Ultraleicht auf dem Mars: Am ersten Flug von Ingenuity ist vor allem die Konstruktion des Medienereignisses bedeutsam

Gestern flog das erste Mal ein propellergetriebenes Fluggerät auf einem anderen Planeten. Über dem Jezero-Krater auf dem Mars stieg der einer kleinen Drohne ähnliche Helikopter Ingenuity ca. drei Meter in die Höhe. Da blieb er ca. 30 Sekunden, vollführte eine Drehung und landete dann wieder. Eine offenbar perfekte Demonstration technischer Planung und robuster Konstruktion — aber auch ein Beispiel dafür, wie durch einfache Mittel, nämlich Sprache, Definitionen und Requisiten, ein Medienereignis erzeugt wird.

Der Mars-Rover Perseverance hat den Erstflug von Ingenuity gefilmt:

NASA-Video des ersten propellergestützten Fluges auf dem Mars

Das Fluggerät selbst hat mit einer Kamera seinen eigenen Schatten fotografiert, wenn auch zunächst nur in Schwarz-Weiß:

Schatten von Ingenuity auf dem Mars (Bild: Wikipedia)

Außer der Kamera hat die Drohne keine wissenschaftlichen Instrumente an Bord und dürfte daher für sich gesehen kaum wissenschaftlichen Mehrwert bringen — außer eben zu zeigen, dass zumindest sehr leichte Objekte auf dem Mars mit konventionellen Antrieben fliegen können, was irgendwann in der Zukunft mal für die Landschaftserkundung und ggf. den Transport leichter Frachten relevant werden könnte. Da man die Flugfähigkeit schon theoretisch sowie in Simulationen absehen konnte, kann man sicher streiten, ob die 85 Mio. US-Dollar, die Bau und Betrieb von Ingenuity kosten, gerechtfertigt sind. Die gesamte Perseverance-Mission, von der Ingenuity ein kleiner Teil ist, kostet allerdings ca. 2,7 Milliarden US-Dollar.

Ingenuity und die Konstruktion eines Medienereignisses

Wenn man mal von grundsätzlicher Raumfahrtkritik absieht (nach dem Motto „Das Geld wäre auf der Erde besser verwendet“), und abgesehen vom Respekt für die technische Leistung (dass es eben funktioniert hat, trotz der langen eisigen Reise durch das All und der großen Entfernung), ist das Experiment vor allem kulturgeschichtlich und als Medienereignis faszinierend. Nicht ohne Grund heißt der ‚Flugplatz‘ jetzt Wright Brothers Field, nach Orville und Wilbur Wright, die (zumindest nach US-Lesart) 1903 den ersten Motorflug durchführten.

Die internationale Luftfahrtbehörde ICAO (International Civil Aviation Organization) hat dem Platz das offizielle Kürzel JZRO zugewiesen — ganz wie einem echten Flughafen auf der Erde. Der mittlerweile geschlossene Flughafen Berlin-Tegel „Otto Lilienthal“ trug beispielsweise das Kürzel EDDT, während der berüchtigte Flughafen Berlin Brandenburg von Schönefeld das Kürzel EDDB geerbt hat.

In einem Tweet konnte die NASA damit den Test als echten Flug inszenieren, zwar mit einer gewissen gebotenen Selbstironie, aber sicher nicht ohne Stolz:

„Wie jeder gute Pilot haben wir den Flug ins Flugbuch eingetragen, und dank der ICAO haben wir sogar Bezeichner für den Erstflug des Mars-Helikopters (IGY-1), ein Rufzeichen (INGENUITY) und unsere Buschpiste im Jezero-Krater auf dem Mars (JZRO).“

Screenshot des Tweets der NASA über die ICAO-Bezeichnungen für Fluggerät und Flugplatz; wie häufig in den letzten Jahren hat die NASA auch wieder ein fiktives Flugticket erstellt.

Das Fluggerät selbst hat nun die offizielle ICAO-Bezeichnung IGY — so wie Luftfahrzeuge auf der Erde ebenfalls ICAO-Abkürzungen haben. Und natürlich hat die NASA in einer Pressekonferenz auch ein Flugbuch präsentiert, passend zum Mars mit rotem Einband:

Flugbuch von Ingenuity (Bild: Screenshot aus dem Video vom Tweet der NASA-Pressekonferenz)

Was für sich genommen also ein kleiner Hüpfer war, der vor allem als Experiment einiger Techniker*innen und Wissenschaftler*innen relevant ist, soll durch seine historische, mediale und institutionelle Einbettung an Bedeutung gewinnen. Die Namen (Wright Brothers Field), Rufzeichen (INGENUITY), Abkürzungen (IGY und JZRO) und Requisiten (das Flugbuch) rufen aktuelle und historische Luftfahrt-Kontexte auf, mit denen der Flug von Ingenuity erst als Medienereignis konstruiert wird. Die Einbindung der zur UN gehörenden ICAO stellt sicher, dass dieses Ereignis nicht nur auf die USA beschränkt bleibt, sondern internationalen Anspruch erhebt.

Auch wenn das vor allem Marketing ist — per definitionem ist auf dem Mars jetzt ein Flugplatz, auch wenn weder Ort noch Fluggerät dem entsprechen, was wir im Alltag unter Flugplatz oder Helikopter verstehen würden. Ungeachtet solcher Feinheiten soll am Ende im Gedächtnis bleiben, dass am 19.04.2021 der erste Motorflug der Menschheit auf einem fremden Planeten durchgeführt wurde, in der Tradition der Luftfahrtpioniere Gebrüder Wright — „NASA scores Wright Brothers moment with first helicopter flight on Mars“, titelt die Nachrichtenagentur Reuters in ihrer Berichterstattung. Die dafür von NASA und ICAO genutzten kommunikativ wirksamen Elemente sind am Ende fast faszinierender als der Flug an sich.

Den mein Nerd-Herz trotz allem ziemlich cool findet.


(Titelbild: NASA / Public Domain)

Aushalten durch Offenhalten. Zum Umgang mit dem medialen Nachrichtenfeuerwerk

„Ein Mann mit nacktem Oberkörper, riesiger Fellmütze und Hörnern stieg auf das Podest des Senats, sah in den Saal und spannte seine Muskeln als Geste des Triumphs.“ In dieser nüchternern Berichtsform fasst der Politikwissenschaftler Yascha Mounk bei Zeit Online eine der Szenen der Ereignisse im US-Kapitol zusammen und damit auch den Zustand vieler Staaten (Demokratien und andere) weltweit, die von machtorientierten Machotypen regiert werden. Das unfreiwillig lächerliche Bild des behörnten Trump-Supporters (der, wie ein anderer Artikel bei Spiegel Online erklärt, als QAnon-Schamane bekannt ist) und die ebenso komische sprachliche Nähe von Trump und Triumph werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben, zumindest bis es zur nächsten Eskalationsstufe des „surrealste[n] Aufstand[s] seit Woody Allens Bananas“ (Mounk) kommt.

Mounk leitet den Artikel mit einem Verweis auf das aristotelische Drama ein, dessen Ende „überraschend und zugleich unausweichlich“ sein sollte und urteilt, dass „die vier Jahre, die Donald Trump Präsident der USA war, gerade zu einem angemessenen Schluss gekommen“ seien. Da bin ich mir nicht so sicher, immerhin hat Trump bereits angekündigt, dass sein Kampf gerade erst begonnen habe, und seine engsten Anhänger werden sicher nicht einfach aufgeben, nur weil eine Formalie nun Joe Biden offiziell zum Wahlsieger erklärt hat. Nein, ich denke, der Vergleich zu einer endlosen Streamingserie ist angemessener, und die nächste Staffel kommt bestimmt, denn die Einschaltquoten sind gut.

Unbearbeitbare Ungewissheiten

Jeder der Krisenkomplexe Trump, Corona, Brexit, Klima, usw. wird medial sowohl als äußerst dringlich markiert, als auch als zu komplex für schnelle Lösungen. Der Wunsch, auf alles vorbereitet zu sein, sodass eine komplexe Krise in abschließend bearbeitbare Teilprobleme zerlegbar ist, ist zwar verständlich, aber illusorisch. „Es kann doch nicht sein!“ riefen einem seit Trumps Wahlsieg 2016 die Medien immer wieder entgegen, ungläubiges Staunen, bis zum vorläufigen Höhepunkt. „Es kann doch nicht sein“, dachte man während des Brexit-Prozesses, von dem immerhin John Bercows „Order!“-Rufe in Erinnerung bleiben — der Ordnungsruf, der zur Ruhe im Parlament mahnte, kann rückblickend auch als Ausdruck der Sehnsucht nach dem Ende des Wahnsinns gelesen werden. Und wieder „es kann doch nicht sein“, dass Corona-Maßnahme XYZ immer noch nicht durchgesetzt ist, dass zu wenig Impfstoff bestellt wurde, dass immer noch Lüften statt Luftfilter das Mittel der Wahl für Präsenzunterricht ist, dass der Weg zum Arbeitsplatz nicht von Beschränkungen betroffen ist, dass Home Office immer noch nur eine Empfehlung und keine verbindliche Richtlinie ist, usw. Kommentare von Leser*innen unter entsprechenden Kommentaren echoen die ausgedrückte Ungläubigkeit, Verzweiflung und Wut, und verstärken den medialen Stress nur noch.

Das eine große Stichwort, unter dem sich der medienbedingte Stress in aktuellen soziologischen Perspektiven fassen lässt, ist unbearbeitbare Ungewissheit. Normalerweise verlassen wir uns auf gesellschaftliche Funktionssysteme, Ungewissheiten zu klären. Die gerade relevante Krise wird als zu lösendes Problem definiert, und je nach Problem trauen wir dem einen oder anderen System zu, es zu bearbeiten. Wir erwarten uns Antworten und Lösungen, die, wenn schon nicht schnell, dann doch verlässlich sein sollten und entsprechend kommuniziert. Eine Weile kann man Ungewissheit gut aushalten, aber was, wenn sie über Monate oder Jahre anhält?

Resilienz und Umgang mit Stress

In der Psychologie spricht man von Widerstandsfähigkeit oder Resilienz. In dem Zusammenhang unterscheidet man problemorientierte und emotionsorientierte Strategien zum Umgang mit Stress. Erstere widmen sich dem stressauslösenden Element (dem Stressor); letztere dienen dazu, dass man sich besser fühlt, ohne den Stressor selbst verändern zu können. Welche Strategie sinnvoll ist, hängt auch davon ab, ob der Stressor kontrollierbar ist oder nicht. Beispiel individueller Corona-Stress: Abstandhalten, Maske tragen oder jetzt die Impfung können Verbreitung oder Wirkung des Virus eindämmen und gehören zu den problemorientierten Strategien. Der eskapistische Gebrauch von Filmen oder Computerspielen zur Ablenkung wäre dagegen eine emotionsorientierte Strategie; ebenso der Versuch, die eigene Einstellung zu dem Stressor zu ändern.

Der Stress, der durch die unklaren, sich teils widersprechenden politischen und medialen Lagen ausgelöst wird, kann ebenfalls problem- oder emotionsorientiert bearbeitet werden. „Einfach abschalten“ ist dabei die einfachste problemorientierte Strategie: nur noch sporadisch Nachrichten schauen oder lesen, oder gar nicht mehr. Mit dieser Flucht vor dem Stressor lebt es sich erstmal leichter. Auch massive Medien- bzw. Politikkritik oder eine Abwertung der Systeme Massenmedien und Politik können so eine Funktion erfüllen.

Doch auf Dauer entlastend ist beides nicht. Abschalten funktioniert dann nicht mehr, wenn sich zeigt, dass hinter den Medienberichten doch echte Ereignisse stehen, die auch ohne Medienkonsum passieren. Spätestens, wenn der erste schwere Coronafall im eigenen sozialen Umfeld auftaucht, ist man betroffen, auch wenn man sich durch Ignorieren der Medien in eine heile Welt geträumt hat. Ähnlich die abwertende Kritik an Medien und Politik: Die funktioniert nicht mehr, wenn man irgendwann doch versteht, dass die von diesen Funktionssystemen bearbeiteten Ungewissheiten einfach nicht verlässlich in Gewissheiten verwandelt werden können — nicht, weil die Leute alle unfähig oder korrupt oder „Lügenpresse“ wären, sondern weil es einfach Probleme ohne allgemeingültige oder dauerhafte Lösung gibt.

Situative Offenheit

Jede Lösung gesamtgesellschaftlicher Probleme ist heute ein Kompromiss, denn jede Lösung beruht auf unvollständigen Informationen und muss immer wieder an neue Situationen angepasst werden. In der ethnomethodologischen Forschung (wo seit Ende der 1960er Jahre der subjektive Umgang mit Plänen zur Problemlösung beobachtet wird) sowie in der soziologischen Systemtheorie (in der es nicht um Erklärungen im kausalen Sinne geht, sondern um Funktionsäquivalente zum Beobachteten) hat man diese Erkenntnis schon lange — jetzt kommt sie langsam im Alltag an, wenn etwa heute ein Beschluss gefasst wird, der morgen schon wieder anders ausgelegt wird, oder wenn in derselben Zeitung zwei sich widersprechende Einschätzungen stehen, die beide Absolutheit beanspruchen. Aber noch wehrt man sich mit Händen und Füßen gegen das, was negativ interpretiert vielleicht als nur noch mehr Ungewissheit verbreitender Relativismus erscheint.

Doch statt sich darüber in Ärger zu versteifen, lohnt es sich, das ewige „Es kann doch nicht sein!“ mit all der Verzweiflung und Wut dahinter zu ersetzen durch ein positiv gedachtes, Luhmann’sches „Es kann auch immer anders sein!“ Es geht um das sich-Offenhalten für Alternativen, um auch in schnell veränderlichen Situationen handlungs- bzw. anpassungsfähig zu bleiben. Bewährte Methoden der Stressbewältigung (die z.B. Kathrin Marter vor einigen Monaten in ihrem Artikel zum persönlichen Corona-Management erläutert hat) helfen dabei, diese Offenheit aufrechtzuerhalten.

(Titelbild: Andrys Stienstra / Pixabay)

Bernhard Pörksen über Medien und Corona

Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen hat auf Zeit online einen sehr lesenswerten Essay über die Medien unserer Zeit und das Coronavirus geschrieben. Hier der Link:

https://www.zeit.de/kultur/2020-03/coronavirus-medien-internet-vernetzung-information-panik/komplettansicht

Unsere Bücher

Über/Strom-Reihe

Band 1: Smiley. Herzchen. Hashtag. Zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter von Facebook, WhatsApp, Instagram @ Co.

Uta Buttkewitz, 2020, Sachbuch, Springer Fachmedien, Softcover 20,00 €, eBook 14,99 € (Band 1 der Reihe Über/Strom)

Lieber eine schnelle Sprachnachricht als ein persönlicher Anruf, ein Smiley statt eines Grußes – die Kommunikation verändert sich im digitalen Zeitalter. Kommunikation wird unverbindlich, aber gleichzeitig steigt der Kommunikationsdruck durch soziale Medien und Netzwerke. Wir stehen unter Druck, jederzeit schnell zu kommunizieren. In Ruhe einen Kaffee trinken, die Aussicht genießen? Geht nicht, jede WhatsApp muss umgehend beantwortet werden und die Likes unter dem Foto zählen mehr als der Genuss des Augenblicks. Viel zu kurz kommt bei all dem die zwischenmenschliche Kommunikation.

Dieses Buch zeigt, wie aktuelle Kommunikationsmedien wie WhatsApp, Facebook oder Instagram die zwischenmenschliche Kommunikation beeinflussen und wie diese Veränderungen unsere Beziehungen und unser gesellschaftliches Zusammenleben schleichend verändern. Die Verfügbarkeit einer Vielzahl von Medien stellt uns vor große Herausforderungen. Wenn Sie sich schon immer gefragt haben, warum das Kommunizieren im Privat- oder Berufsleben plötzlich schwieriger geworden ist, finden Sie in diesem Buch Antworten darauf. Sie lernen, wie Sie im digitalen Zeitalter bei sich bleiben und sich nicht von kurzfristigen Erregungszuständen der Medien aus dem Gleichgewicht bringen lassen. Treffen Sie bewusste Entscheidungen für Medien und ihre Nutzung und erobern Sie Ihre kommunikative Selbstbestimmung zurück!

Band 2: Let’s Play! Was wir aus Computerspielen über das Leben lernen können

Mario Donick, 2020, Sachbuch, Springer Fachmedien, Softcover 17,99 €, eBook 12,99 € (Band 2 der Reihe Über/Strom)

Computer- und Videospiele sind mittlerweile so vielfältig, dass sich aus ihnen viel lernen lässt: über unsere eigene Wahrnehmung, über unseren Umgang mit Erwartungen und Enttäuschungen, über Geduld und Ungeduld, über Vorurteile und Weltbilder, über menschliche Kommunikation und Kooperation und vieles mehr.

Das Buch ist ein Reiseführer durch die Welt der Spiele und richtet sich nicht nur an alle, die mit Computerspielen aufgewachsen sind, sondern auch an jene, die Spielen nach wie vor skeptisch gegenüberstehen.

Auf unseren Touren wird deutlich, wie vielfältig und anregend Computerspiele heute sind – dass sie nicht nur bloße Konsumprodukte einer viele Millionen Euro schweren Unterhaltungsindustrie sind, sondern buntes Zeugnis menschlicher Kreativität. Das Buch zeigt Ihnen, wie Spiele uns allen Möglichkeiten zur kreativen Entfaltung bieten – oft in einem viel weiteren Sinne, als Spiele-Entwicklerinnen und -Entwickler selbst vorhersehen können.

Band 3: Du bist, was Dich stresst! Tabula Rasa für chronisch Gestresste im digitalen Zeitalter

Kathrin Marter, 2021, Sachbuch, Springer Fachmedien, Softcover 22,99 €, eBook 16,99 € (Band 3 der Reihe Über/Strom)

Viele Menschen nutzen täglich die Vorteile des digitalen Zeitalters: wenn sie mal eben ihr Zugticket mit dem Smartphone buchen, sich von ebendiesem zum vereinbarten Treffpunkt navigieren lassen und dann per Textnachricht erfahren, dass die werten Kolleg*innen ein paar Minuten zu spät kommen, der Tisch im Restaurant online schon reserviert wurde und das „Tisch-Ticket“ per QR-Code gleich mitsenden. Viele Menschen erfahren sich bei aller Erleichterung zunehmend reizüberflutet, überfordert und in der Folge gestresst.

Der Begriff und Zustand „Stress“ (heutzutage im Sprachjargon als diffus definierter Normalzustand verankert und schon lange in der Mitte der Gesellschaft angekommen) ist allerdings tatsächlich ein Zustand, der vielfältigen Leidensdruck verursacht und krank macht.

Die Autorin unterstützt allgemeinverständlich, anschaulich sowie naturwissenschaftlich und psychologisch fundiert bei der Auseinandersetzung mit Stress, Stressoren und Prozessen der Langzeitgedächtnisbildung. Letztere sind nicht unwesentlich an unserem chronischen Stresslevel beteiligt. Langzeitgedächtnisse, die, häufig schon in der Kindheit geformt, starke negative Glaubenssätze beinhalten. Diese negativen Glaubenssätze erfahren durch die Herausforderungen der digitalen Welt permanente Verstärkung und begünstigen dadurch chronischen Stress – mit seinen für viele Menschen spürbaren Folgen.

Das Buch lädt ein, klärt auf und gibt fundierte, anschauliche und handlungsorientierte Ansätze zur Selbstreflexion und Entwicklung einer gesunden Handlungskompetenz gegenüber dem eigenen Stresslevel, folglich der eigenen Gesundheit und dem eigenen Glück.

Unsere anderen Bücher

Nutzerverhalten verstehen — Softwarenutzen optimieren: Kommunikationsanalyse bei der Softwareentwicklung

Mario Donick, 2020, Fachbuch, Softcover 37,99 €, eBook 29,99 €

Software muss nicht nur technische Definitionen, Standards und Normen erfüllen, sondern von ihren Benutzern auch entsprechend wahrgenommen werden. Nutzer und Käufer erwarten eine bestimmte Leistung, die zu den eigenen Zielen passen muss und es ist Aufgabe der Softwareentwickler, diese Leistung zu liefern.

Da es hierbei nie eine vollständige Passung geben kann, entsteht ein Kommunikationsproblem – ein Kommunikationsproblem zwischen Menschen, das noch zu selten ernstgenommen wird. Über bekannte Ansätze hinausgehend zeigt das Buch anhand vieler praxisnaher Beispiele ein Verfahren, mit dem Sie Kommunikationsprobleme während der Entwicklung von Software aufdecken und bearbeiten und mit dem Sie auch nach der Veröffentlichung Ihrer Software Möglichkeiten der Optimierung identifizieren können.

Zusätzliche Fragen per App: Laden Sie die Springer Nature Flashcards-App kostenlos herunter und nutzen Sie exklusives Zusatzmaterial, um an weiteren Beispielen zu üben und Ihr Wissen zu prüfen.


Das Problem der Simulation am Beispiel der Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull und der Tagebücher Thomas Manns

Uta Buttkewitz, 2005, Dissertation, im ETH Thomas-Mann-Archiv

Die Arbeit untersucht das Wechselspiel von Geheimhaltung und Offenbarung in den „Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull“ und in den „Tagebüchern“.

Thomas Manns Unterschrift (Bild: Wikipedia)

Der Verfasser der diaristischen Schriften bewegt sich ähnlich wie Felix Krull durch Täuschung als Souverän auf der Bühne des Tagebuchs – das ist die Hauptthese des Textes. Die Schreibweise im Stil eines Logbuchs schafft eine eigene literarische Physiognomie, die den Autor in den Hintergrund treten lässt.

Uta Buttkewitz ergründet die Frage, welche verschiedenen Simulationsstrategien sowohl im fiktionalen als auch im scheinbar autobiographischen Text die Verwirrung um Realität, Fiktion, Authentizität und Simulation auslösen.


Die Form des Virtuellen. Vom Leben zwischen zwei Welten

Mario Donick, 2016, Sachbuch, e-Book, telepolis/Heise, 6,49 €

Virtuelle Realität war schon einmal in den 1990er Jahren ein Hype. Es wurden erste Datenbrillen, -handschuhe und -anzüge entwickelt, man träumte vom Eintritt in immersive Welten und von Telepräsenz. Doch erste Versuche, massentaugliche Konzepte zu entwickeln, scheiterten. Erst jetzt, mehr als 20 Jahre später, scheint die Technik in Gang zu kommen, mit günstigen Brillen, neuer Sensortechnik, besseren Grafikchips, leistungsstarken Minidisplays von Smartphones und schnellen Datenverbindungen. Erstmal kann sich jeder von den ungewohnten Wahrnehmungsmöglichkeiten verführen, betören und irritieren lassen. Aber noch fehlt uns das philosophische und ästhetische Verständnis für den faszinierenden Eindruck, uns in einem virtuellen Raum befinden, obwohl wir in Wahrheit nur auf einen kleinen Bildschirm starren.

Der Kommunikationswissenschaftler Mario Donick hat nun erstmals einige der neuen VR-Welten ausgiebig erkundet. Auf empirisch-phänomenologische Weise hat er untersucht, wie das „Einsteigen“ in VR-Bilder die gewohnte Ordnung des Sehens aufbricht und Raum und Körper entkoppelt werden. Daraus entstanden ist eine spannende und konkrete Analyse, die mit Hilfe phänomenologischer Konzepte Grundlagen für eine angemessene Beschreibung der VR-Erlebnisse entwickelt.

Mario Donick hat u.a. stereoskopische 360°-Aufnahmen von Landschaften betrachtet, wohnte einer Tanzperformance mittendrin bei, konsumierte mit überraschenden Ergebnissen einen VR-Porno und streifte durch das verlassene Herrenhaus eines Horror-Computerspiels. Aus der detaillierten, medientheoretisch unterfütterten Beschreibung der Erlebnisse werden die neuartige Form der Präsenz und der oftmals diffuse Begriff der „Immersion“ in VR-Welten fassbar.


Die Unschuld der Maschinen. Technikvertrauen in einer smarten Welt

Mario Donick, 2019, Sachbuch, Springer Fachmedien, Softcover 24,99 €, eBook 19,99 €

Tablet. Smartphone. GPS. In unserer zunehmend smarten und digitalen Gesellschaft sind wir permanent gezwungen, Technik zu vertrauen – im Kleinen wie im Großen. Im Kleinen vertraut man darauf, dass Technik so einfach wie in der Werbung funktioniert: einschalten und fertig. Im Großen muss man darauf bauen, dass Technik nur das tut, was sie soll. Doch je smarter Technik heute wird, desto undurchschaubarer ist ihre Funktionsweise. Deshalb beschäftigt sich Mario Donick in seinem Buch mit der Frage, was es mit dem Technikvertrauen der Menschen auf sich hat. Der Fokus seines Buches liegt auf den folgenden Aspekten:

  • Wie können Menschen Technik (und den abwesenden Menschen dahinter) vertrauen?
  • Wie gehen Menschen damit um, wenn ihr Vertrauen gefährdet ist?
  • Was müssen Menschen tun, um in einer immer „smarteren“ Welt handlungsfähig zu bleiben?

Das alles sind Fragestellungen, die aus Donicks Sicht immer wichtiger werden – insbesondere mit Blick auf die Mensch-Maschine-Kommunikation, die im Alltag an Komplexität gewinnt.

In fünf Kapiteln bringt Ihnen Mario Donicks Buch das Thema Technikvertrauen aus verschiedenen Blickwinkeln näher:

  • Das erste Kapitel untersucht, was Technik überhaupt ist und welche Rolle Vertrauen sowie Wissen in diesem Zusammenhang spielen.
  • Im zweiten Kapitel steht die Human-Computer-Interaction im Fokus: Welche Bedürfnisse muss Technik erfüllen und wie gehen Menschen hier mit Enttäuschungen um?
  • Der Aufbau von Computern sowie ihre Programmierung sind das zentrale Thema des dritten Kapitels.
  • Im vierten Kapitel untersucht Donick die Rolle des IT-Service als Problemlöser in der Technik-Mensch-Beziehung.
  • Abschließend blickt der Autor im fünften Kapitel in die Zukunft und erörtert neue Techniktrends.

Damit liefert Ihnen dieses Buch wertvolle theoretische und praktische Impulse zum Thema Technikvertrauen. Anhand praktischer Fallbeispiele lernen Sie, wie Sie „smarte“ Technik verstehen können. Zudem erfahren Sie, wie Sie erfolgreich mit dem technischen Kundendienst kommunizieren. Ideal für Menschen, die im Alltag auf Technik angewiesen sind und deren Funktionsweise besser verstehen wollen. 


Head Canon

Mario Donick, 2017-2018, Essay-Reihe, telepolis

„Head Canon“ ist eine Reihe zusammenhängender Artikel über den Umgang mit Massenmedien in unserer Zeit und deren Wirkung auf Rezipienten. Sie erschien von Herbst 2017 bis Sommer 2018 bei Telepolis im Heise-Verlag.

Die einzelnen Teile bauen wie die Kapitel eines Buches aufeinander auf:

  1. Der Kanon im Kopf. Medien im epikritischen Zeitalter (05.11.2017)
  2. „Sie haben uns angelogen“: Kanon und Head Canon in „Star Trek: Discovery“ und „The Elder Scrolls“ (26.11.2017)
  3. Konflikt und Krisis: Partizipativer Umgang mit Massenmedien (11.02.2018)
  4. New York Times lesen in Magdeburg: Leib, Stadt und Medien (04.03.2018)
  5. Das dynamische Lokale (02.09.2018)
  6. Konstruktion, Reflexionsgeschichte, Freiraum (09.09.2018)

„Offensichtlich weigert sich Facebook, mir darauf eine Antwort zu geben“ – Strukturelle Analysen und sinnfunktionale Interpretationen zu Unsicherheit und Ordnung der Computernutzung

Mario Donick, 2016, Dissertation, Kovac, 99,80 € (schreiben Sie mir eine Mail an mdinmd (at) web (punkt) de für ein kostenloses Exemplar; so lange der Vorrat reicht)

Die Verwendung von Computern erzeugt vielfach Unsicherheit. Dennoch entsteht in den meisten Fällen trotz Nutzungsproblemen letztlich eine Ordnung erfolgreich scheinender „Computernutzung“. Der Autor untersucht dieses Phänomen empirisch an Fallbeispielen.

Die Ergebnisse der Untersuchungen deuten auf ein komplexes Geflecht des Umgangs mit Unsicherheit hin: Wenn Pläne und Vorstellungen von Entwicklern und Nutzern kollidieren, dann ist Software zwar durchaus Medium, aber keineswegs immer Schnittstelle zur Unterstützung der Nutzerziele.

An den Fallbeispielen wird gezeigt, wie Nutzer mit dieser Schwierigkeit umgehen.