschaulich sowie naturwissenschaftlich und psychologisch fundiert bei der Auseinandersetzung mit Stress, Stressoren und Prozessen der Langzeitgedächtnisbildung. Letztere sind nicht unwesentlich an unserem chronischen Stresslevel beteiligt. Langzeitgedächtnisse, die, häufig schon in der Kindheit geformt, starke negative Glaubenssätze beinhalten. Diese negativen Glaubenssätze erfahren durch die Herausforderungen der digitalen Welt permanente Verstärkung und begünstigen dadurch chronischen Stress – mit seinen für viele Menschen spürbaren Folgen.

Das Buch lädt ein, klärt auf und gibt fundierte, anschauliche und handlungsorientierte Ansätze zur Selbstreflexion und Entwicklung einer gesunden Handlungskompetenz gegenüber dem eigenen Stresslevel, folglich der eigenen Gesundheit und dem eigenen Glück.

Unsere anderen Bücher

Nutzerverhalten verstehen — Softwarenutzen optimieren: Kommunikationsanalyse bei der Softwareentwicklung

Mario Donick, 2020, Fachbuch, Softcover 37,99 €, eBook 29,99 €

Software muss nicht nur technische Definitionen, Standards und Normen erfüllen, sondern von ihren Benutzern auch entsprechend wahrgenommen werden. Nutzer und Käufer erwarten eine bestimmte Leistung, die zu den eigenen Zielen passen muss und es ist Aufgabe der Softwareentwickler, diese Leistung zu liefern.

Da es hierbei nie eine vollständige Passung geben kann, entsteht ein Kommunikationsproblem – ein Kommunikationsproblem zwischen Menschen, das noch zu selten ernstgenommen wird. Über bekannte Ansätze hinausgehend zeigt das Buch anhand vieler praxisnaher Beispiele ein Verfahren, mit dem Sie Kommunikationsprobleme während der Entwicklung von Software aufdecken und bearbeiten und mit dem Sie auch nach der Veröffentlichung Ihrer Software Möglichkeiten der Optimierung identifizieren können.

Zusätzliche Fragen per App: Laden Sie die Springer Nature Flashcards-App kostenlos herunter und nutzen Sie exklusives Zusatzmaterial, um an weiteren Beispielen zu üben und Ihr Wissen zu prüfen.


Das Problem der Simulation am Beispiel der Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull und der Tagebücher Thomas Manns

Uta Buttkewitz, 2005, Dissertation, im ETH Thomas-Mann-Archiv

Die Arbeit untersucht das Wechselspiel von Geheimhaltung und Offenbarung in den „Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull“ und in den „Tagebüchern“.

Thomas Manns Unterschrift (Bild: Wikipedia)

Der Verfasser der diaristischen Schriften bewegt sich ähnlich wie Felix Krull durch Täuschung als Souverän auf der Bühne des Tagebuchs – das ist die Hauptthese des Textes. Die Schreibweise im Stil eines Logbuchs schafft eine eigene literarische Physiognomie, die den Autor in den Hintergrund treten lässt.

Uta Buttkewitz ergründet die Frage, welche verschiedenen Simulationsstrategien sowohl im fiktionalen als auch im scheinbar autobiographischen Text die Verwirrung um Realität, Fiktion, Authentizität und Simulation auslösen.


Die Form des Virtuellen. Vom Leben zwischen zwei Welten

Mario Donick, 2016, Sachbuch, e-Book, telepolis/Heise, 6,49 €

Virtuelle Realität war schon einmal in den 1990er Jahren ein Hype. Es wurden erste Datenbrillen, -handschuhe und -anzüge entwickelt, man träumte vom Eintritt in immersive Welten und von Telepräsenz. Doch erste Versuche, massentaugliche Konzepte zu entwickeln, scheiterten. Erst jetzt, mehr als 20 Jahre später, scheint die Technik in Gang zu kommen, mit günstigen Brillen, neuer Sensortechnik, besseren Grafikchips, leistungsstarken Minidisplays von Smartphones und schnellen Datenverbindungen. Erstmal kann sich jeder von den ungewohnten Wahrnehmungsmöglichkeiten verführen, betören und irritieren lassen. Aber noch fehlt uns das philosophische und ästhetische Verständnis für den faszinierenden Eindruck, uns in einem virtuellen Raum befinden, obwohl wir in Wahrheit nur auf einen kleinen Bildschirm starren.

Der Kommunikationswissenschaftler Mario Donick hat nun erstmals einige der neuen VR-Welten ausgiebig erkundet. Auf empirisch-phänomenologische Weise hat er untersucht, wie das „Einsteigen“ in VR-Bilder die gewohnte Ordnung des Sehens aufbricht und Raum und Körper entkoppelt werden. Daraus entstanden ist eine spannende und konkrete Analyse, die mit Hilfe phänomenologischer Konzepte Grundlagen für eine angemessene Beschreibung der VR-Erlebnisse entwickelt.

Mario Donick hat u.a. stereoskopische 360°-Aufnahmen von Landschaften betrachtet, wohnte einer Tanzperformance mittendrin bei, konsumierte mit überraschenden Ergebnissen einen VR-Porno und streifte durch das verlassene Herrenhaus eines Horror-Computerspiels. Aus der detaillierten, medientheoretisch unterfütterten Beschreibung der Erlebnisse werden die neuartige Form der Präsenz und der oftmals diffuse Begriff der „Immersion“ in VR-Welten fassbar.


Die Unschuld der Maschinen. Technikvertrauen in einer smarten Welt

Mario Donick, 2019, Sachbuch, Springer Fachmedien, Softcover 24,99 €, eBook 19,99 €

Tablet. Smartphone. GPS. In unserer zunehmend smarten und digitalen Gesellschaft sind wir permanent gezwungen, Technik zu vertrauen – im Kleinen wie im Großen. Im Kleinen vertraut man darauf, dass Technik so einfach wie in der Werbung funktioniert: einschalten und fertig. Im Großen muss man darauf bauen, dass Technik nur das tut, was sie soll. Doch je smarter Technik heute wird, desto undurchschaubarer ist ihre Funktionsweise. Deshalb beschäftigt sich Mario Donick in seinem Buch mit der Frage, was es mit dem Technikvertrauen der Menschen auf sich hat. Der Fokus seines Buches liegt auf den folgenden Aspekten:

  • Wie können Menschen Technik (und den abwesenden Menschen dahinter) vertrauen?
  • Wie gehen Menschen damit um, wenn ihr Vertrauen gefährdet ist?
  • Was müssen Menschen tun, um in einer immer „smarteren“ Welt handlungsfähig zu bleiben?

Das alles sind Fragestellungen, die aus Donicks Sicht immer wichtiger werden – insbesondere mit Blick auf die Mensch-Maschine-Kommunikation, die im Alltag an Komplexität gewinnt.

In fünf Kapiteln bringt Ihnen Mario Donicks Buch das Thema Technikvertrauen aus verschiedenen Blickwinkeln näher:

  • Das erste Kapitel untersucht, was Technik überhaupt ist und welche Rolle Vertrauen sowie Wissen in diesem Zusammenhang spielen.
  • Im zweiten Kapitel steht die Human-Computer-Interaction im Fokus: Welche Bedürfnisse muss Technik erfüllen und wie gehen Menschen hier mit Enttäuschungen um?
  • Der Aufbau von Computern sowie ihre Programmierung sind das zentrale Thema des dritten Kapitels.
  • Im vierten Kapitel untersucht Donick die Rolle des IT-Service als Problemlöser in der Technik-Mensch-Beziehung.
  • Abschließend blickt der Autor im fünften Kapitel in die Zukunft und erörtert neue Techniktrends.

Damit liefert Ihnen dieses Buch wertvolle theoretische und praktische Impulse zum Thema Technikvertrauen. Anhand praktischer Fallbeispiele lernen Sie, wie Sie „smarte“ Technik verstehen können. Zudem erfahren Sie, wie Sie erfolgreich mit dem technischen Kundendienst kommunizieren. Ideal für Menschen, die im Alltag auf Technik angewiesen sind und deren Funktionsweise besser verstehen wollen. 


Head Canon

Mario Donick, 2017-2018, Essay-Reihe, telepolis

„Head Canon“ ist eine Reihe zusammenhängender Artikel über den Umgang mit Massenmedien in unserer Zeit und deren Wirkung auf Rezipienten. Sie erschien von Herbst 2017 bis Sommer 2018 bei Telepolis im Heise-Verlag.

Die einzelnen Teile bauen wie die Kapitel eines Buches aufeinander auf:

  1. Der Kanon im Kopf. Medien im epikritischen Zeitalter (05.11.2017)
  2. „Sie haben uns angelogen“: Kanon und Head Canon in „Star Trek: Discovery“ und „The Elder Scrolls“ (26.11.2017)
  3. Konflikt und Krisis: Partizipativer Umgang mit Massenmedien (11.02.2018)
  4. New York Times lesen in Magdeburg: Leib, Stadt und Medien (04.03.2018)
  5. Das dynamische Lokale (02.09.2018)
  6. Konstruktion, Reflexionsgeschichte, Freiraum (09.09.2018)

„Offensichtlich weigert sich Facebook, mir darauf eine Antwort zu geben“ – Strukturelle Analysen und sinnfunktionale Interpretationen zu Unsicherheit und Ordnung der Computernutzung

Mario Donick, 2016, Dissertation, Kovac, 99,80 € (schreiben Sie mir eine Mail an mdinmd (at) web (punkt) de für ein kostenloses Exemplar; so lange der Vorrat reicht)

Die Verwendung von Computern erzeugt vielfach Unsicherheit. Dennoch entsteht in den meisten Fällen trotz Nutzungsproblemen letztlich eine Ordnung erfolgreich scheinender „Computernutzung“. Der Autor untersucht dieses Phänomen empirisch an Fallbeispielen.

Die Ergebnisse der Untersuchungen deuten auf ein komplexes Geflecht des Umgangs mit Unsicherheit hin: Wenn Pläne und Vorstellungen von Entwicklern und Nutzern kollidieren, dann ist Software zwar durchaus Medium, aber keineswegs immer Schnittstelle zur Unterstützung der Nutzerziele.

An den Fallbeispielen wird gezeigt, wie Nutzer mit dieser Schwierigkeit umgehen.