Digitales Wohlfühlen und Verantwortung ― Tabula Rasa 2.0 für von digitalen Netzwerken Gestresste

Digitale Medien sind Teil unseres Alltags und interferieren mit unserem Privat- und Berufsleben. Digitale Netzwerke werden so entwickelt, dass sie unsere Aufmerksamkeit möglichst lange binden, mit unvorhersehbaren, variablen kleinen positiven Verstärkern, die unser intrinsisches Belohnungssystem stimulieren, hin zu unkontrolliertem, abhängigen Verhalten. Wie ist die Datenlage? Wer ist dafür verantwortlich und wer ist verantwortlich dafür, dass es mir gut geht? Was kann ich tun, damit es mir gut geht? Das sind die Fragen, auf die dieser Artikel antwortet.

Digitales Wohlfühlen: Fühle ich mich mit meinem digitalen Konsum (noch) wohl?

Der DAK Gesundheitsbericht 2019 zeigt, dass die große Mehrheit der Erwerbstätigen (85 %) soziale Medien nutzt. Unter sozialen Medien (die keineswegs „sozial“ sein müssen, d.h. „eine empathische Bedeutung im Sinne von ‚dem Gemeinwohl dienend‘ oder ‚den Schwächeren schützend‘“ (DAK Gesundheitsbericht 2019, S. 146-147) implizieren) wurden hier „digitale Medien und Plattformen gemeint, durch die Sie mit anderen Nutzerinnen und Nutzern in Austausch treten und/oder Inhalte erstellen und austauschen können. Das sind unter anderem soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder LinkedIn, Blogs und Internetforen, sogenannte Mikroblogs wie z. B. Twitter. Auch Messaging-Dienste wie WhatsApp oder Snapchat gehören dazu. Die Nutzung von E-Mail oder Web-Seiten gehört dagegen nicht dazu.“ […] „Gefragt nach den zwei wichtigsten sozialen Medien, die sie in den letzten 12 Monaten genutzt haben, geben die Befragten vor allem Facebook (51 Prozent) und WhatsApp (49 Prozent) an. Ein kleinerer Teil der Befragten zählen Instagram (18 Prozent) und Twitter (3,7 Prozent) dazu. (ebd., S. 147). Dabei sei der Anteil der Nutzer*innen sozialer Medien über alle Altersgruppen hoch, in der Altersgruppe 18-29 mit 95, 3 % am höchsten.

Schade, dass die Studie nicht zwischen den Messenger-Diensten, die ja irgendwie auch als „moderne Anrufbeantworter des geschriebenen Wortes + Emojis“ zwischen zwei einander bekannten Personen oder Kleingruppen (Study Groups, Familiengruppen) verstanden werden können und den, potentiell in die Welt projizierenden digitalen Netzwerken wie Facebook und Instagram unterscheidet.

Instagram-Fund; Quelle: Süddeutsche Zeitung Magazin

Wie scherzhaft von der Süddeutschen Zeitung auf Instagram visualisiert, geben auch 9 Prozent der in der DAK-Studie Befragten einen gewissen Kontrollverlust bei der Nutzung digitaler Medien an.

8 Prozent der in 2019 Befragten „haben oft soziale Medien genutzt, um nicht an unangenehme Dinge denken zu müssen“ (ebd., S. 151). Digitale Medien dienen somit auch als Flucht- und Abwehrmechanismus, wenn die Realwelt vermeintlich zu schmerzhaft wird.

Knapp 4 Prozent der Befragten geben einen Interessenverlust an Hobbies und Interessen durch die Nutzung digitaler Medien an (ebd., S. 151), der häufig auch mit einen Rückzug aus physischen Kontakten einhergeht und begleitet wird durch andere Beeinträchtigungen, wie starke Ängste, Schlafstörungen, Essstörungen oder Depressionen.

Die Zahlen, sowie das Ausmaß der Erscheinungen dürften sich aufgrund fehlender physischer Kontakte und fehlender adäquater Möglichkeiten zur Stressbewältigung durch die Corona-Pandemie mit ihren Begleitmaßnahmen erhöht, bzw. verstärkt haben. So berichtet auch Uta neulich von ihrem Digital Overload und ‚Zoom Fatigue‘ und Mario von weniger überladenen und vor allem weniger überlastenden Alternativen zum World Wide Web. Wenn Sie mal schauen möchten, wie sich Ihre tatsächliche Nutzung von digitalen Medien von Ihrer Erwartung und Selbsteinschätzung unterscheiden, habe ich dafür hier eine kleine Reflexionshilfe gebaut, die sich ausdrucken und analog ausfüllen lässt (Marter, 2021).

Insbesondere die digitalen Netzwerke (ich möchte sie nicht sozial nennen) haben Suchtpotential; mindestens für solche, die ohnehin schon Suchtthematiken haben. Und auch wenn sie kein Suchtpotential hätten, so haben sie doch einen starken Einfluss auf die Art und Weiße wie wir kommunizieren, unsere Zeit verbringen, unsere physische, psychische und emotionale Gesundheit und unsere Gesellschaft.

Wer verantwortet mein intrinsisches Belohnungssystem?

Früher (als das Leben noch unbequemer war) haben Menschen mit Suchtthematiken ‚nur‘ zu viel getrunken, dann auch (zu viel) geraucht (wenn man einmal die Problematik ‚harter‘ Drogen ausklammert). Im digitalen Zeitalter nun kommen durch Digitales induzierte Dopamin-Kicks (und vieles mehr) im Belohnungssystem des Gehirns hinzu. Das Belohnungssystem schließt auch das emotionale Zentrum (das limbische System) mit ein. So kommt es, dass wir uns, wenn wir ‚gestresst‘, traurig, ängstlich oder wütend sind, eine sogenannte ‚Belohnung‘ suchen, die uns vermeintlich beruhigt und entspannt. Heute wird dafür dann recht schnell das Smartphone gezückt. Wichtig zu wissen ist, dass es sich hier nicht um eine echte, gesunde Belohnung handelt, sondern mindestens um eine Ablenkung, in der Regel einen Abwehrmechanismus, der uns der Lösung des Ursprungsproblems der leid-auslösenden Emotion nicht näher bringt.

Ein mich inspirierender und meine Message unterstützender Fund aus irgendeinem digitalen Netzwerk. Quelle unbekannt.

Wie bei Alkohol und Nikotin ist der Weg über eine ungesunde Gewohnheit in eine potentielle Abhängigkeit schleichend. Einstieg und Zugang sind niedrigschwellig und gesellschaftlich anerkannt, wenn nicht sogar anerkannter als der Verzicht. „Wie, du bist nicht bei Whatsapp!“ + Augenverdrehen. „Wie, du trinkst keinen Alkohol!“ + Bist du schwanger?“ oder „Spaßbremse!“

Für den Konsum von Tabak haben sich diese Phänomene der Gruppendynamik durch politische Regelungen drastisch geändert. So ist das Rauchen in gastronomischen Einrichtungen und Diskotheken seit 2008 verboten. Binnen kürzester Zeit sind nun die Rauchenden zu den Spaßbremsen und Spalter*innen geworden.

Ich bin allerdings überhaupt keine Freundin des Trends, überall sofort politische Lösungen zu fordern. Zumal diese ja auch sofort wieder abgelehnt und bekämpft werden und von anderen wieder neue, andere politische Lösungen gefordert werden. Viele vergessen bei all ihrer Arbeit, zwischenmenschlichen Problemen und automatisierten Ablenkungs- und Abwehrmechanismen durch Smartphone, Alkohol, Zucker, Konsum und Co., dass sie selbst eine Verantwortung für Körper, Psyche und Emotionen und ein soziales Miteinander zum Wohle aller haben.

Letztlich brauchte es ein politisches Eingreifen in Sachen Nichtrauchendenschutz, weil das Rauchen in Diskotheken und der Gastronomie ‚normaler‘ war als das Nichtrauchen. Deshalb kamen Rauchende gar nicht auf die Idee, zum Rauchen raus zu gehen, um so andere durch ihr eigenes ungesundes (Sucht-)Verhalten nicht zu schädigen. Ähnlich verhält es sich mit der Gleichstellung der Geschlechter und dem Pfandsystem für PET-Flaschen. Beim Pfandsystem gilt der politische Eingriff dem Schutz der Erde durch den sinnvollen Umgang mit Ressourcen. Er war nötig, weil wir Verbrauchenden von allein nicht ausreichend recyceln und die Produktion von neuem Plastik für die Herstellenden günstiger als Recyceln ist. (Deposy, 2021)

Ein politischer Eingriff in unseren Alltag durch Restriktion des Konsums digitaler Medien zum Schutz unserer körperlichen, psychischen und emotionalen Gesundheit ist natürlich undenkbar und nicht erstrebenswert. Zumal gut aufbereitete digitale Medien und der digitale Austausch z.B. in Lockdown-Zeiten zum Erhalt der Gesundheit beitragen können. Ich selbst bekomme durch die Kanäle, die ich abonniert habe, immer wieder wunderschöne Erinnerungen und Inspirationen zu Aspekten eines gesunden Lebens und Arbeitens oder freche Frauenpower-Kommentare, die meinen Horizont erweitert und mich über die Jahre wachsen lassen haben.

Visualisierte Daten: Ein mich inspirierender Facebook-Fund von Lena Deser über editionF.
Ein mich inspirierender Facebook-Fund. Quelle: unbekannt

Es ist an uns, an jeder und jedem einzelnen von uns Verantwortung zu übernehmen und gesund, fair, sozial und nachhaltig zu denken, zu sprechen und zu handeln. Jede*r von uns kann dabei ein strahlendes Licht für Werte sein ohne andere zu belehren, Ängste zu schüren, zu beleidigen oder Meinungen aufzudrücken. Jede*r von uns kann so zu einem gesünderen, neuen Normal beitragen. Dafür müssten wir regelmäßig aus der Eskalationsspirale des Außen (d.h. der Reizüberflutung und dem unrealistischen Leistungsdruck im beruflichen Alltag, TV und digitalen Medien), uns beruhigend, entspannend, klärend und so deeskalierend bei uns selbst ankommen. Das hilft auch gegen Sucht und jede andere Art des Versuches der ungesunden und nicht zielführenden Bedürfnisbefriedigung.

Im Selbst ankommen macht handlungsfähig und gestaltungsfrei

Aus der Sicherheit und Verankerung, die beim Ankommen bei sich selbst wieder wahrgenommen werden können, erwachsen Ruhe und Zentrierung. Das Herz kann sich wieder öffnen, der eskalierte Verstand beruhigt sich. Vertrauen in die eigenen Stärken, Vertrauen in die Welt, Geduld und Humor mit den eigenen Schwächen und denen anderer wird wieder möglich.

Umso mehr wir in Liebe und Vertrauen bei uns selbst ankommen, umso heller scheint unser Licht und der Wunsch sich nicht mehr an gesellschaftlichen Eskalationsprozessen zu beteiligen, was nicht gleichbedeutend ist, mit: keine Meinung zu haben und diese nicht auch angemessen zu vertreten.

In der Kraft, zentriert und mit offenem Herzen fällt es schwerer, Margarine mit Palmöl zu kaufen, wenn der Preis dafür die Abholzung der Regenwälder ist. Auch die Billigsalami lächelt einen nicht mehr an, ganz im Gegenteil.

Weil wir uns nicht mehr in einem Zustand des Mangels empfinden, brauchen wir auch nicht mehr 2 € ‚sparen‘, um bei den gängigsten Online-Anbietern ein neues Scrabble-Spiel zu bestellen. Auch diese Klicks stimulieren das Belohnungssystem auf eine ungesunde und manipulative Weise und der ständige Hinweis darauf, dass nur noch drei, zwei, ein Stück auf Lager sind/ist, gibt uns gezielt das Gefühl, nicht genug zu bekommen und gestresst, noch schneller und unreflektierter auf den Kauf-Button zu drücken. Danach stellt sich kurzzeitig vermeintlich belohnende Erleichterung ein, weil wir das wertvolle Stück zum Mindestpreis ergattert haben und diesmal nicht diejenigen sind, die ‚zu spät‘ kommen und leer ausgehen.

Geankert, herz-offen und zentriert, beteiligen wir uns so nicht an ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen, haben die Möglichkeit im Laden in einen physischen, sozialen Kontakt zu gehen, ein Stadtbild mit kleinen Lädchen zu erhalten, die wiederum ihre Steuern im Land des Lädchens zahlen und so auch zu sehr vielem beitragen, dass uns im Wohlstand hält.

„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“

―Mahatma Gandhi

In diesem Zustand der Handlungsfähigkeit und Gestaltungsfreiheit fragen wir uns recht bald auch, von wem wir uns inspirieren, leiten oder manipulieren lassen möchten.

  • Möchte ich meine wertvolle Frei- und Regenerationszeit mit digitalen Medien verbringen, die es darauf anlegen, meine Aufmerksamkeit durch gezielt eingesetzte verhaltenswissenschaftliche Konzepte (z.B. Konditionierungen, Ansprache des Belohnungssystems,…) so geschickt und ungesund zu binden, dass ich selbst keine Kontrolle mehr darüber habe, was ich da eigentlich tue? (Giesler, 2018)
  • Möchte ich getrieben sein von der Angst, in der fiktiven Parallelwelt meiner digitalen Filterblase etwas zu verpassen („Fear to miss out“)? Was verpasse ich denn wirklich? Was kann ich gewinnen, wenn ich keine Angst habe? Was mache ich statt dessen? Wer kann mich unterstützen? Mit wem möchte ich spazieren gehen, mit wem Scrabble spielen?
  • Möchte ich mich, das leuchtende, geerdete, zentrierte, liebende und geliebte, wertvolle, herz-offene, sanfte Wesen, das ich bin, abhängig machen von Like-Buttons und Likes Unbekannter? Was braucht es für mich wirklich, um meine menschlichen Bedürfnisse nach Nähe und Wertschätzung zu befrieden? Wieviel davon braucht es wirklich von außen? Und wo muss ich erstmal anfangen, mich selbst zu liken? Wieviel mehr Lebensqualität kann ich wohl erlangen, wenn ich mich selber mag?
  • Wenn ich in den digitalen Medien Reize und Informationen konsumiere, welche sind das? Machen sie mir Angst, mich traurig oder wütend? Sind sie gut recherchiert und von Menschen mit Expertise geschrieben? Haben sie die Absicht mich zu schwächen oder machen sie mich handlungsfähiger?

Digitale Ruhe und Besinnlichkeit zwischen den Jahren

In Vorbereitung auf die Rauhnächte, einer Zeit der inneren Einkehr, und auf meine Rauhnächte Meditation Challenge hab ich gestern alle digitalen Netzwerke von meinem Smartphone deinstalliert. Ich faste mal wieder, d.h. ich verzichte freiwillig.

Nun brauche ich allerdings neue gesunde Routinen für die neu-gewonnene Zeit und Freiheit (in der Regel macht man*frau sich da vorher einen Plan für) und eine neue gesunde Routine, um die digitalen Netzwerke, auch für meine beruflichen Tätigkeiten weiterhin regelmäßig zu nutzen, ohne dass wertvolle Zeit und Lebensenergie unkontrolliert vergeht. Ich dachte da so an eine Stunde pro Tag am Vormittag vom Rechner aus, mit Timer.

Als nächstes wird dann auch das E-Mail-Postfach im Smartphone um sein Dasein fürchten müssen. Das braucht aber wirklich einen Plan und Zeit damit nichts verloren geht. Meine analoge Uhr hab ich auch aus den Tiefen der Verbannung befreit. Sie braucht aber eine neue Batterie und damit habe ich einen neuen Punkt auf meiner To-Do-Liste, den ich abarbeiten muss, um in die neue Freiheit (gesunde Belohnung) zu kommen. 

Gesunde intrinsische Belohnungen

Heute habe ich Wikipedia gespendet, um einen kleinen Beitrag zu daten- und literaturbasierter Informationsverbreitung zu leisten (gesunde Belohnung). Nachher geh ich noch ein Scrabble-Spiel, Milch und Kerzen kaufen (gesunde Belohnung) und auf den Weihnachtsmarkt (gesunde Belohnung), um das Privileg des Analogen zu genießen (gesunde Belohnung). Ich habe vor, alle Welt anzulächeln (gesunde Belohnung). Ich habe heute auch schon ein überraschendes Weihnachtspäckchen bekommen und freue mich sehr (gesunde Belohnung).

Drücken Sie mir die Daumen, wie ich Ihnen die Daumen drücke!

Geerdete, herz-offene und zentrierte Sonnen- und Weihnachtsgrüße,

Ihre Dr.in Kathrin Marter

Ich bin Kathrin. Ich bin Biologin. Und #IchBinHanna. Eine prekäre „Verstopfung“ des Wissenschaftssystems?

2018 stellte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein „Erklärvideo“ zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz ins Internet. Das ist das Gesetz, das es Hochschulen erlaubt, junge Wissenschaftler*innen vor und nach der Promotion für je max. sechs Jahre einzustellen, ohne Aussicht auf Entfristung. Das soll, so das BMBF wörtlich, die „Verstopfung“ des Systems verhindern.

Dazu gab es in den letzten Tagen unter dem Hashtag #IchBinHanna einen heftigen Twitter-Aufschrei und entsprechende Medienberichte. Mario hat in den letzten zwei Tagen sowohl das Hashtag als auch die Resonanz darauf beobachtet und berichtet. Ich bin auch eine Hanna. Mit ein wenig mehr als einem Twitter-Post berichte ich hier von meinen Erfahrungen.

Vertragliches

#IchbinHanna, naja stellvertretend; Ich bin auch eine Hanna. Ich bin Kathrin. Ich bin Biologin wie Hanna. Ich habe eine Doktorarbeit geschrieben. Mein Vertrag an der Universität war zunächst auf drei Jahre befristet. Da trotz massenhafter Daten und einiger Manuskripte in den Schubladen meiner Betreuerin noch keines veröffentlicht war, konnte ich nicht gehen und mein Vertrag wurde um ein weiteres Jahr verlängert. Die Beschäftigung erfolgte wie üblich vorbehaltlich der Mittelfreigabe des Projektträgers.

Mein Vertrag war für eine halbe Stelle. Von Promovierenden, insbesondere in den Naturwissenschaften, wird erwartet, dass sie mindestens 50 % ihrer Arbeit unbezahlt machen. Schließlich handelt es sich ja um eine Qualifizierungsstelle, das heißt, die Arbeit dient ihnen am Ende selbst. In den Geisteswissenschaften wird häufig ohne Entlohnung, sozusagen neben dem Vollzeitjob, möglichst in Vollzeit promoviert, während Ingenieur*innen aufgrund der guten Arbeitsmarktbedingungen in der freien Wirtschaft nur durch volle Stellen gelockt werden können.

Mit meinem 50 %-Drei + (ungewollt) Ein-Jahres-Vertrag hatte ich Glück. Werte Kolleg*innen meiner Branche hatten Verträge über 6 Monate und waren so permanent der Willkür ihres -mit Schlüsseln nach ihnen werfenden- Vorgesetzten ausgesetzt. Immer wieder mal haben sie auf Arbeitslosengeld gearbeitet. Da bleiben mitunter am Ende auf Steuergeldern produzierte Daten für immer unpubliziert in Schubladen und vervielfachen sich Existenzängste, weil z.B. Studienkredite nicht zurück gezahlt werden können. Das passiert Menschen, die sich nach Ausbildung und/oder Studium entschieden haben, die höchste Qualifizierungsebene des deutschen Bildungssystems zu erreichen!

Aufgeschnapptes, das sich auch im Diskriminierungs-, Belästigungs- und Gewaltkontext wiederfindet:

  • ‚Lehrjahre sind keine Herren-Jahre, Kathrin!‘
  • ‚Wenn man es wirklich will, dann muss man schon investieren, Kathrin!‘
  • ‚Jetzt Kinder zu bekommen, ist keine gute Idee, Kathrin!‘
  • ‚Jetzt Kinder zu bekommen, ist eine gute Idee, Kathrin, dann hast du während des Mutterschutzes in der Arbeitslosigkeit genug Zeit, in Ruhe deine Arbeit zu schreiben und kannst jetzt noch ein bisschen ranklotzen.‘
  • ‚Promovierende brauchen kein Wochenende, Kathrin!‘
  • ‚Promovierende brauchen keinen Urlaub, Kathrin!‘
  • ‚Wie schade, dass du jetzt in den Urlaub gehst, Kathrin. Ich wollte mir gerade Zeit für deine Manuskripte nehmen.‘
  • ‚Jetzt hab dich doch nicht so!‘
  • ‚Du willst es doch auch!‘

#LieberLars

„„Ich bin Hanna, wäre aber lieber Lars“, schreibt eine Twitter-Nutzerin. Lars ist in dem BMBF-Video nämlich der Labormitarbeiter, der einen ’normalen‘ Arbeitsvertrag hat, für den das gewöhnliche Arbeitsrecht gilt. „Augen auf bei der Berufswahl“, mag man da zynisch denken.“

Mario Donick, 2021: hier

Dass Hanna mit ihrer Promotion später auf einem Vertrag für Lars (aka technische*r Assistent*in) arbeitet, ist nicht möglich. Das ist irgendwo gesetzlich geregelt. Da würde ja dann durch die Hannas das System für die Larse verstopft. Außerdem gäbe es dann tausende frustrierte promovierte Hannas, die für weniger Geld auf TA-Stellen weiterforschen, um nicht wieder wegziehen zu müssen oder um nicht arbeitslos zu sein oder um ihre Kinder versorgen zu können, … Wenn die Hannas das System durch die Stellen der Larse infiltrierten, dann bräuchte es ja auch gar keine Postdoc-Stellen mehr. Dulcolax her! Und wer macht dann den äußerst wertvollen Job der TAs? Kriegen die dann weniger Geld? Oder sollten sie dann auch promovieren? Dann bräche ja der Elfenbeinturm auseinander. Das will doch keine*r.

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Inspiration zum Elfenbeinturm
Photo by Magda Ehlers on Pexels.com

BottleNeck-Supporters

BottleNeck-Systeme wie das Wissenschaftssystem, welche sich nach oben (lediglich anatomisch) stark verjüngen, verstopfen natürlich leicht.

Da braucht es dann größere, ungesunde Mengen Abführmittel o.ä. und Ausdrücke wie ‚Doktorvater‘, ‚Nachwuchs‘ oder ‚Junior-Professor‘, um gestandenen Diplomer*innen, Promovierte, Post-Docs, Müttern und Vätern uvm. immer wieder auf die Nase zu binden, dass sie Teil des Hamsterrades und weder erwachsen noch mündig sind.

Neben den oben genannten Titeln haben auch Maßnahmen wie das Aufdrucken des Befristungsdatums auf die Hochschul-Mitarbeiter*innen-Karte oder das Einnähen selbigen Datums in die Laborkittel (damit wir unsere Stellung nicht vergessen) täglich die Wirkung des Wirkstoffbeschleunigers Lysin, nur ohne die schmerzstillende Wirkung. Ganz im Gegenteil. Die Burnout-Depression ist so auch eine Möglichkeit, das System nicht zu verstopfen. Angst, Frust und/oder Traurigkeit fördern belegbar weder Innovation noch Kreativität. Die Förderung letzterer soll allerdings, laut BMBF-Erklärvideo, durch das Wissenschaftszeitvertragsgesetz erreicht werden.

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Keine Zeit zu verlieren!
Photo by incusion on Pexels.com

#LieberHannes?

Ich bin Kathrin. Ich bin auch eine Hanna. Wie alle anderen Hannas wollte ich es wirklich! Wäre ich Hannes (fiktiver Name!) und käme noch dazu aus einem Akademiker*innenhaushalt, hätte ich heute wohl eine andere Geschichte zu erzählen.

Hannes hat alles richtig gemacht. Er hat nach der Promotion Frau aus geliebtem Job und Familien-Unterstützungssystem und Kind aus Kindergarten und Familien-Unterstützungssystem genommen und ist an eine renommierte Universität im Ausland gedüst. Einige erfolgreiche Jahre später ist er dann mit Rückenwind an die nächste renommierte Universität im Ausland gedüst, um eine Nachwuchsgruppe zu gründen. Ob Frau und Kind wieder bzw. noch an Bord sind, weiß ich nicht.

Hannes, selbst Professorenkind, hat schon viel von zu Hause mitbekommen; hatte schon früh einen eher professoralen Habitus, konnte seine Ressourcen besser nutzen, hatte immer schon ein breites Netzwerk und eine solide finanzielle Absicherung.

Wenn ich mir die Twitter-Posts zum Hashtag #IchBinHanna anschaue, sind da allerdings viele, viele Hannes dabei, auch solche, die vermeintlich ‚alles richtig gemacht‘, es vermeintlich ‚geschafft‘ und die Entfristung erreicht haben, die sich trotz ggf. bester Voraussetzungen in ebenso prekärer Lage befinden wie die Hannas und die #Arbeiterkinder, uvm., und körperlich, psychisch und emotional mindestens angeschlagen, wenn nicht erkrankt sind. Dazu aus meinen Buch:

„Wir gönnen uns häufig weder Lob, noch Ruhe oder eine (innerliche) Feier, wenn wir einen Meilenstein erreicht haben. So habe ich z. B. einen Professor erlebt, welcher, als er endlich die ‚Möhre der Vertragsentfristung‘ in den Händen hielt, weder mit seinem Team oder der Familie feierte, noch sich einige Tage Ruhe gönnte, sondern Schmerzmedikamente einnahm, mir „The show must go on“ von Queen zitierte und weitermachte.

Ich war damals nicht in der Position, ihm zu sagen, dass der Liedtext mit „mein Herz zerbricht,…“ weitergeht und Freddy Mercury, als er den Text schrieb, nach langjährigen regelmäßigen Alkohol-, Drogen- und Sexexzessen an den Folgen seiner HIV-Infektion und der daraus resultierenden AIDS-Erkrankung litt. (u. a. Bohemian Rhapsody: King et al., 2018)“

in Marter, K. 2021. Springer-Verlag)

Leaky Pipelines

Für Hannas und Kathrins und #Arbeiterkinder und Studierende, Promovierende und Postdocs mit Migrationshintergrund, sowie Ostdeutsche existieren allerdings diverse Leaky Pipelines und Gegenwinde, die von der erbrachten Leistung völlig unabhängig, durch noch mehr Leistung nicht zu kompensieren und für die entsprechende Zielgruppe ohne Unterstützung nicht greifbar sind.

Aus ‚Recruiting for Excellence‚ Universität Zürich, Faculty of Science, Stand April 2017

Deshalb erklärt uns das BMBF auch (realitätsfern und frech): „Hanna weiß, dass man eine Karriere in der Wissenschaft frühzeitig planen muss. Deswegen nimmt sie regelmäßig das Betreuungsangebot für Promovierende an ihrer Hochschule in Anspruch.“ (Erklärvideo des BMBF: „Wozu dient das Wissenschaftszeitvertragsgesetz?“ 30. Juli 2018).

Als ich noch Hanna war und promovierte, gab es diese Angebote nicht. Heute unterstütze ich mit solchen Beratungsangeboten selbst vor allem Frauen im Wissenschaftssystem. Freiberuflich und an einer Hochschule. Letzteres tue ich un-witzigerweise und aufgrund meiner Qualifikation und Promotion auf einem befristeten Zeitvertrag, welcher dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz unterliegt, d.h. leistungs- und erfolgsunabhängig ohne Aussicht auf Verlängerung.

Diese projektbasierte und Arbeitgeber-gebundene Unterstützung mache ich dann wohl in vier Jahren so nicht mehr. Ich mache den Weg frei, bzw. werde vom Wissenschaftszeitvertragsgesetz frei gemacht, bzw. die Verstopfung aka ich wird bereinigt, für die nächste Verstopfung aka Hanna, die andere Hannas dann auf ihrem Weg an die Spitze des Elfenbeinturms für die restlichen Jahre, bis zum Auslaufen ihres Wissenschaftszeitvertragsgesetz unterstützen darf.

Das fördert meine Kreativität und Innovationskraft jetzt nicht so.

Meine Ideen gegen Verstopfungen und für ein nachhaltig gesundes, zufriedenes, erfolgreiches chancengerechtes Miteinander

Wenn mich gerade etwas motiviert, dann dass die Frauen, die ich unterstütze, durch mich Rückenwind bekommen und andere Möglichkeiten haben.

Diese Motivation ist getrieben von dem Wunsch langfristig etwas zu ändern. In diesem Zusammenhang hätte ich hier auch noch ein paar kreative, anschauliche und innovative (zugegebenermaßen [aufgrund der emotionalen Narben] zynische) Vorschläge im Zusammenhang mit Verstopfungen:

Idee 1

Könnte der Quatsch nicht wenigstens aufhören, wenn Hanna nicht mehr als Wissenschaftlerin an einer Hochschule arbeitet, sondern sich für eine sogenannte Parallelkarriere entschieden hat, in der weniger Verstopfungen zu befürchten sind?

Idee 2

Auf einer 50 %-Stelle — verstopfe ich da nicht auch nur 50 % des Systems? Könnte ich da nicht noch ein wenig länger den Job machen, den ich so gerne und mit so viel Aufopferung und Begeisterung, Innovationskraft (#IchBinHanna aka Kathrin ist Hugo-Junkers-Preis-Trägerin für Forschung und Innovation des Landes-Sachsen-Anhalt!) und selbst eingeworbenen Mitteln mache? Dann könnte ich mir vielleicht mal einen Schrebergarten pachten, weil ich wüsste, wo ich die nächsten Jahre meines Lebens verbringe.

Idee 3

Beim Bafög gibt es doch auch so eine Regelung, wenn man*frau XY Kinder bekäme, müsste das Bafög nicht mehr zurückgezahlt werden? Wie viele Kinder bräuchte ich denn für eine Entfristung? Das würde ja ggf. auch das Problem mit der Geburtenrate unter Akademikerinnen lösen.

Ja, ja, ich versteh schon; das Problem mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs allerdings nicht:

Ich hätte dann wohl Kinder und einen Schrebergarten, könnte endlich ankommen, müsste nicht mehr so viele Existenzängste und Selbstzweifel haben, wäre aber Ursache diverser Verstopfungen (hätte also doch wieder Selbstzweifel).

Welche gut ausgebildete, innovative, mega-power Hanna oder Kathrin möchte nach Jahren harter Arbeit schon aus dem System getrieben werden oder es zum Kollabieren bringen …

Idee 4

Wenn nun das System in der Mitte verstopft ist, durch unkreative, nicht-innovative alternde Wissenschaftler*innen und diese Verstopfung abfließen soll, wo soll sie denn hin? Unten sind die Nachrücker*innen und scharren mit den Hufen, oben schwingen die Vorgesetzten ihre (Damokles-) Schwerter.


Als promovierte Biologin mit einem sehr guten Verständnis für den menschlichen Körper und Gesund- und Krankheit, stelle ich mir gerade das menschliche Darmsystem vor.

#IchBinHanna und das menschliche Verdauungssystem. Abbildung erstellt mi canva.com

Eine Verstopfung im Mittelbau des Darmsystems ließe sich vermeiden, indem das jeweilige System weniger isst. Das würde bedeuten, es würden weniger Stellen für Promovend*innen geschaffen. Eine solche Entwicklung wird durch die Projektträger bereits dadurch gesteuert, dass Promovierende heute bei voller Arbeitsleistung (eigentlich) mehr als 50 % entlohnt werden müssen, so dass die Antragstellenden sich überlegen müssen, ob sich der Betreuungsaufwand überhaupt lohnt, oder eine 100 % Stelle für ein*e Postdoc nicht angebrachter wäre… Reicht allerdings nicht. Die Verstopfung durch die vielen Hannas ist noch da. Also Dulcolax her:

Die gelöste Verstopfung im Mittelbau des Darmsystems ergießt sich schwallartig über den Enddarm / das Nadelöhr / das Bottleneck des professoralen Personals und nimmt alles mit, was ihr im Weg steht. Ist das eine schöne Idee? : Befristete Professuren, deren Inhaber*innen nach einer gewissen Zeit in Forschung und Lehre die Wirtschaft oder Politik mit ihrer Kreativität und Innovationskraft beglücken dürften und ein stetiger Zufluss neuen Wissens, neuer Kraft, Kreativität, Diversität und Innovation in Lehre und Forschung durch die Hannas im Mittelbau. Mit dieser Idee sind die Entscheidungsträger*innen sicher nicht so d’accord.

Okay, die Verstopfung, biologisch gesehen, kann also weder nach oben noch nach unten so richtig gut abfließen. Oben und unten sind systemisch unüberwindbar verstopft. Da bleibt nur die Explosion, das Platzen des Darmes, ein Magendurchbruch oder eben ein operativer Bypass, wie der des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes. Das habt ihr euch wirklich gut überlegt, ihr professoralen, überwiegend männlichen, weißen, in allen Bundesländern aus der ehemaligen BRD stammenden Berater der Politik mit ihrer ebenfalls überwiegend männlichen, weißen, in allen Bundesländern aus der ehemaligen BRD stammenden Politikern und Vertretern des Patriachats, die ihr es geschafft habt und den natürlichen Abfluss besetzt haltet und neue Anträge für neue Promovierende schreibt, die ihr gar nicht angemessen betreuen könnt oder wollt. 

Idee 5

95 vermutlich weniger zynische Vorschläge gibt es hier.

Wer bin ich und wenn ja wie viele? Selbstportrait 1. Erstellt mit canva.com.

LieberKathrin

Ich bin Kathrin. Ich bin auch eine Hanna. Heute bin ich glücklich. Meine Geschichte lässt sich durchaus als Erfolgsgeschichte erzählen. Da ich selbst emotional mit ihr verbunden bin, fühlt sie sich für mich allerdings immer noch manchmal wie eine Leidensgeschichte an. Ich arbeite daran…

‚50 Fakten über mich selbst‘ sind dafür eine gute Übung. Ich mache sie nicht nur selbst gerne, sondern auch mit Studentinnen und Promovendinnen und zu Recht frustrierten, verzweifelten oder ohnmächtigen Aussteiger*innen und zum Empowerment bei Konflikten oder vor Verhandlungen mit meinen Coachees aus dem Hochschulbusiness…

  1. #queenofbrain
  2. #conquereeofhabit
  3. #tabularasa2punkt0
  4. Dr.in rer. nat. Kathrin Marter
  5. Promovierte Verhaltensneurobiologin
  6. Wissenschaftlerin
  7. Hugo-Junkers-Preisträgerin für Forschung und Innovation
  8. Systemische Beraterin
  9. Systemtherapeutische Beraterin
  10. Strategische Netzwerkberaterin
  11. Freiberuflerin
  12. Selbständige
  13. Unternehmerin
  14. Expertin für ganzheitliche Karriere- und Persönlichkeitsentwicklung
  15. Autorin
  16. Ressourcenmanagerin
  17. Referentin
  18. Berufsschulpädagogin
  19. Bloggerin
  20. Yogalehrerin
  21. Pilates-Trainerin
  22. Trainerin für Wirbelsäulengymnastik
  23. Entspannungstrainerin
  24. Faszientrainerin
  25. Wanderführerin
  26. Gesundheitswanderführerin
  27. Natur- und Landschaftsführerin
  28. Empathie
  29. Kreative
  30. Lebensstil-Integratorin
  31. Aktive Zuhörerin
  32. Gewaltfrei Kommunizierende
  33. Feministin
  34. Aktivistin
  35. #Arbeiterkind
  36. kritische Kritikerin
  37. Singende
  38. Gitarre-Spielerin
  39. Große Schwester
  40. Bester Freundin
  41. Entschleunigerin
  42. buntes Zebra
  43. Koordinatorin
  44. Organisationstalent
  45. Zuverlässig
  46. Lösungsorientiert
  47. Radfahrerin
  48. ganzheitlich gesund
  49. Radfahrerin
  50. Team-Playerin
  51. Deutsche Meisterin im Rudern im Kinder- und Jugendbereich
  52. Landesmeisterin im Triathlon im Jugendbereich
Wer bin ich und wenn ja wie viele? Selbstportrait 2. Erstellt mit mentimeter.com.

Tipps gegen Update-Stress

Wir leben in der Zeit der „ewigen Beta“. Die Programme, die heute auf unseren Computern, Tablets und Smartphones laufen, werden immer weniger als fertiges Produkt angesehen, sondern als Dienstleistung — „Software as a Service“. Wir bezahlen keine Ware, sondern erwerben eine Nutzungslizenz, oder wir schließen Abonnements ab. Eine neue Version der Software wird so oft nicht mehr explizit erworben, sondern kommt automatisch, und wenn wir ein Programm starten, um einfach damit zu arbeiten, müssen wir mitunter erstmal minutenlang warten, bis es sich aktualisiert hat.

Bekanntestes Beispiel ist Microsofts Betriebssystem Windows 10, das ca. zwei Mal im Jahr ein großes Update erhält und dazwischen mehrere kleine. Die lassen sich zwar für einige Tage verschieben, sind aber schließlich zwingend zu installieren. Auch Apple hat Mitte 2020 in seinem Betriebssystem macOS die Möglichkeit entfernt, Updates zu ignorieren. Das mobile Betriebssystem Android, viele Spiele und Anwendungsprogramme (oder „Apps“) erscheinen ebenfalls als „rolling release“ ohne absehbaren Endzustand.

Beispiele für Update-Stress

Solch regelmäßige Aktualisierungen beheben heute nicht nur Fehler, damit am Ende ein möglichst ‚rundes‘ Produkt entsteht. Oft fügen sie neue Funktionen hinzu, verändern oder entfernen bekannte Funktionen und bringen leider auch neue Fehler mit. Das alles kann auf Nutzer*innen-Seite echten Stress verursachen.

Nicht nur an mir selbst, auch in meinen diversen Kundenservice-Erfahrungen erlebe ich immer wieder Kombinationen von Situationen wie den folgenden:

  • Ein Update verändert Bezeichnungen, Symbole oder die Anordnung von Bedienelementen so, dass bekannte Funktionen nicht mehr wiedergefunden oder nicht mehr korrekt bedient werden können, obwohl sie ansonsten weiter vorhanden sind. Das bereitet Menschen große Schwierigkeiten, die sich mit Mühe in eine Nutzerschnittstelle eingearbeitet hatten und nun umlernen müssen. Das betrifft mehr Leute, als man als computeraffiner Mensch glaubt.
  • Ein Update verändert bekannte Funktionen so, dass die Leistungen dieser Funktionen (ihre Ergebnisse oder Effekte) anders sind als zuvor. Funktion A hatte vor dem Update Effekt 1 und 2, nach dem Update hat sie vielleicht noch Effekt 3, oder Effekt 2 wurde entfernt, weil dafür nun eine neue Funktion B eingeführt wurde.
  • Ein Update verändert die ‚harten‘ technischen Voraussetzungen, die nötig sind, damit das Programm vernünftig läuft — es benötigt auf einmal mehr Speicher, einen besseren Prozessor oder eine bessere Grafikkarte, um genauso schnell wie zuvor auf unsere Wünsche zu reagieren. Im schlimmsten Fall stellen wir dann fest, dass wir auch die Hardware selbst aktualisieren müssen, damit alles wieder gut funktioniert.
  • Ein automatisches Update wird genau dann durchgeführt, wenn man es gerade am wenigsten brauchen kann — statt einfach schnell die jeweilige Aufgabe zu erledigen, muss man erstmal warten, bis das Update fertig ist. Wenn dafür auch noch lange Downloads nötig sind, während der Internetzugang vielleicht gerade durch andere Haushaltsmitglieder ausgelastet ist, kann das sehr frustrierend sein.
  • Ein automatisches Update ist nicht verhinderbar („Zwangsupdate“) oder kann nicht auf einen geeigneteren Zeitpunkt verschoben werden.
  • Es wird nicht verständlich erklärt, was ein Update für Änderungen zur Folge hat, und ob es wichtig oder unwichtig für meine eigene, ganz konkrete Nutzungssituation ist.

Ihnen fallen sicher noch andere Punkte ein. Jedenfalls kann all das ‚ganz schön stressig‘ sein.

Tipps gegen den Updatestress

Auf Updates zu verzichten, ist keine gute Idee, denn oft sind die Änderungen positiv und wichtige Fehlerquellen oder Sicherheitslücken (die sich eben nie ganz im Vorfeld verhindern lassen) werden behoben. Auch Zwangsupdates können sinnvoll sein, um gegen akute Sicherheitsprobleme oder Fehler mit großen Auswirkungen vorzugehen. In diesen Fällen mag das — eigentlich ziemlich übergriffige — Verhalten der großen Softwarefirmen gerechtfertigt erscheinen, denn ein nicht aktuell gehaltenes System wird im Internet auch zur Gefahr für andere.

Daher folgen nun einige einfache Tipps, wie man Updatestress vorbeugen kann.

  1. Vereinfachung I: Man muss nicht gleich „Digital Detox“ machen, aber was nicht installiert ist, braucht auch keine Updates. Viele Geräte werden von Anfang an mit Software geliefert, die man gar nicht verwendet. Misten Sie Ihre Geräte daher regelmäßig aus und vermeiden Sie es, irgendwelche Programme aus dem Internet oder Apps aus dem Appstore runterzuladen, nur weil die Werbung irgendwelche Wunder verspricht oder ein neues Programm toller aussieht als das alte. Neu ist nicht immer besser.
  2. Vereinfachung II: Im Laufe der Zeit sammeln sich heute ziemlich viele Geräte an. Das ist nicht nur ein Problem für die natürlichen Ressourcen der Erde, das Klima und die Stromrechnung. Jedes Gerät will gewartet sein, und gerade Geräte, die wir nur selten verwenden, sind beim nächsten Mal erstmal lange mit Aktualisierungen beschäftigt. Beschränken Sie sich daher auf wenige, möglichst langlebige Geräte, die Sie wirklich brauchen und regelmäßig verwenden.
  3. Erkennen Sie Ihren Bedarf: Um zu ermitteln, welche Geräte und Programme wir ‚wirklich brauchen‘, hilft es, mal einen Monat Tagebuch über die eigenen Nutzungsgewohnheiten zu führen. Was tue ich in welchem Umfang mit meinem Smartphone, meinem Tablet, meinem PC und meinem Laptop? Kann ich eventuell bei der nächsten Mobilfunkvertragsverlängerung auf ein neues Gerät verzichten? Kann das Tablet möglicherweise PC und Laptop ersetzen? Muss das Telefon wirklich ’smart‘ sein, wenn ich daneben auch ein Tablet habe? Verzichte ich vielleicht sogar ganz auf Smartphone und Tablet, um die Computer dorthin zu verbannen, wo sie hingehören (nämlich auf den Schreibtisch statt auf die Couch oder neben das Bett)? Habe ich das Gefühl, dass die Verwendung von Gerät A, Programm B oder App C mir einen echten Nutzen oder Freude bringt? Wenn nicht, weg damit.
  4. Legen Sie Updates auf eine günstige Zeit: Um zu vermeiden, dass sich Updates gerade dann in den Vordergrund drängen, wenn Ihnen das gar nicht passt, planen Sie regelmäßige Zeitfenster für Updates ein — so wie für den Hausputz. Der ist übrigens eine gute Zeit, um größere Updates durchzuführen (besser, als Geräte dafür nachts angeschaltet zu lassen, während wir schlafen). Während wir Staub saugen, das Bad putzen oder abwaschen, können parallel Updates runtergeladen und installiert werden — die Geräte nutzen wir da ohnehin nicht und wenn wir mit der Hausarbeit fertig sind, dürften die meisten Updates auch abgeschlossen sein. Falls zwischendurch ein Neustart nötig ist, ist der auch schnell erledigt.
  5. Verschieben Sie brandneue Updates eine Weile, wenn möglich: Wenn es nicht gerade um wichtige Sicherheitslücken geht, warten Sie einige Tage ab. Schon öfter hatten etwa Nutzer*innen von Windows 10 das Problem, dass der Computer nach Updates nicht mehr startete; der Hersteller zog dann diese Updates zurück und brachte später korrigierte Versionen heraus. Mittlerweile kann man eine „Update-Pause“ für bis zu 35 Tage in Windows 10 einstellen; unter Umständen ist das sinnvoll.
  6. Informieren Sie sich im Internet, ob ein Update Probleme bereiten könnte. Seriöse Seiten sind dafür etwa technische Nachrichtenportale wie heise.de oder golem.de; Social Media und Foren verbreiten hingegen oft auch oft Halbwissen und Mythen.
  7. Machen Sie Backups: Wertvolle Texte, Fotos, Musik, usw. sollten regelmäßig gesichert werden — das geht zwar in der Cloud, aber falls das Internet mal ausfällt, schadet es auch nicht, traditionelle Backups auf externen Datenträgern zu haben. Das nimmt die Sorge davor, alles zu verlieren, wenn mal etwas schiefgeht. Sie müssen dazu keine komplexe Backupstrategie mit zig Versionen einführen. Machen Sie einfach jede Woche eine Sicherung der wichtigsten Ordner und löschen Sie nach vier Wochen die jeweils älteste Sicherung. Auch dies lässt sich übrigens mit dem Hausputztermin kombinieren.

Fazit

Natürlich könnte man noch viel weitergehen. Man könnte selbst zum ‚Techniknerd‘ werden, ein freies Betriebssystem wie Linux installieren und so eine fast vollständige Kontrolle über die eigenen Geräte und Programme erlangen. Dies jedoch verschiebt den eigenen Fokus von der möglichst einfachen Nutzung und verlangt zeitaufwendige Einarbeitung (an deren Ende zwar ebenfalls eine elegante Form von Einfachheit stehen kann, aber der Weg dahin braucht etwas Zeit und Lernwillen). Die genannten Tipps hingegen — sie dienen letztlich der Systematisierung und dem Gewinnen eines Überblicks — lassen sich auch in einem ’normalen‘ Nutzungsalltag umsetzen.

(Titelbild: mohamed_Hassan / Pixabay.com)

Aushalten durch Offenhalten. Zum Umgang mit dem medialen Nachrichtenfeuerwerk

„Ein Mann mit nacktem Oberkörper, riesiger Fellmütze und Hörnern stieg auf das Podest des Senats, sah in den Saal und spannte seine Muskeln als Geste des Triumphs.“ In dieser nüchternern Berichtsform fasst der Politikwissenschaftler Yascha Mounk bei Zeit Online eine der Szenen der Ereignisse im US-Kapitol zusammen und damit auch den Zustand vieler Staaten (Demokratien und andere) weltweit, die von machtorientierten Machotypen regiert werden. Das unfreiwillig lächerliche Bild des behörnten Trump-Supporters (der, wie ein anderer Artikel bei Spiegel Online erklärt, als QAnon-Schamane bekannt ist) und die ebenso komische sprachliche Nähe von Trump und Triumph werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben, zumindest bis es zur nächsten Eskalationsstufe des „surrealste[n] Aufstand[s] seit Woody Allens Bananas“ (Mounk) kommt.

Mounk leitet den Artikel mit einem Verweis auf das aristotelische Drama ein, dessen Ende „überraschend und zugleich unausweichlich“ sein sollte und urteilt, dass „die vier Jahre, die Donald Trump Präsident der USA war, gerade zu einem angemessenen Schluss gekommen“ seien. Da bin ich mir nicht so sicher, immerhin hat Trump bereits angekündigt, dass sein Kampf gerade erst begonnen habe, und seine engsten Anhänger werden sicher nicht einfach aufgeben, nur weil eine Formalie nun Joe Biden offiziell zum Wahlsieger erklärt hat. Nein, ich denke, der Vergleich zu einer endlosen Streamingserie ist angemessener, und die nächste Staffel kommt bestimmt, denn die Einschaltquoten sind gut.

Unbearbeitbare Ungewissheiten

Jeder der Krisenkomplexe Trump, Corona, Brexit, Klima, usw. wird medial sowohl als äußerst dringlich markiert, als auch als zu komplex für schnelle Lösungen. Der Wunsch, auf alles vorbereitet zu sein, sodass eine komplexe Krise in abschließend bearbeitbare Teilprobleme zerlegbar ist, ist zwar verständlich, aber illusorisch. „Es kann doch nicht sein!“ riefen einem seit Trumps Wahlsieg 2016 die Medien immer wieder entgegen, ungläubiges Staunen, bis zum vorläufigen Höhepunkt. „Es kann doch nicht sein“, dachte man während des Brexit-Prozesses, von dem immerhin John Bercows „Order!“-Rufe in Erinnerung bleiben — der Ordnungsruf, der zur Ruhe im Parlament mahnte, kann rückblickend auch als Ausdruck der Sehnsucht nach dem Ende des Wahnsinns gelesen werden. Und wieder „es kann doch nicht sein“, dass Corona-Maßnahme XYZ immer noch nicht durchgesetzt ist, dass zu wenig Impfstoff bestellt wurde, dass immer noch Lüften statt Luftfilter das Mittel der Wahl für Präsenzunterricht ist, dass der Weg zum Arbeitsplatz nicht von Beschränkungen betroffen ist, dass Home Office immer noch nur eine Empfehlung und keine verbindliche Richtlinie ist, usw. Kommentare von Leser*innen unter entsprechenden Kommentaren echoen die ausgedrückte Ungläubigkeit, Verzweiflung und Wut, und verstärken den medialen Stress nur noch.

Das eine große Stichwort, unter dem sich der medienbedingte Stress in aktuellen soziologischen Perspektiven fassen lässt, ist unbearbeitbare Ungewissheit. Normalerweise verlassen wir uns auf gesellschaftliche Funktionssysteme, Ungewissheiten zu klären. Die gerade relevante Krise wird als zu lösendes Problem definiert, und je nach Problem trauen wir dem einen oder anderen System zu, es zu bearbeiten. Wir erwarten uns Antworten und Lösungen, die, wenn schon nicht schnell, dann doch verlässlich sein sollten und entsprechend kommuniziert. Eine Weile kann man Ungewissheit gut aushalten, aber was, wenn sie über Monate oder Jahre anhält?

Resilienz und Umgang mit Stress

In der Psychologie spricht man von Widerstandsfähigkeit oder Resilienz. In dem Zusammenhang unterscheidet man problemorientierte und emotionsorientierte Strategien zum Umgang mit Stress. Erstere widmen sich dem stressauslösenden Element (dem Stressor); letztere dienen dazu, dass man sich besser fühlt, ohne den Stressor selbst verändern zu können. Welche Strategie sinnvoll ist, hängt auch davon ab, ob der Stressor kontrollierbar ist oder nicht. Beispiel individueller Corona-Stress: Abstandhalten, Maske tragen oder jetzt die Impfung können Verbreitung oder Wirkung des Virus eindämmen und gehören zu den problemorientierten Strategien. Der eskapistische Gebrauch von Filmen oder Computerspielen zur Ablenkung wäre dagegen eine emotionsorientierte Strategie; ebenso der Versuch, die eigene Einstellung zu dem Stressor zu ändern.

Der Stress, der durch die unklaren, sich teils widersprechenden politischen und medialen Lagen ausgelöst wird, kann ebenfalls problem- oder emotionsorientiert bearbeitet werden. „Einfach abschalten“ ist dabei die einfachste problemorientierte Strategie: nur noch sporadisch Nachrichten schauen oder lesen, oder gar nicht mehr. Mit dieser Flucht vor dem Stressor lebt es sich erstmal leichter. Auch massive Medien- bzw. Politikkritik oder eine Abwertung der Systeme Massenmedien und Politik können so eine Funktion erfüllen.

Doch auf Dauer entlastend ist beides nicht. Abschalten funktioniert dann nicht mehr, wenn sich zeigt, dass hinter den Medienberichten doch echte Ereignisse stehen, die auch ohne Medienkonsum passieren. Spätestens, wenn der erste schwere Coronafall im eigenen sozialen Umfeld auftaucht, ist man betroffen, auch wenn man sich durch Ignorieren der Medien in eine heile Welt geträumt hat. Ähnlich die abwertende Kritik an Medien und Politik: Die funktioniert nicht mehr, wenn man irgendwann doch versteht, dass die von diesen Funktionssystemen bearbeiteten Ungewissheiten einfach nicht verlässlich in Gewissheiten verwandelt werden können — nicht, weil die Leute alle unfähig oder korrupt oder „Lügenpresse“ wären, sondern weil es einfach Probleme ohne allgemeingültige oder dauerhafte Lösung gibt.

Situative Offenheit

Jede Lösung gesamtgesellschaftlicher Probleme ist heute ein Kompromiss, denn jede Lösung beruht auf unvollständigen Informationen und muss immer wieder an neue Situationen angepasst werden. In der ethnomethodologischen Forschung (wo seit Ende der 1960er Jahre der subjektive Umgang mit Plänen zur Problemlösung beobachtet wird) sowie in der soziologischen Systemtheorie (in der es nicht um Erklärungen im kausalen Sinne geht, sondern um Funktionsäquivalente zum Beobachteten) hat man diese Erkenntnis schon lange — jetzt kommt sie langsam im Alltag an, wenn etwa heute ein Beschluss gefasst wird, der morgen schon wieder anders ausgelegt wird, oder wenn in derselben Zeitung zwei sich widersprechende Einschätzungen stehen, die beide Absolutheit beanspruchen. Aber noch wehrt man sich mit Händen und Füßen gegen das, was negativ interpretiert vielleicht als nur noch mehr Ungewissheit verbreitender Relativismus erscheint.

Doch statt sich darüber in Ärger zu versteifen, lohnt es sich, das ewige „Es kann doch nicht sein!“ mit all der Verzweiflung und Wut dahinter zu ersetzen durch ein positiv gedachtes, Luhmann’sches „Es kann auch immer anders sein!“ Es geht um das sich-Offenhalten für Alternativen, um auch in schnell veränderlichen Situationen handlungs- bzw. anpassungsfähig zu bleiben. Bewährte Methoden der Stressbewältigung (die z.B. Kathrin Marter vor einigen Monaten in ihrem Artikel zum persönlichen Corona-Management erläutert hat) helfen dabei, diese Offenheit aufrechtzuerhalten.

(Titelbild: Andrys Stienstra / Pixabay)

Raunächte — digitale Ruhe und Besinnlichkeit zwischen den Jahren

In diesem Blogbeitrag geht es um die Raunächte, ihre Bedeutung, wie wir sie gut für uns nutzen können, um das alte Jahr dankend gehen zu lassen und das neue Jahr zielorientiert willkommen zu heißen. Ganz im Sinne der Über-Strom-Reihe nutze ich Beispiele aus unserem digitalen Alltag, um Rück- und Vorschau einzuleiten. Ganz im Sinne von Tabula Rasa 2.0 frage ich, um ungesunde Glaubenssätze und Verhaltensweisen erkennbar zu machen und die Absicht der Integration neuer gesunder Verhaltens- und Denkweisen zu ermöglichen und zu stärken.

Raunächte — Tage außerhalb der Zeit

Die Raunächte, auch Rauhnächte, gehen vermutlich auf den germanischen Mondkalender zurück. Dieser hatte ein Jahr mit zwölf Mondmonaten und demnach 354 Tagen. Die zum heutigen Sonnenkalender mit 365 Tagen fehlenden elf Tage – bzw. zwölf Nächte – sind, aus Sicht des Mondkalenders, mit dem Wissen um den Sonnenkalender, Tage außerhalb der Zeit. (1)

Diese Tage außerhalb der Zeit sind für viele von uns arbeitsfreie Tage. Durch die vorbereitenden Adventsonntage, das Raunächte einleitende Weihnachten bei Kerzenlicht, Liedern, im Kreise der Familie kommen wir zur Ruhe und erleben zwischen den Jahren eine besinnliche und entschleunigte Zeit. Sie wirkt durch die kurzen Tage um die Wintersonnenwende mit dem 21.Dezember immer auch mystisch.

Analoge Tage außerhalb der Zeit?

Die Raunächte können dieses Jahr ganz besonders, auch eine Zeit sein in der Körper, Psyche und emotionales System einen Ausgleich zur Digitalisierung erfahren.

Ich liebe die Digitalisierung! Sie hat es mir ermöglicht meine YogaLehrAusbildung trotz Lockdown zu Hause zu beenden. Sie ermöglicht es mir in Kontakt zu bleiben und z.B. zu Weihnachten auch meine Schwester sehen zu können, die nicht ‚anfassbar präsent‘ bei uns sein wird. Die Digitalisierung ermöglicht es mir meine Yoga-Kurse auch weiterhin anzubieten und so viele Menschen bei ihrer Entspannung und Stressbewältigung in dieser irren Zeit zu unterstützen und ich kann sogar Formate wie die Raunächte-Meditations-Challenge anbieten, für die es vor Corona und den damit verbundenen Lockdowns keine Zielgruppe und/oder keine Bereitschaft und Vorstellungskraft gegeben hätte: Ab dem 21.Dezember werde ich nun jeden Morgen um 7 Uhr (vielleicht 6:50 Uhr) aus dem Bett kullern, den Rechner hochfahren und um 7:15 Uhr mit Gleichgesinnten meditativ die Raunächte begehen. Ebenso um 20:45 Uhr, damit ich gegen 21:30 Uhr tief verbunden mit mir selbst und absolut präsent wieder ins Bett kullern kann, um dort in der Meditation, die sich Schlaf nennt, zu regenerieren und aufzutanken. Ich wünsche mir von mir selbst, dass sich dieses Meditations-Ritual durch die Raunächte so festigt, dass ich es beibehalte, weil es mir gut tut, weil es gesund ist und ich gesund sein möchte.

Raunächte- digitale Ruhe und Besinnlichkeit zwischen den Jahren

Die Meditation, wenn hier auch digital übertragen, um im Lockdown gemeinsam zu sein, ist ein wundervolles Pendant zur Digitalisierung, weil wir uns in der Meditation von äußeren Reizen zurückziehen. Das Digitale, viele werden es spätestens in der Intensität des Home Office und der Lockdowns bemerkt haben, ist körperlich und kognitiv anstrengend:

Die Impulse der hellen Bildschirme strengen die Augen im Übermaß an, bei schlechter Verbindung der Telco muss das Gehirn sich aus abgehackten Tönen den Kontext zusammenschustern, viele Formate wollen unsere Aufmerksamkeit und einige versuchen sie über angstauslösende Titel und Artikel zu bekommen. Gleichzeitig haben wir, ob der Fülle der digitalen Angebote, Belehrungen und Informationen keine Zeit uns tief und ernsthaft mit deren Wahrheitsgehalt auseinanderzusetzen, um unsere individuelle Wirklichkeit in der aktuellen Situation überhaupt noch einschätzen zu können.

Dazu fehlt vielen Bewegung, vielen fehlen die eingefahrenen, Sicherheit-gebenden Routinen des Berufsalltag, die Gespräche auf dem Flur, das Käffchen. Zudem können digitale Formate uns nur sehr begrenzt emotional berühren, wie es ein Lächeln oder auch Nicht-Lächeln der Chefin in ‚Präsenz-Präsenz‘ könnte, so dass einigen Menschen sicher große Mengen Oxytocin fehlen und so ein Gefühl von Einsamkeit entstehen kann.

In der Summe kann der Körper am Ende dieses Corona-Jahres nicht-ausgelastet und rastlos sein, bei gleichzeitigen Gefühlen von Schwäche und/oder dem Gefühl nicht belastbar zu sein, schlecht in den Schlaf zu finden oder nicht durchschlafen zu können, eine stärkere Brille zu brauchen, Verspannungen in Hüfte, Schultern, Nacken und Gesicht, Kopfschmerzen bis hin zu Migräne und diffusen Ängsten, ob der Unsicherheiten und möglichen Veränderungen der eigenen Gesundheit und der eigenen Lebensumstände.

Raunächte — Rück- und Innenschau

Mit dem Wissen, dass die Tage wieder länger werden und das neue Jahr vor der Tür steht, regt sich Hoffnung in uns. Alle Jahre wieder, wünschen sich viele, dass das nächste Jahr besser wird als das vorangegangene, häufig ohne genau zu schauen, was alles erreicht wurde, ohne Dankbarkeit und Wertschätzung für das Erreichte und die Rückschau auf die Herausforderungen, die das Leben für uns bereit gehalten hat.

Diese Dankbarkeit und Wertschätzung allerdings sind es, die uns aus unserem tiefsten Innern heraus glücklich, zufrieden, entspannt und gesund sein lassen, die uns helfen, die Herausforderungen unseres Lebens anzunehmen, ohne dauerhaft den Ist-Zustand bekämpfen zu wollen, weil er noch nicht und niemals einen dauerhaften Zustand von Euphorie, Sicherheit und Fülle in uns auslöst.

Die Einflüsse von Sonne und Mond führen eine tiefe Empfindsamkeit herbei, die sich nutzen lässt, um

  • im Innen aufzuräumen,
  • Altes, das nicht mehr gebraucht wird, das nicht mehr nährt, dankbar und wertschätzend gehen zu lassen,
  • zu regenerieren,
  • die eigenen Wünsche und Bedürfnisse abzufragen,
  • neue Ziele zu visualisieren und
  • sich fest mit den eigenen kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Zielen zu verbinden,
  • Schritte zur Wunscherfüllung zu reflektieren,
  • sich zu fokussieren und
  • zu erden.

In Bezug auf den stark digitalisierten, bewegungs- und kontaktarmen Home Office-(Lockdown)-Alltag lässt es sich fragen:

  • Welche digitalen Medien und Werkzeuge nutze ich stündlich, täglich, wöchentlich? Wie viele Stunden bin ich auf diese Weise täglich online? Möchte ich das so?
  • Welche Regenerationsmöglichkeiten möchte ich meinem Körper, meiner Psyche, meinem emotionalem System vor / nach einen digitalen Tag geben? Ist das smart, d.h. ist das Ziel
    • simpel genug, um es auch anzugehen?
    • messbar? (spätestens hier fällt das Ziel, dauerhaft glücklich sein zu wollen raus)
    • für mich attraktiv? Hab ich da Bock drauf?
    • realistisch? (hier können wir auch nochmal über das Glück nachdenken…)
    • Ist der Startpunkt terminiert? Ein Zeitraum? (hier können wir auch nochmal über das Glück nachdenken…)
  • Wovon habe ich gerade zu viel in meinem Leben? Wo von zu wenig? Wie kann ich das ändern?

Raunächte — Tabula Rasa 2.0 pur

Wie in einem Karriere- und Persönlichkeitsentwicklungsprozess in einem Workshop oder Coaching fragen uns die Raunächte nach unseren Bedürfnissen, persönlichen Motiven, Zielen und Werthaltungen. Unsere Wünsche und Bedürfnisse sind natürlich und menschlich (siehe auch Artikel zur Maslowschen Bedürfnisse-Pyramide in Corona-Zeiten). Nicht immer ist allerdings die Art und Weise, wie wir uns unsere Wünsche erfüllen und Bedürfnisse befriedigen wollen, sinnvoll und zielführend. So kann ich mir und anderen zum neuen Jahr Gesundheit und Glück wünschen (lassen); daran zu glauben, dass ich durch das Aussprechen dieser Sätze allein dauerhaft gesund und glücklich bin, ist allerdings ziemlich esoterisch.

Um z.B. dauerhaft gesund zu sein, muss ich/musst Du Verantwortung für deine Gesundheit übernehmen.

Es braucht die Rückschau:

  • Was hab ich alles schon probiert?
  • Was hat gut funktioniert?
  • Was hat nicht so gut funktioniert?
  • Warum hat es nicht gut funktioniert?
  • Warum hat das, was gut funktioniert hat, gut funktioniert? …

Es braucht die Innenschau:

  • Wie zufrieden bin ich mit dem IST-Zustand?
  • Wofür bin ich dankbar?
  • Was brauche ich und warum?
  • Wie kann ich bekommen, was ich brauche?
  • Ist das wirklich wahr?
  • Was hindert mich daran, mein Ziel zu erreichen?

Und es braucht den Blick in die Zukunft:

  • Wie fühlt es sich an, wenn ich mein Ziel erreicht habe?
  • Wer teilt meine Werte, Bedürfnisse und/oder Ziele und wie können wir uns gegenseitig unterstützen ?
  • Wie sieht mein Plan aus? Was sind meine ersten Schritte hin zur Zielverwirklichung?
  • Was/wer/wo sind meine Reminder?

12 Tage und Nächte für diese und weitere Fragen lassen uns uns tief bei uns selbst ankommen und den ein oder anderen Wunsch, das ein oder andere Gefühl, als kontra-produktiv entlarven und im alten Jahr lassen. 12 Tage und Nächte in Verbindung, in Achtsamkeit und Wertschätzung mit uns selbst, ermöglichen es uns Achtsamkeit, Wertschätzung und Dankbarkeit zu üben und als Routine, als neue gesunde Verhaltensweise mit ins neue Jahr zu nehmen und in den Alltag zu integrieren.

Und wenn Dich im neuen Jahr das Hamsterrad nach einiger Zeit doch wieder einholt, dann hast Du mit dem Fasten zu Ostern und spätestens mit den Raunächten in 2021  wieder die Gelegenheit, rauszupurzeln.

Tipp: Um in Verbindung mit Dir selbst und Deinen Zielen, Wünschen und Bedürfnissen zu bleiben, bietet sich eine regelmäßige Yogapraxis an. Der Yoga ist vor 1000nden Jahren dafür entwickelt worden, dass wir unseren wahren Wesenskern entdecken können. Er bietet daher immer wieder die Innenschau an, verbindet Dich wärmend und umarmend mit Dir und schafft einen sanft-bewegenden, ent-spannenden Ausgleich zum wahnsinnig coolen und an-spannenden digitalen Zeitalter!

Herzlichst frohe Weihnachten, besinnliche Raunächte und ein zufriedenes neues Jahr,

wünscht Dir

Kathrin

Gesunde Mindsets zur Differenzierung von neuem Alltag und akutem persönlichen Corona-Krisenmanagement

Wir alle haben in den letzten Wochen und Monaten auf sehr vielen Ebenen sehr viele Veränderungen erlebt, die uns körperlich, mental und emotional stark gefordert haben, fordern und weiter fordern werden: Im Rahmen des politischen Corona-Krisenmanagements hat sich für uns vieles verändert, ebenso im Rahmen des unternehmerischen/betrieblichen Krisenmanagements, zum Teil als direkte Folge der Auflagen, z.T. als individuelle unternehmerische Maßnahme im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

Letztlich landen alle politischen, betrieblichen, und individuellen betrieblichen Maßgaben auf unserer persönlichen Agenda und treffen auf unsere individuelle Persönlichkeit mit all ihren schillernden Farben!

Ich habe gestern Abend eine Mindmap zu den verschiedenen Maßgaben gebastelt, um meine Gedanken zu den Veränderungen und vor allem den daraus entstehenden Belastungen zu sammeln und zu ordnen.

Mit meiner Mindmap zeige ich spezifisch die individuellen Komponenten der Corona-Krisensituation auf. Die politische und wirtschaftliche Komponente sind deshalb absichtlich kurz gehalten und bilden die Komplexität des Einflusses von COVID19 auf beide Systeme nicht vollständig ab.

Sie verdeutlichen aber den Einfluss von Politik und Wirtschaft auf unsere individuelle Situation. Sie zeigen auch, dass wir, da wir die Maßgaben ja letztlich auf unserer eigenen Agenda haben, auch nur in Eigenverantwortung damit umgehen können, um unser eigenes Stress- und Krisenmanagement in den Griff zu bekommen.

Ich darf erschöpft sein!

Eigenverantwortliches Handeln im Sinne der eigenen Gesundheit bei voller Agenda ist ganz sicher nicht einfach, insbesondere wenn die Kinder zu Hause zu beschulen sind; die Arbeitgebenden Forderungen haben; die Vorgesetzten nicht erreichbar sind; der Arbeitsvertrag auszulaufen droht; das Einkommen ausbleibt; und so weiter und so weiter… Die individuelle Komponente des Corona-Krisenmanagements lässt sich durch Sie selbst und Ihre Herausforderungen deshalb beliebig ergänzen.

Die Mindmap dient dabei aber nicht der Eskalation von Angst und/oder Wut, sondern der konstruktiven Lösungsfindung: Durch die Mindmap wird auf den ersten Blick deutlich, dass die Veränderungen, Herausforderungen und Belastungen enorm sind, auf allen Ebenen: körperlich, mental und emotional.

Da Veränderungen immer Energie kosten, ist es (mindestens) deshalb völlig in Ordnung, nach Wochen und Monaten des akuten Krisenmanagements jetzt körperlich, mental und emotional erschöpft zu sein.

Trotz Frühling mit sommerlichen Temperaturen dürfen wir auf der Couch bingewatchen, wenn wir das brauchen. Wir dürfen Dinge vergessen und Fehler machen. Das dürfen wir immer und jetzt noch mehr, auch wenn das aktuelle Gefühl (aus der Erziehung und dem Stresslevel heraus) oder das System, in dem wir uns bewegen, etwas anderes behaupten!

Ich wünsche mir, dass wir Erschöpfung, Vergessen und Fehler für uns als Anzeichen von Überlastung erkennen, nicht weil wir schwach sind (das ist nie der Grund für Überlastung), sondern weil die Belastungen hoch sind.

Grobe, unfreiwillige Veränderungen versetzen uns in der Regel erst einmal in einen akuten Stresszustand: das ist ein Zustand erhöhter Aufmerksamkeit, Konzentration und erhöhten Leistungsvermögens. Das ist auch gut so!

Akut bedeutet laut Duden ‘im Augenblick‘, ‚brennend‘, ‚schnell und heftig‘. Unser aktueller Stresszustand ist mittlerweile aber nicht mehr ‚im Augenblick‘, er beinhaltet schon eine Vergangenheit von Wochen bis Monaten. Er ‚brennt‘ sozusagen seit Wochen ‚schnell und heftig‘. Es handelt sich deshalb um einen chronischen Stresszustand, der uns, wenn wir nicht auf uns aufpassen, ausbrennt.

Ich bin für mein Wohlbefinden verantwortlich!

Die Systeme Politik und Wirtschaft können gegen unser persönliches Ausbrennen gerade nur wenig tun. Nur die wenigsten Arbeitgebenden sorgen sich gerade darum, die Mitarbeitenden im Home Office mit betrieblichem Gesundheitsmanagement zu versorgen. Und ganz ehrlich, viele Betriebe und Unternehmen haben ganz andere Sorgen.

Eigentlich immer, aber jetzt unbedingt, wünsche ich mir, dass jeder akut und chronisch Gestresste/Belastete für die eigene körperliche, mentale und emotionale Gesundheit selbst Verantwortung übernimmt.

Dabei dürfen Fragen aufkommen wie: „Was tut mir gut?“, „Was tut mir nicht gut?“, „Wovon habe ich gerade zu wenig in meinem Leben?“, „Wovon habe ich gerade zu viel in meinem Leben?“.

Unter Berücksichtigung der Pandemie-Maßgaben stellen sich anschließend Fragen wie „Wie / wo / von wem bekomme ich was ich brauche?“, „Was kann ich jetzt sofort für mich tun?“, „Wen kann ich mir ins Boot holen, um mein Ziel zu erreichen?“.

Bedürfnis und Bedürfnisbefriedigung können dann manchmal ganz nah beieinander liegen, zum Beispiel: „Ich brauche Bewegung“ und verabrede mich deshalb fürs Wochenende mit meiner besten Freundin zum Wandern.

In diesem Fall werden dabei eine ganze Reihe anderer Bedürfnisse und Work-Life-Balance-Aspekte mit abgedeckt; das Bedürfnis nach sozialem Kontakt, nach Sonne und Wärme, nach Zeit in der Natur. Die Augen erholen sich von den Videokonferenzen, die Lunge kann sich weiten und saubere Luft atmen um den Körper gut mit Energie zu versorgen…

Die Belastungen auf unserer Agenda lösen sich auf diese Weise nicht in Luft auf. Wir unterstützen uns aber dabei Sie besser angehen zu können und leisten einen extrem wertvollen und unbedingt nötigen Beitrag zu unserer körperlichen, mentalen und emotionalen Gesundheit.

Auch professionelle Hilfssysteme: Beratende und Coaches, je nach Stressor, z.B. Unternehmensberatende, Karriereberatende, Gesundheitscoaches oder Yogalehrende sind gute Ansprechpartner*innen um beim Lösen akuter Spannungen zu unterstützen und Entlastung zu begleiten.

Allerdings, wenn Sie massiv erschöpft sind, es Ihnen körperlich und/oder psychisch nicht gut geht, wenn Sie sich in einem körperlich oder psychisch ungesunden Umfeld befinden, zögern Sie bitte nicht Ihren Arzt anzurufen und/oder die Hilfesysteme in Anspruch zu nehmen, z.B. Nummer gegen Kummer: 116 111, www.nummergegenkummer.de, Telefonische Seelsorge: 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222, www.telefonseelsorge.de, Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 08000 116 016, www.hilfetelefon.de, NINA – Hilfetelefon: 0800-22 55 530, www.nina-info.de.

„Ich trenne mein Krisenmanagement von meinem gesunden Alltag!“

Es ist gerade sehr wichtig, bewusst das kurzfristige Krisenmanagement zu verlassen, in welchem wir uns angetrieben durch die Gegend peitschen (lassen) und eigene körperliche und psychische Bedürfnisse zurückstellen.

Die aktuellen Lockerungen mögen den Eindruck erwecken, dass der Spuk demnächst vorbei ist, wir bis dahin nur noch etwas ‚durchhalten müssen‘ und wir dann wieder wie gewohnt im Büro in unseren gut eingestellten Bürostühlen sitzen und Käffchen trinkend mit unseren Kolleg*innen schnattern.

Realistischer ist jedoch, dass es (1) noch dauert und sich (2) Home Office, (3) Online-Weiterbildungen und (4) Home Schooling etablieren, weil sie – in Balance – auch gut funktionieren können.

Wir tun deshalb gut daran, unsere Heimarbeitsplätze aufzuwerten, gemütlich und ergonomisch einzurichten, um nicht weiterhin den ganzen Tag total verdreht auf dem Küchenstuhl am Küchentisch zu sitzen. Es bedarf dafür nicht unbedingt einer teuren Büroausstattung. Seien wir kreativ!

Es ist nötig lange Mittagspausen mit Bewegung in unseren Alltag einzubauen, in denen sich (besonders, aber nicht nur) unsere Augen vom Bildschirm erholen können. Auch Videokonferenzen sind sehr anstrengend und stressig für Körper und Geist. Zum einen ist Information dabei stärker komprimiert, zum anderen lässt sie sich schlechter abspeichern, auch weil die persönliche Komponente fehlt. Außerdem braucht unser Gehirn viel Energie und Zeit, um die Pixel und Töne zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen. Noch mehr, wenn Bild und/oder Ton ruckeln oder wackeln. Vielleicht haben Sie sich dabei auch schon mal gefühlt, als würde gleich der Kopf platzen.

Jede Stunde Videokonferenz braucht danach eine analoge Pause zum Gitarre spielen, singen, tanzen, Wäsche waschen, Abwasch machen, Staubsaugen, Essen kochen, essen, Pause im Grünen, handschriftliches Arbeiten… Wir sollten nicht mehr als vier Stunden am Tag in Videokonferenzen verbringen und eigentlich auch keine acht Stunden vor dem Computerbildschirm… Eine liebe Kollegin, Jasmin Döhling-Wölm, hat speziell dazu kürzlich einen sehr lesenswerten und hilfreichen Artikel geschrieben: Wie man zoomt, ohne auszubrennen.

Fazit

Auch wenn die akute Krisen-Management-To-do-Liste nach wie vor lang ist und gefühlt nicht kürzer wird, verlassen Sie bitte bewusst das kurzfristige Krisenmanagement. Es ist niemandem geholfen, wenn wir in einem Monat so erschöpft sind, dass nichts mehr funktioniert und wir, sofern vorhanden, unsere Berufsunfähigkeitsversicherung in Anspruch nehmen müssen…

Regelmäßige Affirmationen wie: „Ich verlasse das akute Krisenmanagement“, „Ich gehe in eine gesündere Form meines Krisenmanagements über!“ oder „Ich trenne mein Krisenmanagement von meinem gesunden Alltag“ hilft, mit neuem Mindset in diese neue Phase überzugehen.

Es hilft, die Fragen in der Mindmap für sich selbst zu beantworten und mit Herz, Kreativität und ein wenig Verstand (in dieser Reihenfolge) Gesundheit, Regeneration und Freude mit oberster Priorität in den neuen Alltag zu integrieren.

Und es wird helfen, die Mindmap hinsichtlich positiver Veränderungen neu aufzubauen und Dinge zu sammeln, die jetzt besser funktionieren oder für die man dankbar ist! Es gibt auch davon eine ganze Menge!

Viel Erfolg, viel Freude, alles Gute und herzliche Sonnengrüße!