Zwei Jahre Über/Strom

Fast vergessen: Über/Strom hatte schon wieder Geburtstag. Seit zwei Jahren gibt es jetzt diese Mischung aus Blog und Online-Zeitschrift, immer noch auf der Suche nach der Beziehung von Mensch und Digitalisierung.

Das Design der Seite hat sich immer mal wieder verändert; auch habe ich vor ein paar Monaten die Kategorie „Interview“ eingeführt, weil das ja doch ein recht wichtiger Bereich geworden ist.

Ich könnte nun langweilige Statistiken benennen; auswerten, was für Artikel und Themen „gut liefen“ und welche weniger gut, aber ich denke nicht, dass das wirklich von Interesse ist. Ich möchte viel lieber Uta Buttkewitz, Kathrin Marter und Jessica Kathmann für ihre Beiträge danken, und allen Leser*innen für Ihr Interesse! 🙂 Mal sehen, was das nächste Jahr so bringt.

Die Buchreihe

Die Über/Strom-Website begleitet die gleichnamige Buchreihe, deren erste zwei Bände 2020 erschienen sind:

Und bald erscheint der nächste Band:

Weitere Bände sind in Arbeit.

Eine Auswahl interessanter Artikel

Wie schon letztes Jahr, folgt auch hier wieder eine unvollständige Auswahl interessanter Artikel, die seit Beginn veröffentlicht wurden. Die Liste habe ich teils so gelassen wie 2020, teils etwas angepasst, damit sie nicht zu lang wird.

Gesellschaft / Medien / Kommunikation

Leben mit Technik

Umwelt und Nachhaltigkeit

Leben mit (und ohne) Corona

Bücher und Filme

Neben den hier aufgeführten Artikeln gibt es noch eine ganze Menge mehr — über das Kategorien-Menü, das Archiv auf der rechten Seite und die Schlagwort-Wolke kann man sie durchstöbern.

(un)freundliche Worte: Zum ‚Spiel‘ Kind Words

Im … nennen wir es ‚Computerspiel‘ … Kind Words sendet man anonym „requests“ (Anfragen) an andere Spieler*innen und bekommt ebenfalls anonym Antworten darauf. Das ist optisch alles ziemlich kindlich gestaltet: das Spiel zeigt ein rosafarbenes Zimmer, die Briefe werden von einem Rentier gebracht, im Hintergrund spielt entspannende Musik. Thematisch geht es in den Anfragen jedoch um ernsthafte Probleme, die die oft jungen Spieler*innen gerade plagen.

A game about writing nice letters to real people. Write and receive encouraging letters in a cozy room. Trade stickers and listen to chill music. We’re all in this together. Sometimes all you need are a few kind words.

Kurzbeschreibung von Kind Words aus im Steam-Shop

Kind Words funktioniert wie der Kummerkasten einer Zeitschrift, der Besuch der Beichte oder das Erstellen und Bearbeiten von Support-Tickets im Kundendienst: Ein längerer Austausch zwischen zwei Personen ist nicht möglich. Die einzige messbare Belohnung für die antwortenden Spieler*innen sind Sticker, die man durch das Bearbeiten der requests sammeln kann; ansonsten wird Kind Words nur wegen der titelgebenden „freundlichen Worte“ gespielt. Die Befriedigung beim Spielen entsteht entweder, weil man etwas loswerden kann, das einem auf der Seele liegt, oder weil man anderen Menschen durch die eigene Antwort hilft — wobei es für letzteres keine Garantie gibt, denn eine nochmalige Rückmeldung auf eine Antwort gibt es nicht.

Man sollte annehmen, dass dieses Konzept auch ‚Trollen‘ Tür und Tor öffnen würde, mit Antworten, die bewusst nicht freundlich, sondern im Gegenteil verletzend gemeint sind. Aber offenbar hält sich die Anzahl entsprechend gemeldeter Beiträge bisher in Grenzen. Doch dies führt zu einer Kritik, die zu Kind Words mitunter geäußert wird: dass das Leben nicht nur aus Freundlichkeit bestehe bzw. dass lediglich freundliche Antworten nicht immer das sind, was eine Person in einer Problemsituation wirklich braucht. Und dass dies insbesondere jüngere Spieler*innen unter Umständen ein falsches Bild vom Menschen vermitteln würde.

Und so ist Kind Words am ehesten als anonymes, auf Kurzzeitkontakte ausgelegtes virtuelles Gruppenkuscheln zu beschreiben. Eine Sequenz aus Anfrage — Antwort mit der Anforderung, nur freundliche Aussagen enthalten zu dürfen, ist am Ende nicht mehr als der kurze, Smiley-geschönte, aber letztlich inhaltsleere und damit folgenlose Kontakt, den meine Kollegin, die Kommunikationswissenschaftlerin Uta Buttkewitz, in ihrem aktuellen Buch als fragwürdiges Merkmal unseres „Zeitalter[s] des Verschwindens“ (S. 71) beschreibt. Das kann für diejenigen, die auf ernstgemeinte verzweifelte Anfragen aufmunternde Antworten erhalten, zwar eine für den Moment positive Erfahrung sein — aber wie dann weiter? Eine Rückfrage, wie etwa eine Antwort gemeint war oder ob man etwas näher erklären kann, ist nicht möglich.

Gerade dies kann auch für die Antwortenden auf Dauer anstrengend sein. Man arbeitet sich an den echten Problemen anderer Menschen ab, ohne einen Fortschritt zu sehen (das Spiel belohnt einen, wie erwähnt, lediglich mit virtuellen Stickern, die man sammeln kann). Auch darum hat Kind Words mit echten Spielen wenig zu tun. Eher ist es eine verklausulierte Form der Gamification — dem Einzug bestimmter spielerischer Elemente ins Arbeitsleben.

Die Medienwissenschaftlerin Marlen Hobrack beurteilt Kind Words in einer Rezension in der Wochenzeitung „der Freitag“ daher eher skeptisch: „Ehrlich gesagt, kann ich mir nicht vorstellen, nach Feierabend an meinem PC zu sitzen und andere Menschen psychologisch zu beraten […] So viel Verantwortung erzeugt einen Modus der Ernsthaftigkeit […] man muss schon einen größeren Helferkomplex haben, um dieses ‚Spiel‘ mit Gewinn zu spielen“ (der Freitag, 23.04.2020, S. 14).

(Titelbild: Steam-Shop)

Am anderen Ende der Hotline – Kafka lässt grüßen

Sicher hat sich jede*r schon mal über die berühmten Warteschleifen in Hotlines geärgert genauso wie über die Tatsache, dass man ständig neue Mitarbeiter*innen an der Strippe hat, denen man zum x-ten Mal sein Anliegen vorbeten muss – auch wenn es das so genannte Ticketsystem gibt und jede*r Mitarbeiter*in immer wieder Notizen zum jeweiligen Fall macht, so dass die*der nächste Mitarbeiter*in mit Hintergrundwissen den Fall bearbeiten kann.

Vor zwei Wochen war es dann wieder soweit: Die Corona-Krise war da, die ersten Videokonferenzen verliefen holprig – ich musste also endlich ein Upgrade meines Internetvertrages vornehmen lassen, damit ich im Home Office gut arbeitsfähig bin und auch aktiv an Videokonferenzen teilnehmen kann und nicht nur zugucken muss, wenn Gespräche nicht so verlaufen wie ich es möchte, mich aber nicht zu Wort melden kann, weil mich keiner hört. Ich hatte schon lange über ein Upgrade nachgedacht, es aber immer wieder verschoben – nicht zuletzt aus Angst vor Hotlines und den daraus resultierenden Schwierigkeiten. Leider kam es wie befürchtet, obwohl es am Anfang scheinbar ganz gut lief.

Ich rief also bei meinem Internetanbieter vor Ort an, der für ein großes Telekommunikationsunternehmen Servicedienstleister ist. Sofort konnte ich auch mit einem Mitarbeiter telefonisch sprechen, der mich auch bis jetzt noch gut und schnell berät. Aber er machte mich auf ein entscheidendes Detail nicht aufmerksam – nämlich, dass mein neuer Vertrag kein WLAN enthielt.

Das neue Modem kam dann also pünktlich innerhalb von zwei Tagen nach Vertragsabschluss – ich war erleichtert und dachte bei mir, jetzt easy das Modem anschließen und alles ist gut. Der Anschluss verlief auch problemlos; nur: ich hatte zwar Internet, aber kein WLAN. Mmh, an meinem nagelneuen Rechner konnte es nicht liegen – also den Technischen Service des Telekommunikationsunternehmens anrufen – es war Wochenende und der Service vor Ort nicht erreichbar.

Da es Wochenende war und kurz nach Beginn der Coronakrise – hing ich teilweise bis zu einer Stunde in der Warteschleife. Der erste Mitarbeiter sagte mir, dass der neue Vertrag erst ab 00:00 Uhr gilt. Also schlief ich beruhigt ein und wartete gespannt auf den nächsten Morgen: Kein WLAN weit und breit– also wieder die Hotline anrufen. Jetzt sagte mir der gleiche Mitarbeiter, dass er gerade sieht, dass in meinem Vertrag gar kein WLAN gebucht wurde. Ich war erstaunt, war ich doch wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass WLAN heutzutage immer inklusive ist, zumal ich auch vorher WLAN hatte – allerdings mit einem selbst gekauften Modem. Und mein neuer Rechner besitzt auch gar keinen LAN-Anschluss mehr. Und ich hatte auch keine Lust, mir einen teuren Adapter zu kaufen. Also was folgte? Richtig, ein erneuter Anruf bei der Hotline, diesmal beim Kundenservice. Der Mitarbeiter vom Technischen Service gab mir nämlich den Tipp, dort anzurufen und das Problem zu schildern, dass er übrigens selbst unmöglich fand – ich war also an einen kritischen Mitarbeiter geraten, immerhin. Die Mitarbeiter*innen dort würden mir das wahrscheinlich kostenlos dazubuchen – das Problem schien also öfter vorzukommen.

Ich rief also beim Kundenservice an und nach einer Stunde Wartezeit sagte mir dort eine Mitarbeiterin, dass sie jetzt bei meinem neuen Vertrag WLAN kostenlos dazugebucht hätte, obwohl sie das eigentlich nicht dürfe. Die neuen Verträge würden über Nacht freigeschaltet – spätestens am nächsten Vormittag hätte ich mein WLAN. Es wurde eine aufregende Nacht – am nächsten Morgen würde endlich alles gut sein, hoffte ich. Aber täglich grüßt das Murmeltier – wieder kein LED-Blinken am Modem. Sie können sich sicher vorstellen, was nun folgte… Ein netter Mitarbeiter vom Technischen Service sagte mir, dass er gerade sehe, dass das WLAN nicht dazugebucht wurde. Ich sagte, dass die andere Mitarbeiterin mir hundertprozentig gesagt hat, dass sie mein WLAN dazugebucht hätte. (Außerdem hatte ich in meiner Euphorie das Gespräch mit ihr super bewertet) Es half nichts, er wüsste auch nicht warum dies nicht passiert sei – er vom technischen Service könne das Problem jedoch leider nicht beheben, weil er mit dem Kundenservice nicht kommunizieren kann, was ihn selbst nerve. Danach hatte ich dann einen netten weiteren Mitarbeiter vom Kundenservice an der Hotline, der mir jetzt das WLAN noch einmal dazu buchte und mir versprach, dass es am nächsten Morgen definitiv so weit sei. Ich, mittlerweile schon zur Hotline-Expertin und zum Kontrollfreak geworden, rief clever wieder beim Technischen Service an und ließ mir dort bestätigen, dass diesmal das WLAN wirklich dazugebucht worden sei. Können Sie eigentlich noch folgen? Mir fiel es selbst schon schwer.

Zufrieden ging ich ins Bett und schlummerte ein. Am nächsten Tag schien wie immer die Sonne und es schien, ein perfekter Tag zu werden. Sie können sich sicher vorstellen, was passierte? Genau, gar nichts, nothing, zero – keine blinkende LED-Leuchte an der entscheidenden Stelle. Nahe dem Nervenzusammenbruch rief ich jetzt bei meinem Internetanbieter vor Ort an (das Wochenende war ja vorbei) und hatte sofort eine nette, verständnisvolle Mitarbeiterin am Apparat, bei der ich mich gleich geborgen und gut aufgehoben fühlte – ach wie schön – endlich jemand, die sich kümmert und keine anonyme, unwirkliche Hotline. Sie sagte mir, dass sie selbst eigentlich denkt, dass in meinem Vertrag das WLAN inklusive sei. Sie werde sich noch einmal mit einem Kollegen besprechen, der mich dann zurückruft. Parallel habe ich an meinen ersten Berater (sie erinnern sich) eine E-Mail geschrieben und mein Anliegen geschildert – ich wollte jetzt keinen Kommunikationsweg ungenutzt lassen – ich war wütend und selbstbewusst und mir verblieb nur noch ein Tag bis zur nächsten Videokonferenz.

Der erwartete Anruf von meinem lokalen Internetanbieter kam und ich erhielt die Antwort, dass die Zubuchung des WLANs im System hängengeblieben war. Ich hatte keine Kraft mehr, nach dem WARUM zu fragen und mich darüber aufzuregen, wie so etwas denn passieren könne. Mein Herz wurde leicht, als mir der nette Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung sagte, dass er es jetzt endlich geschafft hätte, das WLAN zu aktivieren. Auf einmal blinkte es an meinem Modem – erst noch ganz zaghaft und dann dauerhaft. Welch ein Glücksgefühl durchströmte mich in dieser Sekunde. Ich genoss diesen Moment. Vielleicht war der ganze Ärger mit der Hotline nur nötig, um mir mal wieder so einen richtigen Glücksmoment in der Krise zu verschaffen – DANKE HOTLINE!!!

Ich könnte jetzt diese Geschichte ausführlich weitererzählen und davon berichten, dass ich danach noch versucht habe, meinen WLAN-Kennwortschlüssel zu ändern, was nicht klappt, weil ich dieses über WLAN versuchte – dieses Wissen bekam ich aber erst nach zwei weiteren Hotline-Anrufen heraus. Schließlich rettete mich ein YouTube-Video vor einem weiteren Nervenzusammenbruch, weil mir die Mitarbeiterin der Hotline sagte, sie dürfe mir nicht sagen, wie mein Netzwerkschlüssel wieder vom PC erkannt würde – ich müsse dazu einen PC-Spezialisten befragen.

Am Ende war das Upgrade des Internets notwendig und sehr hilfreich (bin jetzt auch zufrieden), aber bei den Videokonferenzen verstand mich nach wie vor niemand. Schließlich fehlte die Installation eines Audiotreibers bei meinem neuen Rechner, was ich eines Abends zufällig entdeckte.

Dieses ganze Vorkommnis dauerte insgesamt eine Woche – ich war völlig erschöpft. Jetzt, zwei Wochen später, kann ich endlich ohne zu viele Emotionen darüber schreiben.

Wer wissen möchte, warum es gerade im digitalen Zeitalter so schwierig ist, den richtigen Kommunikationsweg zu finden und warum neben standardisierten Kommunikationscodes das „Zwischenmenschliche“ genauso wichtig ist, dem empfehle ich mein Buch „Smiley. Herzchen. Hashtag. Zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter von Facebook, WhatsApp, Instagram @ Co.“, das seit gestern auch als Taschenbuch erhältlich ist.

Smiley. Herzchen. Hashtag. Zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter von Facebook, WhatsApp, Instagram & Co.“ von Uta Buttkewitz ist jetzt bei Springer Fachmedien erschienen. Das Buch ist der erste Band der Buchreihe „Über/Strom: Wegweiser durchs digitale Zeitalter“.

(Titelbild Blogeintrag: Helmuth Pandora / pixabay.com)

"Smiley. Herzchen. Hashtag." Digitale zwischenmenschliche Kommunikation

„Haben Sie sich schon einmal darüber Gedanken gemacht, was passiert, wenn Sie Ihr Smartphone und Ihren Computer ausschalten? In welcher Welt leben Sie dann? Ist die Welt eine andere geworden? Vermissen Sie etwas? Was vermissen Sie?“ Dies ist nur eine der Fragen, die die Kommunikationswissenschaftlerin Uta Buttkewitz in ihrem neuen Buch „Smiley. Herzchen. Hashtag. Zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter von Facebook, WhatsApp, Instagram @ Co.“ stellt.

Der Autorin geht es nicht darum, internetbasierte Kommunikation einfach nur als gut oder schlecht zu bewerten (gerade zurzeit, wo wir alle durch die Corona-Krise aus der Bahn geworfen sind, sind wohl alle ganz froh, dass wir zumindest über das Internet miteinander verbunden bleiben). Uta Buttkewitz möchte vor allem „den Wandel der Kommunikation im digitalen Zeitalter beschreiben und zeigen, dass sich dieser Wandel nicht isoliert vollzieht, sondern dass sich dadurch die Beziehungen zu unseren Mitmenschen verändern und auch die Entwicklung anderer gesellschaftlicher Bereiche davon nicht unberührt bleibt.“

In Form eines medientheoretischen Essays (in dem auch kurz ein Überblick über die Mediengeschichte gegeben wird) reflektiert Buttkewitz über die Doppelseitigkeit digitaler Kommunikation. Im ‚Kleinen‘ betrifft das etwa die Feststellung, dass das Telefon trotz aller neuen Technologien nicht verschwindet, wir aber trotzdem oft das Gefühl haben ‚zu stören‘, wenn wir spontan anrufen anstatt jemanden nur schriftlich zu kontaktieren. Im ‚Großen‘ geht es um den Eindruck, dass uns mit digitaler Kommunikation ein unendlicher Raum an Möglichkeiten offenliegt, dem aber die Endlichkeit unseres Lebens gegenübersteht. Eine Lösung für diese und weitere Konfliktfelder sieht die Autorin in der Zurückgewinnung einer gewissen „Lässigkeit“ im Umgang mit den Medien und unserem Leben, in der wir uns nicht der Aufmerksamkeitsökonomie vieler sozialer Medien unterwerfen, sondern auch gut damit zurechtkommen, einmal nichts zu posten.


Smiley. Herzchen. Hashtag. Zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter von Facebook, WhatsApp, Instagram & Co.“ von Uta Buttkewitz ist jetzt bei Springer Fachmedien erschienen. Bei Amazon gibt es bereits die Kindle-Version; das gedruckte Buch ist voraussichtlich ab 21.04.2020 lieferbar. Das Buch ist der erste Band der Buchreihe „Über/Strom: Wegweiser durchs digitale Zeitalter“.

(Titelbild Blogeintrag: Tanja-Denise Schantz / pixabay.com)

„Smiley. Herzchen. Hashtag.“ Digitale zwischenmenschliche Kommunikation

„Haben Sie sich schon einmal darüber Gedanken gemacht, was passiert, wenn Sie Ihr Smartphone und Ihren Computer ausschalten? In welcher Welt leben Sie dann? Ist die Welt eine andere geworden? Vermissen Sie etwas? Was vermissen Sie?“ Dies ist nur eine der Fragen, die die Kommunikationswissenschaftlerin Uta Buttkewitz in ihrem neuen Buch „Smiley. Herzchen. Hashtag. Zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter von Facebook, WhatsApp, Instagram @ Co.“ stellt.

Der Autorin geht es nicht darum, internetbasierte Kommunikation einfach nur als gut oder schlecht zu bewerten (gerade zurzeit, wo wir alle durch die Corona-Krise aus der Bahn geworfen sind, sind wohl alle ganz froh, dass wir zumindest über das Internet miteinander verbunden bleiben). Uta Buttkewitz möchte vor allem „den Wandel der Kommunikation im digitalen Zeitalter beschreiben und zeigen, dass sich dieser Wandel nicht isoliert vollzieht, sondern dass sich dadurch die Beziehungen zu unseren Mitmenschen verändern und auch die Entwicklung anderer gesellschaftlicher Bereiche davon nicht unberührt bleibt.“

In Form eines medientheoretischen Essays (in dem auch kurz ein Überblick über die Mediengeschichte gegeben wird) reflektiert Buttkewitz über die Doppelseitigkeit digitaler Kommunikation. Im ‚Kleinen‘ betrifft das etwa die Feststellung, dass das Telefon trotz aller neuen Technologien nicht verschwindet, wir aber trotzdem oft das Gefühl haben ‚zu stören‘, wenn wir spontan anrufen anstatt jemanden nur schriftlich zu kontaktieren. Im ‚Großen‘ geht es um den Eindruck, dass uns mit digitaler Kommunikation ein unendlicher Raum an Möglichkeiten offenliegt, dem aber die Endlichkeit unseres Lebens gegenübersteht. Eine Lösung für diese und weitere Konfliktfelder sieht die Autorin in der Zurückgewinnung einer gewissen „Lässigkeit“ im Umgang mit den Medien und unserem Leben, in der wir uns nicht der Aufmerksamkeitsökonomie vieler sozialer Medien unterwerfen, sondern auch gut damit zurechtkommen, einmal nichts zu posten.


Smiley. Herzchen. Hashtag. Zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter von Facebook, WhatsApp, Instagram & Co.“ von Uta Buttkewitz ist jetzt bei Springer Fachmedien erschienen. Bei Amazon gibt es bereits die Kindle-Version; das gedruckte Buch ist voraussichtlich ab 21.04.2020 lieferbar. Das Buch ist der erste Band der Buchreihe „Über/Strom: Wegweiser durchs digitale Zeitalter“.

(Titelbild Blogeintrag: Tanja-Denise Schantz / pixabay.com)