Unsere Bücher

Über/Strom-Reihe

Band 1: Smiley. Herzchen. Hashtag. Zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter von Facebook, WhatsApp, Instagram @ Co.

Uta Buttkewitz, 2020, Sachbuch, Springer Fachmedien, Softcover 20,00 €, eBook 14,99 € (Band 1 der Reihe Über/Strom)

Lieber eine schnelle Sprachnachricht als ein persönlicher Anruf, ein Smiley statt eines Grußes – die Kommunikation verändert sich im digitalen Zeitalter. Kommunikation wird unverbindlich, aber gleichzeitig steigt der Kommunikationsdruck durch soziale Medien und Netzwerke. Wir stehen unter Druck, jederzeit schnell zu kommunizieren. In Ruhe einen Kaffee trinken, die Aussicht genießen? Geht nicht, jede WhatsApp muss umgehend beantwortet werden und die Likes unter dem Foto zählen mehr als der Genuss des Augenblicks. Viel zu kurz kommt bei all dem die zwischenmenschliche Kommunikation.

Dieses Buch zeigt, wie aktuelle Kommunikationsmedien wie WhatsApp, Facebook oder Instagram die zwischenmenschliche Kommunikation beeinflussen und wie diese Veränderungen unsere Beziehungen und unser gesellschaftliches Zusammenleben schleichend verändern. Die Verfügbarkeit einer Vielzahl von Medien stellt uns vor große Herausforderungen. Wenn Sie sich schon immer gefragt haben, warum das Kommunizieren im Privat- oder Berufsleben plötzlich schwieriger geworden ist, finden Sie in diesem Buch Antworten darauf. Sie lernen, wie Sie im digitalen Zeitalter bei sich bleiben und sich nicht von kurzfristigen Erregungszuständen der Medien aus dem Gleichgewicht bringen lassen. Treffen Sie bewusste Entscheidungen für Medien und ihre Nutzung und erobern Sie Ihre kommunikative Selbstbestimmung zurück!

Band 2: Let’s Play! Was wir aus Computerspielen über das Leben lernen können

Mario Donick, 2020, Sachbuch, Springer Fachmedien, Softcover 17,99 €, eBook 12,99 € (Band 2 der Reihe Über/Strom)

Computer- und Videospiele sind mittlerweile so vielfältig, dass sich aus ihnen viel lernen lässt: über unsere eigene Wahrnehmung, über unseren Umgang mit Erwartungen und Enttäuschungen, über Geduld und Ungeduld, über Vorurteile und Weltbilder, über menschliche Kommunikation und Kooperation und vieles mehr.

Das Buch ist ein Reiseführer durch die Welt der Spiele und richtet sich nicht nur an alle, die mit Computerspielen aufgewachsen sind, sondern auch an jene, die Spielen nach wie vor skeptisch gegenüberstehen.

Auf unseren Touren wird deutlich, wie vielfältig und anregend Computerspiele heute sind – dass sie nicht nur bloße Konsumprodukte einer viele Millionen Euro schweren Unterhaltungsindustrie sind, sondern buntes Zeugnis menschlicher Kreativität. Das Buch zeigt Ihnen, wie Spiele uns allen Möglichkeiten zur kreativen Entfaltung bieten – oft in einem viel weiteren Sinne, als Spiele-Entwicklerinnen und -Entwickler selbst vorhersehen können.

Band 3: Du bist, was Dich stresst! Tabula Rasa für chronisch Gestresste im digitalen Zeitalter

Kathrin Marter, 2021, Sachbuch, Springer Fachmedien, Softcover 22,99 €, eBook 16,99 € (Band 3 der Reihe Über/Strom)

Viele Menschen nutzen täglich die Vorteile des digitalen Zeitalters: wenn sie mal eben ihr Zugticket mit dem Smartphone buchen, sich von ebendiesem zum vereinbarten Treffpunkt navigieren lassen und dann per Textnachricht erfahren, dass die werten Kolleg*innen ein paar Minuten zu spät kommen, der Tisch im Restaurant online schon reserviert wurde und das „Tisch-Ticket“ per QR-Code gleich mitsenden. Viele Menschen erfahren sich bei aller Erleichterung zunehmend reizüberflutet, überfordert und in der Folge gestresst.

Der Begriff und Zustand „Stress“ (heutzutage im Sprachjargon als diffus definierter Normalzustand verankert und schon lange in der Mitte der Gesellschaft angekommen) ist allerdings tatsächlich ein Zustand, der vielfältigen Leidensdruck verursacht und krank macht.

Die Autorin unterstützt allgemeinverständlich, anschaulich sowie naturwissenschaftlich und psychologisch fundiert bei der Auseinandersetzung mit Stress, Stressoren und Prozessen der Langzeitgedächtnisbildung. Letztere sind nicht unwesentlich an unserem chronischen Stresslevel beteiligt. Langzeitgedächtnisse, die, häufig schon in der Kindheit geformt, starke negative Glaubenssätze beinhalten. Diese negativen Glaubenssätze erfahren durch die Herausforderungen der digitalen Welt permanente Verstärkung und begünstigen dadurch chronischen Stress – mit seinen für viele Menschen spürbaren Folgen.

Das Buch lädt ein, klärt auf und gibt fundierte, anschauliche und handlungsorientierte Ansätze zur Selbstreflexion und Entwicklung einer gesunden Handlungskompetenz gegenüber dem eigenen Stresslevel, folglich der eigenen Gesundheit und dem eigenen Glück.

Unsere anderen Bücher

Nutzerverhalten verstehen — Softwarenutzen optimieren: Kommunikationsanalyse bei der Softwareentwicklung

Mario Donick, 2020, Fachbuch, Softcover 37,99 €, eBook 29,99 €

Software muss nicht nur technische Definitionen, Standards und Normen erfüllen, sondern von ihren Benutzern auch entsprechend wahrgenommen werden. Nutzer und Käufer erwarten eine bestimmte Leistung, die zu den eigenen Zielen passen muss und es ist Aufgabe der Softwareentwickler, diese Leistung zu liefern.

Da es hierbei nie eine vollständige Passung geben kann, entsteht ein Kommunikationsproblem – ein Kommunikationsproblem zwischen Menschen, das noch zu selten ernstgenommen wird. Über bekannte Ansätze hinausgehend zeigt das Buch anhand vieler praxisnaher Beispiele ein Verfahren, mit dem Sie Kommunikationsprobleme während der Entwicklung von Software aufdecken und bearbeiten und mit dem Sie auch nach der Veröffentlichung Ihrer Software Möglichkeiten der Optimierung identifizieren können.

Zusätzliche Fragen per App: Laden Sie die Springer Nature Flashcards-App kostenlos herunter und nutzen Sie exklusives Zusatzmaterial, um an weiteren Beispielen zu üben und Ihr Wissen zu prüfen.


Das Problem der Simulation am Beispiel der Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull und der Tagebücher Thomas Manns

Uta Buttkewitz, 2005, Dissertation, im ETH Thomas-Mann-Archiv

Die Arbeit untersucht das Wechselspiel von Geheimhaltung und Offenbarung in den „Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull“ und in den „Tagebüchern“.

Thomas Manns Unterschrift (Bild: Wikipedia)

Der Verfasser der diaristischen Schriften bewegt sich ähnlich wie Felix Krull durch Täuschung als Souverän auf der Bühne des Tagebuchs – das ist die Hauptthese des Textes. Die Schreibweise im Stil eines Logbuchs schafft eine eigene literarische Physiognomie, die den Autor in den Hintergrund treten lässt.

Uta Buttkewitz ergründet die Frage, welche verschiedenen Simulationsstrategien sowohl im fiktionalen als auch im scheinbar autobiographischen Text die Verwirrung um Realität, Fiktion, Authentizität und Simulation auslösen.


Die Form des Virtuellen. Vom Leben zwischen zwei Welten

Mario Donick, 2016, Sachbuch, e-Book, telepolis/Heise, 6,49 €

Virtuelle Realität war schon einmal in den 1990er Jahren ein Hype. Es wurden erste Datenbrillen, -handschuhe und -anzüge entwickelt, man träumte vom Eintritt in immersive Welten und von Telepräsenz. Doch erste Versuche, massentaugliche Konzepte zu entwickeln, scheiterten. Erst jetzt, mehr als 20 Jahre später, scheint die Technik in Gang zu kommen, mit günstigen Brillen, neuer Sensortechnik, besseren Grafikchips, leistungsstarken Minidisplays von Smartphones und schnellen Datenverbindungen. Erstmal kann sich jeder von den ungewohnten Wahrnehmungsmöglichkeiten verführen, betören und irritieren lassen. Aber noch fehlt uns das philosophische und ästhetische Verständnis für den faszinierenden Eindruck, uns in einem virtuellen Raum befinden, obwohl wir in Wahrheit nur auf einen kleinen Bildschirm starren.

Der Kommunikationswissenschaftler Mario Donick hat nun erstmals einige der neuen VR-Welten ausgiebig erkundet. Auf empirisch-phänomenologische Weise hat er untersucht, wie das „Einsteigen“ in VR-Bilder die gewohnte Ordnung des Sehens aufbricht und Raum und Körper entkoppelt werden. Daraus entstanden ist eine spannende und konkrete Analyse, die mit Hilfe phänomenologischer Konzepte Grundlagen für eine angemessene Beschreibung der VR-Erlebnisse entwickelt.

Mario Donick hat u.a. stereoskopische 360°-Aufnahmen von Landschaften betrachtet, wohnte einer Tanzperformance mittendrin bei, konsumierte mit überraschenden Ergebnissen einen VR-Porno und streifte durch das verlassene Herrenhaus eines Horror-Computerspiels. Aus der detaillierten, medientheoretisch unterfütterten Beschreibung der Erlebnisse werden die neuartige Form der Präsenz und der oftmals diffuse Begriff der „Immersion“ in VR-Welten fassbar.


Die Unschuld der Maschinen. Technikvertrauen in einer smarten Welt

Mario Donick, 2019, Sachbuch, Springer Fachmedien, Softcover 24,99 €, eBook 19,99 €

Tablet. Smartphone. GPS. In unserer zunehmend smarten und digitalen Gesellschaft sind wir permanent gezwungen, Technik zu vertrauen – im Kleinen wie im Großen. Im Kleinen vertraut man darauf, dass Technik so einfach wie in der Werbung funktioniert: einschalten und fertig. Im Großen muss man darauf bauen, dass Technik nur das tut, was sie soll. Doch je smarter Technik heute wird, desto undurchschaubarer ist ihre Funktionsweise. Deshalb beschäftigt sich Mario Donick in seinem Buch mit der Frage, was es mit dem Technikvertrauen der Menschen auf sich hat. Der Fokus seines Buches liegt auf den folgenden Aspekten:

  • Wie können Menschen Technik (und den abwesenden Menschen dahinter) vertrauen?
  • Wie gehen Menschen damit um, wenn ihr Vertrauen gefährdet ist?
  • Was müssen Menschen tun, um in einer immer „smarteren“ Welt handlungsfähig zu bleiben?

Das alles sind Fragestellungen, die aus Donicks Sicht immer wichtiger werden – insbesondere mit Blick auf die Mensch-Maschine-Kommunikation, die im Alltag an Komplexität gewinnt.

In fünf Kapiteln bringt Ihnen Mario Donicks Buch das Thema Technikvertrauen aus verschiedenen Blickwinkeln näher:

  • Das erste Kapitel untersucht, was Technik überhaupt ist und welche Rolle Vertrauen sowie Wissen in diesem Zusammenhang spielen.
  • Im zweiten Kapitel steht die Human-Computer-Interaction im Fokus: Welche Bedürfnisse muss Technik erfüllen und wie gehen Menschen hier mit Enttäuschungen um?
  • Der Aufbau von Computern sowie ihre Programmierung sind das zentrale Thema des dritten Kapitels.
  • Im vierten Kapitel untersucht Donick die Rolle des IT-Service als Problemlöser in der Technik-Mensch-Beziehung.
  • Abschließend blickt der Autor im fünften Kapitel in die Zukunft und erörtert neue Techniktrends.

Damit liefert Ihnen dieses Buch wertvolle theoretische und praktische Impulse zum Thema Technikvertrauen. Anhand praktischer Fallbeispiele lernen Sie, wie Sie „smarte“ Technik verstehen können. Zudem erfahren Sie, wie Sie erfolgreich mit dem technischen Kundendienst kommunizieren. Ideal für Menschen, die im Alltag auf Technik angewiesen sind und deren Funktionsweise besser verstehen wollen. 


Head Canon

Mario Donick, 2017-2018, Essay-Reihe, telepolis

„Head Canon“ ist eine Reihe zusammenhängender Artikel über den Umgang mit Massenmedien in unserer Zeit und deren Wirkung auf Rezipienten. Sie erschien von Herbst 2017 bis Sommer 2018 bei Telepolis im Heise-Verlag.

Die einzelnen Teile bauen wie die Kapitel eines Buches aufeinander auf:

  1. Der Kanon im Kopf. Medien im epikritischen Zeitalter (05.11.2017)
  2. „Sie haben uns angelogen“: Kanon und Head Canon in „Star Trek: Discovery“ und „The Elder Scrolls“ (26.11.2017)
  3. Konflikt und Krisis: Partizipativer Umgang mit Massenmedien (11.02.2018)
  4. New York Times lesen in Magdeburg: Leib, Stadt und Medien (04.03.2018)
  5. Das dynamische Lokale (02.09.2018)
  6. Konstruktion, Reflexionsgeschichte, Freiraum (09.09.2018)

„Offensichtlich weigert sich Facebook, mir darauf eine Antwort zu geben“ – Strukturelle Analysen und sinnfunktionale Interpretationen zu Unsicherheit und Ordnung der Computernutzung

Mario Donick, 2016, Dissertation, Kovac, 99,80 € (schreiben Sie mir eine Mail an mdinmd (at) web (punkt) de für ein kostenloses Exemplar; so lange der Vorrat reicht)

Die Verwendung von Computern erzeugt vielfach Unsicherheit. Dennoch entsteht in den meisten Fällen trotz Nutzungsproblemen letztlich eine Ordnung erfolgreich scheinender „Computernutzung“. Der Autor untersucht dieses Phänomen empirisch an Fallbeispielen.

Die Ergebnisse der Untersuchungen deuten auf ein komplexes Geflecht des Umgangs mit Unsicherheit hin: Wenn Pläne und Vorstellungen von Entwicklern und Nutzern kollidieren, dann ist Software zwar durchaus Medium, aber keineswegs immer Schnittstelle zur Unterstützung der Nutzerziele.

An den Fallbeispielen wird gezeigt, wie Nutzer mit dieser Schwierigkeit umgehen.

Seit 20 Jahren in der Matrix

In diesem Jahr feiern wir das 20jährige Jubiläum des Erscheinens des Kinofilms „Matrix“. Ich befand mich damals am Ende meines geisteswissenschaftlichen Studiums an der Universität Rostock, als wir innerhalb eines Seminars meines späteren Doktorvaters im Fach Germanistik den Film gesehen und im Anschluss in unserer Stammkneipe „Heumond“ darüber diskutiert haben. Obwohl ich nicht unbedingt eine geborene Cineastin bin und mich auch nicht so sehr für das Genre der Science-Fiction-Filme interessiere, hat mich der Film damals absolut gepackt. Ich habe mir nun die drei Filme, die damals kurz hintereinander erschienen, noch einmal angeschaut: „Matrix“, „Matrix Reloaded“ und „Matrix Revolutions“.

Es ist äußerst erhellend, die Filme aus heutiger Perspektive zu betrachten – in einer Zeit, in der das Internet enorm an Fahrt gewonnen hat und immer mehr zum Bestandteil des normalen Alltags eines jeden Menschen geworden ist. Die Filme haben mich immer noch genauso fasziniert wie vor 20 Jahren, und interessant ist dabei vor allen Dingen die Tatsache, wie aktuell die Filme immer noch sind und wie unglaublich hellsichtig die Filmemacher damals agierten.

Gleich in einer der ersten Szenen des Films „Matrix“ greift die Hauptfigur Neo (hervorragend gespielt von Keanu Reeves) zu dem Buch „Simulacres und Simulation“ des bekannten französischen Medientheoretikers Jean Baudrillard und verweist damit auf einen der bis heute wegweisendsten und scharfsinnigsten Medientheoretiker des 20. Jahrhunderts und seine Theorien und Modelle der Simulakren, die eine wesentliche Grundlage für den Plot des Films spielten.

Jean Baudrillard untersucht in seiner Simulationstheorie die Beziehung zwischen Gesellschaft und Realität mit einem besonderen Fokus auf die Massenmedien. Mit dem Begriff der Simulation bezeichnet Baudrillard die überhand nehmende Macht verselbständigter Zeichenprozesse seit Ausbreitung der technischen Medien. Er unterteilt die Simulakren (Trugbilder, Abbilder) in drei Ordnungen, wobei das Simulakrum erster Ordnung als Imitation der Natur zu verstehen ist, von Baudrillard in die Zeit der Renaissance verortet wird und damit die Opposition zum Realen aufrechterhält. Im nächsten Schritt besetzt das Simulakrum den Vorgang der Produktion und der identischen Reproduktion. Dieses Phänomen des Simulakrums zweiter Ordnung positioniert Baudrillard in das Zeitalter der industriellen Revolution. Beim Simulakrum dritter Ordnung wird die Repräsentation vollständig von Modellen und Codes verschlungen. Alles ist Teil der Simulation. Es findet eine Hyperrealisierung des Realen statt. Die Simulation generiert sich aus dem Realen ohne Ursprung oder Realität. Jean Baudrillard schreibt in seinem bekanntesten Werk „Der symbolische Tausch und der Tod“:

Jegliche Realität wird von der Hyperrealität des Codes und der Simulation aufgesogen. Anstelle des alten Realitätsprinzips beherrscht uns von nun an ein Simulationsprinzip. […] Es gibt keine Ideologie mehr, es gibt nur noch Simulakren.

Die Matrix-Trilogie bezieht sich vor allem auf Baudrillards Definitionen der Begriffe Simulation und Hyperrealität. Die Hauptfigur Neo gilt als Auserwählter, der die Menschen aus der Matrix, d. h. aus dem Software-Programm des so genannten Architekten befreien soll. In der Zeit, in der der Film spielt, existiert nur noch eine „reale“ Stadt Zion, die sich in der Erde selbst befindet. Ansonsten wird die Erde von einer Maschinenstadt kontrolliert. Im letzten Film „Matrix Revolutions“ schafft es Neo schließlich zur Maschinenstadt zu kommen und die Menschen von den Maschinen zu befreien. Es bleibt jedoch am Ende unklar, ob der Architekt nicht lediglich eine neue Matrix erschaffen hat und worin die Befreiung der Menschen genau besteht. Aber das spielt am Ende eigentlich auch keine große Rolle. Das Revolutionäre der Filme war es, am Beginn des digitalen Zeitalters darauf hinzuweisen, dass die Gefahr droht, dass die Menschen allmählich mit Maschinen, die sie selbst immer mehr mit künstlicher Intelligenz ausstatten, und der digitalen Technologie verschmelzen und dadurch den Blick auf ihre eigene Wirklichkeit verlieren könnten.

Die Maschinenstadt könnte als Metapher für das Silicon Valley stehen, das unsere heutige Welt scheinbar kontrolliert und ständig neue Programme installiert, die sich immer weiter multiplizieren – so wie der Agent Smith sich im Film auch ständig vervielfacht. Die Simulation bedeutet für Baudrillard keine Illusion, die früher oder später durch die Wirklichkeit aufgelöst wird, sondern sie ist etwas Irreales, das den Platz des Realen eingenommen hat, ohne dass es noch eine Differenz zwischen dem Wirklichen und der Simulation gibt. Im ersten Teil meines Aufsatzes „Eine Welt ohne Puls“ bin ich auf dieses Theorem von Baudrillard, das häufig missverstanden wird, auch schon einmal näher eingegangen. Das ist es auch, was Jean Baudrillard selbst an den Matrix-Filmen kritisiert hat, dass die Macher des Films (die Wachowskis) der Meinung sind, es gäbe im System der Welt selbst einen Verdacht, ein Simulakrum, das sich von der „guten“ bzw. eigentlichen Realität aufdecken und vernichten ließe. Aber dem ist nicht so. Im ersten Band der Reihe „Über/Strom. Wegweiser durchs digitale Zeitalter“ werde ich dieser Frage auch noch einmal genauer nachgehen.

Interessant ist auch die Schnittstelle, die es im Film zwischen der Matrix und der realen Welt und ihren Bewohnern gibt. Es ist das analoge Telefon, durch das die Helden des Films von der Matrix wieder in die reale, dunkle Welt zurück gelangen – ein  nach Marshall McLuhans Kategorisierung sehr kühles Medium, das auch im digitalen Zeitalter noch nicht zu verschwinden droht…eine Fortsetzung der Matrix-Filme könnte hier ansetzen.

Eine Welt ohne Puls, Verbindlichkeit und Tiefe…tatsächlich. (Teil 2)

Dies ist die Fortsetzung des ersten Teils, den Sie hier finden.

Fernsehen vs. Computer

Während man das Fernsehen und den Computer sowie die Vernetzung von Computern (eine wesentliche Eigenschaft des Internets) noch als technologische Weiterentwicklung bezeichnen konnte, sind die neuen Anwendungen im Rahmen des Internet vor allem durch marktrelevantes Agieren der Wirtschaft entstanden, indem ständig neue Bedürfnisse kreiert werden – mit dem Ziel, neue Absatzmöglichkeiten zu schaffen. Beim Fernsehen handelte es sich um eine mediale Revolution – es entstand eine zweite Realität, die simultan eine Vielzahl von Zuschauern erreichte und in Echtzeit abgebildet wurde. Damit wird den Fernsehzuschauern suggeriert, dass die Realität genau SO stattfindet, wie sie sie in dem Moment des Schauens wahrnehmen. Es ist schwer, zu abstrahieren, dass es sich bei den Fernsehbildern nur um einen Wirklichkeitsausschnitt handelt, der in komplexe kausale Zusammenhänge eingebettet ist, die von den Fernsehbildern nicht gleichzeitig mitvermittelt werden können. Während das Fernsehen aber noch durchaus die Menschen zusammengebracht bzw. einen gemeinsamen Konsens hergestellt hat, führen die neuen Entwicklungen wie Facebook, Instagram und Twitter dagegen zu weiterer Individualisierung – nicht zu verwechseln mit dem Begriff der Einsamkeit. Auch vor dem Fernseher sitzen viele Leute allein, aber die neuen medialen Anwendungen rund um das World Wide Web führen dazu, dass die Menschen ihre Individualität und dementsprechend auch ihre persönlichen Wünsche in den Vordergrund stellen – das heißt, paradoxer Weise führen die sozialen Netzwerke eben nicht zu sozial engeren Beziehungen, die moralisches Verhalten, gegenseitige Rücksichtnahme, Empathie und altruistische Handlungen fördern. Die sozialen Netzwerke führen nicht zu neuen, bedeutungsschweren Texten oder Gedanken, sondern sie potenzieren lediglich die Anzahl von redundanten Texten, die nichts meinen oder aussagen. Und wenn doch mal gute Gedanken dabei sind, gehen sie sofort unter, ohne dass irgendjemand länger darüber nachgedacht hat. Aber nur wenn ein Rezipient länger über einen Text oder über die Gedanken eines anderen nachdenkt – entsteht Kommunikation und nicht lediglich ein Kontakt.

„Man ist durch diese Entwicklung in der Tat der Welt des Taktilen näher als der des Visuellen, in der die Distanzierung größer, die Reflexion jederzeit möglich ist. In dem Moment, in dem die Berührung für uns ihre sensorische, sinnliche Bedeutung verliert („die Berührung ist eher eine Interaktion der Sinne als ein bloßer Kontakt zwischen der Haut und einem Gegenstand“), ist es möglich, daß sie wieder zum Schema einer Welt der Kommunikation wird – aber als Spielraum für die taktile und taktische Simulation, wo die „message“ zur „massage“ wird, zur alles erfassenden Anstrengung, zum Test. Überall wird man getestet, betastet, die Methode ist „taktisch“, die Sphäre der Kommunikation ist „taktil“. Ganz zu schweigen von der Ideologie des „Kontakts“, die in all ihren verschiedenen Formen darauf abzielt, die Idee des sozialen Zusammenhangs zu ersetzen.“ ( Baudrillard: Der symbolische Tausch und der Tod, S. 101.)

In dem Moment, wenn eine Nachricht auf dem Smartphone erscheint bzw. durch Vibration oder einen Klingelton angezeigt wird, werden wir davon unmittelbar berührt – durch eine Direktheit in ihrer unmittelbarsten Form, die kein distanziertes Verhalten zu der Nachricht ermöglicht. Im Gegenteil – sie stellt eine Art Bedrohung dar und fordert möglichst in kurzer Zeit von uns eine Antwort. Der Kommunikationswissenschaftler Mario Donick schreibt, dass „[…] in Medien reproduzierte radikale Aussagen zu einer Reaktion bedrängen. Sie fokussieren auf sich und engen den Blick auf sich ein. Sie fragen: ‚Auf welcher Seite stehst du ?‘ und sie fordern: ‚Du musst dich entscheiden‘. Sie setzen unter Druck“ ( Donick, Mario: Head Canon: Medien im epikritischen Zeitalter. Essay in sechs Teilen. 4/6, S. 3.) Wir sind dadurch fremdbestimmt, weil die Nachricht uns aus einer bestimmten Situation herausholt und uns in Sekundenschnelle in eine positive oder negative Stimmung versetzen kann. Es besteht zumindest potentiell die Gefahr, dass unser Gefühlsleben von jetzt auf gleich beeinflusst wird. Das kann natürlich auch durch das herkömmliche Telefon, Radio oder Fernsehen passieren. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass die Kommunikation in Form von SMS oder Whatsapp die unmittelbarste Art der Kommunikation ist, die es bis zum jetzigen Zeitpunkt gibt. Via Telefon lässt sich diskutieren, man kann sich zu seinem Gegenüber verhalten und Gesprächsthemen verhandeln. Eine kurze heiße Nachricht ist jedoch plötzlich da und verlangt nach einer Reaktion. Marshall McLuhan differenziert zwischen heißen und kalten Medien: Heiße Medien wie das Radio und die Fotografie sind sehr detailreiche Medien, die nur wenig „persönliche Beteiligung“ durch den Zuhörer ( McLuhan, Marshall: Heiße Medien und kalte. (1964) In: Kursbuch Medienkultur, Stuttgart, 2004, S. 45 ff.) oder Betrachter benötigen, während das Telefon als kühles Medium dem Zuhörer und Sprecher einen hohen Konzentrationsgrad abverlangt. Nach dieser Kategorisierung hätten wir es bei der Kommunikation via SMS oder Whatsapp mit einem äußerst heißen Medium zu tun. Die Form der taktilen Kommunikation unterbindet jede Form einer Diskussion und eines kommunikativen Aushandelns. Erst wenn dem Rezipienten die Chance und Zeit gegeben wird, über einen Sachverhalt zu reflektieren, entstehen Diskussionen, die wiederum im Dialog mit anderen zu neuen Gedanken weiterentwickelt werden können, d.h. es entsteht die gemeinsame Arbeit an einer Idee. Und genau dieses gemeinschaftliche Denken wird momentan unterbunden. Man möchte Facebook und Co. nicht unterstellen, dass sie der Weiterentwicklung hin zu einer besseren Gesellschaft negativ gegenüber stehen, aber ihr Pakt mit Mephisto in Form des zügellosen Strebens nach neuen Entdeckungen (im Unternehmen Google werden solche Entdeckungen „Moonshots“ genannt) verbunden mit kapitalistischem Profitstreben führt nicht zu einem Gemeinschaftsgefühl sondern fördert egozentrische Verhaltensweisen.

Der koreanische Philosoph Byung Chul-Han kritisiert zu Recht die heutige Transparenz- und Authentizitätsgesellschaft. Alles muss transparent und authentisch sein. Wir sehen uns quasi einer „Aufdeckungsindustrie“ gegenüber: Eine Woche lang erregt sich die deutsche Öffentlichkeit über die so genannten Panamapapers – und was passiert in der Konsequenz? Nichts. Es werden Informationen an die Oberfläche geschwemmt, die als Informationen stehen bleiben, ohne dass sich jemand ausführlich damit beschäftigt, denn dafür fehlt die Zeit. Prinzipiell eröffnet das Internet die Möglichkeit, sich umfassend zu informieren, die Glaubwürdigkeit von Nachrichten zu überprüfen und verschiedene Sichtweisen zu einem bestimmten Ereignis einzunehmen bzw. nachzuvollziehen. Das große Manko liegt jedoch darin, dass das Netz – so wie der Name es auch schon verrät – so gut wie nicht entwirrbar ist und man sich darin verstrickt. Die vielen Verlinkungen lassen kein geradliniges Lesen zu. Sie sind effektiv, um schnell an Informationen zu kommen, jedoch nicht, um komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Es erfordert einen erheblichen Rechercheaufwand, um akzeptable Wahrscheinlichkeiten für den Wahrheitsgehalt eines Ereignisses zu erzielen. Insofern ist die Arbeitserleichterung im Vergleich zur früheren analogen Literaturrecherche nicht besonders auffällig.

Rückkehr zum Analogen?

Vor allem die stark verkürzte Kommunikation via Twitter, SMS uns Whatsapp und die Wucht der (bewegten) Bilder via Facebook und Instagram führen dazu, dass auch bei gut gemeinten politischen Aktionen häufig Vermarktung und die Generierung von Aufmerksamkeit in keinem Verhältnis zur substanziellen Unterfütterung der Aktion stehen bzw. diese in vielen Fällen schlicht und einfach gar nicht existiert.

„Die Information liegt einfach vor. Das Wissen im emphatischen Sinne ist dagegen ein langsamer, langer Prozess. Er weist eine ganz andere Zeitlichkeit auf. Es reift. Das Reifen ist eine Zeitlichkeit, die uns heute immer mehr abhandenkommt. Es verträgt sich nicht mit der heutigen Zeitpolitik, die zur Steigerung der Effizienz und Produktivität die Zeit fragmentiert und zeitstabile Strukturen beseitigt.“ ( Han: Die Austreibung des Anderen, S. 10 )

Boris Groys vermisst die Möglichkeit zur Kontemplation:

„Das Nichtstun ist in der Moderne die größte Anstrengung, die man sich vorstellen kann. Wie Faust war auch Goethe selbst immer zu den größten Anstrengungen gezwungen, er musste die ganze Zeit als Bürokrat funktionieren, um ein bisschen Zeit zu haben, um Muße zu haben. […] Das schlimmste Drama unserer Zeit ist, dass die kontemplative Einstellung uns von der Gesellschaft nicht garantiert werden kann. Es gibt keine sozial abgesicherte, politisch und ökonomisch garantierte Kontemplation. Das heißt, die Kontemplation muss erarbeitet werden. Das ist der größte Widerspruch unserer Zeit. Dieser Widerspruch ist fatal. Das ist das, was den Zusammenbruch der Wissenschaft, der Philosophie, der Kunst in unsere Zeit gebracht hat“ ( Hegemann: Wie man ein Arschloch wird, S. 141-142 )

Mario Donick spricht, angelehnt an Marc Augé, von so genannten „Nicht-Orten“ (Donick: Head Canon: Medien im epikritischen Zeitalter. Essay in sechs Teilen. 4/6, S. 9.) , um zu verdeutlichen, dass es zunehmend Orte gibt, an denen man sich anonym bewegen kann und die man nur aus funktionellen Gründen aufsucht und immer weniger aus Gründen des Müßigganges oder einer persönlichen Bindung zu dem Ort. So wie die ständig pulsierende, sich ändernde und dynamische digitale Welt, in der die User anonym umherschweifen und sich anonym ohne jede Verbindlichkeit äußern können, so überträgt der moderne Arbeitsnomade sein Verhalten auch auf die analoge Welt, das Donick als Rückbesinnung auf das „dynamische Lokale“ (Donick: Head Canon: Medien im epikritischen Zeitalter. Essay in sechs Teilen. 4/6, S. 2 ff.) beschreibt. Wir vermeiden das Persönliche, das Eigentliche und das Statische, das uns Schutz, Sicherheit und einen festen Anker bieten könnte. Die Menschen werden zu dieser analogen Welt zumindest in einem gewissen Maß zurückkehren müssen, um die Realität erster Ordnung noch wahrnehmen zu können, die sich nicht wie die digitale Welt innerhalb eines Ja/Nein – bzw. Positiv/Negativ-Spektrums bewegt, sondern eine natürlich Kontingenz und unvorhersehbare Entwicklungen zulässt, die für das Zusammenleben von Menschen von entscheidender Bedeutung sind.

Dieser Essay wurde erstmals am 1. Februar 2018 im „Freitag“ in der Rubrik Community veröffentlicht: „Eine Welt ohne Puls, Verbindlichkeit und Tiefe…tatsächlich.“